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Kehrwieder Prototyp

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Kreativbrauerei Kehrwieder von Oliver Wesseloh vor mir. Der Inhaber der kleinen Brauerei in Hamburg gehört zu den führenden Köpfen der deutschen Craft Beer-Szene. Das ist er auch zu Recht, denn die Biere, die ich bislang von ihm getrunken habe, haben mir wirklich gut geschmeckt. Selbst der einen Ausnahme, die ich nicht gar so prickelnd fand, muss ich einen besonderen Charakter bescheinigen. Nun bin ich mal gespannt, ob das auch für das Bier mit dem ungewöhnlichen Namen Prototyp zutrifft.

Der Name wird auch gleich auf dem Rückenetikett der Flasche erklärt: „Unser Hamburg Style Lager Prototyp war nicht nur unser erstes Bier, sondern das erste India Pale Lager (IPL) in Deutschland und ist inzwischen zum Prototyp für diesen Bierstil geworden. Es ist ein starkes, kalt gehopftes Lager, das sieben Wochen auf zwei Aromahopfen gelagert wird und dabei seinen einzigartigen Geschmack und seine fruchtige Aromatik entwickelt. Es verbindet die Leichtigkeit eines Lagers mit der Fruchtigkeit eines Pale Ale. Natürlich unfiltriert und unpasteurisiert.

Prototyp wird mit einem komplett in Handarbeit produziertem böhmischen Tennenmalz eingemaischt. Die Vorderwürze wird mit Northern Brewer gehopft und um das Aroma zu bewahren, wird erst nach dem Kochen deutsche Perle zugegeben. Am Ende der kalten Gärung mit Lagerhefe wird tschechischer Saazer und amerikanischer Simcoe in den Lagertank gegeben. Zum Brauen des Prototyp ist die Kreativbrauerei zu Gast bei verschiedenen anderen Brauereien, mal der Vormann Brauerei in Hagen, mal im Brauhaus Nittenau, und das nächste Mal vielleicht ganz in Ihrer Nähe.

So, nun ist es aber genug mit der Theorie. Kommen wir nun endlich zum Bier. Goldgelb mit einem leichten Rotstich und mit wenig Hefe präsentiert sich das Bier im Glas, darüber viel weißer feinporiger Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt. Es ist nur wenig Kohlensäure zu sehen.

Das Aroma erinnert an ein vergleichsweise mild gehopftes IPA, was aber kein Wunder ist, da Simcoe eine der Hopfensorten ist. Positiv fällt mir sofort auf, dass ich nicht nur den Hopfen rieche, sondern dass auch der das Malz noch zu seinem Recht kommt. Aber dominiert wird das Aroma von den Düften nach Südfrüchten, nach Mango, Orangen und auch nach Honig. So ein elegantes Aroma finden wir nicht allzu häufig. Ich bin schon vor dem ersten Schluck von diesem Bier begeistert.

Der Antrunk ist frisch, leicht und relativ süß. Auch während sich das Bier im Mund verteilt bleibt die Frische erhalten, auch während mehr und mehr das Bittere des Hopfens mit dem Geschmack von Kumquats in den Vordergrund tritt. Der Abgang ist wie bei einem IPA bitter und er klingt lange nach. Überraschend war für mich, dass sich der freundlich-bittere Geschmack nach dem Schlucken zunächst noch verstärkt.

Dieses Bier hat mich wirklich begeistert und für mich ist es das ideale Sommerbier.

Zutaten:

Wasser; Gerstenmalz (böhmisches Tennenmalz); Hopfen (Saazer, Simcoe, Northern Brewer, Perle); Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
21077 Hamburg
www.kreativbrauerei.de

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Endspiel

Endspiel ist der auf den ersten Blick etwas merkwürdig anmutende Name dieser Gemeinschaftsproduktion der Brauerei Lehe in Estland mit St. Erhard in Bamberg. Woher der Name stammt will mir noch nicht so richtig in den Kopf und ich weiß auch nicht, in welcher Form die Zusammenarbeit stattgefunden hat. Ich weiß nur, dass St. Erhard das Bier aus Estland importiert; ob eine weitere Zusammenarbeit stattgefunden hat, beispielsweise bei der Entwicklung des Rezepts, ist mir nicht bekannt. Auf meine Anfrage bei der Brauerei bekam ich nur die gleiche Prosa als Antwort, die auch auf dem Rückenetikett der Flasche abgedruckt ist:

„Auf dem karierten Schachfeld ist es übersichtlich geworden. Die letzten verbliebenen Schachfiguren bereiten sich auf den entscheidenden Kampf vor. Jede Figur spielt eine Rolle, jeder Gedanke ist wichtig und jede Bewegung ist entscheidend.

Dieser Barley Wine ist wie ein Endspiel am Schachbrett – je weniger unterschiedliche Malze und Hopfen es gibt, desto wichtiger ist die Rolle der einzelnen Malz- und Hopfensorten und die Art und Weise ihrer Zusammensetzung. Der frische, in Estland gewachsene Hopfen ist wie ein Bauer, der im Endspiel zur Dame geworden ist.“

Wirklich erhellend ist das ja nicht. Da ich hier nicht weiterkomme, wenden wir uns einfach dem Bier zu.

Tief rubinrot ist es im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge gemischtporiger hellbrauner Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch Sherrynoten bestimmt, unterstützt durch Trockenpflaumen und verschiedene andere Aromen, die ich aber unmöglich auseinanderhalten kann. Auffällig ist jetzt lediglich noch eine deutliche alkoholische Note, die aber keinesfalls störend ist. Im Gegenteil, das Bier wirkt wie ein guter Likör. Auf jeden Fall ist das Aroma sehr komplex und hätte ich hier noch mehr Flaschen, würde ich sicher an einem anderen Tag weitere Düfte entdecken, die mir aufgrund einer leichten Erkältung jetzt verborgen bleiben. Der Antrunk ist süß und offenbart eine milde und sehr feinperlige Kohlensäure, die perfekt zum Likörduft passt, der dem Bier entströmt. Wie erwartet ist der Körper sehr geschmacksintensiv, wobei eine angenehme Säure sich zusammen mit den Bitterstoffen an der Süße des Antrunks vorbeischiebt. Dazu kommen noch Röstaromen, die einen angenehmen leichten Kaffeegeschmack mitbringen. Vermittelte bereits das Aroma den Eindruck nach Likör, verfestigt sich dieser Eindruck jetzt noch weiter. Mich wundert diese Geschmackskomposition und kann mir kaum vorstellen, dass dieses Bier weniger als 10 % Vol. Alkohol enthält. Dann überrascht mich noch der Abgang, der wirklich mild ist. Aber der Körper klingt noch lange nach.

Dieses Bier hat mich wirklich überrascht. Liegt es an der Zusammenarbeit mit einer Brauerei im Baltikum? Wenn ich mal wieder ein Bier aus den baltischen Staaten im Regal sehe, werde ich es sicher mitnehmen und ebenfalls verkosten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Stammwürze:

25° Plato

Bittereinheiten:

52 IBU

Brauerei:

Lehe Pruulikoda OU
Paldiski mnt 21
Keila
Harjumaa
76606 Estonia
Estland
www.lehepruulikoda.ee

Importeur:

Bierothek GmbH
96052 Bamberg
www.bierothek.de

Braustüb’l Helles

Nun habe ich nach langer Zeit mal wieder ein Bier aus Hessen vor mir stehen. Das Braustüb’l Helles stammt aus Darmstadt, wo Sie auch die Brauereigaststätte besuchen und/oder die Brauerei in absoluter Bahnhofsnähe besichtigen können. Immerhin 13 Biere sowie ein Radler stellt die kleine Brauerei her und deshalb fand ich es im Nachhinein doch etwas traurig, dass ich in einem Supermarkt in Darmstadt nur das Helle sowie das Pils gefunden habe. Die anderen Biersorten, von denen mich einige mit Sicherheit gereizt hätten, waren aber leider durch die Fernsehbiere aus den Regalen verdrängt worden. Kommen wir jetzt aber zum Bier.

Golden und kristallklar präsentiert sich das Helle im Glas. Leider ist nur sehr wenig Kohlensäure zu sehen, was mich etwas enttäuscht. Trotzdem bildet sich recht viel sahniger weißer Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist deutlich hopfenbetont. Ich rieche vor allem die bitteren Noten und nur am Rande lugt ein fruchtiger Duft hervor. Er ist aber so schüchtern, dass ich ihn gar nicht näher einordnen kann.

Der Antrunk ist weitgehend neutral. Nur die Kohlensäure sorgt für eine gewisse Frische. Sobald sich das Bier im Mund verteilt, kommt die Wucht des Hopfens zum Tragen. Die Bitterstoffe überdecken jeden anderen Geschmack. Dieses Bier überrascht mich wirklich, da die Hellen meist eher mild sind. Auch der Abgang ist kräftig bitter, obwohl er nur mittellang nachklingt.

Liebhaber stark gehopfter Biere kommen beim Braustüb’l Helles sicher auf ihre Kosten. Ich hätte gerne noch weitere Biere aus dieser Brauerei verkostet, denn ich kann mir durchaus vorstellen, dass unter den mehr als ein Dutzend Bieren auch ein Bier ist, das mir wirklich gefällt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Bittereinheiten:

25

Brauerei:

Darmstädter Privatbrauerei GmbH
Goebelstraße 7
64293 Darmstadt
www.unser-braustuebl.de

Hell-Bräu Bayerisch Dunkel

Jetzt habe ich ein Bier aus dem oberbayrischen Altötting vor mir stehen. Dort hat seit 1890 die Brauerei Hell-Bräu ihren Sitz. Das Familienunternehmen, das viel Wert auf die Traditionen Bayerns legt, ist in jedem Jahr auf der in Altötting stattfindenden Hofdult mit einem Festzelt vertreten. Wie wichtig der Brauerei dieses Fest ist, zeigt sich auch darin, dass die Website ausschließlich dieses Fest bewirbt. Jetzt teste ich das Bayerisch Dunkel.

Cognacfarben steht das Bier im Glas. Für ein Dunkel ist es recht hell. Dazu kommt, dass sehr wenig Kohlensäure zu sehen ist. Daher bildet sich auch wenig weißer feinporiger Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz geprägt, das nach Karamell duftet. In der Nase macht das Bier einen recht guten Eindruck.

Der Antrunk ist süß und durch die wenige Kohlensäure wirkt das Bier etwas abgestanden. Schnell füllt sich der Mund mit Bitterstoffen, nicht übermäßig stark und auch nicht unangenehm, aber das Bier wirkt nicht wirklich ausgewogen. Der Abgang ist leicht bitter nur ich empfinde ihn als recht nichtssagend.

Ich glaube, dass ich das Bier beim nächsten Mal lieber im Regal stehen lasse, es entspricht absolut nicht meinem Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hell-Bräu
Herrenmühlstr. 15
84503 Altötting
www.hellbraeu.de

Hemelinger

Kürzlich war ich in Bremen und sah dort an jeder Straßenecke (und auch zwischen den Straßenecken) Werbung für ein Bier namens Hemelinger. Ein Bier, das nach einem Stadtteil von Bremen benannt ist und das in Bremen offensichtlich viel verkauft und vermutlich auch getrunken wird – das ist selbstverständlich ein Grund, ein solches Bier mitzunehmen und zu verkosten.

Beim Betrachten der Etiketten fiel mir auf, dass das Bier zwar nach einem Stadtteil von Bremen benannt ist und meines Wissens auch nur in Bremen verkauft wird, dass es aber aus Braunschweig kommt und dort exklusiv im Auftrag eines Getränkegroßhändlers aus Achim gebraut wird. Eigentlich handelt es sich also um ein niedersächsisches Bier, aber das allein ist bekanntlich nicht ehrenrührig.

Golden steht das Bier im Glas und es enthält eine gute Menge Kohlensäure, so dass sich viel feinporiger Schaum bildet, der auch lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier also überraschend gut.

Das Aroma ist durch Malz geprägt und der Duft des Hopfens lässt sich eventuell erahnen, keinesfalls aber wirklich feststellen. Schade. Nachdem die Optik mir sehr gut gefallen hat, sinkt das Bier in meiner Meinung jetzt deutlich ab. Der Antrunk ist recht süß, aber schnell breitet sich der bittere Geschmack des Hopfenextrakts im Mund aus. Das Bier macht jetzt keinen sonderlich ausgewogenen Eindruck mehr. Der Abgang ist dann eher wässrig und macht keine Freude.

Wenn ein Bier am Kiosk schon für deutlich unter einem Euro zu erwerben ist, kann ich als Konsument sicherlich nicht mit einem hochwertigen Bier rechnen. Aufgrund des Preises mag die Qualität des Hemelinger Spezial angemessen sein, aber wer wirklich genießen will, sollte sich doch lieber an ein anderes Bier halten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Brauerei:

Hofbrauhaus Wolters GmbH
38102 Braunschweig

Für

Getränke Ahlers GmbH
28832 Achim
www.hemelinger-bier.de

Erdinger Schneeweiße

Früher habe ich den Winter ja gemocht. Aber nachdem es mich vor etwa einem Vierteljahrhundert ins Ruhrgebiet verschlagen hat, habe ich keinen richtigen Winter mehr gesehen. In den Monaten, in denen es früher Winter war, so richtig mit Schnee und Eis unter blauem Himmel, gibt es heute nur noch ungemütliches Dreckwetter. Nur eines ist geblieben: Von November bis Februar gibt es die Winterbiere, die mit mehr Stammwürze und daher mit mehr Geschmack gebraut wurden. Obwohl es sich dabei meist um Bockbiere handelt, steht jetzt ein Winter-Weizenbier vor mir, die Schneeweiße von Erdinger.

Schon das Etikett mit einem Winterwald lässt von früheren Zeiten träumen und auch die Aussage „so schmeckt der Winter“ lässt hoffen. Mal sehen, ob meine Erwartungen auch erfüllt werden, die ich hier wohl etwas höher ansetzen kann als bei den meisten Fernsehbieren. Schließlich arbeitet die Brauerei in Erding nicht mit Hopfenextrakten.

Schön bernsteinfarben mit einem Goldstich und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommt reichlich Kohlensäure, die für eine wunderbare Schaumkrone sorgt.

Das Aroma ist durch das Malz geprägt, leichte Röstnoten bestimmen den Duft. Bereits jetzt merke ich, dass die Brauerei am Hopfen gespart hat. Der Antrunk ist relativ süß, dazu etwas Säure, die für eine gewisse Spritzigkeit sorgt. Der Körper ist intensiv, fruchtig und ausgewogen. Dazu vollmundig und süffig. Der Abgang besticht durch ein freundliches Bitter mit einem ellenlangen Nachklang.

Zusammen mit einem deftigen bayerischen Essen ist das Bier wirklich empfehlenswert.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

12,9° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
85435 Erding
www.erdinger.de

Schneider Weiße TAP7 Mein Original

Nun steht mal wieder ein Bier aus der Brauerei Schneider im mittelbayerischen Kelheim vor mir. Es handelt sich um das TAP7 Mein Original. Die Brauerei gibt an, dass es sich um die Urform des Weißbiers aus München handelt. Im Jahr 1871 war Georg I. Schneider der Pächter des Königlich Weißen Hofbräuhauses am Platzl in München, genau an der Stelle, an der sich heute das Hofbräuhaus befindet. Die Brauerei betont, dass das TAP7 Mein Original unverändert gebraut wird. Quasi handelt es sich also um ein Museumsstück im Bierregal. Dann wollen wir uns doch überzeugen, ob das Bier noch der heutigen Zeit entspricht oder ob eventuell früher alles besser war.

Rotgolden, hefetrüb und mit reichlich Kohlensäure zeigt sich das Bier im Glas, darüber die für Weizenbier typische Menge weißer cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist bestechend. Röststoffe, Hefe, Heu, Banane, Gewürze… So soll ein Weizenbier sein. Der Antrunk ist frisch. Schnell breitet sich eine leichte Säure im Mund aus zusammen mit Röststoffen und einem leichten Geschmack von Bitterschokolade. Der Abgang ist angenehm bitter und er klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,8 %

Brauerei:

Schneider Weiße
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Biershop Bayern

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Berliner Schwarze

Berliner Weiße ist ja allgemein bekannt. Jetzt ist neu die Berliner Schwarze auf dem Markt. Schwarzbiere gibt es ja, Stout ist auch bekannt… Dieses Craft Beer hält sich aber nicht an das deutsche Reinheitsgebot, sondern enthält neben Hopfen und Malz noch geringe Beigaben von Ginseng und Maca. Ich glaube zwar nicht, dass 1 % Ginseng und/oder 0,8 % Maca irgendeine pharmazeutische Wirkung haben (und selbst wenn das so sein sollte, würde ich Bier nicht unbedingt als Trägersubstanz dafür empfehlen), aber eventuell verbessern diese Zusätze ja den Geschmack.

Aber was sind Ginseng und Maca überhaupt? Ginseng ist der bekanntere Zusatz. Wikipedia schreibt der asiatischen Wurzel die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen Stress und Krankheiten zu. Auch der Maca-Knolle werden nach Wikipedia positive Effekte auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die psychische Belastbarkeit zugeschrieben.

Wie gesagt, ich vermute mal, dass die Dosis nicht für eine gesundheitliche Wirkung ausreicht, aber wenn ich so etwas in der Zutatenliste lese, dann werde ich doch neugierig. Kommen wir nun zum Biertest. Gebraut wird das Bier durch die Brauerei Landsberg in Sachsen-Anhalt für die Robin Green AG in Berlin. Von dort wird das Bier versandt, nicht nur an den Einzelhandel und die Gastronomie, sondern auch direkt an Endverbraucher. Aber kommen wir zum Bier.

Schwarz und blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger haselnussbrauner Schaum, der sich durchschnittlich schnell auflöst.

Das Aroma ist blumig, dazu ein Hauch Banane sowie einige Röststoffe. Auf jeden Fall sind die Röststoffe deutlich weniger dominant als ich aufgrund der Farbe erwartet hätte. Der Duft beweist bereits, dass die Mischung der Hopfen (Magnum, T’N’T) wirklich gelungen ist. Der Antrunk ist malzig und süß; durch die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure wirkt er aber angenehm frisch. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt und dabei auch etwas erwärmt drängen sich die Röststoffe in den Vordergrund, was aber zusammen mit der fruchtigen Säure zu einem guten runden Geschmack führt. Der Abgang ist freundlich bitter und der Geschmack klingt lange nach.

Wollen Sie die Berliner Schwarze auch einmal probieren? In Zusammenarbeit mit dem Hersteller können wir Ihnen eine Flasche des neuen Schwarzbiers als Kostprobe anbieten. Wie Sie an Ihre Probe kommen? Melden Sie sich einfach über das Kontaktformular und teilen Sie uns Ihren Namen und Ihre Mailadresse mit, damit Sie sich für die Probe anmelden können. Nur solange der Vorrat reicht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Gerstenmalzextrakt, Hopfen (Magnum, T’N’T), Hefe, Ginseng (1 %), Maca (0,8 %)

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Brauerei Landsberg
Bahnhofstr. 33
06188 Landsberg

Für

Robin Green AG
Schaperstr. 18
10719 Berlin
www.berliner-schwarze.de

Andechs Weißbier Dunkel

Nun steht mal wieder ein Bier vom Heiligen Berg in Andechs vor mir, das dunkle Weißbier. Dieses Bier, das seit 1997 gebraut wird, wird wie alle anderen Biere im Kloster Andechs mit regional erzeugtem Malz sowie mit Aromahopfen gebraut. Wie die meisten größeren Brauereien wird aber auch Hopfenextrakt zugegeben. Am Hopfenextrakt scheiden sich die Geister. Der Extrakt enthält keine ätherischen Öle mehr, die dem Aromahopfen seine Fruchtigkeit verleihen. Daher steht ein Bier, das mit Hopfenextrakt gebraut wurde, schnell im Verdacht, dass es sich um ein Billigbier handelt. Andererseits hat Slowfood den Präsidenten des Bayerischen Brauerbunds interviewt, der unwidersprochen ausgeführt hat, dass Hopfenextrakt für die erste Hopfung kein Problem darstellen würde, da die ätherischen Öle aus dem Hopfen, der bei der ersten Hopfung zugegeben wurde, beim Kochen verdampfen würden. Ich kann selbst nicht einschätzen, was denn nun stimmt, sondern ich muss mich auf die Aussagen der Experten verlassen und im Endeffekt kommt es mir auf das Endergebnis an. Damit kommen wir zum dunklen Weißbier aus Andechs.

In einem sehr dunklen Braun präsentiert sich das Bier im Glas. Es enthält etwas Hefe, durch die ich noch viel sehr aktive Kohlensäure sehe. Für ein Weizenbier bildet sich recht wenig beiger Schaum, der feinporig ist und lange erhalten bleibt. Optisch gefällt mir das Bier schon mal sehr gut.

Das Aroma ist durch die Röststoffe des Malzes zusammen mit einer leichten Schokoladennote geprägt. Da aber der lt. Brauerei verwendete Aromahopfen nicht zu riechen ist, bleibt das Aroma etwas eindimensional. Der Antrunk ist wie erwartet malzig, wird aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch und spritzig. Auf der Zunge entwickelt sich schnell der Geschmack von Bitterschokolade, so dass die Röststoffe einen recht schönen Körper bilden. Dazu kommt eine leichte Säure. Mir fällt auf, dass die Bitterstoffe nahezu vollständig fehlen, die den Geschmack gut abrunden würden. Sie kommen erst im Abgang leicht zum Vorschein. Dafür klingt der Geschmack in der Kehle noch etwas nach.

Insgesamt habe ich hier ein Bier für den Liebhaber milder Biere vor mir. Irgendwie fehlt mir etwas.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Klosterbrauerei Andechs
Bergstr. 2
82346 Andechs
www.andechs.de

Hell-Bräu Dult-Märzen

Eigentlich ist die oberbayerische Kreisstadt Altötting ja eher durch ihre Gnadenkapelle als Wallfahrtsort bekannt, weniger als Brauereistandort. Andererseits ist es ja auch wenig überraschend, wenn eine bekannte Gemeinde in Bayern auch eine Brauerei beherbergt.

Das Bier kommt in einer traditionellen Bügelflasche. Auf dem Etikett ist Altötting abgebildet, zusammen mit einem Dorffest, das in Bayern Dult genannt wird. Damit wäre auch schon der Name des Bieres erklärt. Nun will ich es aber testen.

In hellem Goldgelb mit wenig sichtbarer Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich recht wenig weißer gemischtporiger Schaum, der sich auch schnell auflöst.

Das Aroma ist malzig und süßlich. Der Hopfen hält sich diskret im Hintergrund. Eventuell kann ich einen leichten grasigen Duft feststellen, der ist aber so diskret, dass ich mir nicht sicher bin. Auch wenn beim Dult-Märzen kein Hopfenextrakt verbraut wurde, hat die Brauerei beim Hopfen wohl etwas zu sehr gespart.

Dementsprechend süß ist auch der Antrunk. Immerhin stelle ich jetzt fest, dass das Bier doch mehr Kohlensäure enthält als ich gesehen habe. Dadurch erhält das Bier eine angenehme Frische. Auch wenn die Brauerei am Hopfen gespart hat, ist der Körper voll, intensiv und vollmundig. Trotzdem fehlen mir die Bitterstoffe. Dabei wird doch gerade beim Märzen traditionell eher etwas mehr Hopfen verwendet. Jetzt fällt mir auch auf, dass in der Zutatenliste der Hopfen noch vor dem Malz steht, eine Besonderheit, die ich nicht erwartet hätte. Da die Zutaten absteigend in der Reihenfolge der Menge angegeben werden, müsste der Hopfen eigentlich die zentrale geschmackgebende Zutat sein. Wie zu erwarten ist auch der Abgang sehr mild, er klingt aber einige Zeit nach.

Trotz aller Kritik, die ich an diesem Bier habe, ist es süffig und wirklich nicht schlecht. Für Liebhaber sehr milder Biere ist es sicher genau richtig. Insbesondere gefällt mir, dass die immerhin 5,8 % Alkohol kaum durchschmecken, was nicht selbstverständlich ist.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Gerstenmalz

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Brauerei:

Hell-Bräu
Herrenmühlstr. 15
84503 Altötting
www.hellbraeu.de