In Düsseldorf wird Kölsch gebraut

Echt jetzt? Darf Kölsch nicht nur innerhalb der Grenzen Kölns gebraut werden? Es gibt doch in Köln eine Brauerei, die ihr Kölsch in Köln braut, aber das fertige Bier in Tanklastzügen zur außerhalb gelegenen Abfüllanlage fährt. Das ist schon richtig. Trotzdem darf Kölsch auch in anderen Städten gebraut werden, es darf dann nur nicht Kölsch heißen.

Aber wie kommen ausgerechnet die Düsseldorfer, die doch sonst so stolz auf ihr Altbier sind, dazu, ein Kölsch zu brauen? Und noch dazu die Brauerei Uerige, deren Altbier als das zweitbeste Altbier weltweit und als das beste Altbier Deutschlands ausgezeichnet wurde? Der Chef von Uerige hat es gegenüber dem Kölner Express wie folgt begründet: „TV-Koch Dave Hänsel ist auf uns zugekommen und suchte für sein neues Restaurant ein neues Bier. Es sollte ein helles Bier sein. Aber kein Pils und kein Weizen oder Ähnliches. Es sollte ein obergäriges Vollbier sein.“

Er setzte sich also mit seinem Braumeister André Meurer zusammen und die beiden entwickelten ein Craft Beer. Ich selbst habe es noch nicht getrunken, aber es soll eine goldene Farbe und eine sanfte Perlung haben, zusammen mit einem sanften Geschmack und einer Kräuternote.

Der Kölner Express hat auch einige Brauer in Köln gefragt, was sie von einem Kölsch-ähnlichen Bier halten, das in der Landeshauptstadt gebraut wird. Zumindest öffentlich bleiben sie gelassen: „Das stört uns überhaupt nicht. Solange sie es nicht Kölsch nennen und damit werben, gibt’s keine Einwände.“ Erklärt Christian Kerner, Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbandes gegenüber dem Express. Wie sollen sie sich auch darüber aufregen. Schließlich brauen die Kölner ja auch Altbier, zumindest das ist auch durchaus nicht schlecht.

Ich werde mal sehen, dass ich das neue Bier der Brauerei Uerige mal verkosten kann und werde dann darüber berichten.

EM-Bandenwerbung: Was soll eigentlich das „Probably“?

Verfolgen Sie die EM im Fernsehen? Dann haben Sie auch bereits die Bandenwerbung gesehen, die einfach mit „Probably“ abgekürzt ist. Und sicher werden Sie sich gefragt haben, für welches Produkt oder für welche Firma die Werbung geschaltet wurde.

Wenn Sie in den letzten Jahren einmal in Dänemark im Urlaub waren oder einmal die Website der Firma Carlsberg besucht haben, kennen Sie den Werbespruch der Firma: Probably the best beer in the world“. Manchmal wird er auch mit „Probably the best“ abgekürzt. Damit ist aber nicht nur die erste Frage beantwortet, sondern es wird auch gleich die nächste Frage aufgeworfen: Weshalb steht da nicht einfach Carlsberg? Warum dieses Rätselraten?

Daran ist Carlsberg unschuldig, denn diesen Intelligenztest hat die französische Rechtsprechung zu verantworten, genauer gesagt das „Loi Evin“, ein Gesetz, das Anfang der 1990er Jahre von Justizminister Claude Evin durchgebracht wurde und das unter anderem Alkoholwerbung in Stadien verbietet. Auf diese Weise ist die etwas merkwürdige Situation entstanden, dass Carlsberg Millionen Euro dafür bezahlt hat, offizieller Biersponsor der Europameisterschaft zu sein und trotzdem damit nicht werben darf.

Englische Brauerei braut abfallfreies Bier

Bekanntlich werden viele Lebensmittel nicht verzehrt, sondern vernichtet. Grund ist teilweise, dass ein Gemüse oder Obst nicht einwandfrei aussieht, teilweise naht das Ende der Mindesthaltbarkeit. Die Lebensmittel sind zwar absolut in Ordnung und könnten problemlos gegessen werden, trotzdem landen sie tonnenweise in den Abfallcontainern der Supermärkte.

Die englische Craft Bier-Brauerei Northern Monk Brew hat jetzt einen Versuch gestartet. In Kooperation mit dem Projekt Real Junk Food, das in seinen weltweit 150 Cafés Lebensmittel verarbeitet, die ansonsten vernichtet worden wären, hat die Brauerei das nach eigenen Angaben erste Zero Waste-Bier gebraut. Dafür wurden 60 kg alten Croissants und Brioche-Brötchen sowie 60 kg Ausschuss-Birnen aus britischen Supermärkten verarbeitet. Die 2013 gegründete Brauerei will damit ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen. Nach Angaben des Brauereigründers Russell Bisset wurden alle 1.800 Flaschen innerhalb von eineinhalb Wochen verkauft. Auch nach dem Brauen viel kein Abfall an, sondern alle Reste wurden an Bauernhöfe und eine Wurmfarm weitergegeben.

Gegenüber dem Onlinemagazin cafe-future.net erklärte Bisset: „Wir produzieren so viele Lebensmittel, die wir dann wegwerfen. Das ist ein globales Problem. Wir möchten einen Beitrag zu seiner Lösung leisten.“ In Zukunft plant er weitere saisonale Aktionsbiere, zum Beispiel aus Erdbeeren, die beim Tennisturnier in Wimbledon übrigbleiben. „Vorstellbar ist ein Erdbeer-Sahne-Bier! Die Möglichkeiten sind unendlich!“

Ich finde nur schade, dass ich von diesem Projekt erst erfahren habe, nachdem die gesamte Produktion verkauft war. Ich hätte mir gerne einige Flaschen aus England kommen lassen.

Ich finde, das ist ein tolles Projekt, das Nachahmer finden sollte. Leider steht dem in Deutschland das Reinheitsgebot entgegen. Ich habe bereits einmal für einen anderen Umgang mit dem Reinheitsgebot plädiert. Der Umgang mit dem Reinheitsgebot ist in vielen Fällen nicht logisch. Als Beispiel will ich hier nur einmal das Pumpernickel-Porter der münsteraner Brauerei Gruthaus nehmen. Dieses Bier muss als Brauspezialität vermarktet werden und darf nicht Bier genannt werden. Weshalb? Es ist Pumpernickel verbraut worden. Wenn wir uns aber einmal den Herstellungsprozess von Pumpernickel ansehen, stellen wir fest, dass darin in erster Linie Roggen, Sauerteig (besteht aus Wasser, Hefe und Roggen) und Wasser verbacken werden. Jeder dieser Rohstoffe entspricht dem Reinheitsgebot für Bier. Es ist lediglich ein weiterer Verarbeitungsschritt eingeschoben worden. Beim Hopfen ist ein weiterer Verarbeitungsschritt aber erlaubt, das Extrahieren der Bitterstoffe, also die Herstellung von Hopfenextrakt. Dabei wird der Hopfen stärker verändert als es der Bäcker bei der Produktion von Pumpernickel macht. Nein, darin kann ich keine Logik erkennen und ich finde es schade, dass aus diesem Grund ein Projekt wie das hier vorgestellte in Deutschland derzeit nicht möglich ist.

15. – 17. Juli 2016: Alpirsbacher Hopfenfest

In knapp zwei Wochen ist es soweit: Am Freitag, 15. Juli beginnt das 7. Alpirsbacher Hopfenfest. Damit gehört dieses Fest im schönen Schwarzwald zu den bereits älteren Bier- und Brauereifesten. Die Besucher erwarten drei Tage mit vollem Programm.

Der Freitagabend ist den „Spezialisten“ vorbehalten. Was ein Spezialist ist? Die Alpirsbacher Brauerei hat einen eigenen Fanclub (so sieht es für einen Außenstehenden zumindest aus). Mitglied werden kann jeder, der oder die bereit ist, jedes Jahr € 18,80 zu investieren, einfach um dabei zu sein. Na gut, das ist kein rausgeschmissenes Geld, sondern die Brauerei bietet auch einigen Gegenwert: da gibt es zur Begrüßung 9 Flaschen mit unterschiedlichen Bieren aus der Brauerei, ein T-Shirt, eine Mitgliedskarte sowie einen Gutschein über 5 Euro, einzulösen im Brauereiladen oder im Onlineshop. Dann gibt es jedes Jahr ein Geburtstagsgeschenk, die Brauerei organisiert für die Fans verschiedene Events, es gibt ein jährliches Mitgliedertreffen und bei einigen Veranstaltungen auch ein Freibier. Die eine oder andere Gegenleistung kommt noch zusätzlich. So gesehen ist der Mitgliedsbeitrag ein recht gutes Investment, wenn auch vermutlich nur für die ortsansässigen Spezialisten? Wie Sie Spezialist werden? Surfen Sie einfach auf die Website der Brauerei und füllen Sie dort das Formular aus. Oder Sie lassen sich einfach am 15. Juli bei der Veranstaltung sehen und erwerben dort den Status.

Richtig los geht es dann am Samstag um 17:30 Uhr mit dem Fassanstich durch die Hopfenkönigin 2015. Im Anschluss können Sie sich auf ein volles Programm freuen. Zum Auftakt spielen die Trachtenkapelle Altburg und um 20 Uhr die „Vollblut-Musikanten“. Weitere Akteure des Samstagsabends sind Laier und Zaiser sowie Wendrsonn. Auch am Sonntag steht die musikalische Unterhaltung von traditionell bis modern im Vordergrund. Es treten Stallberger Blasmusik, Wellblech und die Musikvereine: Harmonie Langenbrand, Hochmössingen, Rötenbach, Hopfau, Fluorn und Römlinsdorf auf. Auch wenn die Musik eventuell nicht jeden Geschmack trifft, hat sich die Brauerei doch weder Kosten noch Mühe gescheut, ein zum Anlass passendes vielfältiges Programm auf die Beine zu stellen.

Aber auch an vielseitige Aktivitäten wurde gedacht. Da ist zunächst das Bierkrugschieben. Dabei ist Geschicklichkeit gefragt. Auf einer 4,5 Meter langen Bahn muss ein Maßkrug so angeschoben werden, dass er möglichst stehend und zielgenau unter dem Zapfhahn des am Ende der Bahn stehenden Bierfasses ankommt. Der Lohn für einen exakten Schub ist eine Maß Bier oder alternativ ein 6,00 € Gutschein für den Brauerei-Laden. Samstag ab 15:00 Uhr und am Sontag ab 16:00 Uhr werden im Stundentakt Führungen durch das firmeneigene Brauereimuseum angeboten. Im Preis von 7,00 Euro sind auch zwei Glas Bier im Braukeller enthalten, der für diesen Anlass frisch renoviert wurde. Nicht zu vergessen ist auch das Kinderprogramm mit Hüpfburg, Drucken und vielem mehr.

Auf keinen Fall vergessen dürfen wir auch die Bierprobe der Theke im Hopfengarten. Für 10,00 € erhalten Sie ein Probierglas 0,1 Liter, das sie 10 Mal mit Fassbiersorten Ihrer Wahl füllen lassen können. Ihre leeren Gläser tauschen wir 9 Mal gegen frisch gespülte bzw. gefüllte aus. Das 10. Glas nehmen Sie als Erinnerung an Ihre genussreichen Momente mit nach Hause.

Vor einigen Jahren wäre das folgende Highlight vermutlich noch nicht denkbar gewesen. Am Samstag werden von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr im Braukeller spritzige Weizenbier- oder fruchtige Cocktails mit Alpirsbacher Bieren gemixt. Unbedingt vorbeischauen und probieren!

Samstag und Sonntag ist der Eintritt frei.

26. Juni 2016: Bier aus dem Norden im Museum Kiekeberg in Rosengarten

Am 26. 6. ist es so weit – der bereits 9. Tag der norddeutschen Braukultur wird im Museum Kiekeberg zelebriert. Ob Kleinbrauerei, Gasthausbrauerei oder Craft Beer – bei „Bier aus dem Norden“ steht die handwerkliche Braukunst im Mittelpunkt. Ob es sich um ein altes Rezept oder um eine Neuentwicklung handelt – überzeugen Sie sich davon, welche Geschmacksvielfalt aus den Zutaten Hopfen, Malz und Hefe entstehen kann. Knapp zwei Dutzend Brauereien bieten ihre Spezialitäten an. Sie alle eint der Wunsch, aus speziell ausgewählten Rohstoffen geschmackliche Kunstwerke zu schaffen. Sei es durch neue Rezepturen und Brautechniken oder durch Rückbesinnung auf überlieferte, in Vergessenheit geratene Sorten.
Schmecken Sie diese Vielfalt selbst heraus! Vorträge und Fachseminare geben interessante Einblicke in die vielfältige Welt der Braukunst.
Wie bereits in den Vorjahren wird der Aktionstag in enger Zusammenarbeit mit der Verbraucherinitiative „Kampagne für gutes Bier e.V.“ organisiert. Ach ja, das Wetter soll ebenfalls mitspielen, so dass sich die 9 Euro Eintritt sicherlich lohnen werden.

Die Aussteller und Brauereien:

  • Klüver’s Brauhaus
  • Ricklinger Landbrauerei Zur Alten Försterei
  • Privatbrauerei Sauer & Hartwig GmbH
  • Gröninger Privatbrauerei
  • Pauls Spezialitätenbrauerei & Destille GmbH
  • Ratsherrn Brauerei GmbH
  • Alles Elbe
  • Wahnsinn UG
  • Wildwuchs Brauwerk Hamburg
  • Buddelship Brauerei GmbH
  • Hopper Bräu GmbH & Co. KG
  • Kreativbrauerei
  • BLOCKBRÄU GmbH
  • Bremer Braumanufaktur
  • Hotel Frommann (Christophers Brauhaus)
  • Klindworths Gasthof
  • Ostfriesen Bräu
  • Privatbrauerei Thomas Bannas
  • Meyer Brau KG
  • Mashsee Brauerei GmbH & Co. KG
  • Hildesheimer Braumanufaktur
  • Campusperle, HH-Harburg
  • Reinhard Köhler
  • Brauhaus Joh. Albrecht
  • Circle 8 Brewery

Admirals Ale

Nun steht mal wieder ein Bier aus Großbritannien vor mir, genauer gesagt aus Cornwall, das Admirals Ale. Ein Blick auf die Etiketten bringt nichts Überraschendes zu Tage, außer, dass dieses Bier dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Außerdem legen die Brauer viel Wert auf die Regionalität der Rohstoffe, lediglich der Hopfen ist nicht ausdrücklich als regionales Produkt benannt. Außerdem wurde die Brauerei zum vierten Mal als beste regionale Brauerei ausgezeichnet. Nun weiß ich nicht, wie groß die Konkurrenz im Land von Rosamunde Pilcher ist, aber so ganz schlecht kann die Mannschaft in St. Austell nicht sein. Dementsprechend hoch sind jetzt meine Erwartungen.

Dunkel bronzefarben steht das Bier im Glas. Es enthält eine aktive Kohlensäure, die für einen feinporigen haselnussbraunen Schaum sorgt, der allerdings nur für kurze Zeit erhalten bleibt. Dafür sind die Aromen bestechend: Karamellduft, Röstaroma, Trockenfrüchte sowie vielfältige Zitrusaromen sorgen für einen runden Eindruck in der Nase. Der Antrunk ist intensiv und obwohl er relativ süß ist, ist er doch sehr angenehm. Schnell kommen Bitternoten dazu, die zusammen mit der Süße einen guten Eindruck machen. Der Abgang ist kräftig bitter, dabei aber nicht unangenehm, und er bleibt lange erhalten.

Zutaten:

Quellwasser, Malz (Cornish Gold), Hopfen (Styring, Golding, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

St Austell Brewery Co.Ltd.
63 Trevarthian Road
St Austell
Cornwall
PL25 4BY
Großbritannien
www.staustellbrewery.co.uk

Störtebeker Frei-Bier

Nun ist der Sommer im Ruhrpott angekommen und es ist an der Zeit, mal wieder ein alkoholfreies Bier zur verkosten. Jetzt habe ich ein Frei-Bier vor mir stehen, ein alkoholfreies Pils aus der Braumanufaktur Störtebeker in Stralsund. Häufig schmecken die alkoholfreien Biere ja recht wässrig, einfach weil Alkohol ein Geschmacksträger ist. Aber die Biere aus Stralsund sind ja sonst sehr geschmackvoll, so dass ich von Vornherein das Vorurteil habe, dass das Frei-Bier eine Ausnahme darstellen könnte.

Die Farbe ist zumindest schon mal ansprechend. Kräftig Goldgelb präsentiert es sich. Dazu reichlich Kohlensäure sowie eine durchschnittliche Menge cremiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Doch, Bei anderen alkoholfreien Bieren ist der Schaum ein Problempunkt, da er sehr schnell in sich zusammenfällt. Hier haben die mecklenburgischen Brauer also irgendetwas richtiggemacht. Rein optisch macht das Bier einen wirklich guten Eindruck. Mal sehen, ob das auch beim Geschmack so bleibt.

Das Aroma ist kräftig würzig, nach Blumen, Gras und Kräutern. Irgendwie vermisse ich hier etwas den Duft des Malzes. Aber eventuell sind auch alle Zutaten so gut aufeinander abgestimmt, dass die Aromen so zueinanderpassen, dass meine Nase sie nicht wieder trennen kann. Der Antrunk ist relativ süß und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure auch spritzig. Die Süße wird aber schnell durch die vielen Bitterstoffe abgelöst, in der Menge durchaus zum noch vorhandenen Malzzucker passend. Das Bittere ist aber auch durchaus angenehm; ich würde mir an dieser Stelle aber wohl noch etwas Säure wünschen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Geschmack dadurch noch runder werden könnte. Der Abgang lässt sich am Besten in Stichworten beschreiben: herb und bitter, kurz gesagt nordisch.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Gärungskohlensäure, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

13,0 % (auf der Website der Brauerei sind 5,7 % angegeben, was ich aber nicht glaube. Ich habe mal bei der Brauerei nachgefragt und werde die hier gemachte Angabe korrigieren, sobald ich eine Antwort habe)

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Zywiec Bock

Ich weiß, dass die Polen teilweise wirklich gute Biere brauen. Selbst die meisten Industriebiere sind vollmundig, da die dortigen Brauereien mit der Stammwürze nicht so geizig sind wie viele deutsche Brauereien. Aber ich glaube, diesmal erlebe ich eine Premiere: mein erstes Bockbier aus Polen. Die Qualität der polnischen Biere ist ja sehr unterschiedlich, meiner Meinung nach ist die Qualitätsbreite noch deutlich größer als in Deutschland. Jedenfalls bin ich auf das Ergebnis dieser Bierprobe gespannt. Das Etikett verspricht einen dunklen Bock mit reichhaltigem Geschmack, der bereits seit 1860 nach dem gleichen Rezept gebraut wird.

In einem intensiven Mahagoni präsentiert sich das Bier, darüber eine überdurchschnittliche Menge hellbrauner feinporiger Schaum, der aber lange erhalten bleibt. Auffällig ist auch die reichlich vorhandene Kohlensäure.

Das Aroma des Bieres ist absolut malzbetont und es verbreitet einen angenehmen Duft nach Karamell. Der Antrunk ist recht süß, genau wie ich es bei einem so dunklen Bockbier auch erwarte. Durch die reichlich vorhandene Kohlensäure ist der Antrunk aber schon mal sehr angenehm. Im Körper verbindet sich die Süße mit einer leichten Säure. Das Verhältnis von Süße zu Säure ist durchaus ausgeglichen. Leider fehlt die Vielfalt eines guten Naturhopfens, wodurch das Bier etwas eindimensional schmeckt. Durch die fehlende Vielfalt des Geschmacks ist das Bier auch nur bedingt vollmundig. Im Abgang ist das Bier absolut mild mit ganz wenig Bitterstoffen. Trotzdem bleibt der Geschmack lange im Mund erhalten.

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Stammwürze:

16 %

Brauerei:

Grupa Zywuec S.A.
ul. Browarna 88
34-300 Zywiec
Polen
www.zywiec.com.pl

Kapuziner Kellerweizen naturtrüb

Heute steht mal wieder ein naturtrübes Weizenbier vor mir, das Kapuziner Kellerweizen aus Kulmbach in Oberfranken. Das Rückenetikett verspricht einen besonderen Genuss. Na, dann wollen wir mal sehen.

In der Farbe von dunklem Bernstein und dazu hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Für ein Weizenbier bildet dieses Kellerweizen vergleichsweise wenig gemischtporigen Schaum, der sich auch überraschend schnell auflöst. Meist bildet sich auf Weizenbieren bekanntlich eine reichliche Schaumkrone, an der sich die Geister etwas scheiden. Für die einen wird die Blume beim Einschenken zum Ritual, während andere einfach nur genervt sind, weil sie so lange auf ihr Bier warten müssen. Die Frage, zu welcher Gruppe Sie gehören, stellt sich in diesem Fall nicht.

Das Aroma besticht mit den Düften von Banane, Zitrusfrüchten und Gewürzen. Das zeigt, dass die Brauerei durchaus einen guten Hopfen verwendet hat und macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als ich es erwartet hätte. Jetzt spüre ich auch die feinperlige Kohlensäure, die optisch aufgrund der reichlich vorhandenen Hefe nicht auszumachen war. Und auch wenn mir das feine Perlen gefällt, enthält das Bier für meinen Geschmack zu wenig Kohlensäure. Der Geschmack des recht vollmundigen Körpers wird durch die Hefe geprägt, dazu kommt der Geschmack des Weizens sowie eine leichte Säure, die sich aber diskret im Hintergrund hält. Der Abgang ist sehr mild und es zeigen sich kaum Bitterstoffe.

Dieses Kellerweizen ist sicher nicht schlecht, aber es hat nach meiner Meinung noch deutliches Potential nach oben.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Kulmbacher Brauerei AG
96326 Kulmbach
www.kapuziner.biz

In Vaihingen gibt es 24 EM-Biere

Kaum jemand kann es übersehen: in Frankreich läuft derzeit die Fußball-EM. Ich bin eigentlich ganz froh, jetzt nicht dort zu sein. Dafür sorgt nicht nur die Randale einiger Fans, sondern auch das Bier, das dort in den Stadien ausgeschenkt wird. Da Carlsberg ein Sponsor der EM ist, gibt es nur Bier aus dieser Brauerei. Und es kommt noch schlimmer: es gibt im Stadion ausschließlich alkoholfreies Bier. Und als ob das nicht reichen würde, gibt es nicht einmal das Original des dänischen Wasserbiers, sondern ein in Lizenz von Feldschlösschen in der Schweiz gebrautes Nachahmerprodukt. Irgendwie können einem die Gallier ja wirklich leidtun.

Dass es auch anders geht beweist der Wirt der Gaststätte Maulwurf in Vaihingen. Aus allen 24 Teilnehmerländern der EM bieten Andreas Göz und Barbara Schreiber jeweils ein Bier an. Dafür mussten die beiden sich aber richtig ins Zeug legen. Die größten Probleme bereitete das Bier aus Albanien. Es gibt in Deutschland einfach keinen Importeur für Bier aus diesem Balkanstaat. Eine Recherche im Internet scheiterte an den mangelnden Kenntnissen der albanischen Sprache bei den schwäbischen Gastronomen bzw. an fehlenden Telefonnummern und Mailadressen auf den Webseiten der albanischen Brauereien. Ich wusste bislang zwar, dass man beim Erstellen von Webseiten viele Fehler machen kann, aber dass es möglich ist, so grundlegende Fehler zu machen, war mir bislang nicht klar. Über Facebook kamen die beiden dann in Kontakt mit der albanischen Brauerei Kaon, die per FedEx dann 15 Flaschen Bier nach Schwaben schickte. Die Transportkosten machten alleine 10 Euro pro Flasche aus. Für welche Summe dieses Bier dann über den Tresen ging, ist mir nicht bekannt.

Auch Biere aus anderen EM-Ländern waren nicht so ganz einfach zu beschaffen. Das französische Bier holten die Kneiper selbst aus dem Elsass. Das walisische Bluestone Rockhopper brachte eine Freundin aus dem Urlaub mit, das rumänische Ursus besorgte ein Importeur exklusiv für den Maulwurf. Ein Bier aus der Slowakei brachte der Fahrer des Getränkelieferanten von seinem Heimatbesuch mit. Ich kenne zwar die meisten der nun angebotenen Biere nicht und kann daher auch nicht sagen, wie gut sie sind. Aber eines muss der Neid Andreas Göz und Barbara Schreiber ja lassen: kaum jemand hat sich in Deutschland so um die Verbindung von Fußball und Bier bemüht wie die beiden Gastronomen aus Schwaben.