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Franziskaner Kellerbier

Nach so vielen Craft Beer und regionalen belgischen Bierspezialitäten (die belgischen Brauer mögen den Begriff Craft Beer für ihre Biere nicht, weil sie sagen, dass die meisten Biere in Belgien schon immer handwerklich hergestellt wurden und daher keinen zusätzlichen Gattungsbegriff benötigen. Diese Argumentation ist für mich durchaus überzeugend und ich würde sie auch auf viele Bierregionen in Deutschland gelten lassen) will ich mich jetzt einmal wieder einem deutschen Industriebier zuwenden, dem Franziskaner Kellerbier.

Eigentlich ist diese Brauerei durch ihre Weizenbiere bekannt. Dass jetzt ein untergäriges Kellerbier angeboten wird, verwundert mich etwas, aber zusätzliche Vielfalt im Angebot kann ja nicht schaden. Schließlich plant Franziskaner nun auch, in jedem Jahr ein Jahrgangsbier zu brauen.

Die Website von Franziskaner betont, dass das Bier handwerklich hergestellt wurde und auch, dass neben anderen Inhaltsstoffen auch Ballaststoffe für einen ausgewogenen Genuss sorgen. Von Ballaststoffen im Bier habe ich noch nie etwas gehört. Leider hilft auch die Nährwertdeklaration auf dem Rückenetikett der Flasche nicht weiter; dort stehen auch dort keine Angaben zu den Ballaststoffen, dort werden sie einfach nicht erwähnt.

In hellem Bernstein präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist schwach hefetrüb, im Allgemeinen sind die nicht filtrierten Biere deutlich trüber. Es bildet sich viel weißer cremiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch Karamelldüfte geprägt, die durch Noten grüner Früchte und Äpfel unterstützt werden. Der Antrunk ist recht süß und zeigt, dass die Kohlensäure sehr schön feinperlig ist. Ich finde es nur schade, dass die Kohlensäure so sparsam vorhanden ist. Erstaunlich wird das Bier, sobald es sich im Mund verteilt. Der Körper ist wuchtig und dabei ist das Verhältnis von Süße, Säure und Bitterstoffen gut ausgeglichen. Der Abgang ist dann überraschend mild. Mit einem aromatischeren Hopfen könnte dieses Bier bei meinen Favoriten dabei sein.

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe

Brauerei:

Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH
80335 München
www.franziskaner-weissbier.de

Flötzinger Bräu Hell

Nun steht ein hochdekoriertes Bier vor mir, das Hell aus der Brauerei Flötzinger in Rosenheim. Das Bier wurde mit dem European Beer Star, mit dem Goldenen Preis der DLG, dem Ehrenpreis des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie beim Word Beer Award 2012 als bestes Helles der Welt und Europas ausgezeichnet. Von diesem Bier kann ich also wirklich etwas erwarten. Mir fällt auf, dass auf dem Rückenetikett der Flasche nur der Ehrenpreis aufgeführt ist, die anderen Auszeichnungen werden nur auf der Website der Brauerei erwähnt.

In hellem Goldgelb und kristallklar mit feinperliger Kohlensäure zeigt sich das Bier im Glas. Dazu bildet sich viel feinporiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch Karamell geprägt und wirkt recht süß. Dazu kommen würzige Duftnoten.

Der Antrunk ist nicht so süß wie erwartet. Leider enthält das Bier relativ wenig Kohlensäure, so dass es nicht wirklich spritzig ist. Schnell kommt die Würze durch, viele Bitterstoffe. Dabei wirkt das Bier etwas wässrig und unausgewogen. Der Abgang ist mild angenehm bitter, ein Geschmack, der überraschend lange erhalten bleibt.

Dies ist das richtige Bier für den Stammtisch oder andere Gelegenheiten, in denen schnell relativ viel getrunken wird. Es ist wirklich nicht schlecht, hat mich aber nicht wirklich begeistert und ich verstehe nicht so recht, weshalb es so viele Preise gewonnen hat. Eventuell liegt es daran, dass das MHD seit zwei Monaten abgelaufen ist. Viele Biere werden flacher, wenn sie zu lange gelagert werden (im Gegensatz zu anderen Bieren, die durch eine längere Lagerung sogar noch an Geschmack gewinnen). Ich glaube, wenn ich das Bier mal wieder irgendwo sehe, werde ich noch eine Flasche kaufen und das Bier erneut testen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,1 %

Brauerei:

Privatbrauerei Franz Steegmüller
Herzog-Heinrich-Str.
83022 Rosenheim
www.floetzinger.de

Biershop Bayern

Insel-Brauerei Insel Kreide

Jetzt verkoste ich ein Bier aus der Rügener Insel-Brauerei, das Insel Kreide. Verkauft wird das Bier als „Seltenes Bier“. Als Bierstil wird eine Eigenkreation angegeben, als internationale Bierkategorie Champagner Ale.

Eine Eigenkreation? Da muss ich doch erst einmal auf der Website der Brauerei nachsehen, ob ich da weitere Informationen erhalte. Und tatsächlich wird auf der Website Braumeister Markus Bererich, der auch Geschäftsführer der Brauerei ist, zitiert: „Das erste Kreide Bier der Welt haben wir aus Kreide und Champagner Hefe gebraut.“ Kreide im Bier? Das macht doch mich schon mal neugierig. Und bei den Zutaten steht noch an letzter Stelle Gewürz, eine Zutat, die auf der Flasche nicht vermerkt ist. Das ist ein Grund, einmal bei der Brauerei nachzufragen, woher diese Differenz kommt. Und tatsächlich antwortete mir Markus. Ich zitiere hier mal aus seiner Mail: „es war zum Start rechtlich nicht ganz klar ob die Kreide als Gewürz deklariert werden muss. Muss sie nicht da sie geogen im Wasser vorkommt. Es muss daher nicht als Gewürz deklariert werden.“ Das wäre also schon mal geklärt.

Da die Flasche vollständig in Papier eingepackt ist, bleibt viel Platz für die Beschreibung des Biers. Auch wenn sich die Bewertung des Biers hier auf Stichworte beschränkt, geht die Brauerei hier in die Vollen. Das Bier wird als erfrischend, trocken und subtil prickelnd beschrieben, als Genussanlass wird Festlich und Empfang angegeben und als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks. Schon wieder wundere ich mich. Unter Empfangs-Snacks stelle ich mir Fingerfood oder Löffelfood vor. Und das kann so ziemlich alles sein. Ist den Brauern auf Rügen nichts eingefallen, wozu dieses Bier passt oder passt es zu allen Speisen? Mal sehen, ob ich diese Frage bei der Verkostung beantworten kann. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, das Bier zu testen.

In hellem Gelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas, darüber recht viel grobporiger Schaum, der sich schnell auflöst.

Das Aroma ist säuerlich mit Tönen von grünen Äpfeln und Zitrusfrüchten. Auch dass in diesem Bier Weizenmalz verbraut ist, kommt deutlich durch. Wüsste ich nicht aus der Zutatenliste, dass mehr Gerstenmalz als Weizenmalz enthalten ist, würde ich das Bier vom Aroma her für ein leicht saures Weizenbier halten. An einem warmen Sommertag ist das ja nicht verkehrt.

Der Antrunk ist trocken. Ich kann kaum Süße schmecken. Das ist doch mal etwas anderes als die vielen Biere, bei denen die Süße ziemlich dominant ist. Dazu kommt die feine Kohlensäure, die die Champagnerhefe produziert hat. Auch der Körper ist eher säuerlich mit Noten von Äpfeln und Quitten. Es folgt ein trockener Abgang. Bis hierhin schmeckt das Bier nicht schlecht, aber es kann mich auch noch nicht richtig überzeugen; irgendwie wirkt es nicht so richtig ausgewogen.

An dieser Stelle muss ich ausführen, dass ich Biere in der Regel zimmerwarm teste, da sich bei etwas höherer Temperatur die Aromen und Geschmäcker besser entwickeln. Allerdings ist es derzeit sehr warm, so dass ich vermute, dass die recht hohe Temperatur den Genuss beeinträchtigen könnte. Bei diesem Bier wird eine Trinktemperatur von 10°C empfohlen. Ich habe also die Flasche wieder verschlossen und für einen Tag in die Tür meines Kühlschranks gestellt, so sie auf etwa 8°C heruntergekühlt wird. Einen Tag später wiederhole ich den Test mit dem kühlen Bier.

Das Aroma scheint jetzt etwas schwächer zu sein, aber das hatte ich auch erwartet. Die Säure ist jetzt auf der Zunge nicht mehr so dominant, dafür kommen die Weinnoten mehr zum Vorschein, die ich von der Champagnerhefe erwartet habe. Irgendwie erscheint mir das Bier jetzt auch komplexer und deutlich ausgewogener. Der Abgang ist weiterhin trocken.

Dieses Bier muss gekühlt getrunken werden. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Temperatur einen so großen Einfluss auf den Geschmack des Bieres haben kann. Durch das Kühlen wurde bei der Insel Kreide aus einem nicht wirklich ausgewogenen Bier ein echter Genuss. Jetzt verstehe ich auch, weshalb als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks angegeben sind. Dieses Bier kann als Aperitif jeden Sekt nicht nur ersetzen, es übertrifft den Genuss des Sekts in fast allen Fällen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmal, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:

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Bajuvator

Nun steht mal wieder ein Bier aus Franken vor mir, der Tucher Bajuvator. Von einem Doppelbock aus Franken verspreche ich mir schon etwas Besonderes. Mal sehen, ob dieses Bier meine Erwartungen erfüllen kann.

In dunklem Mahagoni zeigt sich das Bier im Glas. Dazu recht viel cremiger elfenbeinfarbiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Wie zu erwarten wird das Aroma durch Röststoffe geprägt. Ich rieche Karamell, Schokolade und Whisky. Dieses volle Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck, besonders da ich die dunklen Biere mag. Der Antrunk ist süß, wirklich süß. Mir wäre das Bier zu süß, würde nicht die reichlich vorhandene Kohlensäure den Geschmack den Geschmack noch retten. Schnell breitet sich der würzige Geschmack nach Schokolade und Röststoffen im Mund aus. Jetzt gefällt mir das kräftige Bier richtig gut. Nach dem intensiven Körper ist der Abgang erstaunlich mild.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

18,3 %

Brauerei:

Tucher Traditionsbrauerei
90409 Nürnberg/Fürth
www.tucher.de

Neanderthaler Landbier

Jetzt will ich mir das Neanderthaler Landbier vornehmen. Die Brauerei bewirbt das Bier auf ihrer Website wie folgt: „Mit dem Neanderthaler Landbier geht es zurück zu den Ursprüngen der Braukunst. Es handelt sich um eine obergärige Bierspezialität. Naturtrüb und urig süffig im Geschmack. Natürlich naturbelassen, damit alle guten Geschmacksstoffe enthalten bleiben.“ Na ja, da kann ich mich ja auf ein ganz besonderes Bier einstellen.

Golden und recht hell präsentiert sich das leicht hefetrübe Bier im Glas. Darüber viel gemischtporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Kohlensäure kann ich nicht sehen.

Das Bier duftet nach Malz, dazu kommt irgendein Geruch, den ich nicht definieren kann. Der Antrunk ist recht süß, die Kohlensäure ist kaum zu bemerken. Irgendwie wirkt das Bier schon abgestanden, obwohl ich die Flasche gerade erst geöffnet habe. Der Körper ist wässrig und säuerlich. Dazu kommt noch der Geschmack der Hefe. Aber irgendwie wirkt das Bier wie verdorben. Ich breche den Test deshalb an dieser Stelle ab. Ein Blick auf das Etikett sagt mir, dass das Bier eigentlich noch mehr als zwei Monate haltbar sein sollte. Überlagert ist es also nicht. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass das Bier so schmecken sollte, werde ich mir noch einmal ein Neanderthaler holen und es testen, wenn ich wieder einmal ins Neanderthal komme. Ich hoffe dann auf ein besseres Ergebnis.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Nicht angegeben, aber abgefüllt wurde das Bier für
Neanderbräu
Neanderstr. 20
40699 Erkrath
http://www.neanderthaler.net/landbier/start.html

Ratsherrn Lager

Nun will ich endlich mal wieder ein Bier aus den Schanzenhöfen in Hamburg verkosten. Von dort kommen ja recht viele Biere und heute steht vor mir die neueste Kreation der Ratsherrn-Brauer, das Lager. Das Wortspiel, dass das Lager aus der Lagerstraße kommt, spare ich mir an dieser Stelle. Eher möchte ich erst noch eine Bemerkung zu den Lagerbieren loswerden. Bei Lager habe ich schon so ziemlich alles erlebt – von einem blassen langweiligen Industriebier ohne echten Geschmack über rote Lager bis hin zu wirklich dunklen Bieren, von kristallklar bis kräftig hefetrüb – alles war dabei. Irgendwie weiß ich vor dem Trinken nicht, ob dieses Bier ein Genuss wird oder nicht. Ich weiß immer nicht, was mich erwartet. Aber bei den Bieren aus dem Schanzenviertel bin ich mir doch recht sicher, dass ich das Bier genießen kann. Gleich werde ich es genau wissen.

Cognacfarben zeigt sich das Bier im Glas. Dazu viel cremiger Schaum, der sich nur langsam auflöst. Was ich merkwürdig finde ist, dass ich keinerlei Kohlensäure sehen kann.

Das Aroma ist durch das Malz geprägt, unterstützt durch einen leichten Duft nach Birnen. Der Antrunk ist recht süß und jetzt stelle ich auch fest, dass das Bier eine sehr feinperlige Kohlensäure enthält, so stark in das Bier eingebunden, dass sie optisch nicht festzustellen war. Leider ist nur sehr wenig Kohlensäure im Bier. Mit mehr Kohlensäure wäre das Bier sicher noch spritziger. Aber dann kommt der Geschmack des Hopfens zu seinem Recht. Der Körper ist wuchtig, voll und rund. Süße, Bitter und Säure sind gut ausgewogen. Der Abgang ist dann angenehm bitter und der Geschmack klingt mittellang nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg
www.ratsherrn.de

Frankenbräu Schwarzbier

Lange habe ich kein Bier aus Franken mehr verkostet. Und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich schon einmal ein Schwarzbier aus Franken gehabt habe. Eigentlich würde ich Schwarzbier eher aus dem Osten kommend erwarten. Aber gut, weshalb sollten die Franken nicht in der Lage sein, ein gutes Schwarzbier zu brauen? Mir fällt kein Grund ein. Schließlich sind die meisten anderen Biere aus Franken durchaus von überdurchschnittlicher Qualität. Jetzt steht das Schwarzbier von Frankenbräu vor mir. Ein Blick auf das Rückenetikett teilt mir mit, dass die Brauerei in Mitwitz nur mit echtem Hopfen arbeitet und dass kein Hopfenextrakt verwendet wurde, um dieses Bier zu brauen. Nun ist es aber an der Zeit, endlich mit dem Verkosten zu beginnen.

Schwarz steht das Bier im Glas, lediglich wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas dunkles Mahagoni durch. Der wenige cremige Schaum ist elfenbeinfarben, er löst sich nur langsam auf. Optisch kann dieses Bier also schon mal überzeugen.

Das Aroma wird durch Toffee, Trockenfeigen und Röstaromen geprägt. Der Antrunk ist weniger süß als ich erwartet hätte. Die Kohlensäure ist feinperlig, aber leider nur sehr wenig vorhanden. Ich würde mir etwas mehr Kohlensäure wünschen; das Bier würde dadurch sicher spritziger. Im Körper kommen die Röstaromen in den Vordergrund und geben dem Bier eine kaffeeartige Note. Insgesamt ist das Bier aber gut ausgewogen. Der Abgang ist erstaunlich mild und kaum Bitter.

Schwarzbierfreunde, die auf sanfte und milde Biere stehen, sind mit dem Frankenbräu Schwarzbier sicher gut bedient.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Franken Bräu
96268 Mitwitz im Frankenwald
www.frankenbraeu.de

Baltik Lager

Aus der Störtebeker Brauerei am Stadtrand der Hansestadt Stralsund kommt etwa ein Dutzend unterschiedlicher Biere. Jetzt steht das neueste Erzeugnis vor mir, das Baltik-Lager. Ich bin mal gespannt, ob dieses Lager mich überzeugen kann. Auch wenn ich Lagerbiere häufig als recht langweilig empfinde, habe ich von der Störtebeker Brauerei doch so manche Überraschung erlebt. Für mich ist es also eine spannende Verkostung.

Kräftig kupferfarben steht das Bier im Glas. Obwohl das Bier klar ist, kann ich keine Kohlensäure sehen. Über dem Bier bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, cremefarben und mit recht langer Standzeit.

Das Aroma enthält Düfte von Toffee, Früchten und Kräutern. Dieses recht komplexe Aroma macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist relativ süß. Jetzt kann ich auch das erste Mal die Kohlensäure feststellen. Sie ist sehr feinperlig, aber leider auch in sehr geringer Menge vorhanden. Der Körper ist dagegen der der helle Wahnsinn – Süße, Säure und Bitter stehen in absolut ausgeglichenen Verhältnis zueinander und bilden zusammen mit einem zusätzlichen leicht rauchigen Geschmack (kommt da auch noch etwas Whisky durch?) einen intensiven, runden, vollen und ausgewogenen Eindruck. Obwohl der Abgang wirklich mild ist, klingt er lange nach.

Dieses Bier ist wirklich außergewöhnlich. Es gehört zu den wenigen Bieren, denen es gelingt, sowohl mir als auch meiner Frau wirklich gut zu gefallen. So ein Bier würde ich mir wirklich häufiger wünschen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Caramelmalz, dunkle Braumalze, Pilsener Malz), Hopfen (Perle, Tradition, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

13,2 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

Uerige DoppelSticke

Jetzt will ich mal wieder ein Bier von Uerige aus Düsseldorf testen. Allerdings nicht das „normale“ Altbier, für das diese Brauerei bekannt ist, sondern ein anderes Bier, das dort speziell für den amerikanischen Markt gebraut wird – die Uerige DoppelSticke. Das große „S“ in DoppelSticke ist übrigens kein Tippfehler von mir, sondern die Brauerei hat dieses Bier so benannt.

Bevor ich das Bier öffnet will ich mir erst einmal die Etiketten ansehen. Dabei fällt mir auf, dass in der Zutatenliste Doldenhopfen steht. Es werden also weder Hopfenextrakt noch Pellets verbraut, sondern trotz des höheren Aufwands bei der Verarbeitung wirklich die Dolde, so wie sie geerntet wird. Außerdem handelt es sich hierbei nicht um ein Altbier, sondern auf dem Rückenetikett wird es als Starkbier bezeichnet. Na ja, bei einem Alkoholgehalt von 8,5 % ist das auch naheliegend. Dann will ich jetzt aber endlich mit dem Verkosten beginnen.

Schwarz, fast blickdicht, präsentiert sich das Bier im Glas. Erst als ich es gegen das Licht halt, schimmert ein dunkles Braun durch, das an einen guten Rum erinnert. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner cremiger Schaum, der sich nur langsam auflöst. Optisch hat die Brauerei auf jeden Fall alles richtiggemacht.

Das Aroma ist wirklich herausragend. Der Duft nach Malz, Karamell, Espresso und Wiesenkräutern macht Lust auf den ersten Schluck. Wie erwartet ist der Antrunk recht süß. Aber jetzt stelle ich auch die sehr feinperlige Kohlensäure fest, wodurch die Süße etwas abgemildert wird. Aber das ist erst der Anfang. Dieses Bier bringt einen sensationell wuchtigen Körper mit. Das Malz steht im Mittelpunkt, zusammen mit Geschmack nach Karamell und dunkler Schokolade. Aber das ist noch nicht alles. Nach und nach kommen auch Noten gebrannter Mandeln durch. Der Abgang ist mild und wenig bitter; dafür bleibt auch hier der Geschmack dunkler Schokolade erhalten, der recht lange nachklingt.

Schade, dass dieses Bier nur für den amerikanischen Markt gebraut wird und ich auch nicht weiß, wo ich es gekauft habe. Ich würde mir sofort noch einige Flaschen holen. Einen besonderen Tipp hält die Brauerei noch auf ihrer Website bereit: Dort wird empfohlen, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu ignorieren und das Bier erst einmal ein Jahr im Keller zu lagern. Wenn ich mich an andere lang gereifte Biere erinnere, ist dieses Vorgehen bei der DoppelSticke ganz sicher einen Versuch wert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Caramelmalz, Röstmalz), Dodenhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

UERIGE Obergärige Hausbrauerei GmbH
Berger Str. 1
40213 Düsseldorf

DIE BIEROTHEK

Köstritzer Kellerbier

Nun steht ein Fernsehbier vor mir. Das muss ich auch mal verkosten, denn die Differenz wird mir sicher zeigen, wie gut doch Craft Beer ist. Oder vielleicht doch nicht? Gleich werde ich es wissen.

Mahagonifarben steht das Bier im Glas. Obwohl das Etikett es als „naturbelassen und unfiltriert“ ausweist, kann ich keine Trübung durch Hefe feststellen, es ist klar. Das ist schon merkwürdig und ich kann es mir nicht erklären. Da ich aber auch nichts ändern kann, mache ich weiter. Das Bier bildet relativ wenig größtenteils feinporigen Schaum, der relativ lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier damit nicht das, was ich erwartet hätte, aber ich kann auch nicht sagen, dass die Brauerei etwas wirklich falschgemacht hat.

Das Aroma ist nicht schlecht, auch wenn ihm einiges an Komplexität fehlt. Es wird durch das Malz dominiert, aber auch der Hopfen kommt zu seinem Recht. Neben einigen Bitternoten stelle ich den Duft von Rosinen oder anderen Trockenfrüchten fest. Der Antrunk ist mäßig süß und ich stelle fest, dass die Kohlensäure sehr feinperlig ist. Der erste Eindruck dieses Biers ist also wirklich positiv. Das ändert sich aber schnell. Sobald sich das Bier im Mund verteilt stelle ich ein unangenehmes Bitter fest, das sich mit einem verstärkten Süß vermischt. Der Körper dieses Biers gefällt mir überhaupt nicht. Der Abgang ist dann überraschend mild mit einigen Bitternoten, die sich auch einige Zeit halten.

Jetzt frage ich mich, ob die Flasche Bier eventuell falsch gelagert sein könnte. Immerhin hat das Köstritzer Kellerbier drei Auszeichnungen erhalten. Es mag auch sein, dass das Bier besser wird, wenn es kalt getrunken wird. Ich teste die Biere immer bei Zimmertemperatur, da sich bei einem wärmeren Bier die Aromastoffe besser feststellen lassen. Eventuell sollte ich das Bier noch einmal testen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,7 %

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
www.koestritzer.de