Härle Lager Hell

Bundesweit bekannt geworden ist die kleine Brauerei Clemens Härle aus dem Allgäu durch eine Abmahnung des Verbandes Sozialer Wettbewerb, in der dieser Abmahnverein forderte, dass die Brauerei erklären soll, dass sie nicht mehr behaupten wird, dass ihr Bier bekömmlich sei. Gegen diese Abmahnung wehrt sich die Brauerei und der Fall wird demnächst vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt. Seit ich von diesem Rechtsstreit gehört habe, habe ich mich gefragt, ob das Bier dieser privaten Brauerei wirklich nicht bekömmlich ist oder ob es sich bei dieser Abmahnung, die im Übrigen auch vom Landgericht Ravensburg bestätigt wurde, um eine für den normalen Menschen nicht nachvollziehbare Rechtsauslegung handelt. Nun ist es mir erstmals gelungen, ein Bier aus Leutkirch zu erwerben und bin damit nun endlich in der Lage, den Test am eigenen Leib durchzuführen.

Ein prüfender Blick auf die Etiketten zeigt mir, dass die Brauerei jetzt nicht mehr mit dem Versprechen der Verträglichkeit wirbt. Ich sehe aber, dass es sich hier nicht nur um ein EU-Bio-Produkt handelt, sondern dass es sich m ein Bioland-Bier handelt. Außerdem erfahre ich, dass die Rohstoffe für dieses Bier regional eingekauft werden. Dabei dürfen wir den nicht geschützten Begriff „regional“ nicht zu eng auslegen, da sowohl Braugerste als auch Hopfen nur in bestimmten Gegenden Deutschlands angebaut werden und im Fall der Gerste auch die Lage der Mälzerei zu berücksichtigen ist. Wirklich neugierig macht mich aber der folgende Hinweis: „100% klimaneutral gebraut“. Da muss ich doch gleich einmal einen Blick auf die Website der Brauerei werfen.

Dort finde ich drei Infos, die zu dieser Aussage führen:

  • Zum Beispiel beim Einsatz von Energie: Seit Anfang 2009 setzet die Brauerei ausschließlich erneuerbare Energieträger ein – also Holzhackschnitzel aus der Region und Strom aus Wasserkraft, Wind, Biomasse und Sonne. Damit ist Härle nach eigenen Angaben die erste Brauerei in Deutschland, die ihre Biere zu 100% klimaneutral herstellt und vertreibt.
  • Zum Beispiel in im Fuhrpark: seit April 1998 werden die Lastkraftwagen und PKWs mit Biodiesel betankt.
  • Zum Beispiel beim Verbrauch von Wasser: mit Hilfe zahlreicher Investitionen hat die Brauerei den betrieblichen Frischwasserverbrauch auf ein Minimum reduziert.

Aber kommen wir zum Bier.

Leuchtend gelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas, dazu reichlich Kohlensäure sowie eine durchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Optisch passt also schon mal alles.

Das Aroma wird durch den Karamellduft des Malzes geprägt, unterstützend meine ich auch das Aroma heller Früchte wahrzunehmen.

Der Antrunk ist spritzig und nur leicht süß, Der Körper ist ausgewogen bitter und Säure ist nur sehr dezent feststellbar. Der Abgang ist mild und klingt mittellang nach.

Das Bier ist eigentlich nicht schlecht. Ich kann keinen Fehler feststellen. Irgendwie scheint dieses Bier wirklich jedem gefallen zu wollen, denn ich bemerke auch keine Ecken und Kanten und damit auch keine Highlights – weder im Duft noch im Geschmack.

Eines muss ich dem Bier aber noch bescheinigen – es ist bekömmlich, denn mir geht es nach dem Genuss einer Flasche nicht schlechter als vorher. Mehr sagt der Begriff lt. Duden ja auch nicht aus.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Clemens Härle
88299 Leutkirch
www.haerle.de

Marie’s Rendezvous

Ist das schon Tradition? Seit 2012 braut die Brauerei Schneider Weisse in jedem Jahr einen Weizenbock mit deutlich mehr Stammwürze und Alkohol als üblich. Diese besonderen Kreationen werden einmal gebraut und wenn sie verkauft sind, gibt es sie nicht mehr. Und es handelt sich nicht nur um ein besonderes Bier, sondern es hat auch besondere Namen, die irgendwie romantisch sind und direkt neugierig auf den jeweiligen Sud machen. Da gab es bereits Mein Nelson Sauvin, Meine Sommer Weisse, Mein Aventinus Barrique, Meine Porter Weisse, Mathilda Soleil und in diesem Jahr Marie’s Rendevous. Die Herkunft dieses Namens beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Gewidmet der Ahnherrin Anna-Maria Schneider, deren Liebe zu Georg I. Schneider letztendlich der Beginn von sechs Generationen Weissbierleidenschaft war. ‚Der limitierte Sondersud zum Fest beweist, was innerhalb des Reinheitsgebotes mit Herzblut und Können an Fülle und Komplexität mit regionalen Rohstoffen möglich ist‘, so der überzeugte Genussbrauer und Verfechter der Reinheitsgebotes Georg VI. Schneider.“

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich relativ wenig feinporiger Schaum, der sich aber auch recht schnell auflöst.

Dafür das Aroma. Ich muss gar nicht mit der Nase zum Glas gehen, um es festzustellen. Bereits während das Glas noch auf dem Tisch steht, rieche ich die fruchtigen Düfte. Sie sind so komplex, dass es mir gar nicht möglich ist, alle Aromen zu identifizieren. Ananas, Orangenschale, Mango… das alles und noch viel mehr vereint sich in diesem Bouquet. Jetzt bin ich mir schon sicher, dass ich ein ganz besonderes Bier vor mir stehen habe. Jetzt bin ich neugierig auf den ersten Schluck, habe aber auch die Befürchtung, dass das Bier mit seinen vielen Fruchtaromen mir zu süß sein könnte.

Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet. Nur eine leichte Süße kommt auf der Zungenspitze an. Dafür bemerke ich jetzt die ungewöhnlich feinperlige Kohlensäure, die diesem Bier eine unwahrscheinliche Frische verleiht. Der Körper besticht zunächst durch eine ungeheure Fruchtigkeit, wobei zunächst die sauren Noten dominieren, die aber schnell durch einen Hauch Honig ergänzt werden. Ich möchte nicht wissen, wie viele Versuche erforderlich waren, um zu so einem perfekten Ergebnis zu kommen.

An dieser Stelle habe ich überlegt, ob ich aus diesem Bier nicht ein Gelee kochen sollte, in das ich Erdbeeren einlege. Das wäre sicher eine gute Idee gewesen, aber da ich nur eine Flasche von Marie’s Rendezvous habe, habe ich dann doch von diesem Versuch Abstand genommen.

Nach diesem opulenten Körper hätte ich eigentlich auch einen kräftigen Abgang erwartet. Als dieser dann zwar fruchtig, aber doch überraschend mild ausfiel, war ich im ersten Moment etwas enttäuscht, bis ich dann merkte, dass dieser milde Geschmack überraschend lange erhalten blieb, eine halbe Stunde war es sicher.

Und dieses Bier hielt noch eine Überraschung für mich bereit. Ich habe die Flasche nicht an einem Tag ausgetrunken, sondern sie wieder verschlossen und erst etwa 48 Stunden später wieder geöffnet. Zeit ist das Bier selbstverständlich mit Sauerstoff in Berührung gekommen und wie ein guter Rotwein erst durch das Lüften beim Dekantieren sein vollständiges Aroma entfaltet, so hat auch dieses Bier reagiert und wurde noch fruchtiger.

Welche Speisen passen zu diesem Bier? Die Brauerei empfiehlt auf ihrer Website Schmorbraten, helle Mousse mit frischen Früchten oder duftende Apfelkücherl mit Vanilleeis. Ich habe das Bier aber als dermaßen nuancenreich und komplex empfunden, dass dieser Reichtum der Eindrücke nach meiner Meinung nicht durch ein Essen gestört werden sollte. Na gut, einige Erdbeeren oder Himbeeren passen dann schon.

Ich habe in meinem Leben schon viele Biere verkostet und war eigentlich der Meinung, dass mich so schnell nichts mehr überraschen kann. Dieses Bier hat mich eines Besseren belehrt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Tradition und Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Stammwürze:

24 %

Bittereinheiten:

27 IBU

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
www.schneider-weisse.de

Gänstaller Bräu XL4

Um es gleich vorweg zu sagen: dies ist der ungewöhnlichste Artikel, den ich bislang für diesen Blog geschrieben habe. Das Bier ist ungewöhnlich. Es handelt sich um ein geräuchertes IPA. IPAs gibt es in rauen Mengen und auch Rauchbiere sind mir nicht unbekannt. Die Kombination dieser beiden Spezialitäten ist mir aber bislang noch nicht untergekommen. Ungewöhnlich ist auch der Ort, aus dem das Bier stammt. Hallerndorf liegt in Oberfranken zwischen Erlangen und Bamberg. Das ist noch normal. Auch dass das Örtchen Ende 2014 lt. Wikipedia nur gut 4.000 Einwohner hatte ist eigentlich keiner Erwähnung wert. Dass es in diesem kleinen Ort sechs Brauereien gibt, ist schon erstaunlich. Jeweils 666 Einwohner sollen also eine Brauerei ernähren. Offensichtlich funktioniert es aber, zumindest indem die Brauereien über die Grenzen ihrer Stadt hinaus verkaufen. So kam es auch zu dem ungewöhnlichen Umweg, den dieses Bier auf dem Weg zu mir machte. Ich habe sie in Amsterdam beim Bierkoning gefunden. Diese Bierhandlung ist genauso ungewöhnlich wie dieses Bier. Zentral gelegen ist der Laden nur fünf Fußwegminuten vom Dam entfernt, ein kleiner Laden, der schnell übersehen werden kann. Aber in dem Laden befindet sich das Paradies für jeden Biergenießer: ständig sind mehr als 1.500 Biere im Angebot. Wenn Sie also einmal in Amsterdam sind, vergessen Sie nicht, diesen Laden in der Paleisstraat aufzusuchen. So, nun ist es aber an der Zeit, dass wir uns dem Bier zuwenden.

Goldgelb und hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine unterdurchschnittliche Menge größtenteils feinporiger Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Dazu enthält das Bier richtig viel Kohlensäure.

Das Aroma wird durch den Rauch dominiert, der die Aromen nach Zitrusfrüchten und Karamell in den Hintergrund verweist. Soweit in diesem Bier noch andere Aromen enthalten sein sollten, werden sie durch den Rauch überdeckt und meine Nase konnte sie nicht feststellen.

Der Antrunk wird durch den Rauchgeschmack dominiert und es zeigt sich, dass die Kohlensäure sehr feinperlig ist. Dadurch erhält das Bier doch noch eine gewisse Frische. Auch der Körper präsentiert sich hauptsächlich mit dem Geschmack des Rauches, so dass die sauren Noten des Hopfens kaum durchkommen. Hier wundere ich mich, dass ich die 76 Bittereinheiten kaum schmecke. Diese kommen eigentlich erst im Abgang so richtig zur Geltung, in dem sie sogar den starken Rauchgeschmack verdrängen. Der Geschmack bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Dies ist ein Bier, das man mögen muss. Mein Geschmack ist es ehrlich gesagt nicht. Für mich passt der starke Rauchgeschmack nicht zu den eher zarten Zitrus- und Fruchtaromen des Hopfens. Aber das ist Geschmackssache. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, mit diesem Bier eine Zwiebelsoße oder etwas Ähnliches zu kochen. Dort passen die starken Raucharomen und die durchaus vorhandenen Fruchtaromen geben der Soße noch einige Frische.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

18,8° Plato

Bittereinheiten:

76 IBU

Brauerei:

Gänstaller Bräu
Schnaid 10
91352 Hallerndorf
www.gaenstaller.de

Alpirsbacher Weizen Kristall

Nachdem die Tage nun langsam wärmer werden, kommt auch wieder der Wunsch nach einem Weizenbier am Abend. Ein solches will ich jetzt verkosten, das Alpirsbacher Weizen Kristall. Ich verspreche mir von diesem Bier einen eleganten Durstlöscher, spritzig und belebend. Mal sehen, ob dieses Bier meinen Erwartungen entspricht.

In einem hellen und leuchtenden Gelb mit einem leichten Rotstich präsentiert sich das Bier im Glas. Mich überrascht die für ein Weizenbier recht geringe Menge Schaum, der aber wunderbar sahnig ist und lange erhalten bleibt. Dazu kommt recht viel Kohlensäure.

Im Aroma mischen sich Düfte von Toffee, Banane, anderen gelben Früchten und Kräutern. Bis hierhin ist dieses Weizen schon sehr vielversprechend. Zeit also für den ersten Schluck. Der Antrunk ist frisch und einigermaßen süß, wobei die kräftige Kohlensäure für eine gewisse Leichtigkeit sorgt. Der Körper ist kräftig und süffig, wobei die Süße des Malzes im Vordergrund steht, während sich Säure und die Bitterstoffe dezent im Hintergrund halten und sich nur so weit bemerkbar machen, dass das Bier noch rund erscheint. Auch der Abgang ist sehr mild. Trotzdem klingen die in nur geringer Menge vorhandenen Bitterstoffe einige Zeit nach. Dies ist ein Bier für Konsumenten, die eher den milden und malzbetonten Bieren zugeneigt sind.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

13 IBU

Brauerei:

Alpirsbacher Klosterbräu
72275 Alpirsbach
www.alpirsbacher.de

Alpirsbacher Klosterstoff

Nun will ich mal wieder ein Bier aus Alpirsbach testen, das Alpirsbacher Klosterstoff. Das Märzen aus dem Schwarzwald wird seit 1924 gebraut. Ich vermute, dass ein Bier, das seit fast 90 Jahren gebraut wird, sicherlich recht gut sein muss.

Intensiv rotgoldleuchtend präsentiert sich das Bier im Glas. Der gemischtporige Schaum bildet sich nur in geringer Menge und er löst sich auch recht schnell auf. Auch Kohlensäure ist vergleichsweise wenig vorhanden. Aber die Farbe ist wirklich bestechend und macht Lust auf den ersten Schluck.

Vorher kommt aber die Nase zu ihrem Recht. Ich stelle einen intensiven Karamellduft fest, unterstützt durch das Aroma grüner Äpfel. Der Duft macht den Eindruck, als wäre beim Brauen dieses Biers mit dem Hopfen nicht gespart worden.

Der Antrunk ist leicht süß und obwohl ich optisch nur wenig Kohlensäure feststellen konnte, sorgt die Feinperligkeit der Kohlensäure doch für eine angenehme Frische des Geschmacks. Der Körper ist vollmundig, fast wuchtig, für meinen Geschmack vielleicht etwas zu bitter, was aber durch das Malz ausgeglichen wird, so dass der Geschmack noch ausgewogen ist. Der Abgang ist nach dem intensiven Körper überraschend mild und nur leicht bitter. Dafür klingt der Geschmack noch lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Helles Sommergerstenmalz, Wiener Malz), Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh)

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Alpirsbacher Klosterbräu
72275 Alpirsbach
http://www.alpirsbacher.de

Meininger wählt das Brauhaus Faust und die Boston Beer Company zu den Craft Brauern des Jahres

Zum dritten Mal fand Anfang April in Neustadt an der Weinstraße Meiningers International Craft Beer Award statt. Über 700 Biere aus 22 Nationen stellten sich dem Wettbewerb. Die besten 281 Bierspezialitäten wurden mit einer Medaille ausgezeichnet. Verkostet und bewertet wurden diese durch eine 76-köpfige Expertenjury aus Biersommeliers, Brauern, Bierexperten aus Handel und Forschung sowie Fachjournalisten.

„Die weiterhin wachsende Zahl der zum Wettbewerb eingereichten Biere macht uns schon ein wenig stolz. Insgesamt wurden über 60 unterschiedliche Bierstile, wie zum Beispiel Kellerbier, Pale Ale, IPA oder Weizenbock, verkostet. Unglaublich spannend waren vor allem die in den Kategorien Experimental Style und holzfassgereift eingereichten Biere.“ so Dirk Omlor, Leiter der Verkostung und Chefredakteur von Meiningers Craft – das Magazin für Bierkultur. „Das Qualitätsniveau der eingereichten Biere ist noch höher als wir es vor dem Wettbewerb erwartet hatten. Craft Beer ist nach wie vor eine Nische im Biermarkt, die jedoch eine unglaublich große Vielfalt bietet. Mit Meiningers International Craft Beer Award bieten wir in diesem wachsenden Markt einen guten Überblick und Orientierung für Handel und Verbraucher.“

21-mal konnte in diesem Jahr die höchste Auszeichnung Platin für herausragende Qualitäten vergeben werden: insgesamt 12-mal Platin geht an deutsche Brauereien, gefolgt von den Vereinigten Staaten von Amerika mit fünf Auszeichnungen, zweimal Platin geht nach Österreich sowie jeweils eine Auszeichnung in die Schweiz und nach Südafrika.

Das beste Craft Beer national und international wird zusätzlich mit der Sonderauszeichnung Craft Beer des Jahres geehrt: die Brauerei S. Riegele, ansässig in Augsburg, stellt mit ihrem Augustus 8, einem dunklen Weizendoppelbock, das beste deutsche Craft Beer des Wettbewerbs.

Bei den internationalen Bierspezialitäten wurde das von der Boston Beer Company eingereichte Samuel Adams Rebel Rouser, ein Imperial IPA, am höchsten bewertet und ist das Craft Beer des Jahres international.

Das beste Gesamtergebnis und somit die Auszeichnung Craft-Brauer des Jahres national geht an das Brauhaus Faust aus Miltenberg, das für seine eingereichten Bierspezialitäten insgesamt mit zweimal Platin, viermal Gold und dreimal Silber ausgezeichnet wurden.

Die Boston Beer Company konnte für ihre eingereichten Samuel Adams Craft Biere insgesamt fünfmal Platin, zehnmal Gold und achtmal Silber erringen und wird von der Jury als Craft Brauer des Jahres ausgezeichnet.

Im Medaillenspiegel zeigen sich die deutschen Brauer wie bereits im Vorjahr mit insgesamt 198 Auszeichnungen (12 Platin, 73 Gold, 113 Silber) als wahre Meister der Braukunst. Platz zwei geht an die Vereinigten Staaten von Amerika (27 Medaillen). Platz drei gewinnt Österreich (11 Medaillen) knapp vor der Schweiz (10 Medaillen).

Meiningers International Craft Beer Award wurde 2014 erstmalig durchgeführt. Gleich im ersten Jahr konnten knapp 250 Biere verkostet werden. 2015 verdoppelten sich die Anstellungen mit 550 Bieren aus aller Welt. Für 2016 vermeldet der Veranstalter nochmals eine Steigerung von über 25 Prozent. Meiningers International Craft Beer Award gehört bereits heute zu den bedeutendsten und meistbeachteten Bierwettbewerben der Welt.

Alle Preisträger hier aufzulisten wäre unsinnig. Lediglich zwei Biere möchte ich hier erwähnen.

Der Schokobär von Veto wurde mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Dieses Bier habe ich auch getestet und ich war begeistert. Meine Bierwahrnehmung kann also nicht vollkommen ungewöhnlich sein.

Gutes Bier muss nicht teuer sein. Den Beweis liefert derzeit Rewe. Das Unternehmen verkauft anlässlich des 500jährigen Bestehens des Reinheitsgebots eine Sonderabpackung mit sieben Bieren aus Bayern zusammen mit einem Bierglas. Der Karton kostet € 9,99 und enthält auch das Hohenthanner Tannen Hell. Dieses Bier wurde bei Meiningers Contest mit Platin ausgezeichnet. Wenn das kein Angebot ist.

13. – 16. Mai: Fest der 100 Biere in Wolkering

Wenn wir an Bierfeste denken, meinen wir häufig, dass diese in erster Linie in Großstädten stattfinden, einfach weil dort mehr Publikum vorhanden ist. An dieser Stelle weise ich auf ein Bierfest in Wolkering hin, einem Ortsteil der Gemeinde Thalmassing im Landkreis Regensburg. Dieser Ort ist weitgehend unbekannt, aber das Fest der 100 Biere könnte das ändern. OK, ein Bierfest alleine ist noch kein Alleinstellungsmerkmal, aber dieses Fest ist doch etwas ganz Besonderes. Weshalb das?

Meist stehen auf Bierfesten verschiedene Brauereien und andere Anbieter, die ihre Biere ausschenken und auf diese Weise bekannt machen. In diesem Fall wird das Fest vom „Förderverein Dorfgemeinschaft Wolkering“ ausgerichtet. Entstanden ist die Idee, um einen Bolzplatz im Stadtteil zu finanzieren und so wurden im Jahr 2008 111 Biere aus Bayern verkauft, die von den jeweiligen Brauereien gespendet wurden. Wer damals glaubte, damit wäre das Ende der Fahnenstange erreicht, wurde in den folgenden Jahren eines Besseren belehrt: 2012 wurden bereits 352 Biere angeboten und im Jahr 2014 waren es 352 Biere. Für 2016 hat sich der Verein ein besonders ehrgeiziges Ziel gesetzt: es sollen 500 unterschiedliche Biere angeboten werden.

Die Biere sollen von den jeweiligen Brauereien gespendet werden. Dafür wurden mehr als 230 Brauereien angeschrieben. Diese Initiative imponiert mir wirklich, einfach schon aufgrund des enormen organisatorischen Aufwands. Die Brauereien müssen angeschrieben werden, die Antworten müssen bearbeitet werden und nicht zuletzt müssen die Brauereien angefahren werden, um die Bierspenden abzuholen. Vom Aufwand, das Fest selbst auszurichten und das umfangreiche Rahmenprogramm zu organisieren, will ich an dieser Stelle gar nicht reden. Ich wünsche dem Verein bei diesem Vorhaben viel Erfolg.

Damit stehe ich auch nicht allein. Im Jahr 2009 wurde das Fest mit der Goldenen Bieridee des Bayerischen Brauerbundes und des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes ausgezeichnet.

Die meistgetrunkenen Biere weltweit

Immer wenn es um das Reinheitsgebot geht, heißt es, das deutsche Bier sei weltweit beliebt und als Qualitätsprodukt bekannt. Danach müssten doch in der Liste der meistgetrunkenen Biere die deutschen Erzeugnisse ganz oben stehen. Das Onlinemagazin china.org.cn hat sich die Mühe gemacht, die im Jahr 2015 am häufigsten verkauften Biere zu ermitteln und die aktuellen Zahlen mit denen des Jahres 2005 zu vergleichen. Auch wenn die Platzierungen nicht viel über die Qualität des Bieres aussagen (wenn überhaupt), hier als kurze Aufstellung die zehn meistgetrunkenen Biere, ihr Herkunftsland und der aktuelle Markanteil, sowie in Klammern die Platzierung zehn Jahre vorher. Auffällig ist, dass unter den ersten zehn Plätzen sich nur ein einziges europäisches Bier befindet, das Heineken aus Amsterdam. Die meisten aufgeführten Biere stammen aus China, was allein schon auf Grund der hohen Bevölkerungszahl der Volksrepublik nicht verwundert. Dass die USA trotz der anerkannt schlechten Qualität der dortigen Industriebiere mit drei Nennungen den zweiten Platz belegen überrascht mich genau wie die zwei Nennungen aus Brasilien. Obwohl – wenn ich genau nachdenke, ist das Abschneiden Brasiliens eventuell doch keine allzu große Überraschung – schließlich kam im letzten Jahr sogar das als weltweit bestes Altbier gekrönte Produkt aus dem südamerikanischen Land, es heißt übrigens Bamberg Alt.

10. Platz: Coors Light, USA (7), Marktanteil: 1,3 %

9. Platz: Brahma, Brasilien (5) Marktanteil: 1,5 %

8. Platz: Harbin, China (15) Marktanteil: 1,5 %

7. Platz: Heineken, Niederlande (6) Marktanteil: 1,5 %

6. Platz: Yanjing, China (16) Marktanteil: 1,9 %

5. Platz: Skol, Brasilien (3) Marktanteil: 2,2 %

4. Platz: Budweiser, USA (2) Marktanteil: 2,3 %

3. Platz: Bud Light, USA (1) Marktanteil: 2,5 %

2. Platz: Tsingtao, China (10) Marktanteil: 2,8 %

1. Platz: Snow, China (11) Marktanteil: 5,4 %

Auffällig ist, dass das erstplatzierte Bier sich nicht nur um 10 Plätze nach vorne schieben konnte, sondern dass es mit 5,4 % Marktanteil auch fast doppelt so häufig verkauft wurde wie das zweitplatzierte Bier, das ebenfalls aus China stammt. Wenn wir vom Snow einmal absehen, liegen die Marktanteile der Biere recht eng beieinander, so dass die Platzierungen nicht wirklich aussagekräftig sind und sich die Reihenfolge im nächsten Jahr deutlich anders darstellen kann.

Alpirsbacher Starkbier

Auf dieses Bier bin ich besonders gespannt. Aus der Alpirsbacher Brauerei kommen eher milde Biere, bei denen die Brauer eher mit dem Malz experimentieren (und das mit wirklich gutem Ergebnis) und bei denen der Hopfen eher dezent eingesetzt wird. Wie passt das mit einem Starkbier zusammen? Das werde ich bei dieser Verkostung versuchen zu ergründen. Das Etikett verrät mir, dass das Bier ausschließlich mit Naturhopfen gebraut wurde, ansonsten enthält es keine erwähnenswerten Fakten. Dann kann ich ja mit der Verkostung beginnen.

In einem intensiven leuchtenden Goldgelb präsentiert sich das Bier. Abgerundet wird das Bild durch den weißen feinporigen Schaum, der auch einige Zeit erhalten bleibt. Mir fällt auch die große Menge Kohlensäure auf.

Das Aroma ist bestechend vielfältig. Karamelldüfte mischen sich mit Trockenfrüchten und Honig. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist bereits geschmacksintensiv und spritzig. Der Körper fällt durch einen intensiven süßen Malzgeschmack auf, dabei ist er rund, obwohl er kaum Bitternoten und auch keine Säure erkennen lässt. Das Bittere kommt erst im Abgang intensiv zum Vorschein, die Bittertöne bleiben aber sehr angenehm und der Geschmack bleibt auch lange erhalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Alpirsbacher Klosterbräu
72275 Alpirsbach
http://www.alpirsbacher.de

TTIP und CETA – was hat das mit dem Bier zu tun?

Beim Thema TTIP denken die meisten Menschen an das Chlorhühnchen, das durch die Geheimverhandlungen zwischen der EU und den USA traurige Berühmtheit erlangt hat. Dabei geht es doch gar nicht um das arme Huhn, das in den USA in Chlor gebadet und in der EU mit Antibiotika vollgestopft wird. Ich weiß gar nicht, welche der beiden Methoden unappetitlicher ist, am Schlimmsten ist aber wohl die Massentierhaltung, die diese Behandlungen erforderlich macht und die durch TTIP zementiert werden soll. Aber TTIP ist noch mehr und TTIP steht auch nicht alleine.

Auch mit Kanada führt die EU Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen, CETA genannt. Dieses Abkommen ist auch bereits weiterverhandelt als TTIP. Und jetzt kommt das deutsche Bier ins Spiel, genauer gesagt das Bier aus Bayern. Weshalb das?

Bayerisches Bier ist bekannt und beliebt. Das gilt nicht nur im Inland, sondern es wird auch in großen Mengen exportiert. Der Export beschränkt sich nicht auf die Produkte von einigen Industriebrauereien, sondern in Bayern wird traditionell in vielen kleinen Brauereien handwerklich gebraut. Im Grunde stellen viele kleine Brauereien vorm allem in Franken Craft Beer her und damit haben sie bereits begonnen, als der Begriff Craft Beer noch gar nicht erfunden war. Bayerisches Bier ist in Europa auch eine geschützte geografische Angabe. Anders in Kanada. Dort ist „Bavarian Beer“ ein Bierstil. Wenn nun CETA in Kraft tritt, können Sie beispielsweise in London ein Bavarian Beer kaufen, das aber nicht handwerklich im Allgäu gebraut wurde, sondern wenn Sie das Bier öffnen und verkosten, werden Sie feststellen, dass es sich um ein Billiggesöff aus Nordamerika handelt. Würden Sie anschließend noch einmal versuchen, ein Bier aus Bayern zu kaufen?

Der Präsident des Verbandes der Privaten Brauereien Bayern, Gerhard Ilgenfritz, befürchtet im Gespräch mit der Zeitung Kreisbote aus Sonthofen, dass die Regelungen in CETA 1:1 in TTIP übernommen werden. Zumindest für die Brauer in Bayern dürften diese Verträge böse Folgen haben.