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Rostocker Zwickel

Aus DDR-Zeiten sind in Mecklenburg-Vorpommernnur drei Brauereien übriggeblieben, die Brauereien in Rostock, Stralsunder und Lübz. Während der Zeit der DDR wurde in Rostock das bessere Bier gebraut, das auch an Interhotels geliefert wurde. Für die Brauerei in Stralsund blieben nur die Reste übrig und teilweise musste wohl auch mit Ersatzstoffen gebraut werden. Heute werden in Stralsund in der jetzigen Störtebeker Braumanufaktur hervorragende Biere gebraut und ich will mal testen, ob die Brauerei in Rostock, die jetzt zur Radeberger-Gruppe gehört, da noch mithalten kann. Ich verkoste jetzt den Rostocker Zwickel.

Golden und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber vergleichsweise wenig gemischtporiger Schau, der aber überraschend lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also schon mal einen recht guten Eindruck.

Auch das Aroma ist ansprechend. Ich stelle Noten von Hefe, Karamell und gelben Früchten fest.

Der Antrunk ist recht süß und ich bemerke, dass das Bier recht viel Kohlensäure enthält. Schnell kommt noch ein angenehmes Bitter dazu, auch ein wenig Säure. Zusammen ergibt das ein vollmundiges und süffiges Bier. Der Abgang ist mild, trotzdem bleibt der Geschmack einige Zeit erhalten.

Dass mich das Bier nicht vollständig überzeugen kann, liegt vermutlich daran, dass ich ziemlich verwöhnt bin. Auf jeden Fall handelt es sich um ein überdurchschnittlich gutes Bier. Wenn es in der Gastronomie angeboten wird, ist es sicher empfehlenswert.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,3 %

Brauerei:

Brauerei Rostock GmbH
Doberaner STr. 27
18057 Rostock
www.rostocker.de

Irlbacher Hefe-Weißbier

Nun steht ein Bier aus dem niederbayerischen Moos vor mir, das Irlbacher Hefe-Weißbier. Die Brauerei in Moos hat einen Ausstoß von 140.000 Hektolitern und gehört lt. Wikipedia damit zu den größeren Brauereien in Niederbayern.

Goldgelb und mit sehr viel Hefe präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber sehr viel gemischtporiger weißer Schaum, der für ein Weizenbier aber vergleichsweise schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist für ein Hefeweizen typisch durch Banane geprägt, frisch, dazu Getreide, das Aroma entspricht also wirklich genau den Erwartungen. Der Antrunk ist süßlich und mild, dazu kommt eine sanfte Kohlensäure. Der Eindruck von Bananen bleibt erhalten. Im Körper kommt noch eine leichte Säure dazu, so dass das Bier einen runden und ausgewogenen Eindruck macht. Der Abgang ist mild und er klingt auch nur kurz nach.

Insgesamt ein mildes Weizenbier, das gefällt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Stammwürze:

12,7° Plato

Brauerei:

Schlossbrauerei Irlbach GmbH & Co. KG
Schloßalle 1
D-94554 Moos
http://www.irlbacher.de

Störtebeker Hanse-Porter

Mir fällt auf, dass die Brauereien im Osten in vielen Fällen eine erheblich größere Bierauswahl anbieten als die Brauereien im Westen (selbstverständlich gibt es da auch Ausnahmen). Nun will ich eine maritime Bierspezialität aus Stralsund verkosten, das Hanse-Porter. Porter ist die Biersorte, die früher den Hafenarbeitern in London ausgeschenkt wurde, daher der Name. Ich vermute allerdings, dass das Bier, das es damals gab, nicht viel mit dem Porter von heute zu tun hat; auch die Brautechnik wird schließlich weiterentwickelt, verfeinert und verbessert. Aber kommen wir zum Porter aus der heutigen Zeit.

Tiefschwarz, fast blickdicht steht das Bier im Glas. Erst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert schwach etwas Rot durch. Darüber bildet sich relativ wenig haselnussbrauner Schaum, der sich aber relativ schnell auflöst.

Das Aroma wird wie erwartet durch Röststoffe dominiert. Dazu kommen der Duft dunkler Schokolode und von Trockenfrüchten. Der Antrunk ist süß und wuchtig. Die Kohlensäure ist feinperlig, allerdings könnte das Bier sicher etwas mehr Kohlensäure vertragen, um es etwas frischer erscheinen zu lassen. Der Körper ist vollmundig und rund. Auch hier sticht die Süße hervor und es taucht der Geschmack von Espresso auf, zusammen mit einer leichten Säure. Fast empfinde ich es als schade, das Bier herunterzuschlucken. Der Abgang ist mild und enthält wenig Bitter, sondern die Röstaromen dominieren auch hier den Geschmack.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Zucker (Malzzucker), Kohlensäure, Hopfen (Tradition), Hefe

Alkoholgehalt:

4,0 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

Störtebeker Atlantik-Ale

Jetzt habe ich mal wieder richtig Lust auf ein India Pale Ale. Daher werde ich mir jetzt erst einmal ein Atlantik-Ale aus der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund aufmachen.

Intensiv goldgelb leuchtet das Bier im Glas, darüber eine durchschnittliche Menge cremiger weißer Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Das Aroma enthält Düfte von Malz, Bitterorangen, Zitronenschalen, Melone und Südfrüchten. Der Antrunk ist relativ süß, aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure wirklich spritzig. Der Körper zeichnet sich durch ein ausgeglichenes Verhältnis von Süße, Säure und Bittere aus, auch wenn der Geschmack des Hopfens nicht so stark ausgeprägt ist wie bei den meisten anderen IPAs.

Mal ein Wort zwischendurch zu den IPAs allgemein. Grundsätzlich trinke ich sie wirklich gerne, da mir die Zitrusaromen der verschiedenen Aromahopfensorten wirklich zusagt. Aber in vielen Fällen sind die IPAs so stark gestopft, dass der Hopfen jeden Geschmack des Malzes vollkommen überdeckt. Ich hatte schon manchmal den Eindruck, dass die Brauer, wenn ein Sud nicht perfekt war, das fehlerhafte Bier einfach mit Aromahopfen stopfen, den Fehler damit total überdecken und das Bier als IPA verkaufen. Ich weiß selbstverständlich nicht, ob dieser Verdacht gerechtfertigt ist, aber bei so manchem IPA drängt sich der Eindruck wirklich auf.

Beim Atlantik-Ale ist das nicht so. Ich schmecke noch das Malz, das sich mit den vielfältigen Aromen zu einem Ganzen vereint. Auch der Abgang ist bemerkenswert: ein mildes Bitter, aber trotzdem langanhaltend. Dieses IPA ist auch für Konsumenten geeignet, denen die meisten IPAs zu bitter sind.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Münchner Malz, Distillingmalz, Pilsener Malz), Weizenmalz, Hopfen (Tradition, Perle, Cascade, Amarillo, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

11,4 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

Craftbeer-Shop-Banner

Dinkelacker Frühlingsfestbier

Ja, ich weiß – wir haben Ende Juli und der Frühling ist lange vorbei, aber ich habe das Dinkelacker Frühlingsfestbier erst kürzlich erstmals gesehen. Und vermutlich ist im nächsten Jahr erneut Frühling und es wird wieder ein Festbier aus Stuttgart geben. Daher bin ich mit dieser Rezension eigentlich ganz schön früh dran, oder? Das Etikett verspricht schon mal sehr viel: „Diese süffige Festbierspezialität von malzgoldener Farbe passt wunderbar zu den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. 1ßß % regionale Zutaten, ein einzigartiges Brauverfahren und die Leidenschaft unserer Braumeister lassen die Geschmacksknospen aufblühen.“

Intensiv golden mit einem leichten Rotstich zeigt sich das Bier im Glas. Dazu kommt reichlich Kohlensäure. Es bildet sich eine durchschnittliche Menge cremiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei also nichts falsch gemacht.

Das Aroma ist malzig, was ich eigentlich ganz gerne mag. In diesem Fall vermisse ich aber irgendwie die Aromen des Hopfens. Entsprechend des Duftes darf ich mich also auf ein mildes Bier freuen. Mal sehen, ob diese Erwartung auf der Zunge erfüllt wird. Der Antrunk ist recht süß und intensiv. Ohne die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure wäre er vermutlich nicht angenehm, aber so wirkt der Antrunk schon mal ausgeglichen. Wie erwartet ist der Körper malzbetont und ebenfalls intensiv und vollmundig. Jetzt kommen auch die ersten bitteren Noten durch, die mit der reichlich vorhandenen Süße perfekt abgestimmt sind. Der Abgang ist dann überraschend mild, klingt aber lange nach.

Mein Fazit? Ein überraschend gutes Märzen, bei dem die Etiketten nicht zu viel versprechen. Da können wir uns schon mal auf das nächste Frühjahr freuen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,7 % Vol.

Stammwürze:

13,3 %

Brauerei:

Familienbrauerei Dinkelacker
70178 Stuttgart
www.familienbrauerei-dinkelacker.de

Störtebeker Roggen-Weizen

Ist das Bier Störtebeker aus der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund eigentlich Craft Beer? Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Wer Craft Beer hört, denkt meist an Startups, die mit einem halben Dutzend Angestellten in der Brauerei aus besten Zutaten ein hervorragendes Bier braut. Teilweise arbeiten die Brauer auch alleine. Ich denke außerdem an originelle Rezepturen, an Biere, die nicht ständig zur Verfügung stehen, an ständig neue Biere und auch an Biere, bei denen jeder Sud etwas anders schmecken kann, da er ja aus rein natürlichen Zutaten hergestellt wurde. Ein weiteres von mir beobachtetes Merkmal der Craft Beer-Brauer ist eine erstaunliche Offenheit, was die Auswahl der Rohstoffe angeht. Ich gebe zu, dass ich bei der Aufzählung dieser Kriterien etwas romantisiert habe. Mir ist auch bewusst, dass sie nicht vollständig ist und auch nicht vollständig sein kann. Sicher hat jeder Mensch andere Kriterien, die ihm wichtig sind, Dies sind einfach die Eigenschaften von Craft Beer und Brauer, die mir spontan beim Schreiben in den Kopf gekommen sind und ich staune selbst, wie viele es geworden sind.

www.hopfenhelden.de macht sich auch so seine Gedanken, was Craft Beer Die Website kommt dabei auf 5 Kriterien, von denen ich hier nur mal die Überschriften aufzähle, was sich der Autor genau dabei gedacht und aufgeschrieben hat, können Sie ja unter dem am Anfang dieses Absatzes stehenden Link nachlesen. Hier nun die Kriterien:

  • Craft Beer zeigt Gesicht
  • Craft Beer ist unabhängig
  • Craft Beer ist kreativ
  • Craft Beer ist Handwerk
  • Craft Beer schmeckt

Zumindest nach diesen Kriterien ist meine Eingangsfrage beantwortet. Aber entscheiden Sie selbst.

So, genug der Vorrede, jetzt kommen wir aber wirklich zum Roggen-Weizen von Störtebeker. Ein Blick auf die Etiketten zeigt, dass der Roggen, auch wenn er im Namen ganz vorne steht, in der Inhaltsangabe weit hinten kommt, erst nach Weizen- und Gerstenmalz. Ich erwarte also eher ein Weizenbier mit einer Roggenzugabe. Mal so ganz nebenbei bemerkt: Malz und Hopfen dieses Biers aus kontrolliert biologischem Anbau. Jetzt keine weiteren Verzögerungen mehr, jetzt wird das Bier eingeschenkt.

Dunkel Rotbraun ist es, das Roggen-Weizen, dazu leicht hefetrüb. Darüber ein cremiger elfenbeinfarbener Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik dieses Bieres macht richtig was her. Mal sehen, ob der Geschmack mit der Optik mithalten kann.

Bereits das Aroma ist betörend vielfältig. Der Duft reifer Bananen dominiert, was bei einem Bier mit einem hohen Anteil an Weizenmalz nicht verwundert. Dazu kommen Düfte von Rumtopf, Vanille und anderer Gewürze. Der Antrunk ist wenig süß, ich hätte eigentlich etwas mehr Süße erwartet. Dabei ist er aber durch die feinperlige Kohlensäure spritzig. Die Bananennoten, die den Duft dominiert haben, bleiben auch im Mund erhalten. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt erst seine ganze Komplexität zum Vorschein. Der Geschmack der Banane bleibt erhalten, dazu kommt eine angenehme Säure, zu der sich Anklänge dunkler Schokolade gesellen. So macht Bier Spaß. Der Abgang ist sehr mild und enthält nur minimale Bitterstoffe.

Zutaten:

Brauwasser
Weizenmalz
Gerstenmalz
Roggenmalz
Hopfen (Smaragd)
Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 %

Stammwürze:

12,9 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

Grünbacher Altweiße Gold

Nun steht nach längerer Zeit mal wieder ein Weizenbier aus Oberbayern vor mir, das Grünbacher Altweiße Gold.

Bereits als ich mir das goldene und hefetrübe Weizenbier einschenke, fällt mir die viele Kohlensäure auf. Viel Kohlensäure? Nein, das trifft es noch nicht. Wahnsinnig viel Kohlensäure trifft es besser. Bei all den Bieren, die ich bislang verkostet habe, ist mir noch nicht so viel Kohlensäure untergekommen. Ansonsten bildet sich während des Einschenkens noch die weizenbiertypische Menge weißer feinporiger Schaum, der auch recht lange erhalten bleibt. Wie sich die Unmengen an Kohlensäure auf das Bier auswirken, bleibt abzuwarten; ansonsten hat die Brauerei zumindest optisch schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist sortentypisch, aber auch eigen. Ein teigiger Duft steht im Vordergrund, unterstützt durch die Düfte nach Bananen und Zitrone. Damit kann ich einen frischen Geschmack erwarten, es könnte durchaus das richtige Bier nach einem langen anstrengenden Tag sein. Aber jetzt greife ich vor, das ist ja schon das Fazit.

Der Antrunk ist recht süß, mein erster Eindruck ist, dass zu viel Süße vorhanden ist. Aber nein, die Süße wird durch den Geschmack der ebenfalls reichlich vorhandenen Hefe ergänzt. Dadurch hat das Bier einen eigenen Charakter, ohne dabei den typischen Geschmack von Weizenbier zu verlieren. Sobald sich das Bier im Mund verteilt, wird die Süße durch eine Säure ergänzt; mir fehlt spätestens hier aber das Bittere des Hopfens. Auch der Abgang ist sehr mild und kurz.

Wer ein sehr mildes Weizenbier mag, ist mir diesem Bier zum Ausklang eines heißen Sommertags sicher gut bedient. Da das Grünbacher anfangs sehr viel Kohlensäure enthält, kann es langsam getrunken werden, da es sich viel Zeit lässt, schal zu werden.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Bittereinheiten:

12 IBU

Brauerei:

Schlossbrauerei Grünbach
Kellerberg 2
52461 Grünbach
www.schlossbrauerei-gruenbach.de

Stralsunder Bier

Wer an Bier aus Stralsund denkt, der denkt zuerst an die Störtebeker Brauerei. Und mit dem Stralsunder Bier liegt man damit auch nicht wirklich falsch. Es ist zwar eine andere Marke, aber sie kommt trotzdem aus der bekannten Braumanufaktur an der Greifswalder Chaussee.

Weshalb das so ist, wurde mir bei meinem Besuch in Stralsund erklärt. Stralsunder Bier gibt es bereits seit 1827 und aufgrund der günstigen geografischen Lage am Strelasund versorgte die Brauerei die Seebäder auf Rügen mit seinem Bier, das einen sehr guten Ruf genossen haben soll. In der Zeit der DDR soll es aufgrund veralteter Maschinen und mangelnder Rohstoffe mit der Qualität deutlich bergab gegangen sein. Ein Mitarbeiter der Störtebeker Brauerei sagte bei meinem Besuch, dass die Qualität der Biere aus Stralsund zum Ende der DDR „selbst für DDR-Verhältnisse schlecht“ gewesen sei.

Da muss ich mal einen Break machen. Als 1990 die Grenze geöffnet war bin ich einige Male in Cottbus gewesen, damals noch mit dem Auto. Auf (fast) jedem Parkplatz an der Autobahn stand ein Imbisswagen, ein Bretterverschlag oder ein Zelt und diente als Imbiss. Bratwurst, selbstgemachte Frikadellen und Kaffee gab es überall, in vielen Fällen auch Bier aus Ostproduktion. Ich habe die Biere, die sicher noch nach DDR-Rezeptur gebraut waren, eigentlich immer genossen. Sie erschienen mir eher besser als viele Biere aus dem Westen. Eventuell kann mir das mal jemand erklären. Kommen wir aber zum Stralsunder Bier zurück, zu dem aus der Gegenwart.

In hellem Goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas. Es enthält reichlich Kohlensäure, die für eine durchschnittliche Menge cremigen Schaums sorgt, der auch durchschnittlich lange erhalten bleibt. Bei der Optik hat die Brauerei also schon mal nichts verkehrt gemacht, auch wenn sie mich nicht aus den Socken haut.

Das Aroma gefällt mir schon erheblich besser. Es wird durch Karamell geprägt, untermalt durch den Duft von Wiesenheu mit vielen Kräutern. Der Duft macht klar, dass hier nur mit richtigem Hopfen gebraut wurde und dass in dieser Brauerei Hopfenextrakte keinen Platz haben. Da bekomme ich wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß und die feinperlige Kohlensäure verleiht ihm eine angenehme Frische. Sobald sich das Bier im Mund ausbreitet kommen recht viel saure Noten zu Vorschein, die sich aber gut mit der Süße des Bieres vertragen. Mir fehlen nur die Bitterstoffe, die für ein norddeutsches Pils prägend sind. Mit den wenigen Bitterstoffen ist auch der Abgang recht nichtssagend.

Mir erscheint das Bier etwas unausgeglichen, aber mit mehr Bitter wäre es ein nordisches Pils nach meinem Geschmack. Das ist aber wirklich mein persönlicher Eindruck, den viele andere Biertrinker sicher nicht teilen werden. Dass die Stralsunder Biere von der DLG mit der Goldmedaille und von 2010 bis 2012 mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet wurden, spricht für sich.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmal, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,4 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stralsunder.de

Imperial Stout

Im August letzten Jahres veranstaltete die Störtebeker Braumanufaktur bereits zum vierten Mal das Festival der Bierspezialitäten in Stralsund. Knapp 15 Hobbybrauern aus ganz Deutschland hatten ihre Kreationen eingereicht. Sie nahmen dabei an der ersten Meisterschaft der Hobbybrauer teil, bei der sie ein eigens eingebrautes „Imperial Stout“ einreichen mussten. Eine sechsköpfige Jury – unter anderem mit dem Vizeweltmeister der Biersommeliers Frank Lucas – verkosteten im Vorfeld der Veranstaltung die verschiedenen Biere und kürten die Besten: Platz eins ging an Stefan Mahlburg.

Jetzt ist es so weit – die Brauerei hat das Siegerbier nachgebraut und vertreibt es derzeit. Ich habe jetzt eine Flasche vor mir stehen und werde sie verkosten.

Schwarz und fast blickdicht steht das Bier im Glas. Darüber eine unterdurchschnittliche Menge haselnussbrauner Schaum, cremig mit einzelnen großen Blasen. Optisch hat die Braumanufaktur also alles richtiggemacht. Leider bleibt der Schaum nur recht kurze Zeit erhalten.

Das reichhaltige Aroma wird durch Röstaromen geprägt. Ich bemerke Düfte nach Toffee, Espresso und etwas Würziges. Ist das Pfeffer? Egal, auf jeden Fall macht der Aroma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber nicht so süß wie ich erwartet hätte. Dafür ist er aber sehr intensiv und cremig, fast wuchtig. Der Körper ist samtig, rund und vollmundig mit Noten dunkler Schokolade. Der Abgang ist nur leicht bitter, dabei aber trotzdem intensiv. Der Geschmack ist nicht nur in der Kehle, sondern füllt lange Zeit den gesamten Mund aus.

Leider ist das Bier nur vorübergehend im Angebot. Wenn der Sud verkauft ist, wird es nicht neu aufgelegt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Bier noch schnell zu bestellen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Buchweizenmalz, Röstgerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,67 % Vol.

Stammwürze:

18 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

Brunhilde

Nachdem mit das Moritzberger Felsenkeller-Pils wirklich gut gefallen hat, will ich gleich ein weiteres Bier aus der erst in diesem Jahr gegründeten Hildesheimer Braumanufaktur verkosten. Das Brunhilde, ein India Brown Ale, verspricht auf dem Etikett „ein wohlgeformtes dunkles Ale von intensivem ausgewogenem Charakter“. Dieses vollmundige Versprechen sowie meine positiven Erfahrungen mit dem Pils schrauben meine Erwartungen selbstverständlich kräftig nach oben und ich bin jetzt gespannt, ob das Bier meine Erwartungen erfüllen kann. Probieren wir es aus.

Schwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Bier. Erst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert etwas Rubinrot durch. Darüber eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner cremiger Schaum, der für ein so intensiv gefärbtes dunkles Bier recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma bietet ein Potpourri verschiedenster Düfte: Röstaromen bestimmen den Duft, bepaart mit Toffee, Karamell, roten Beeren und Blumen. Der Antrunk ist dann auch wie erwartet ziemlich süß, wird aber durch die sanfte Kohlensäure abgemildert. Aber das ist erst der Anfang. Während sich das Bier im Mund ausbreitet kommt zunächst eine milde Säure hinzu, bevor die Röststoffe durchschmecken und einen Hauch Schokolade mitbringen. Auch der Abgang wird durch die Röststoffe geprägt, zusammen mit einer angenehmen Bittere, die lange erhalten bleibt.

Brunhilde ist eine gelungene Komposition von kräftig und mild, ein Bier mit nur einem Nachteil: es wird nur in der Region Hildesheim vertrieben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (East Kent Goldings, Hallertauer Tradition, Enigma, Summit), Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Brauerei:

Jan Pfeiffer und Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de