Ich habe schon einige Biere mit dem Namen La Forestinne beschrieben, die aus der Brasserie Caracole stammten. So war ich ziemlich überrascht, als ich auf der Internorga andere Biere mit diesem Namen gesehen habe, die aber aus der Brasserie d’EBLY stammen. Ich weiß nicht, welche Brauerei den Namen zuerst verwendete, aber offensichtlich können in Belgien zwei Biere mit gleichem Namen friedlich nebeneinander vertrieben werden. In Deutschland würde eine solche Situation sicher zu einer Abmahnung führen.
Im Regal fällt die Flasche aufgrund seines Etiketts gleich auf. Die überrascht schauende Frau mit den Hopfendolden statt Haaren erinnert mich gleich an die Medusa, die Figur aus der griechischen Mythologie. Mal sehen, ob mich das Bier auch so überraschen kann.
Golden strahlt mir das IPA aus dem Glas entgegen. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt auch durchschnittlich lange erhalten.
Das Aroma überrascht mich auf jeden Fall. Es ist nicht so fruchtig wie bei anderen IPAs, sondern im Vordergrund steht das Aroma nach Biskuit, das durch leichte Zitrusnoten und den Duft nach Ananas sowie einige blumige Noten unterstützt wird. Sehr angenehm, aber halt nicht das, was ich erwartet habe.
Der Antrunk ist leicht süß und das Bier enthält relativ wenig Kohlensäure. Da hätte ich mir jetzt etwas mehr gewünscht. Auf der Zunge entwickelt sich ein freundliches Bitter, dessen Stärke gut mit der Süße abgestimmt ist. Jetzt kommt auch die Fruchtigkeit durch, die die Aromen auf der Zunge widerspiegelt. Der Abgang ist überraschend mild und wenig bitter, sondern fruchtig mit langem Nachklang.
Das La Forestinne Blonde IPA ist ein schönes Bier an einem warmen Sommerabend. Es passt gut zu Fischgerichten und Meeresfrüchten.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
5,6 % Vol.
Brauerei:
Brasserie d’EBLY
Rue Champs Claire 4
6860 Ebly
Belgien
www.forestinne.be
Die Brauerei Ferme de Bertinchamps ist im wallonischen Gembloux beheimatet. Sie bewirbt ihre Biere als traditionelle und authentische belgische Biere im alten Stil, die aus reinem Malz und Hopfen gebraut werden, ohne Gewürze und Zusatzstoffe. Ich habe die Brauer auf der Internorga in Hamburg kennengelernt, wo ich auch einige Biere zur Verkostung bekommen habe. Jetzt steht das Brune vor mir.
Eine Besonderheit sticht bei den Bieren der Gentse Stadsbrouwerij Gruut sofort ins Auge – sie werden ohne Hopfen gebraut. Was uns heute eventuell etwas ungewöhnlich erscheint, war bis ins 16. Jahrhundert der Normalfall. Bier war ein Alltagsgetränk, sauberer und gesünder als das häufig verseuchte Wasser und viele Kräuter haben eine gesundheitliche Wirkung. Über die Beweggründe, 1516 das „Reinheitsgebot“ zu erlassen und damit ausschließlich Hopfen zum Brauen zuzulassen, können wir heute nur noch spekulieren. Mir sind einige Theorien bekannt, die alle für sich recht logisch erscheinen. Aber lassen wir das Thema und freuen uns auf ein wirklich traditionelles Bier, so wie es unsere Vorfahren vor mehr als 600 Jahren getrunken haben könnten.
Martin’s Pale Ale stammt aus der Anthony Martins Brewery im belgischen Merchtem. Dort wird bereits in der vierten Generation Bier gebraut, genauer gesagt seit dem Jahr 1909. Dabei hält sich die Brauerei an traditionelle belgische und englische Verfahren und Rezepturen. Außerdem importiert das Unternehmen alkoholische und nicht alkoholische Getränke aus Schottland, Irland und Großbritannien.
Wenn mich jemand nach meiner bevorzugten Brauerei fragt kommt mir auf jeden Fall Lupulus aus dem wallonischen Gouvy in den Sinn. Dort werden gut ausgewogene Rezepturen meisterlich umgesetzt. Leider werden die Biere dieser Brauerei in Deutschland nicht verkauft, aber eventuell ändert sich das jetzt. Die Jungs hatten auf der diesjährigen Internorga einen Stand, an dem sie ihre Biere vorgestellt haben. Ich hoffe, sie haben einen Großhändler gefunden. Auf jeden Fall haben sie mir die Flasche Lupulus Organicus mitgegeben, die jetzt vor mir auf ihre Verkostung wartet.
In der Wallonie liegt nahe der Grenze zu Luxemburg die kleine Gemeinde Ebly, so klein, dass sie weder über eine eigene Website noch über einen Eintrag bei Wikipedia verfügt. Aber eines gibt es – eine Brasserie mit eigenem Bier. Zwar wird es nicht in Ebly gebraut, sondern bei der Brasserie des Légendes in Ellezelles, aber trotzdem gibt es vom La Corne de Bois des Pendus gleich eine ganze Serie unterschiedlicher Biere: Die Trilogie Corne du Bois des Pendus besteht aus einem Lagerbier, einem Schwarzbier und einem Tripel. Diese drei dauerhaft verfügbaren Biere werden durch ein fruchtiges Bier sowie ein winterliches Spezialbier ergänzt. Jetzt steht das Winterbier vor mir. Von diesem Bier werden pro Jahr lediglich 200 Hektoliter hergestellt. Wenn diese weg sind, sind sie weg und auf das nächste Winterbier muss der geneigte Käufer ein Jahr warten.
Cuvées, auch Blends genannt, werden vor Allem bei Wein und Whisky häufig angewandt. Beim Bier wird selten verschnitten und mir ist dieses Vorgehen eigentlich nur aus Belgien bekannt. Dieses Verfahren hat die Brauerei Oud Berseel auch beim Bersalis sourblend angewandt, bei dem ein belgisches Lager mit einem Lambic verschnitten wurde. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.
Die Genter Stadtbrauerei Gruut wurde 2009 von Annick De Splenter gegründet. Die Liebe fürs Brauen hat sie im Blut, den sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits war man in der Brauerwelt aktiv. Sie braut in ihrem Unternehmen Grutbier, ein Bierstil, der vor der Einführung des Hopfens allgemein üblich war. Statt des Hopfens wird eine Kräutermischung verwendet, die die Stadtbrauerei aber geheim gehalten wird. Auch in Deutschland brauen einige Craft-Brauer Grutbier, die Besonderheit der Brauerei in Gent ist aber, dass dort fünf unterschiedliche Grutbiere gebraut werden: Gentse Gruut Wit, Gentse Gruut Blond, Gentse Gruut Amber, Gentse Gruut Bruin und Gentse Gruut Inferno. Jetzt steht das Gruut Blond vor mir.
Seit 2007 betreibt der Brauer Ronald seine kleine Brauerei De Dochter van de Korenaar, wo er als erstes das Noblesse herstellte, das jetzt vor mir steht.
Oud Bruin ist ein typischer Bierstil für Flandern, die Region, in der er gebraut wird. Eine Mischung aus gereiftem Braunbier, das bereits seit sechs Monaten in Eichenfässern gelagert wurde, und etwas jungem Braunbier. Jedes Fass wird separat probiert und nach Belieben gemischt, um die perfekte Kombination zu erhalten. Der Geschmack ist jedes Jahr etwas anders, obwohl die Hauptmerkmale immer gleichbleiben: Das Aroma wird von grünem Apfel, roten Früchten und Eiche dominiert.