Nur für den Fall, dass Sie sich über den etwas merkwürdig anmutenden Namen wundern: ü.NN steht als Abkürzung für „über Normalnull“, womit klar sein sollte, dass dieses Bier aus Norddeutschland kommt. Genauer gesagt aus Hamburg. Über Normalnull steht aber nicht nur für den Wasserstand in der Hansestadt, sondern der Name sagt auch etwas über das Bier aus. Alkoholfrei bedeutet nicht „ohne Alkohol“, auch wenn der Begriff einen Alkoholgehalt von 0,0 % nahelegen würde. Tatsächlich darf alkoholfreies Bier maximal 0,5 % Alkohol enthalten. Dieses Bier enthält 0,4 % Alkohol. Das erscheint Ihnen viel? Wikipedia schreibt, dass Fruchtsäfte aufgrund der natürlichen Gärung sogar bis zu 1,0 % Alkohol enthalten können. Der Alkohol in diesem Bier dürfte also zu vernachlässigen sein. Eines muss ich noch lobend erwähnen, bevor ich mich mit dem Bier befasse: obwohl die Angabe des Alkoholgehaltes eines Getränks erst ab 1,2 % Alkohol Pflicht ist, erwähnt die Kehrwieder-Brauerei den deutlich geringeren Alkoholgehalt freiwillig. Allerdings ist Alkohol ein Geschmacksträger. Dies beachten viele Brauereien nicht, so dass viele alkoholfreie Biere recht wässrig schmecken. Mal sehen, ob es bei diesem Bier anders ist. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, sich mit dem Bier zu beschäftigen.
Bernsteinfarben und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger weißer Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Außerdem enthält das Bier recht viel Kohlensäure.
Das Aroma wird von Karamell und Grapefruit geprägt, unterstützt von Aromen der Zitronenschale. Zumindest vom Duft her fehlt diesem Bier nichts.
Der Antrunk ist frisch und durch die feine Kohlensäure wirklich spritzig. Der Körper ist fruchtig-säuerlich, dabei intensiv und ausgewogen. Der Abgang ist recht bitter und langanhaltend. Hätte ich nicht auf den Etiketten gelesen, dass dieses Bier alkoholfrei ist, ich wäre nicht draufgekommen. Gratulation an den Braumeister.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz (dunkles böhmisches Tennenmalz, Caramelmalz), Hopfen (Simcoe, Mosaic), Hefe
Alkoholgehalt:
0,4 % Vol.
Stammwürze:
7,5°
Brauerei:
Kehrwieder Kreativbrauerei
Oliver Wesseloh
21077 Hamburg
http://www.kreativbrauerei.de

Jetzt will ich mich mal wieder mit einem Bier aus Großbritannien beschäftigen, jahreszeitlich passend mit Fuller’s Old Winter Ale. Es ist eines von zwei jahreszeitlichen Ales dieser Brauerei aus London.
Rauchbier ist eigentlich eine Spezialität aus Bamberg, aber jetzt steht ein Rauchbier aus Sachsen vor mir. Der wenig schmuckvolle Name lautet Zwönitzer Rauchbier. Na, dann wollen wir mal testen, ob auch die Brauer im Osten unserer Republik in der Lage sind, ein gutes Rauchbier herzustellen.
Nach längerer Zeit habe ich jetzt wieder ein Bier aus Franken vor mir stehen. Von den fränkischen Bieren bin ich bereits verwöhnt. Bekanntlich hat Franken die höchste Brauereidichte Deutschlands und die vielen kleinen Brauereien geben sich wirklich Mühe, individuelle Biere zu kreieren. Aber diesmal erwarte ich etwas ganz Besonderes. Dass dunkle Biere einen Duft nach Schokolade aufweisen ist häufig. Aber wenn ein Bier schon Schokobär heißt und keine Schokolade verbraut wurde (was das Reinheitsgebot verbietet), dann muss es schon etwas sehr Spezielles sein.
Nun steht einmal ein Altbier vor mir. In der Regel bin ich kein Freund dieser Biersorte aus Düsseldorf, aber da das Uerige Ende letzten Jahres beim European Beer Star als zweitbestes Altbier der Welt ausgezeichnet wurde, muss ich jetzt doch mal ran. Das beste Altbier soll übrigens aus Brasilien stammen, das Altbier auf dem dritten Platz kommt aus Japan. Der Chef der Uerige-Brauerei, Michael Schnitzler, nahm es mit Humor, dass die Brasilianer ihm den Sieg genommen haben: „Wir haben kürzlich eine Lieferung nach Brasilien geschickt – vielleicht haben die das umgefüllt …“
Nun will ich mal wieder ein Porter testen, das Pumpernickel Porter von Gruthaus in Münster. Allerdings wird das Bier nicht in Münster gebraut, sondern im Auftrag von Gruthaus in der Brauerei Liebhart im ostwestfälischen Detmold. Das Bier darf auch nicht als Bier verkauft werden, sondern es wird als Brauspezialität beworben. Grund ist, dass hier auch Pumpernickel in den Braukessel kommt. Echtes Pumpernickel wird ausschließlich aus Roggen hergestellt und mindestens 16 Stunden bei 100° C mit Wasserdampf gebacken. Durch die niedrige Temperatur und die lange Backzeit karamellisiert der Roggen und es entsteht die typische tiefschwarze Farbe dieses Vollkornbrotes. Auch wenn in Ausnahmefällen Roggenbier angeboten wird, ist dies nach dem Reinheitsgebot in Deutschland nicht erlaubt, Brot zu verbrauen und das Ergebnis als Bier zu verkaufen. Dabei sind die Zutaten doch nichts anderes, es kommt lediglich der Zwischenschritt des Backens dazu. Ob diese Unterscheidung Sinn macht oder nicht kann jeder für sich selbst entscheiden. Kommen wir zum Bier.
Wieder einmal steht ein Bier aus dem Schwarzwald vor mir, dieses Mal das helle naturtrübe Weizenbier von Alpirsbacher. Die Brauerei wurde schon vielfach ausgezeichnet und dementsprechend hoch sind meine Erwartungen an dieses Weizenbier. Auf dem Rückenetikett fällt mir auf, dass in der Zutatenliste die Hefe vor dem Hopfen steht. Wenn weniger Hopfen als Hefe verwendet wurde, wird es sich um ein sehr mildes Bier handeln. Mal sehen, ob mir das gefällt.
Zu diesem Bier schreibt die Brauerei: „Alpirsbacher Klosterbräu Kloster Dunkel markiert den Ursprung unserer Biere, denn der Siegeszug der hellen Biere begann erst vor etwa 100 Jahren. Die Weiterentwicklung der Brau- und Mälzereitechnologie ermöglichte erst dann das Brauen von wohlschmeckenden Bieren mit hellem, weniger lang gedarrtem Malz. So ist das Dunkel der Urahn aller Biere in seiner traditionellen Form.“ Da ich allen Bieren aus Alpirsbach, die ich bislang verkostet habe, eine erlesene Qualität bescheinigen kann, bin ich auf das Dunkel besonders gespannt.
Nun steht noch ein Bier aus dem Schwarzwald vor mir, das Alpirsbacher Pils. Dieses Bier weckt in mir besonders hohe Erwartungen, wurde es doch im Jahr 2010 beim World Beer Award zum weltbesten Pils gekürt. Na, wenn das nichts ist… Jetzt aber direkt zur Verkostung.
Nun will ich ein Bier aus dem Schwarzwald verkosten. Es kommt aus der Brauerei Alpirsbacher Klosterbräu. Da gleich zwei Biere dieser Brauerei beim World Beer Award eine Goldmedaille gewonnen haben, stelle ich auch an die anderen Biere dieser Brauerei recht hohe Ansprüche. Heute beginne ich mit dem Zwickel. Dieses Bier hat eine Besonderheit, die ich noch nie bewusst wahrgenommen habe. Bekanntlich wird allgemein unterschieden, ob es sich um ein ober- oder um ein untergäriges Bier handelt. Dieses Bier ist ober- und untergärig. Es wurden für die Gärung zwei unterschiedliche Hefen verwendet. Aber das nur am Rande, entscheidend sind die Optik und der Geschmack des Bieres.