Archiv der Kategorie: Biertest

Aecht Schlenkerla Eiche

Auf das Bier, das jetzt vor mir steht, bin ich ganz besonders gespannt. Es kommt aus der Brauerei Schlenkerla in Bamberg, die für ihre Rauchbierspezialitäten bekannt ist. Aber dieses Bier verspricht, auch für diese Brauerei etwas Besonderes zu sein. Es handelt sich um einen Doppelbock, der mit Rauchmalz gebraut wurde. Und nicht nur das, sondern dieses Malz wurde nicht wie üblich mit Buchenholz gedarrt, sondern mit Eichenholz. Die Brauerei beschreibt das Ergebnis wie folgt: „Das resultierende Eichenrauchmalz hat ein weicheres und vielschichtigeres Raucharoma als das würzige und intensive Buchenrauchmalz. Die so entstehende komplexe Rauchnote in Aecht Schlenkerla Eiche wird ergänzt durch die vielfältige Bittere feinsten Aromahopfens aus der Hallertau.“ Jetzt bin ich mal gespannt, ob das Bier, das zu Weihnachten gebraut wird, diesem hohen Anspruch gerecht wird.

In dunklem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas, darüber eine schöne Krone aus feinporigem elfenbeinfarbigem Schau, der auch lange erhalten bleibt.

Wie zu erwarten prägen Rauchnoten das Aroma. Es duftet nach Schinken und Bratkartoffeln, das Raucharoma ist nicht so ausgeprägt wie bei vielen anderen Rauchbieren. Dazu kommt noch ein Hauch Karamell, eventuell noch einige würzige Noten. Das komplexe Aroma kann durchaus gefallen.

Der Antrunk ist süß und sehr spritzig und ich wundere mich über den fehlenden Rauchgeschmack. Von Anfang an spüre ich eine Komplexität dieses Bieres, die ich aber nicht wirklich zu fassen bekomme. Auch der Körper, in dem der Schinken des Aromas wieder zum Vorschein kommt, bietet sehr viele unterschiedliche Geschmäcker, so umfangreich, dass ich sie hier nicht benennen kann. Aber immerhin kann ich jetzt sagen, dass es sich hier um ein echtes Rauchbier handelt. Der Rauch kommt aber erst im recht trockenen Abgang so richtig zu seinem Recht, bei dem der Rauch richtig seine Muskeln spielen lässt, der durch einen Hauch von Whisky unterstützt wird.

Die Franken mögen es mir verzeihen, aber ich würde zu diesem Bier Sauerkraut mit Schäufele essen und mich damit auf die Seite der Schwaben schlagen. Weshalb können sich diese beiden Völker eigentlich nicht vertragen?

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

19,9 %

Brauerei:

Heller-Bräu Trum GmbH
96049 Bamberg
www.schlenkerla.de

Walter’s India Pale Ale

Jetzt steht nach längerer Zeit mal wieder ein Bier aus der kleinen Brauerei Walter Bräu aus Wesel am Niederrhein vor mir. Diese Brauerei hat eine Besonderheit. Kleine Brauereien gibt es inzwischen viele, das ist mittlerweile nichts Besonderes mehr. Dass auch kleine Brauereien ihr Bier über eine eigene Brauereigaststätte verkaufen ist auch eher die Regel als die Ausnahme und Walter Bräu bildet da keine Ausnahme. Dass in den meisten Brauereigaststätten ein gutes wenn auch sehr fleischlastiges Essen serviert wird, ist allgemein bekannt. Die Besonderheit der Brauereigaststätte von Walter Bräu ist aber, dass Sie Ihre Mahlzeit auch selbst mitbringen und in der Gaststätte verzehren können. Das kennen Sie auch aus traditionellen Biergärten in Bayern? OK, aber bei Walter Bräu erhalten Sie zu Ihrem mitgebrachten Essen noch Teller und Besteck. Auch einen Grill, ein Raclette oder einen heißen Stein können Sie dort mieten, um Ihre mitgebrachten Speisen fertigzustellen. Sie werden zugeben, dass das eine Besonderheit ist. Aber hier wollen wir uns nicht länger mit der Gaststätte aufhalten, sondern wir kommen nun endlich zum Bier.

Während die bisherigen Biere aus Wesel in traditionellen Bierstilen gebraut waren, gibt es heute ein Bier in einem zumindest für Deutschland neuen Bierstil, das India Pale Ale. Das Etikett verrät, dass für dieses Bier vier verschiedene Hopfen verwendet wurden; ansonsten enthält das Etikett keine Informationen über das Bier. Kommen wir also zum Einschenken.

Bernsteinfarben und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber sehr viel feinporiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird wie für ein IPA typisch durch Zitrusnoten bestimmt. Ich rieche Blutorange, Zitronenschalen und Holunderblüten. Als ausgesprochen positiv empfinde ich, dass auch die Aromen des Malzes noch leicht durchkommen. Dadurch wird die Nase wunderbar komplex.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig. Schnell kommen zunächst die Fruchtnoten zum Vorschein, die schnell durch ein kräftiges Bitter abgelöst werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich eher Bittermandel oder Bitterorange schmecke. Der Abgang ist freundlich bitter und klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Walter Bräu Büderich
Perricher Weg 54c
46487 Wesel
www.walterbrau.de

NBG India Pale Ale

NBG ist offensichtlich eine Abkürzung, in diesem Fall sogar doppelt. NBG ist eine geläufige Abkürzung für Nürnberg, aber auch für „New Beer Generation“, zwei Amerikaner, die mit nach amerikanischen Rezepten gebrautem Bier von Nürnberg aus die deutsche Bierwelt erobern wollen. Allerdings brauen sie nicht selbst, sondern in der Brauerei Binkert in Breitengüßbach. Ich bin mir nicht sicher, ob Deutschlands Bierkultur unbedingt Entwicklungshilfe aus den USA nötig hat, aber Vielfalt kann ja nie schaden. Egal, jetzt geht es erst einmal um das NBG IPA.

Das Etikett ist nicht sonderlich aussagekräftig. Die Entstehungsgeschichte des IPA wird wieder einmal neu durchgekaut, die Brauer verraten, dass sie sich ans deutsche Reinheitsgebot halten, und das war es im Wesentlichen auch schon. Nicht einmal, dass NBG seinen Sitz in der Bismarckstraße in Nürnberg hat, wird verraten, genau wie auf dem Etikett die Website des Unternehmens verheimlicht wird. Ich denke einmal, dass für die nächste Auflage der Etiketten die Beschriftung überarbeitet werden sollte. Aber kommen wir endlich zum Wesentlichen, zum Bier.

Goldgelb und leicht hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber viel weißer feinporiger Schaum mit guter Standfestigkeit. Optisch ist an dem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Auch das Aroma ist vielversprechend. Ich rieche Zitrusfrüchte, Ananas und Holunderblüte. Die Düfte gefallen mir, auch wenn für meinen Geschmack zur Perfektion noch etwas Karamell des Malzes fehlt. Aber das ist mein persönlicher Geschmack und jeder kann das anders empfinden.

Der Antrunk ist leicht süß und fruchtig und ich stelle die sehr feinperlige Kohlensäure fest. Mich wundert etwas, dass ich jetzt zumindest schwach die das Malz schmecken kann, obwohl es im Aroma nicht festzustellen war. Schnell schlagen dann die Bitterstoffe zu, was bei 50 IBU kein Wunder ist. Dadurch wird die Fruchtigkeit etwas in den Hintergrund gedrängt. Mich überrascht, dass der Abgang dann milder und freundlicher wird. Das trockene Bitter klingt auch recht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Hallertau Mittelfrüh, Columbus, Cascade, Comet), Hefe

Alkoholgehalt:

6,1 % Vol.

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidla.de

Gebraut für:

New Beer Generation
Bismarckstr. 45c
90491 Nürnberg
www.newbeergeneration.de

DIE BIEROTHEK

Echt Veldensteiner Landbier

Seit dem Jahr 1929 existiert die Brauerei aus dem fränkischen Neuhaus, von der mir jetzt das Landbier vor mir steht.

Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur. Dunkel bernsteinfarben ist es und es bildet sich beim Einschenken sehr viel cremiger bis feinporiger Schaum, weiß mit einem Gelbstich. Der Schaum fällt nur langsam in sich zusammen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes bestimmt. Neben einem Karamellduft stelle ich noch etwas Saures fest. Es ist nicht fruchtig, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk ist recht neutral und nichtssagend. Er hat zwar eine gewisse Rezenz, aber das war es auch schon. Erst anschließend kommen die Röststoffe zum Einsatz, ich schmecke Kaffee und einen dezenten Geschmack nach Kräutern. Der Abgang ist sehr mild, kaum bitter und ohne langen Nachklang.

Das Landbier von Veldensteiner ist sicher kein schlechtes Bier, eher etwas für die Liebhaber sehr milder Biere. Für mich ist es kein unvergesslicher Genuss, aber um es nebenbei zu trinken ist es gut geeignet, schließlich ist es recht süffig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Kaiser Bräu
91284 Neuhaus
www.veldensteiner.de

Camba EI PI AI

Nun habe ich ein IPA aus der Brauerei Camba in Truchtlaching im Landkreis Traunstein in Oberbayern vor mir stehen. Ich kenne die Brauerei nicht näher, aber es fällt mir auf, dass dort etwa 40 Biersorten gebraut werden. Das ist schon eine erstaunliche Menge, die ich ansonsten bislang nur noch in der Klosterbrauerei in Neuzelle gefunden habe.

Das Ei Pi AI, das ich jetzt vor mir stehen habe, ist bereits dreimal beim Meiningers International Craft Beer Award ausgezeichnet worden, im Jahr 2014 mit Gold sowie 2015 und 2016 mit Silber. Wir können also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass es sich hier um ein besonderes Bier handelt.

Golden mit einem leichten Rotstich und hefetrüb steht das obergärige Bier im Glas. Darüber eine sehr schöne große weiße und feinporige Schaumkrone, die auch lange stehen bleibt. Von der Optik bin ich schon mal begeistert.

Das Aroma ist sehr angenehm. Ich rieche Düfte nach Zitronenschale, Orange, und Holunderblüte. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Karamell.

Der Antrunk ist angenehm süß und es zeigt sich, dass das Bier eine sehr feinperlige Kohlensäure enthält. Dann ist das Bier zunächst sehr fruchtig, mit einem eindeutigen Fokus auf Orangen, bevor mit Macht das Bittere die Oberhand gewinnt. Der Abgang ist freundlich bitter und mit langem Nachklang. Das EI PI AI ist ein Bier, das man unbedingt getrunken haben sollte.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (Centinnial, Cascade, Chinook, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

17,5 %

IBU:

62

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Mühlweg 2
83376 Truchtlaching
www.camba-bavaria.de

Main Seidla Summer Ale

Ein Bier aus Breitengüßbach. Da muss ich erst einmal nachsehen, wo Breitengüßbach überhaupt liegt. Auf der Karte finde ich den Ort im Landkreis Bamberg in Oberfranken. Dann wird das Bier vermutlich gut sein, denn die Franken kennen sich mit Bier ja nun wirklich aus. Ob das auch für ein IPA gilt werde ich gleich wissen.

Auch wenn Franken eine lange Brautradition hat, gilt dies nicht für die Brauerei Main Seidla. Sie wurde erst im Jahr 2012 anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Breitengüßbach gegründet. Aber trotzdem hat die Brauerei eine Tradition wiederbelebt, die fast eineinhalb Jahrhunderte nicht mehr fortgeführt worden war: Bis ins Jahr 1870 war Breitengüßbach ein Hopfenanbaugebiet. Jetzt wird auf dem Brauereigelände wieder Hopfen angebaut, aus dem einmal im Jahr ein Jahrgangsbier gebraut wird. Das muss zwar nicht zwangsweise das Summer Ale besser machen, aber nach meiner Erfahrung wird in Brauereien, die sich nicht auf das reine Brauen beschränken, in vielen Fällen ein besseres Bier gebraut. Das ist dann das Herzblut, das auch der Konsument im Bier bemerken kann. Daher will ich jetzt auch nicht mehr auf die Verkostung warten und öffne die Flasche.

Als erstes fällt mir beim Einschenken auf, dass sich extrem viel weißer gemischtporiger Schaum bildet, der langsam in sich zusammenfällt. Da hätte ich das Glas wohl besser schräggehalten, aber mit so viel Schaum hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber der Schaum ist ja auch absolut kein Nachteil.

Das Aroma ist betörend fruchtig. Ananas, Mango und Zitrusfrüchte steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist spritzig und leicht süß. Als sich das Bier im Mund verteilt übernimmt ein freundliches Bitter die Oberhand, unterstützt durch fruchtige Noten nach Bitterorange und Zitrone. Der Abgang klingt lange nach.

Auch wenn das Bier nicht als IPA angeboten wird und auch Unterschiede zu einem IPA nicht abzustreiten sind, ordne ich es hier als IPA ein. Würde ich für jeden der mehrere Hundert vorhandenen Bierstile ein eigenes Stichwort verwenden würde, wäre die Stichwortwolke vollkommen unübersichtlich. Das Summer Ale ist weniger bitter als ein IPA, dafür aber frischer. So rettet die Brauerei einen Teil des Sommers in den Winter hinüber.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Cascade, Hallertauer Mittelfrüh, Herkules), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidl.de

Riedenburger Doldenbock

Nun steht mal wieder ein Bier aus Riedenburg im Altmühltal vor mir, ein Weizenbock namens Doldenbock mit 7,9 % Vol. Alkohol. Das Rückenetikett verspricht viel: Ein Doppelbock, doppelt mit Hopfen gestopft. Dazu noch ein Weizenbock und das Ganze unfiltriert und aus Bioland-Anbau. Irgendwie habe ich den Eindruck, das Team des Riedenburger Brauhauses, das im letzten Jahr sein 150jähriges Jubiläum feierte, wollten mit diesem Bier das deutsche Reinheitsgebot mal so richtig ausreizen. Mal sehen, was dabei rausgekommen ist.

Den Doldenbock dürfen wir auch nicht mit dem Doldensud verwechseln, der aus der gleichen Brauerei stammt. Hier noch kurz die Prosa, mit der die Brauerei uns den Doldenbock auf dem Rückenetikett der Flasche schmackhaft machen will: „Er ist stark. Er ist mächtig. Er ist kraftvoll. Ein Naturbursche. Bevor du diesen Bock herausforderst, sei ehrlich zu dir selbst und frag dich, ob du stark genug bist. Er ist kein einfacher Bock. Er ist doppelbockig. Er ist heimtückisch. Er kommt mit seiner Hopfennote und frisch und leicht daher. Blumige Noten steigen in die Nase. Und dann nimmt er dich auf die Hörner mit seinen potenten 7,9 % Volumen. Bezwing den Bock. Und wenn du ganz stark bist – auch zwei.

Mit diesen Worten hat die Brauerei mich überzeugt, die Flasche zu kaufen. Jetzt ist es aber endlich an der Zeit, sie zu öffnen und den Bock in die Freiheit zu entlassen.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich der Bock im Glas. Darüber bildet sich recht viel feinporiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Gegen die Optik ist jedenfalls nichts zu sagen.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche Banane, Zitrusfrüchte, Karamell und auch etwas Würziges. Ich kann es nicht genau identifizieren, es könnten aber Düfte von Pfeffer und Nelken dabei sein.

Der Antrunk ist so süß, wie ich es von einem Bockbier erwarte, dabei aber prickelnd und frisch wie ein gutes Weizenbier. Bis hierhin ist das Bier einfach perfekt. Der Körper ist vollmundig mit Geschmäckern nach Melone und überreifen Bananen. Dazu kommt die Süße des Malzes, abgerundet mit Trockenfrüchten. Der Abgang ist nur wenig bitter, da hätte ich mehr erwartet. Aber zumindest klingt er einige Zeit nach.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich dieses Bier bewerten soll. Einerseits ist es gut ausgewogen, aber es hat so viele Geschmacksnuancen, so dass ich den Eindruck habe, dass es irgendwie überladen ist. Aber auf jeden Fall ist es ein spannendes Bier.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:

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St. Bernardus Abt 12

Ganz im Westen von Flandern liegt das größte Hopfenanbaugebiet Belgiens. Und genau dort befindet sich in Watou die Brauerei des St. Bernardus. Dort wird im Übrigen nicht nur Bier gebraut, sondern seit 1959 befindet sich auf dem gleichen Gelände auch eine Käserei. Jetzt steht vor mir das St. Bernardus Abt 12, mit 10 % Vol. das stärkste Bier dieser Brauerei. Es wird in der Brauerei seit 1946 gebraut, das Rezept ist aber älter und wurde der Brauerei von der Abtei im Rahmen der damals erteilten Lizenz zum Brauen dieses Biers übergeben.

Rubinrot ist das Bier, darüber sehr viel gemischtporiger Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Das komplexe Aroma ist malzbetont. Ich rieche Kaffee, Gewürze und Äpfel.

Der Antrunk ist spritzig und frischer als ich es erwartet habe. Sofort bemerke ich die kräftige Süße des Bieres, zusammen mit würzigen Noten nach Nelken und anderen Gewürzen. Damit wirkt das Bier von Anfang an ausgewogen. Der Körper ist nicht ganz so intensiv wie vermutet. Schokolade, Kaffee und eine leichte Säure verbinden sich zu einem runden Eindruck. Der Abgang ist leicht bitter und er klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie St. Bernard N.V.
Trappistenweg 23
8978 Watou
Belgien
www.sintbernardus.be

Schneider TAP4 Meine Festweisse

Wieder einmal steht ein Bier aus Bayerns ältester Weißbierbrauerei vor mir, das TAP 4 mit Namen „Meine Festweiße“. Anders als andere Festbiere wird dieses Weizenbier nicht zu einem speziellen Volksfest gebraut, sondern die Brauerei Schneider schreibt auf ihrer Website, dass das Bier nach altem Festbierrezeptur für feierliche Runden neu aufgelegt wurde.

Eine Besonderheit dieses Bieres ist, dass es das erste Biobier ist, das ich von dieser Brauerei aus Kelheim erhalten habe. Das Malz und der Hopfen sind nicht „bio-light“ EU-Bio, sondern stammen aus durch Naturland zertifiziertem Anbau. Dann will ich mal testen, ob sich das auch in der Qualität des Bieres niederschlägt. Jedenfalls ist das Bier weder filtriert noch pasteurisiert, was ich schon mal als positiv empfinde.

Golden und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Mir fällt auf, dass die Hefe teilweise verklumpt ist, was aber durchaus daran liegen kann, dass die Flasche bereits einige Zeit bei mir gestanden hat. Sonst habe ich diesen Effekt bei den Bieren von Schneider noch nicht erlebt. Davon unabhängig ändert das aber nichts am Geschmack, es fällt lediglich ins Auge. Für ein Weißbier bildet sich vergleichsweise wenig cremiger weißer Schaum, was das Einschenken erleichtert. Dafür bleibt der Schaum wirklich lange erhalten.

Der Antrunk ist frisch mit einer angenehmen Kohlensäure, die für meinen Geschmack auch in der richtigen Menge vorhanden ist. Der Körper ist ausgeglichen mit einem leichten Säureüberschuss, der aber die Fruchtigkeit der Festweisse unterstreicht. Im Abgang ist das Bier mild ohne langen Nachklang.

„Meine Festweisse“ ist ein mildes und angenehmes Weißbier, das sicher auch Menschen gefallen kann, die sonst eher kein Weizenbier trinken. Es lässt sich nichts Schlechtes über dieses Bier sagen, sondern es ist ein wirklich gutes Weißbier, das gefallen will und kann. Mir persönlich fehlt ihm aber etwas Charakter, ein Alleinstellungsmerkmal, wie ich es bei den anderen Bieren von Schneider erlebt habe.

Jetzt frage ich mich, weshalb ich dieses Bier noch nie in einem Bioladen gesehen habe. Die Voraussetzungen erfüllt es auf jeden Fall.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

13,8 %

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Weisses Bräuhaus
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Biershop Bayern

Hooky Gold

Und nun mal wieder ein englisches Bier. Das Hooky Gold aus der Brauerei im englischen Hook Norton ist dreimal ausgezeichnet worden, 2012 bei den SIBA Midlands mit Gold und bei der International Beer Challenge 2015 und 2016 jeweils mit Bronze. Ich kann also ein recht gutes Bier erwarten.

Bernsteinfarben und leicht trüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine gute Menge weißer Schaum. Er ist zwar recht grobporig, fällt aber trotzdem recht langsam in sich zusammen. Mir fällt auf, dass keinerlei Kohlensäure zu sehen ist.

Das Aroma ist deutlich geringer als bei den meisten anderen Craft Beers. Es ist unaufgeregt, aber angenehm. Die fruchtigen Düfte von Südfruchten, nach Mango und Ananas, verbinden sich mit den milden Aromen hellen Malzes. Das kann man so lassen.

Der Antrunk zeigt, dass im Bier praktisch keine Kohlensäure gelöst ist. Trotzdem wirkt das Bier nicht abgestanden, sondern mit der angenehmen Süße macht es eher einen frischen Eindruck. Trotzdem würde ich mir spontan etwas mehr Kohlensäure wünschen. Im Körper tritt die Süße in den Hintergrund und macht einer recht intensiven Bitterkeit Platz. Auf mich wirkt das Bier nicht wirklich ausgewogen. Der Abgang ist in der Kehle überraschend neutral, aber das Bittere auf der Zunge klingt noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Malz (Maris Otter, Pale Ale), Hopfen (Fuggles, Goldings Williamette), Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Brauerei:

The Hook Norton Brewery Co Ltd
Brewery Lane
OX15 5NY Hook Norton
Großbritannien
www.hooky.co.uk