Archiv der Kategorie: Biertest

Genys Tattoo Lager

Genys Brewing, beheimatet im litauischen Kauna, beschreibt sein Tattoo Lager wie folgt: „Tattoo Lager ist ein leicht zu trinkendes, sprudelndes Gefühl, das perfekt ist, um zu jeder Tageszeit mit so ziemlich jeder Art von Essen zu trinken. Nun, jederzeit nach Mittag.“ Nun ja, ein Lager ist wirklich ein Bier, das sich (fast) jedem Essen anzupassen weiß. Dafür muss es aber auch tadellos gebraut sein, denn auch wenn dieser Bierstil auf den ersten Blick kein allzu eindrucksvolles eigenes Profil aufzuweisen hat, verzeiht er doch keine Braufehler, so dass der Konsument jeden Patzer des Brauers gnadenlos präsentiert bekommt. Mal sehen, wie die Balten ihr Lager hinbekommen haben.

Golden und mit einer leichten Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Bei der Optik hat die Brauerei schon mal keine Fehler gemacht.

Das Malz steht im Mittelpunkt des Aromas. Dabei wird es durch einige blumige und fruchtige Noten unterstützt, wie auch durch einen Hauch Kräuteraroma. Das lässt wirklich die Spannung steigen, wie sich denn wohl der erste Schluck so machen wird.

Der Antrunk ist frisch mit leichter Süße, was das Bier von Anfang an angenehm zu trinken macht. Auf der Zunge entwickelt sich die Süße noch weiter, dabei bleiben die Bitterstoffe deutlich im Hintergrund, so dass das Tattoo Lager wirklich mild ist, dabei leicht und trotzdem vollmundig. Leichte würzige und blumige Aromen unterstützen die Vollmundigkeit noch. Auch der Abgang ist sehr mild mit wenig Bitterstoffen und minimaler Säure, so dass der Geschmack auch nur kurz nachklingt.

Das Tattoo Lager ist wirklich ein Allround-Bier, ohne Ecken und Kanten, das sich nahezu jeder Speise anpasst. Dabei ist die Drinkability ungeheuer.

Zutaten:

Wasser, Malz (Pilsener), Hopfen (Saaz)

Alkoholgehalt:

4,0 % Vol.

Bittereinheiten:

15 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Genys Brewing, UAB
Juozapavičiaus av. 7H
45251 Kaunas
Litauen
www.genysbrewing.lt

Trockene Geschmacksrichtungen ähnlich wie Zitronensorbet treffen auf eine grasige Bitterkeit und hinterlassen einen Nachgeschmack von zarten und süßen Gewürzen.

Hövels Original

Nun steht mal wieder ein Bier aus dem Ruhrpott vor mir, genauer gesagt aus Dortmund, das Hövels Original. Galt Dortmund einst als Welthauptstadt des Bieres, so ist heute nicht mehr viel davon übriggeblieben. Hövels gehört zu den wenigen Brauereien in Dortmund, die das Brauereisterben überlebt haben und bis heute noch ihre Produkte auf den Markt bringen.

Die Flasche von Hövels Original sorgt schon dafür, dass sie im Regal auffällt. Dafür sorgt nicht nur das zurückhaltende und trotzdem auffällige Etikett, sondern auch die Bügelverschlussflasche aus Grünglas. Auf dem Rückenetikett hat die Brauerei in Prosa gemacht und steigert damit meine Erwartungen an das Bier: „Hövels Original verführt die Sinne. Eine einzigartige Komposition aus vier verschiedenen Edelmalzen und das überlieferte Maischverfahren von 1893 lassen ein Bier entstehen, das seinesgleichen sucht – rotgolden und charaktervoll im Geschmack.“ Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob das Bier meine jetzt doch recht hochgeschraubten Erwartungen erfüllen kann.

Kupferfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine sehr große und feste elfenbeinfarbene Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist recht intensiv und dabei eindeutig vom Malz dominiert. Ich rieche Karamell, leichte Röstaromen, auch holzige Düfte steigen mir in die Nase.

Der Eindruck beim ersten Kontakt mit der Zunge ist relativ süß, was aber zur reichlich dosierten sehr feinperligen Kohlensäure passt. Auf der Zunge entwickelt sich ein leichtes Bitter, das von einer diskreten fruchtigen Säure begleitet wird. Das Mundgefühl ist weich, was durch die Dominanz des Malzes sowie die vorhandenen Hefen unterstützt wird. Im Abgang kommt ein leichtes freundliches Bitter zum Vorschein, das recht lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Hövels Hausbrauerei GmbH
Steigerstr. 20
44145 Dortmund
www.hoevels-original.de

Abbaye de Vauclair – Imperiale

Sie sieht ja schon edel aus, die Flasche des Abbaye de Vauclair Imperial. Schwarz lackiert, schwarzes Etikett mit größtenteils goldfarbenem Druck und dann noch mit einem Champagnerkorken verschlossen. Wenn das Bier so edel ist wie die Flasche, dann erwartet mich heute ein besonderes Erlebnis. In Belgien findet sich in einer edlen Flasche auch (fast) immer ein edles Bier. Aber das Abbaye de Vauclair kommt nicht aus Belgien, sondern aus Frankreich. Genauer gesagt stammt es aus Saint-Omer, unweit von Calais gelegen. Anders die namensgebende Abtei Vauclair, die sich nach einer Internetrecherche in der Nähe von Reims befindet, etwa 200 Kilometer von Saint-Omer entfernt. In Deutschland hätte die Brauerei dafür mir Sicherheit bereits eine Abmahnung erhalten, ich erinnere mich an einige Fälle, in denen deutschen Brauereien die Namensgebung ihres Bieres untersagt wurde, nur weil sie einen geografischen Begriff gewählt hatten, der einige Kilometer vom Firmensitz entfernt lag. Die deutschen Unternehmen und auch die deutsche Rechtsprechung sollten meiner Meinung nach da wirklich etwas lockerer werden. Aber kommen wir zu dem Starkbier in der Flasche, die jetzt vor mir steht.

Rotgolden und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine durchschnittliche Menge sahniger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Der Duft nach Karamell mit einigen fruchtigen Noten wird durch einen leichten metallischen Unterton gestört. Außerdem kommt der Geruch des Alkohols deutlich durch, was bei einem Alkoholgehalt von 7,5 Volumenprozent nicht unbedingt sein muss. Bislang kann mich das Bier nicht wirklich zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Der Antrunk ist weniger süß als von mir erwartet. Obwohl das Bier relativ wenig Kohlensäure macht es einen wirklich frischen Eindruck. Damit überrascht mich das Bier zum ersten Mal. Richtig entwickeln kann sich das Bier aber erst auf der Zunge, wo es sich weich, vollmundig und rund präsentiert. Zur Süße des Malzes gesellt sich der Geschmack von Kräutern und einem Hauch Harz. Der Abgang ist mild mit einem leichten Bitter und minimaler Fruchtigkeit. Trotzdem klingt das Bier lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glukosesirup, Hafer, Weizen, Roggen, Hopfen, Orangenschalen

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie de Saint-Omer
35 Boulevard de Strasbourg
62504 Saint-Omer
Frankreich
www.brasserie-goudale.com/

Veldensteiner Rotbier

Ich muss schon sagen, dass die Brauerei bei der Werbung für ihr Rotbier den Mund ganz schön voll nimmt: „Nürnberg und sein Umland galten bereits im frühen Mittelalter als Hochburg der Rotbiere. Diese Tradition wird mit dem Veldensteiner Rotbier gepflegt und fortgesetzt. Seit Generationen privat gebraut im Veldensteiner Land. Fränkische Spezialmalze, die bei höheren Temperaturen gedarrt wurden, sorgen für rötliche Farbreflexe und einen barocken, kernigen Körper sowie eine herausragende Vollmundigkeit.“. Andererseits macht diese Aussage keinen allzu weit hergeholten Eindruck, wenn ich mir ansehe, welche Auszeichnungen das Veldensteiner Rotbier erhalten hat: 2017 erhielt das Bier die Goldmedaille beim European Beer Star, 2018 wurde es mit dem World Beer Award ausgezeichnet und 2019 gab es Silber bei Meininger International Craft Beer Awards. Na, dann kann bei dieser Verkostung wohl kaum etwas schiefgehen.

Rubinrot und gefiltert läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große beige gemischtporige Schaumkrone.

Das Bier duftet nach Karamell mit einem Hauch dunkler Schokolade. Ja, so stelle ich mir ein Rotbier aus Franken vor.

Der Antrunk ist durch eine leichte Karamellsüße geprägt. Dazu kommen einige herbe Noten, wobei die verwendeten Malze eindeutig überwiegen. Zusammen sorgen die Geschmäcker für ein weiches volles Mundgefühl. Im Abgang kommt erstmals auch ein leichtes Bitter zum Vorschein. Trotz der zurückhaltenden Bitterstoffe klingt das Bier überraschend lange nach.

Dieses Rotbier ist der perfekte Begleiter zu einem deftigen fränkischen Mahl.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Brauerei:

Kaiser Bräu GmbH & Co. KG
Oberer Markt 1
91284 Neuhaus
www.veldensteiner.de

Mühlen Kölsch

Vermutlich ist kein anderer Bierstil so penibel definiert wie das Kölsch. Dass es unbedingt in Köln gebraut werden muss ist hinlänglich bekannt. Aber die Brauer in Köln müssen noch eine ganze Reihe weiterer Vorschriften beachten, wenn sie ihr Bier Kölsch nennen wollen. Immerhin 2255 Worte ist die Kölsch-Konvention lang, die der Kölner Brauerei-Verband e.V. beschlossen hat und die am 31. Mai 1985 vom Bundeskartellamt genehmigt wurde. Sie sehen, Kölsch ist wie Karneval – eine bitterernste Sache. Aber jetzt wollen wir uns einmal mit dem Kölsch befassen, das sich in der Flasche befindet, die jetzt vor mir steht.

Die Brauerei, aus der das Mühlen Kölsch stammt, wurde bereits im Jahr 1858 durch den Bierbrauer Hubert Koch am Heumarkt gegründet, damals wie heute im Zentrum von Köln. Na ja, nach so langer Zeit dürften die Brauer die Herstellung von Kölsch wohl aus dem ff beherrschen.

Weizengelb mit einer überdurchschnittlich voluminösen und festen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Bereits beim Einschenken steigen mir die Hopfenaromen in die Nase.

Das Bier duftet nach Biskuitteig, unterstützt durch einige blumige Noten sowie einem Hauch vom Duft gelber Früchte. Das macht durchaus Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist nur wenig süß und durch die feinperlige Kohlensäure wirklich frisch. Auf der Zunge wirkt es schlank und erfrischend mit überraschend wenigen Bitterstoffen. Aufgrund der recht kräftigen Hopfenaromen hätte ich wirklich mehr Bitter erwartet. Auch im Abgang bleiben die Bitterstoffe im Hintergrund und der Geschmack klingt nur kurz nach.

Insgesamt ist das Mühlen Kölsch ein erfrischendes und mit 4,8 Volumenprozent auch recht leichtes Bier, das unkompliziert daherkommt und ungeheuer süffig ist. Nichts zum bewusst genießen, aber als schnelles Bier für zwischendurch unschlagbar.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zur Malzmühle
Schwarz GmbH & Co. KG
Heumarkt 6
50667 Köln

Gusswerk Brotbier

Bier und Brot gehören in vielerlei Hinsicht zusammen:

  • Kulinarisch: eine bayrische Brotzeit ohne ein ordentliches Helles ist ja nun doch eine recht dröge Angelegenheit.
  • Im Volksmund: Wer kennt nicht Aussprüche wie „Bier ist flüssiges Brot“ oder ähnliches?
  • In der Welt der Mythologie und Märchen: vermutlich kennt jeder Rumpelstilzchen und den Spruch „Heute back‘ ich, morgen brau‘ ich…“

Da auch die wichtigsten Zutaten identisch sind – Getreide, Wasser, Hefe – scheint es nur logisch, aus zu viel gebackenem Brot ein Bier zu brauen. Diesen Weg sind in der letzten Zeit einige Brauereien gegangen und jetzt habe ich erstmals ein aus altem Brot gebrautes Bier vor mir stehen. Ich danke Sandra Trautmann, Assistentin der Geschäftsführung beim Brauhaus Gusswerk, für die Zusendung des Biers.

Auffällig ist bereits das Etikett. Der Schriftzug Brotbier ist von der Rückseite geprägt, so dass er nicht nur edel glänzt, sondern auch leicht hervorsteht. Ein so aufwändiges Design habe ich bislang bei noch keinem Bier erlebt.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist feinporig, durchschnittlich voluminös und bleibt lange erhalten.

Das Bier duftet nach Karamell und Brotkruste, unterstützt durch einige blumige Noten des Hopfens. Später kommt noch eine leichte saure Nuance dazu. Vermutlich wurde das Brot im Bier mit Sauerteig gebacken. Abgerundet wird der Duft durch einen Hauch Hefe.

Der Antrunk ist leicht süß und die sehr feinperlige Kohlensäure verleiht dem Bier eine angenehme Eleganz. Das Mundgefühl ist vollmundig und cremig, fast dickflüssig. Passend dazu ist der Geschmack sehr komplex. Das Malz steht im Vordergrund und bringt seine Noten nach Toast und Brotrinde ein. Dazu noch einige fruchtige Noten, die im Hintergrund bleiben und sich nicht aufdrängen. Ich meine, Birne und Aprikose zu schmecken. Dazu kommt die leichte Salznote, die das Brot mit sich bringt. Das alles passt gut zur feinen Rezenz. Der Abgang ist sehr gering bitter, aber er klingt trotzdem lange nach, wobei die Fruchtigkeit noch etwas stärker zum Vorschein kommt.

Auf jeden Fall ist das Brotbier ungewöhnlich, sowohl vom Geschmack her als auch von der Verwendung überzähliger Brote. Zu einer Speiseempfehlung zu diesem Bier kann ich mich nicht so richtig durchringen. Was passt dazu? Eventuell ein nicht zu süßes Dessert? Oder sollte da Brotbier einfach solo getrunken werden? Entscheiden Sie es selbst.

Erhältlich ist das Bier in Österreich bei Interspar. Die Interspar Backstube liefert auch das Brot für diese Brauspezialität.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Backwaren (16 %, enthalten Roggen, Weizen, Soja, Sesam), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12,8° Plato

Brauerei

Gusswerk GmbH
Römerstraße 3
5322 Hof bei Salzburg
Österreich
www.brauhaus-gusswerk.at

Schreckenskammer Kölsch

Wenn ein Bier einen so auffälligen Namen wie in diesem Fall „Schreckenskammer“ hat, bin ich etwas kritisch, denn in vielen Fällen ersetzt der reißerische Name die Qualität des Bieres. Ob das auch in diesem Fall so ist will ich jetzt feststellen.

Eine Internet-Recherche ergab, dass der Name Schreckenskammer in diesem Fall wohl historisch gewachsen ist und nicht der ausschweifenden Phantasie eines Braumeisters. Tatsächlich gibt es drei mögliche Erklärungen für den ungewöhnlichen Namen des Brauhauses gegenüber von St. Ursula in der Nähe des Kölner Doms. Ach ja, es ist auch eines der ältesten Brauhäuser in der größten Stadt von NRW. Die Braustätte wurde im Jahr 1442 erstmals urkundlich erwähnt. Aber kommen wir zu den möglichen Erklärungen für den Namen.

Auf der Website der Schreckenskammer wird als eine mögliche Quelle des Namens angegeben, dass sich gegenüber dem Haus Johannisstraße 42 früher die Eisenbahner-Lehranstalt der Fränkisch-Märkischen-Eisenbahn befand. Da diese Anstalt räumlich recht schlecht ausgestattet war, musste bei Prüfungen auf die Räumlichkeit des Brauhauses zurückgegriffen werden. Als wieder einmal eine Prüfung im Brauhaus abgehalten wurde und ein staatlicher Prüfer hinzu kam, fragte dieser, da ihm die Räumlichkeiten nicht bekannt waren: „Na, wo ist denn nun die Schreckenskammer?“ Aber es gibt noch eine Erklärung, wie das Brauhaus zu seinem Namen gekommen ist. Nach dieser Erklärung wurden die Gefangen, die im damaligen Gerichtsgebäude, in der Nähe des Rathauses, verurteilt wurden, auf dem Weg zu ihrer Richtstelle (Weckschnapp) in das Brauhaus zur Henkersmahlzeit geführt.

Eine dritte Erklärung geistert durchs Netz und schreibt den Namen der Nachbarschaft zu St. Ursula zu. Dort befindet sich quasi in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schankraum die Goldene Kammer, eine Reliquienkammer, deren vier Wände mit großen Mosaiken aus menschlichen Gebeinen verziert sind. Der Anblick lässt einen wahrlich gruseln.

Jetzt reicht es aber mit der Theorie und Historie und es ist an der Zeit, endlich das Bier zu öffnen.

Recht intensiv goldgelb strählt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die überdurchschnittlich große gemischtporige Schaumkrone bleibt recht lange erhalten.

Malzige Töne mischen sich in meiner Nase mit erdigen Noten und Kräuteraromen, unterstützt durch den Duft von Heu.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle fest, dass die Kohlensäure recht sparsam vorhanden ist. Das hätte ich mir aber bereits denken können, wenn ich vorher das Rückenetikett gelesen hätte, auf dem steht, dass das Schreckenskammer Kölsch ohne zugesetzte Kohlensäure abgefüllt wurde. Dafür ist der Geschmack für ein Kölsch recht kräftig, ohne dass die für diesen Bierstil typische Frische verlorengehen würde. Auch auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und ein leichtes Bitter gesellt sich dazu. Das führt zu einem halbwegs runden Mundgefühl. Der Abgang ist minimal bitter und er klingt recht kurz nach.

Das Schreckenskammer Kölsch passt jetzt im Sommer gut zu einem gemütlichen Grillabend.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Schreckenskammer KG
Postfach 102405
50464 Köln
www.schreckenskammer.com

Genys Trys Vienuoliai

Nun steht ein Tripel im belgischen Stil vor mir. Es stammt allerdings nicht aus Belgien, sondern aus Litauen. Der Bierstil war vermutlich auch Grundlage für den Namen dieses Biers, Trys Vienuoliai, oder auf Deutsch „Drei Mönche“. Schließlich kennt Belgien nicht nur Tim und Struppi, sondern es ist auch das Land der Trappistenbrauereien. Erstaunlich finde ich aber die Qualität vieler Biere aus dem Baltikum. Diese Gegend ist ja nun traditionell nicht für ihre kulinarischen Hochgenüsse bekannt. Trotzdem kommen gerade von dort in den letzten Jahren etliche Biere in vielen traditionellen Stilen, die sich mit den Erzeugnissen der Brauereien in den jeweiligen Ursprungsländern durchaus messen können. So auch mit den drei Mönchen, die ich jetzt verkosten und durchaus mit der Qualität der belgischen Trappistenbiere im Hinterkopf bewerten werde.

Kupferfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich dieses Tripel im Glas, gekrönt durch eine durchschnittliche Menge feinporigen beigen Schaum, der lange erhalten bleibt.

Aromen nach Karamell und Steinfrüchten steigen mir in die Nase und auch die 7,6 Volumenprozent Alkohol sind deutlich zu riechen, ohne dabei zu stören. Im Gegenteil – der Geruch des Alkohols passt sich gut in die fruchtigen und süßen Aromen ein.

Der Antrunk ist recht süß, dabei nicht aufdringlich, aber ordentlich. Die Kohlensäure ist leider nur unterdurchschnittlich dosiert. Trotzdem macht das Bier einen frischen Eindruck. Auch auf er Zunge dominiert der Geschmack nach Karamell, wobei jetzt ein leichtes Bitter dazukommt. Ergänzt werden diese beiden Geschmackseindrücke durch eine leichte Fruchtigkeit. Ich meine, Banane und Zitronenschale zu schmecken. Das Mundgefühl ist sirupartig voll und rund. Der Abgang ist mild mit einem leichten freundlichen Bitter, das sehr lange nachklingt.

Das Genys Trys Vienuoliai passt gut sowohl zu süßen Desserts als auch zu Hauptgerichten wie Sauerbraten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Wiener Malz, Caramellmalz hell), Weizenmalz, Hopfen (Styrian Goldings, Tettnanger), Kandiszucker, Hefe

Alkoholgehalt:

7,6 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Brauerei:

Genys Brewing, UAB
Juozapavičiaus av. 7H
45251 Kaunas
Litauen
www.genysbrewing.lt

Tegernseer Hell

Die heutige Brauerei geht zurück auf das Jahr 1675, denn dann bekam das Kloster die erste offizielle Braukonzession. So macht bereits das Rückenetikett der Flasche schon neugierig auf den Inhalt: „Eine über tausendjährige Brautradition, zurückgehend auf das Benediktinerkloster Tegernsee, gegründet 746, garantiert wahrhaften Biergenuss.“

Sonnengelb strahlt mir das gut gekühlte Bier entgegen. Darüber steht eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt. Rein von der Optik haben die Brauer schon mal nichts falsch gemacht.

Das Bier duftet nach Biskuit, unterstützt durch leichte Kräuternoten. Ja, die Brauerei hat in den Jahrhunderten ihres Bestehens offensichtlich gelernt, wie ein ordentliches Helles sein sollte.

Der Antrunk ist leicht süß, so wie ich es bei einem Hellen erwarte. Leider hat die Brauerei aber die Kohlensäure ziemlich knapp dosiert. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Auf der Zunge ist das Bier deutlich malzbetont und sehr zurückhaltend gehopft. Trotzdem ist das Bier schön vollmundig und süffig, so dass ich mich direkt nach Bayern zurückträumen kann. Kurz gesagt lässt sich das Bier als erfrischend beschreiben, besonders, weil jetzt auch eine diskrete Zitrusnote auftaucht. Erst im Abgang kommt ein leichtes Bitter zum Vorschein, das durchschnittlich lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Herzoglich Bayerisches Brauhaus Tegernsee
83684 Tegernsee
www.braustuberl.de

Biershop Bayern

The Crafty Brewing Company Irish Stout


Lidl hat vor einiger Zeit im Rahmen einer Sonderaktion einige Craftbiere angeboten. Aus dieser Aktion stammt auch das Irish Stout, das jetzt vor mir steht. Gebraut wurde es von der Rye River Brewing Company im irischen Celbridge. Ich vermute jetzt mal, dass dieses Stout speziell für die Aktion von Lidl gebraut wurde, denn auf der Website der Brauerei sind zwar mehr als zwanzig Biere aufgelistet, die die Brauerei anbietet, aber die Biere, die Lidl im Angebot hatte sind nicht dabei. Das muss aber nicht zwangsweise ein Nachteil sein.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große Krone aus gemischtporigem Schaum, die aber lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal 1a.

Wie erwartet bestimmen Röststoffe das Aroma des Bieres. Es duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt auch noch eine leichte Säure durch, die aber keinesfalls dominant wird.

Der Antrunk ist stiltypisch süß. Die Kohlensäure ist recht gering dosiert und ich würde mir da doch noch etwas mehr wünschen. Auf der Zunge dominieren die Röststoffe, ohne dass das Bier schwer wirkt. Im Gegenteil, es ist erstaunlich schlank. Dabei steht der Schokoladengeschmack im Vordergrund, während die Süße etwas nachlässt. Im Abgang erfreut zunächst der Geschmack der Röststoffe die Kehle. Dieser Geschmack lässt langsam nach und ein leichtes Bitter kommt mit einem langen Nachklang in den Vordergrund.

Zutaten:

Wasser, Gerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,25 % Vol.

Brauerei:

Rye River Brewing Company
Donaghcumper
Dublin Road
Celbridge
W23 AX07
Irland
www.ryeriverbrewingco.com