Gruthaus ist eine Brauerei in Münster, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, alte Bierrezepte wiederzubeleben. So auch in diesem Fall. Das Grut wurde nach Angaben der Brauerei nach einem Rezept von 1480 gebraut und zumindest in diesem Jahr dem 500jährigen Reformationsjubiläum gewidmet.
In der Zutatenliste dieses Bieres finden sich auch Hafer, Wacholder, Gagel und Kümmel. Diese Kräutermischung besteht aus Pflanzen, die auch im Münsterland wild wachsen, was vor der Verwendung von Hopfen wichtig war. Die Bauern waren damals schließlich ausreichend damit beschäftigt, die Lebensmittelversorgung mehr oder weniger zuverlässig sicherzustellen. Während Wacholder und Kümmel jedem bekannt sind, ist Gagel in der heutigen Zeit nicht mehr so bekannt. Daher habe ich im Internet danach gesucht. Es handelt sich dabei um einen Strauch, der vorwiegend am Rand von Mooren wächst und inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten steht. Vermutlich aufgrund der in ihm enthaltenen ätherischen Öle wurde Gagel bereits früh zum Bierbrauen verwendet. Andere regional unterschiedliche Bezeichnungen für Gagel sind Bäckerbusch, Birtgenbertz, Borse, Flohkrut, Gerber-Myrthe, Grut, Mirtelbaum, Mirtelbon, Mirtelepoumahi, Mitrus, Myrtenheide, Noppenkraut, Portz, Rausch, Talgbusch, Torf-Öl-Myrte oder Waschbaum. Wenn Sie mehr über Gagel wissen wollen, können Sie sich auf Wikipedia informieren.
Da dieses Bier nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht und trotzdem als Bier verkauft werden darf, wurde es bei der Brauerei Anders im belgischen Halen gebraut. Manchmal geht die deutsche Gesetzgebung schon merkwürdige Wege. Aber kommen wir jetzt einfach zum Bier.
Hellgelb ist es, fast wie Stroh. Dazu hefetrüb mit einer gewaltigen Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt. Die Optik ist also schon mal nicht schlecht.
Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche neben dem Malz Stachelbeeren, Ananas sowie die verwendeten Gewürze. Der Duft hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Witbier aus Belgien.
Der Antrunk ist recht süß und weich, wobei die Süße gut auf die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure angeglichen ist. Schnell lässt die Süße nach und macht einer relativ kräftigen Säure Platz, die an einen Kräuteressig mit Zitrone erinnert. Im Abgang meldet sich die Süße wieder etwas zurück, zusammen mit einer Kräuterigkeit, die mich fast an Kräuterbonbons erinnert.
Das Bier wird bereits seit 2015 gebraut, so dass es offensichtlich seine Liebhaber hat. Meins ist es aber nicht so wirklich. Damit will ich nichts gegen die Brauerei gesagt haben; die anderen Biere von Gruthaus getestet habe, gefallen mir recht gut. Es ist auch möglich, dass das Bier im Handel nicht sachgemäß gelagert wurde, weshalb ich es erneut kaufen werde, wenn ich es noch einmal sehe.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Weizenmalz, Hafer, Hefe, Hopfen, Wacholder, Gagel, Kümmel
Alkoholgehalt:
5,5 %
Brauerei:
Gruthaus-Brauerei
48143 Münster
www.gruthaus.de
Nun steht wieder ein Bier aus Neuzelle vor mir. Diesmal handelt es sich um ein glutenfreies Bier, die Brauerei nennt es Bier-Getränk. Das liegt vermutlich daran, dass die Lebensfreude nach dem vorläufigen Biergesetz nicht als Bier verkauft werden darf. Ein Blick auf die Zutatenliste (siehe unten) zeigt auch sofort auf, weshalb.
Wenn Sie annehmen, dass das Allgäuer Heubier aus Bayern kommt, ist diese Annahme zwar nachvollziehbar aber falsch. Tatsächlich kommt das Allgäuer Heubier aus der Klosterbrauerei im brandenburgischen Neuzelle. Seit dem Jahr 2014 überrascht die kleine Brauerei nahe der Grenze zu Polen mit dieser Bierspezialität. Grundlage ist ein Pils, das mit Heuextrakt aufgewertet wird.
Auf dieses Bier bin ich wirklich gespannt. Als Bierstil wird „Belgian North Sea Beer“ angegeben. Und tatsächlich, in der Zutatenliste wird auch Brausalz angegeben. Da mir Brausalz nicht bekannt war, habe ich erst einmal im Internet danach gesucht. Ein Händler beschreibt die Verwendung einer Brausalzlösung wie folgt: „Lösung von natürlich-reinem Kalziumchlorid (E509) enthält 33% Kalziumchlorid. Das Brausalz wird in die Maische gegeben. Die Chloride geben dem Bier einen weicheren, volleren und süßeren Geschmack. Das Kalzium fördert die Ausflockung der Eiweiße und trägt zur Geschmacksstabilisierung bei.“ Nachdem das jetzt geklärt ist, kann ich ja die Flasche öffnen und mir das Bier einschenken.
Nun steht ein Sondersud aus der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg vor mir. Das 500 SL wurde 2016 erstmals im Gedenken an das 500jährige Bestehen des Reinheitsgebots gebraut und in diesem Jahr gab es einen Sondersud dieser Kreation, der auf 500 Flaschen limitiert ist.
Nun verkoste ich mal ein Bier der Brauerei Stauder aus Essen. Lange habe ich Stauder als ziemlich langweilig wahrgenommen, es gab Pils und Helles, das Pils auch in einer alkoholfreien Variante, und das war es dann auch schon. Damit macht die Marke Stauder auf mich einen eher langweiligen Eindruck. Damit ist erst einmal nichts gegen die Qualität der Biere oder des Unternehmens gesagt. Schließlich gehört zu Stauder auch die Borbecker Brauerei, die richtig gute Biere herstellt. Aber unter der Marke Stauder gibt es normalerweise nur die drei erwähnten Biere. Nachdem die Brauerei in diesem Jahr 150 Jahre alt wird, hat sie ein Jubiläumsbier herausgebracht, das Jacob. Auf der Website wird nicht klar, ob das Jacob nur im Jubiläumsjahr 2017 angeboten wird oder ob dieses Bier Teil des Standardsortiments ist.
Nun steht mal wieder ein Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle in der Lausitz vor mir. Diesmal handelt es sich um das Marathon, das, Nomen est Omen, Bier plus Energie verspricht. Weshalb Energie? Die Zutatenliste gibt Auskunft. Neben den üblichen Zutaten Wasser, Malz und Hopfen enthält das Marathon aus 250 mg L-Carnitin. Diese Zutat muss ich erst einmal im Internet recherchieren.
Steinbier gehört zu den seltenen Bierspezialitäten. Es wird mit obergäriger Hefe gebraut. Dabei handelt es sich vermutlich um die älteste Braumethode. Da es keine Metallgefäße gab, war das indirekte Kochen die einzige Möglichkeit, große Wassermengen zu kochen. Dafür wurde ein Loch in der Erde ausgehoben, mit Steinen ausgekleidet und mit Holz aufgefüllt. Das Holz wurde entzündet und es wurden Steine daraufgelegt, die sich durch das Feuer auf bis zu 1000° C erhitzten. Die heißen Steine wurden mit Zangen in die Bierwürze gegeben und diese dadurch zum Kochen gebracht. Durch die Hitze öffneten sich in der Oberfläche der Steine Poren, in denen der Malzzucker karamellisierte. Auf diese Weise erhält das Steinbier seinen karamellartigen und leicht rauchigen Geschmack. Heute wird Steinbier in Franken, Baden-Württemberg und Salzburg gebraut. Heute steht vor mir das Steinbier von Leikeim in Altenkunstadt in Franken. Mal sehen, wie es sich so macht.
Seit 2015 braut die Insel-Brauerei in Rambin auf Rügen unter dem Motto „Expeditionen ins Bierreich“ besondere Biere. Dabei werden alte Bierstile neu interpretiert, ohne sich dabei durch das deutsche Reinheitsgebot einschränken zu lassen. Für mich steht aber eine andere Besonderheit der Insel-Brauerei im Mittelpunkt: Während etliche andere Brauer immer nur von „ihrem Hefestamm“ sprechen, also in Einzahl, verwendet die Insel-Brauerei 24 unterschiedliche Hefen, jeweils zwei für jedes der zwölf Biere, die in Rambin gebraut werden. Ich kann nicht beurteilen, wie groß die Unterschiede im Ergebnis sind, aber zumindest zeigt die Vielzahl der Hefen an, wie sorgfältig auf Rügen die Zutaten für die Biere ausgewählt werden. Jetzt steht vor mir das Baltic Triple. Das Tripel ist ein belgischer Bierstil, stark eingebraut mit einem Alkoholgehalt bis zu etwa 10 Volumenprozenten. Mal sehen, ob sich ein solches Bier auch in Mecklenburg-Vorpommern brauen lässt.
Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir. Die Potsdamer Stange ist ein alter regionaler Bierstil, der zuletzt in den 1970er Jahren gebraut und durch die Braumanufaktur wiederbelebt wurde. Den Namen dieses Bierstils beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Durch den höheren Spundungsdruck bei der Herstellung ist dieses Bier etwas spritziger und es entsteht mehr Schaum. Deshalb verwendet man zum Ausschank hohe Gläser um dem Schaum den nötigen Steigraum zu geben. Diese Stangengläser gaben dem Bier auch den Namen.“