16 Jahre war Markus Berberich Geschäftsführer bei der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in Rambin die Insel-Brauerei. Das ist erst einige Jahre her und trotzdem ist die Brauerei in der Qualität bereits ganz weit oben. So wurde die Insel-Brauerei im Jahr 2016 beim World Beer Award in London als beste deutsche Brauerei ausgezeichnet.
Bereits im Regal fallen die Biere von der Insel Rügen auf. Sie sind nicht mit Etiketten beklebt, sondern sie sind vollständig mit Papier umwickelt. Sie fallen damit nicht nur auf (angeblich fällt die Kaufentscheidung der Konsumenten in Sekundenschnelle), sondern es bleibt auch mehr Platz für einige Produktinformationen.
Beim Lesen der Zutatenliste fällt eines auf: bei allen Bieren steht dort auch der Eintrag „Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung. Traditionelle Methode)“. Süß wird das Bier also durch den Traubenzucker nicht, sondern die Zugabe des Zuckers hat einen anderen Grund, den Markus im Gespräch mit Hopfenhelden.de verraten hat: Nach dem „normalen“ Brauvorgang mit der offenen Gärung und der Reifung im Tank wird das Bier in Flaschen abgefüllt. So weit ist alles noch recht konventionell. Anschließend wird die noch in der Flasche befindliche Luft abgesaugt und das Bier bekommt noch die Dosis Traubenzucker. Damit bekommen die Hefen noch einmal kräftig etwas zu tun. Sie vergären den Traubenzucker während einer zweiwöchigen Reifung in der beheizten Reifekammer. In dieser Zeit verdauen die Hefen den Zucker. Dadurch wird die Kohlensäure feinperliger und der noch in der Flasche befindliche Sauerstoff wird restlos verbraucht. Dadurch soll auch die Haltbarkeit des Bieres verbessert werden.
Jetzt will ich ein Bier aus dieser neuen Brauerei verkosten, das Baltic Stout, ein Imperial Stout. Das Imperial Stout ist ein traditioneller Bierstil aus England. Schwarz und malzbetont ist dieses Bier. Mal sehen, ob so etwas auch auf Rügen gebraut werden kann.
Bereits beim Einschenken macht das Bier einen guten Eindruck. Tiefschwarz ist es. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte schimmert kein bisschen schwarz durch. An den Zutaten wurde also schon mal nicht gespart. Es bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge cremiger haselnussbrauner Schaum, der sich nur langsam auflöst. Die Optik macht also schon mal Lust auf den ersten Schluck. Aber vorher muss erst einmal das Aroma seine Qualität beweisen.
Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Espresso und eine feine dunkle Schokolade. Für die Feinheit des Schokoladenaromas ist das Hafermalz verantwortlich. Dazu kommen noch Aromen roter Früchte, eventuell von schwarzen Johannisbeeren.
Der Antrunk ist süß und intensiv. Wirklich überraschend ist aber etwas anderes, die extrem safte und feinperlige Kohlensäure, die dem Bier eine überraschende Frische und Spritzigkeit verleiht, die schon von Anfang an einen aparten Kontrast zur Malzsüße bildet. Verdammt, ich würde ja gerne etwas meckern, aber zumindest bis hierher hat die Brauerei nicht nur nichts verkehrt gemacht, sondern sie hat meine höchsten Erwartungen noch übertroffen. Das Bier verteilt sich im Mund und offenbart seine Geschmacksnuancen. Cremig ist es und zusammen mit dem klaren Schokoladengeschmack muss ich an Mousse au Chocolat denken. Während sich das Bier im Mund erwärmt kommt immer mehr der Geschmack von Espresso in den Vordergrund und verbindet sich wunderbar mit dem Schokoladengeschmack. Der Abgang ist dann überraschend trocken und mild, trotzdem aber langanhaltend. Und selbst der Abgang ändert noch seinen Geschmack. Recht flott entwickelt sich in der Kehle der Geschmack von Kakao.
Die Vielfalt der Aromen und Geschmäcker macht das Baltic Stout zu meinem derzeitigen Favoriten aus der Insel-Brauerei. Allerdings habe ich auch noch nicht alle Biere verkostet.
Zutaten:
Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Traubenzucker (vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
7,5 % Vol.
Brauerei:
Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de
Dass es aus dem Wallfahrtsort Altötting ein Bier gibt, das Pilgerbier genannt wird, ist nicht verwunderlich. Schließlich gibt es Pilgerbier aus vielen Städten, die sich der katholischen Kirche auf irgendeine Weise verbunden fühlen. Nun will ich testen, ob das Bier aus der Brauerei Hellbräu etwas so Besonderes ist wie der Name gerne nahelegen möchte.
Dass Heidelberg schön ist, ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist diese Stadt eines der beliebtesten Ziele im Städtetourismus. Weit weniger bekannt ist, dass im historischen Klosterhof in Heidelberg seit dem Jahr 2009 Bier gebraut wird. Dort, wo die Mönche früher ihre Stallungen hatten und wo auch früher bereits Apfelmost, Wein und Spirituosen hergestellt wurden, wird nach einem Umbau nun aus biologisch angebauten Zutaten feinstes Biobier gebraut. Eines dieser Biere habe ich jetzt vor mir stehen, das im Whiskyfass gereifte Siegelbier Slyrs.
Immerhin 16 Biere stellt die kleine Brauerei in Darmstadt her, dazu noch einen Radler. Jetzt steht das Pilsner vor mir und damit der beliebteste Bierstil in Deutschland. Dann wollen wir doch mal sehen, ob die Hessen auch ein frisches und herbes Pils brauen können.
Nun steht mal wieder ein Craft Beer aus der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg vor mir, das UrCraft Kirsch Bier. Ein Blick in den Onlineshop der Brauerei zeigt bereits einen Unterschied zu den Fruchtbieren, die wir aus Belgien kennen: auf der Zutatenliste steht als erste Zutat Bier, an zweiter Stelle steht Kirschmuttersaft. Daraus lässt sich schließen, dass der Kirschsaft nicht mit verbraut wird, sondern dass er dem ansonsten fertigen Bier zugegeben wird. Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass das Kirsch Bier nicht als Bier verkauft werden dürfte, sondern dass es sich um ein Biermischgetränk handelt. Ich habe aber im letzten Jahr mit dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei, Herrn Fritsche, telefoniert, der mir mitgeteilt hat, dass die Brauerei für alle Biere eine Ausnahmegenehmigung nach dem vorläufigen Biergesetz erhalten hat und dass die Biere in Deutschland auch wirklich als Biere verkauft werden dürfen. Jetzt reicht es aber mit der Theorie; es ist an der Zeit, die Flasche endlich zu öffnen und das erste Glas einzuschenken.
Erst seit 2016 wird im Kloster Wöltingerode bei Goslar Bier gebraut. Oder nein, gebraut wird in der Brauerei Altenau im Oberharz, aber in Wöltingerode wird das Bier für die Reifung in unterschiedlichen Holzfässern gelagert. Die Brauerei hat mir von jedem ihrer vier Biere jeweils eine der durchnummerierten Flaschen geschickt. Vom Klosterkrug ist es Flasche 31 von 5877 des Jahrgangs 2017, die jetzt vor mir steht und verkostet werden will. Tue ich ihr also den Gefallen.
Jetzt will ich ein Bier aus der Brauerei Grohe im hessischen Darmstadt verkosten. Die 1838 gegründete Brauerei arbeitet bis heute in ihrem denkmalgeschützten Brauereigebäude ausschließlich manuell, also ohne eine Computersteuerung. Trotzdem ist sie lt.
Im September 2016 hatte ich bereits berichtet, dass das Kloster Wöltingerode bei Goslar eine eigene Craft Beer-Reihe plant. Inzwischen sind die Biere gebraut und sie werden vertrieben. Ich habe die Biere auf der Grünen Woche in Berlin kennengelernt und vor etwa einer Woche erhielt ich von der Brauerei ein Paket mit vier Flaschen Bier, jeweils eine Flasche jeder Sorte. Heute will ich die Klosternacht verkosten, ein Winterbockbier.
Laut vorderem Etikett handelt es sich hier um ein japanisches Bier. Das Rückenetikett gibt aber an, dass das Kirin Ichiban in Lizenz in der Staatsbrauerei Weihenstephan gebraut wird. Die Japaner sind ja bekannt dafür, bei der Herstellung von Lebensmitteln teilweise einen Riesenaufwand zu betreiben und anschließend einen irrsinnigen Preis zu verlangen (und auch zu zahlen). Ob der getriebene Aufwand wirklich immer der Qualität zugutekommt oder ob es sich um Humbug handelt vermag ich nicht beurteilen. Aber besser etwas zu viel Aufwand betreiben als durch zu wenig Beschäftigung mit dem Produkt ein schlechtes Ergebnis zu erhalten. Das ist bei den Japanern wohl gewährleistet. Die Brauerei in Weihenstephan garantiert dann auch, dass sich an das japanische Rezept gehalten wird und ein gutes Bier dabei entsteht. Soweit mein Vorurteil; vergewissern wir uns, ob es der Realität entspricht.
Tiefschwarz ist es, das Feine Schwarze von Leikeim aus Altenkunstadt in Oberfranken. Darüber bildet sich ein cremiger hellbrauner Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt.