Nun steht mal wieder ein Fruchtbier aus Belgien vor mir, das Liefmans Fruitesse. Aber das ist noch nicht die Besonderheit dieses Bieres, sondern dies ist das erste Bier, bei dem die Brauerei empfiehlt, es mit Eiswürfeln zu kühlen. Auf dem Rückenetikett wird die Verwendung von sechs Eiswürfeln empfohlen. Das ist schon recht happig. Aber gut. Gerade Fruchtbiere sollten durchaus etwas stärker gekühlt werden, besonders, wenn sie im Sommer getrunken werden.
Auch wenn der Hinweis auf einen Genuss mit Eiswürfeln für eine Brauerei ungewöhnlich ist, gehört Liefmans nicht zu den jungen Wilden, die versuchen, die Entwicklung der Biere weiterzubringen, indem alte Regeln durchbrochen werden. Im Gegenteil, die Geschichte der malerisch am Ufer der Schelde gelegenen Brauerei reicht bis ins Jahr 1679 zurück. Dabei kamen immer wieder neue Ideen zum Vorschein, die auch von anderen Brauereien übernommen wurden. So soll es Madame Liefmans gewesen sein, die erstmals auf die Idee kam, das Bier nicht nur in Flaschen abzufüllen, auf die anschließend Etiketten geklebt wurden, sondern die Flaschen mit Seidenpapier zu umwickeln, eine Idee, die vor gar nicht so langer Zeit von der Insel-Brauerei auf Rügen übernommen wurde. Ist die Empfehlung, das Bier mit Eiswürfeln zu trinken, vielleicht die nächste nachhaltige Idee aus Oudenaarde? Wir werden es sehen und wenden uns jetzt erst einmal dem Bier zu.
Intensiv fruchtig rot zeigt sich das Bier im Glas. Die Farbe erinnert an den Saft roter Johannisbeeren. Darüber bildet sich viel Schaum, der in diesem Fall rosa und feinporig ist und nur langsam in sich zusammenfällt. Die Optik ist also schon mal richtig gut. Na ja, bei einem Fruchtanteil von 15 % können wir ja auch etwas erwarten.
Das Aroma wird durch die enthaltenen Himbeeren bestimmt. Himbeere sorgt auf jeden Fall für eine ordentliche Fruchtigkeit. Dazu kommen Kirscharomen und eine gewisse Herbe von Holunder. Der Duft von Holunderbeeren passt gut zu dem Aroma des Hopfens.
Der Antrunk ist deutlich weniger süß als ich es bei den kräftigen Fruchtaromen erwartet habe. Zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure ergibt sich eine wunderbare Fruchtigkeit und Frischheit. Die Früchte dominieren auch den Geschmack auf der Zunge. Das Bier wirkt fast wie Fruchtsaft, käme da nicht noch das Herbe des Hopfens dazu. Der Abgang ist mild und ohne langen Nachklang. Dieses Bier ist hervorragend als Abschluss eines heißen Sommertages geeignet, aber auch als eine Möglichkeit, die Geschmäcker des Sommers in den Winter herüberzuretten.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, 15 % Früchte (Kirschen, Himbeeren, Holunder, Erdbeeren), Fructose, Aroma, Hopfen, Süßstoff (Acesulfame-K)
Alkoholgehalt:
3,8 % Vol.
Bittereinheiten:
7 IBU
Brauerei:
Brouwerij Liefmans
Aalsstraat 200
9700 Oudenaarde
Belgien
www.liefmans.be
Jetzt steht ein Bier vor mir, das sich rühmt, das originale Weihnachtsbier zu sein. Es handelt sich um das Gordon Xmas. Das Bier stammt von Anthony Martins, einer englisch-belgischen Brauereigruppe, zu der Timmermans, Bourgogne des Flandres und die Waterloo Brewery gehören. Aus welcher Brauerei das Bier genau stammt verrät Martins nicht, sondern auf dem Rückenetikett ist lediglich der Hinweis „Brewed in Benelux“ vermerkt. Aber das ist auch nicht entscheidend, sondern es kommt auf die Qualität des Biers an.
Weihnachtsbiere sind meist dunkle Biere mit einem hohen Alkoholgehalt und intensivem Geschmack. Manchmal frage ich mich aber auch, was diese Biere mit Weihnachten zu tun haben. Meist handelt es sich um etwas kräftigeres Bockbier. Jetzt habe ich das St. Bernardus Chrismas Ale vor mir stehen, ein Abteibier aus Belgien.
Weihnachtsbiere sind meist dunkle Biere mit einem hohen Alkoholgehalt und intensivem Geschmack. Manchmal frage ich mich aber auch, was diese Biere mit Weihnachten zu tun haben. Meist handelt es sich um etwas kräftigeres Bockbier. Bei diesem Bier ist es anders. Das liegt nicht nur am stimmungsvollen Etikett, sondern ganz besonders am Inhalt der Flasche.
Jetzt steht mal wieder ein Abteibier aus Belgien vor mir. Im Gegensatz zu den Trappistenbieren werden die Abteibiere nicht im Kloster gebraut, sondern in einer externen Brauerei nach Rezepten aus dem Kloster. Dabei bleibt das Rezept im Besitz des Klosters und die Brauerei erhält lediglich die Lizenz, das Bier nach diesem Rezept zu brauen. In diesem Fall handelt es sich um ein obergäriges Bier im klassischen Tripel-Stil, das seit 1992 in der Brauerei Brouwerij Sint-Bernardus in Watou in Flandern gebraut. Das Gütesiegel Belgian Hops weist darauf hin, dass der Hopfen in diesem Bier überwiegend Hopfen aus Belgien verwendet wurde. Der Hopfen in diesem Bier stammt aus der Anbauregion Poperinge im Westen von Flandern.
Nun steht mal wieder ein Trappistenbier aus Belgien vor mir, das Trappistes Rochefort 8. Die Trappistenbiere werden in sechs belgischen Klöstern im Kloster von den Mönchen gebraut. Im Fall der Abtei Notre-Dame de Saint-Rémy, aus der das Rochefort stammt, ist das seit 1595 der Fall. Das Rochefort 8 wird aber erst seit 1955 gebraut. Bei dieser Brauerei handelt sich um die kleinste der Trappisten-Brauereien.
Nun habe ich ein Bier aus der Brasserie Dupont vor mir stehen, ein Starkbier namens La Bière de Beloeil. So weit, so gut. Bis hierhin ist es nichts, was es aus der Masse der belgischen Biere heraushebt. Aber dieses Bier hat doch eine Besonderheit, die es einmalig macht. Das beginnt bereits mit dem Namen. Das Schloss Beloeil ist eines der prächtigsten Schlosser Belgiens und dort wird auch dieses Bier verkauft. Auch wenn Schloss und Schlossgarten wirklich beeindruckend sind, scheint dem Haus Ligne, dem das Schloss seit dem 14. Jahrhundert gehört, das Geld für eine vollständige Erhaltung und Renovierung zu fehlen. An vielen Stellen bröckelt die Schönheit und es wäre sicher schade, wenn dieses wunderbare Anwesen verfallen würde. Wenn Sie in der Wallonie sind, sollten Sie sich dies Perle belgischer Architektur und Gartenbaukunst unbedingt ansehen. Die Besitzer können den Eintritt mit Sicherheit gut gebrauchen.
Die kleine Brasserie Caracole aus Falmignoul, einem Vorort von Dinant, stellt erstaunlich viele Biere her. So auch das Saxo, ein Belgian Strong Pale Ale, das dem in Dinant gebürtigen Adolphe Sax gewidmet ist. So ganz nebenbei bemerkt: wenn Sie sich einmal in der Wallonie aufhalten, sollten Sie an Dinant nicht vorbeifahren. Diese Kleinstadt am Ufer der Maas ist zumindest einen kurzen Besuch wert. Dabei sollten Sie sich nicht nur die Zitadelle ansehen, die unübersehbar über dem Maasufer angelegt ist, sondern Sie sollten sich auch einmal die Innenstadt ansehen. Das Saxophon ist überall prominent in der Stadt vertreten. Die Maasbrücke ist mit Kunstobjekten in Form verschiedener Saxophone geschmückt, im Geburtshaus von Adolphe Sax ist ihm zu Ehren ein Museum eingerichtet… Wenigstens einen Tag sollten Sie für die Erkundung von Dinant unbedingt einplanen. In der Pause empfehlen sich auch unbedingt die vielen Konditoreien. Aber kommen wir nun zum Saxo.
Wieder steht ein Bier aus der Forestinne-Reihe aus der Brasserie Caracole vor mir, diesmal das Mysteria, ein helles Bier. Diesmal ist die kleine Waldelfe mit dem neckischen Augenaufschlag sogar dreimal auf dem Etikett abgedruckt.
Weshalb die Brauerei, die in einem Vorort von Dinant beheimatet ist, ihr Bier nach dem Anfang des 16. Jahrhunderts verstorbenen Arzt und Hellseher benannt hat, ist mir nicht bekannt. Aber die Brasserie Caracole ist ja für ihre phantasievollen Biernamen und selbstverständlich auch für ihre guten Biere bekannt. Ich hoffe nur, dass sie mich auch dieses Mal nicht enttäuscht. Aber das ist ein kalkulierbares Risiko, hat Nostradamus doch im Jahr 2002 in seiner Kategorie einen weltweiten Bierwettbewerb gewonnen.