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Mashsee Trainingslager

Im April 2014 eröffneten Biersommelier Alexander Herold und Diplom-Braumeister Kolja Gigla in der hannoverschen Südstadt das Craft Beer Kontor mit angeschlossener Mikrobrauerei. Das Unternehmen nannten sie Mashsee. Das erste Bier, das auf der kleinen Brauanlage entstand, war ein Lager und da es sich quasi noch um ein Übungsbier handelte, lag der Name Trainingslager eigentlich auf der Hand. Und nein, ich versuche jetzt nicht krampfhaft witzig zu sein und das Trainingslager irgendwie mit dem Fußball zu verknüpfen. Ich werde auch keine dummen Scherze über ein Erstlingswerk reißen, sondern ich werde mich bemühen, das Bier wie jedes andere zu verkosten.

Gegen die Optik ist auf jeden Fall schon mal nichts zu sagen. In einem wunderbaren Bernstein und mit einer leichten Hefetrübung präsentiert sich das Trainingslager im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Krone aus einem weitgehend feinporigen Schaum mit leichtem Gelbstich, der lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich viel feinperlige Kohlensäure.

Das Aroma ist frisch und überzeugt mit den Düften von Grapefruit, Maracuja und Birne. Doch, das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß und angenehm. Überhaupt macht das Bier ein wunderbar samtiges Mundgefühl. Sobald das Bier die Mitte der Zunge erreicht hat, gesellt sich ein freundliches und fruchtiges Bitter zur Süße dazu und jetzt spiegelt sich auch die Birne im Geschmack wider, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Der Abgang ist leicht herb, dabei aber nicht so bitter wie ich es erwartet hätte. Dafür klingt er aber sehr lange nach.

Das Trainingslager ist ein modernes Lager, das sich wohl gerade jetzt zur Muschelzeit anbietet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Carapils, Carared, Melanoidin Malz, Böhmisches Tennenmalz), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

36 IBU

Brauerei:

Mashsee Brauerei GmbH & Co. KG
Am Eisenwerk 17
30519 Hannover
www.mashsee.de

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Weltenburger Kloster Barock Dunkel

Die Benediktinerabtei Weltenburg liegt malerisch direkt an der Donau. Bereits im Jahr 1050 begannen die Mönche, in Weltenburg zu brauen. Damit ist die Klosterbrauerei die älteste Klosterbrauerei der Welt. Von dort kommt auch das Weltenburger Kloster Barock Dunkel, das jetzt vor mir steht. Im Kloster wird nicht nur seit langer Zeit Bier gebraut, sondern auch die Qualität ist gut. Nicht umsonst wurde das Weltenburger Kloster Barock Dunkel 2004 mit Gold ausgezeichnet, 2006 mit Bronze, 2008 mit Gold, 2010 mit Silber und 2012 erneut mit Gold. Wenn Sie sich die Jahreszahlen ansehen, bedenken Sie, dass der Wettbewerb nur alle zwei Jahre ausgerichtet wird. Mit einigem Stolz vermerkt die Brauerei auch auf dem vorderen Etikett: „Das Beste Dunkel der Welt“.

Ganz dunkel rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine gemischtporige hellbraune Schaumkrone, etwas mehr als Durchschnitt, die aber recht flott in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist kräftig und wird durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Karamell und auch einige Trockenfrüchte, es könnte sich um das Aroma von Rosinen handeln.

Der Antrunk ist kräftig süß. Die Süße verbindet sich aber mit der sehr feinperligen Kohlensäure. Das ist schon mal nicht schlecht. Langsam übernehmen die Röststoffe das Kommando über den Geschmack und es kommt eine leichte Säure dazu. Der Geschmack von Espresso wird deutlich. Aber insgesamt ist das kaum bittere Bier gut austariert und rund. Das cremige und samtige Mundgefühl führt einfach zu einem Wohlbefinden. Auch im Abgang halten sich die Bitterstoffe vornehm im Hintergrund, so dass in der Kehle nur eine gewisse Fruchtigkeit zurückbleibt. Das ist überraschend und gar nicht schlecht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (dunkles Gerstenmalz, Caramelmalz, Farbmalz), Hopfen (Perle)

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Klosterbrauerei Weltenburg GmbH
Asamstr. 32
93309 Weltenburg
www.weltenburger.de

Biershop Bayern

Nittenauer Le Chauffeur

Alkoholfreie Craft-Biere sind noch selten. Ich habe den Eindruck, dass es am Einfachsten ist, ein IPA alkoholfrei zu brauen. Immerhin habe ich jetzt schon das dritte alkoholfreie IPA vor mir stehen, das FreIPA aus dem Brauhaus Nittenau. Auf dem Rückenetikett ist auch noch eine Geschichte zur Geburtsstunde des FreIPAs ausgedruckt: „Jean-Pièrre ist Franzose, leidenschaftlicher Biertrinker und Hobbybrauer. In seinem Beruf als Chauffeur lässt es sich mit seinem cholerischen Chef Monsieur Rigoureux nicht gut Bierchen trinken. Eines Nachts chauffierte er die hübsche Biologin Heidi Huber aus Berlin auf einen Kongress nach Paris. Nach einer stundenlangen Fahrt mit aufgeregter Unterhaltung verriet sie Ihm ein Geheimnis. Zum Abschied bekam Jean-Pièrre von seinem Passagier ein kleines Fläschchen eines geheimen Bierhefestammes geschenkt. Mit diesem schaffte er es ein einzigartiges leckeres Bier, frei von Alkohol, zu brauen.“ Ob die Geschichte nun stimmt oder nicht ist mir nicht bekannt, aber auf jeden Fall ist sie schön zu lesen. Kommen wir nun aber zum Bier:

Helles Bernstein leuchtet mir aus dem Glas entgegen. Die Hefe trübt das Bier ein. Darüber steht eine weiße feinporige Schaumkrone, die vergleichsweise flott in sich zusammenfällt. Dieses Problem haben aber die meisten alkoholfreien Biere, so dass ich annehme, dass es durch den fehlenden Alkohol entsteht.

Der Geruch dieses Bieres ist der helle Wahnsinn. Die Nase nimmt einen ganzen Salat aus Südfrüchten wahr. Ich rieche Mandarine, Ananas, Mango und Zitrusfrüchte. Wenn es so weitergeht, kann das FreIPA doch glatt mein Lieblingsbier werden.

Auch der Antrunk ist angenehm fruchtig und nicht so süß wie ich es eigentlich erwartet habe. Die viele Kohlensäure verleiht dem Bier eine tolle Spritzigkeit. Auf der Zunge fällt das Bier dann allerdings in ein kleines geschmackliches Loch, als die Fruchtigkeit etwas nachlässt und auch das von mir erwartete Bitter nur recht verhalten vorhanden ist. Im Abgang nimmt das Bier dann wieder Fahrt auf. Die Süße des Malzes ist zu schmecken, dazu ein mildes Bitter, das aber sehr lange nachklingt.

Das FreIPA ist gut zu trinken und es erfrischt auch hervorragend. Fans extrem gehopfter Biere werden aber nicht ganz befriedigt, denn die Bitterstoffe wurden zugunsten der Malzsüße und der Fruchtigkeit zurückgefahren.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Böhmisches Tennenmalz, Caramelmalz Rot), Hopfen (Mosaic, Simcoe), Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

9,1 %

Brauerei:

Brauhaus Nittenau
Familie Jakob
93149 Nittenau
www.nittenauer-bier.de

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Klüvers Dunkel

Der Versandhändler bierselect.de hat auf seiner Website einmal die Zukunftspläne der Inhaber der kleinen Brauerei im Hafen von Neustadt beschrieben: „Die Inhaber der Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG planen Großes für die Zukunft. Aus dem kleinen Familienunternehmen, gegründet von Jutta und Detlev Klüver, ist mittlerweile ein regionaler Wirtschaftsfaktor geworden, der ca. 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aus einer lokalen Brauerei soll bald schon eine regionale Brauerei werden. Seit 2013 sind sowohl die benötigten Kapazitäten als auch eine eigene Etikettierstraße vorhanden. Dadurch soll die Versorgung mit den handgemachten Bierspezialitäten, hergestellt auf höchstem Niveau, bald flächendeckend möglich sein.“

Das Dunkel aus der kleinen Manufaktur bewirbt die Brauerei als süß und malzig mit Karamellnote. Wenn es mit der Süße nicht übertrieben wurde könnte mir das Bier sicher gefallen.

Das Aussehen des Bieres ist schon mal bestechend. Dunkel bernsteinfarben ist es mit einer durchschnittlichen Menge feinporigen Schaums, der nur langsam in sich zusammenfällt. Für ein Dunkles ist es recht hell.

Das Aroma ist durch das Malz dominiert. Ich rieche Karamell und einige Schokoladennoten. Dass das Bier süß ist steht bereits auf dem Etikett. Aber ansonsten hätte ich die Süße spätestens in der Nase geahnt.

Und tatsächlich, der Antrunk ist süß, was aber mit der gut portionierten und sehr feinperligen Kohlensäure harmoniert. Schnell kommt der Geschmack von Kaffee dazu, gepaart mit einer leichten Säure. Der Abgang ist ebenfalls mild mit nur geringen Bitterstoffen und einem durchschnittlichen Nachklang.

Das Bier ist gut trinkbar, aber ihm fehlt in meinen Augen etwas, das es wirklich aus der Masse der Münchner Dunklen heraushebt. Aber wenn ich einmal in Neustadt sein sollte, werde ich sicher am Hafen bei Klüvers einkehren (das Internet ist sich einig wie selten: Neben den Bieren sind auch die Speisen bei Klüvers von guter Qualität) und es ist gut möglich, dass ich zum Essen ein Dunkles trinke.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12,6 %

Bittereinheiten:

20 IBU

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

Braukraft Sud Terrain

Es ist doch immer wieder interessant, wie die deutschen Kreativbrauer zu ihrem Beruf und damit zu ihrer Passion gekommen sind. So auch in diesem Fall. Mathias Lottes war Verkehrspilot und flog acht Jahre durch die ganze Welt. Von seinen Reisen brachte er seinen Freunden häufig besondere Biere mit. Es war da nur eine Frage der Zeit, bis die Frage aufkam, weshalb es so etwas hier nicht gibt. Daher begann er als Hobbybrauer. Weil von dem Bier aber fast nie etwas übrigblieb (schließlich wollten alle etwas abhaben), beschloss er, alles eine Nummer größer zu machen. Er holte Braumeister Florian Ceppa dazu und nun brauen die beiden in Gilching ihre neun kreativen Biere. Von diesen Bieren steht jetzt das Sud Terrain vor mir, von dem die Brauer sagen, dass es im Stil eines Kölsch gebraut sei (Kölsch dürfen die beiden das Bier nicht nennen, da der Name dieses Bierstils von den Brauern in Köln geschützt ist und Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf).

Das Etikett mit dem Henker könnte doch glatt aus Belgien stammen. Auf dem Rückenetikett haben die Brauer eine kleine Geschichte verewigt, die ich hier noch zum Besten geben will: „Seyfried von dem Turme, ritterlicher Nachfahre aus Tirol, war der Kunst des Brauens verfallen. Auf seiner Burg verkochte er verschiedenste Zutaten zu wohlschmeckenden Suden. Einzig sein Vater hatte den Duft satt und verbannte ihn ins Untergeschoss der Festung. Obwohl kaum noch Tageslicht zur Verfügung stand, war er in der Lage, diese hervorragende Spezialität zu ersinnen. Das Rezept dafür steht immer noch eingeritzt auf einem Stein in der Wand…“ Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann ich allerdings keine Angaben machen. Wenden wir uns jetzt also von den Etiketten ab und dem Inhalt der Flasche zu.

Die Farbe ist helles Bernstein mit sehr viel Hefe. Es bildet sich eine voluminöse grobporige Krone aus weißem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet malzig süß, dazu kommen die Aromen von Hefe sowie Zitrusnoten. Obwohl weder die Optik noch das Aroma an Kölsch erinnern, gefällt mir das Bier bis hier sehr gut.

Der Antrunk ist recht süß, aber da das Bier reichlich Kohlensäure enthält, ist er doch spritzig und angenehm. Dazu trägt auch die leichte Fruchtigkeit bei, die vom ersten Moment an zu schmecken ist. Das Bier verteilt sich um Mund und jetzt kommt der Geschmack der Hefe zum Tragen. Jetzt kann ich auch die Fruchtigkeit besser identifizieren, sie bringt den Geschmack von Limone ins Bier. Dazu kommt aber noch ein weiterer Geschmack, den ich nicht identifizieren kann, den ich aber eindeutig als Fehlgeschmack erkenne. Er lässt sich am besten als leichte Muffigkeit beschreiben. Dieser Geschmack steht nicht im Vordergrund, aber er stört mich doch. Im Abgang geht diese Muffigkeit in ein freundliches Bitter über, das lange nachklingt.

Das Sud Terrain von Braukraft ist ein sehr spezielles Bier. Im Aroma, im Antrunk und Abgang gefällt es mir sehr gut, aber der Fehlgeschmack im Körper stört mich doch sehr. Da sollte die Brauerei noch einmal etwas nachsteuern; dann könnte daraus ein richtig gutes Bier werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Wernesgrüner Pils Legende

Jetzt steht mal wieder ein Fernsehbier vor mir, diesmal aus Sachsen. Es handelt sich um das Wernesgrüner Pils, das die Brauerei vollmundig als Legende vermarktet.

Die Brauerei aus dem Vogtland hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Bereits 1436 erhielten die Brüder Caspar und Christoph Schorer das Braurecht. 1762 erwarb Johann Michel Günthel (Günnel) ein brauberechtigtes Gut und begründete damit den Familienbesitz der Familie Günnel (spätere „Grenzquell-Brauerei“). Seit 1775 durften die Wernesgrüner Braugüter aufgrund eines gewonnenen Prozesses auch in der Stadt Auerbach Bier verkaufen. 1816 gab es im Ort sechs Braugüter und zwei Sudhäuser, in der Folgezeit setzten sich die Brauereien Günnel und Männel durch. 1922 wurde die Brauervereinigung Wernesgrün erstmals erwähnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Günnel durch Beschluss über die Bodenreform enteignet. Dies erfolgte auch mit dem Eigentum der Familie Männel. 1972 wurden die beiden Wernesgrüner Brauereien zum VEB Exportbier-Brauerei Wernesgrün zusammengelegt. Nach der politischen Wende firmierte die Wernesgrüner Brauerei seit 1990 wieder als „Wernesgrüner Brauerei AG“. Legendär ist die Werbung mit dem Slogan „Die Pils-Legende lebt“. Die Wernesgrüner Brauerei AG wurde 2002 von der Bitburger Gruppe übernommen. Im gleichen Jahr wurde die Köstritz-Wernesgrüner Vertriebs GmbH gegründet. Seit 2003 wird die Wernesgrüner Brauerei nicht mehr in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (AG), sondern in der einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) betrieben. (Quelle: Wikipedia)

Hellgolden glänzend zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge weißer recht grobporiger Schaum, der ziemlich schnell in sich zusammenfällt. An der Optik sollte die Brauerei noch etwas arbeiten.

Das Bier duftet nach Karamell mit einigen würzigen Noten.

Der Antrunk ist recht süß, so wie es die Brauereien im Osten häufig machen. Die Süße ist nicht so ganz mein Fall, aber OK. Das Mundgefühl ist voll und einigermaßen rund. Weiterhin hat das Malz die Oberhand, der Hopfen hält sich dezent im Hintergrund. Jetzt erinnert mich das Bier eher an ein Helles aus Bayern als an ein Pils. Auch der Abgang ist wenig bitter und er klingt mittellang nach.

Für ein Fernsehbier ist das Wernesgrüner nicht schlecht. Es ist mild und vollmundig, aber auch auswechselbar.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,3 %

Brauerei:

Wernesgrüner Brauerei GmbH
Bergstr. 4
08237 Wernesgrün
www.wernesgruener.de

Allgäuer Heubier

Wenn Sie annehmen, dass das Allgäuer Heubier aus Bayern kommt, ist diese Annahme zwar nachvollziehbar aber falsch. Tatsächlich kommt das Allgäuer Heubier aus der Klosterbrauerei im brandenburgischen Neuzelle. Seit dem Jahr 2014 überrascht die kleine Brauerei nahe der Grenze zu Polen mit dieser Bierspezialität. Grundlage ist ein Pils, das mit Heuextrakt aufgewertet wird.

Nun habe ich bislang mit Heuextrakt noch keine Berührung gehabt und musste daher erst einmal nachforschen, was das ist und was denn so mit diesem Extrakt alles gemacht wird. Tatsächlich gibt es den Heuextrakt in der Apotheke zu kaufen – als Badezusatz, der entspannend und wohltuend für die Muskulatur ist und dabei den Stoffwechsel anregt. Nur mal so nebenbei: die Quelle, in der ich die Gebrauchsinformationen gefunden habe, veröffentlicht auch Informationen über die Käufer. So wird Heuextrakt ausschließlich von Frauen über 50 Jahren gekauft, das Durchschnittsalter beträgt 57 Jahre. Stärker beschäftigt mich aber die Frage, ob es sinnvoll ist, einen Badezusatz ins Bier zu kippen und es anschließend zu trinken. Dabei fällt mir aber ein, dass in Bayern sogar Sterneköche ihre Braten auf dem Heubett garen. Damit sind dann auch meine Bedenken hinsichtlich dieses Zusatzes zerstreut. Jetzt bleibt nur noch die Frage nach dem Geschmack.

Das Aroma wird durch Karamell bestimmt, dazu kommen einige blumige Noten. Ich vermute, dass als Grundlage für das Allgäuer Heubier das Pilsener der Klosterbrauerei verwendet wurde. Insgesamt gesehen ist das Aroma aber durchaus angenehm.

Der Antrunk ist recht süß, dabei aber spritzig und voll. Der erste Eindruck im Mund ist schon mal angenehm. Während sich das Bier im Mund verteilt kommt ein weiterer Geschmack dazu, vermutlich stammt er vom Heuextrakt. Dazu kommt ein leichtes Bitter. Ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Auch der Abgang ist nur leicht bitter, dazu kommt der grasige und krautige Geschmack des Heuextrakts.

Das Bier ist ungewöhnlich und obwohl ich es mir durchaus als Begleitung zu einem Schweinebraten oder einem kräftigen Käse vorstellen kann, verstehe ich es durchaus, wenn jemand dieses Bier ablehnt. Es ist ungewöhnlich und auf jeden Fall einen Versuch wert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Heuextrakt

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:


Wolfscraft Frisch-Pils

Die Firma Wolfscraft aus Freising hat es sich zur Aufgabe gesetzt, traditionelle Bierstile modern zu interpretieren und dabei die Biere so gut wie möglich zu gestalten. Das haben sie auch mit dem Pils gemacht und so steht jetzt das Frisch-Pils vor mir. Ich vermute jetzt mal, dass es erheblich schwieriger ist, einen Bierstil zu brauen, der den Konsumenten seit Jahrzehnten bekannt ist und diesen Bierstil dabei so zu verbessern, dass die Konsumenten das Ergebnis als besser erkennen, als einen Bierstil zu brauen, der in Deutschland bis vor einigen Jahren nicht bekannt war. Ich will jetzt testen, ob die Freisinger bei ihrem Pilsener ihre selbst gestellten Kriterien erfüllt haben.

In hellem Goldgelb und mit einer größtenteils feinporigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum fällt durchschnittlich schnell in sich zusammen und ich bemerke, dass im Bier kaum Kohlensäure zu sehen ist.

Die erste Überraschung erlebe ich beim Aroma dieses Pils-Bieres. Karamell und Fruchtigkeit mischen sich mit einer feinen Herbe und auch einer hintergründigen blumigen Note. Im Vordergrund rieche ich aber das Karamellaroma des Malzes, das sich mit dem Duft nach Stachelbeere und Quitte mischt. Das ist wirklich außergewöhnlich für ein Pils.

Der Antrunk ist nur leicht süß, was mir durchaus entgegenkommt. Jetzt bemerke ich auch die sehr feinperlige Kohlensäure, die leider recht knapp bemessen ist. Etwas mehr Kohlensäure würde für einen deutlich frischeren ersten Eindruck sorgen. Auf der Zunge entwickelt das Frisch-Pils von Wolfscraft den Geschmack der Stachelbeere, der sich bereits im Aroma gezeigt hat. Dazu kommt noch ein Hauch Quitte und jetzt tauchen auch erste leichte Bitternoten auf. Das Bier ist ausgewogen und vollmundig. Der Abgang ist ausgewogen bitter mit recht langem Nachklang.

Das Frisch-Pils ist ein ungewöhnliches Bier, das nicht mit den typischen Pilsbieren aus Nord- und Süddeutschland zu vergleichen ist. Es ist nicht so süß wie die meisten süddeutschen Pilsbiere, aber auch nicht so herb wie ein norddeutsches Pils. Aber dieses Bier ist richtig gut.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
General-von-Nagel-Str. 15
85356 Freising
www.wolfscraft.de

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Kloster Scheyern Kloster-Doppelbock Dunkel

Nunc est bibendum – mit diesem lateinischen Trinkspruch bewiesen die Mönche früher, dass sie auch ganz weltlich zu genießen verstanden. Bereits seit dem Jahre 1119 brauen die Benediktinermönche in Scheyern Bier. Damit ist die Klosterbrauerei die drittälteste Brauerei Deutschlands und zählt zu den ältesten nachgewiesenen Brauereien der Welt. Nach mehreren Jahrzehnten der Verpachtung hat das Kloster im Jahre 2006 die alte Brautradition wiederaufgenommen. Nach einer Komplettsanierung des Brau- und Sudhauses nach neuesten technischen Aspekten sowie einem Umbau der Klosterschänke wird seit März 2006 in den Mauern des alten Brauereigebäudes wieder Klosterbier gebraut. Derzeit werden dort neun unterschiedliche Biere gebraut, einige allerdings nur saisonal. Beispiele für die saisonalen Biere sind der Maibock und das Christkindl-Bier. Jetzt steht aber der dunkle Doppelbock vor mir. Nicht alle Biere braut das Kloster selbst, wie auf dem vorderen Etikett vermerkt ist, wird der Doppelbock bei der Brauerei Tucher in Nürnberg hergestellt. Allerdings soll es sich um die Originalrezeptur handeln und das Kloster hat die Aufsicht über den Brauprozess.

Dunkel-Rubinrot, fast schwarz, zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine hellbraune und durchschnittlich voluminöse Krone aus größtenteils feinporigem Schaum, der sich auch durchschnittlich schnell auflöst. Die Optik ist schon klasse, selbst als sich der Schaum vollständig aufgelöst hat. Dann sieht das Bier aus wie ein Bordeaux.

Das Aroma ist malzbetont mit kräftigen Röststoffen. Dazu kommen eine leichte Süße, etwas Kaffee sowie Düfte nach Trockenpflaumen und Rosinen.

Der Antrunk ist recht süß und mir fehlt einiges an Kohlensäure. Da war die Brauerei etwas zu geizig. Schnell breitet sich im Mund der Geschmack der Röststoffe aus und ich kann Espresso schmecken. Obwohl die Röststoffe intensiv schmecken, ist das Bier überraschend mild. Das gilt auch für den Abgang, bei dem die Röststoffe etwas nachklingen.

Mit mehr Kohlensäure könnte mich dieses wärmende Bockbier aus Franken wirklich begeistern; so kommt es nur ins Mittelfeld.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,4 % Vol.

Stammwürze:

18,2 %

Brauerei:

Tucher Bräu
Tucherstr. 10
90763 Fürth
www.tucher.de

für

Klosterbier-Vertriebs GmbH
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
www.klosterbrauerei-scheyern.de

Hohenthanner Kellerbier Hell

Die niederbayrische Schlossbrauerei in Hohenthann wurde bereits im Jahr 1864 gegründet. Bis heute ist sie im Familienbesitz und von den großen Braukonzernen unabhängig. Bis heute arbeitet sie handwerklich und mit regionalen Zutaten. Der Hopfen kommt aus der Hallertau und das Malz aus Bayern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Biere dieser Brauerei vielfach ausgezeichnet wurden, sowohl beim European Beer Star als auch bei Meiningers und der DLG. Das helle Kellerbier, das jetzt vor mir steht, wurde im Jahr 2013 beim European Beer Star mit der Silbermedaille geehrt. Es handelt sich um ein naturbelassenes untergäriges und helles Lagerbier, das im klassischen Einmaischverfahren hergestellt wurde.

Goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas, dazu hefetrüb und mit einer agilen Kohlensäure. Darüber bildet sich eine durchschnittlich große Schaumkrone aus feinporigem weißem Schaum, die auch durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt. Bei der Optik hat die Brauerei schon mal nichts verkehrt gemacht.

Das Aroma ist malzbetont. Ich rieche das Getreide und die Hefe. Dieser Duft wird durch blumige Noten und einen Hauch Bergamotte unterstützt. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und wird durch die sehr feinperlige Kohlensäure richtig schön spritzig. Schnell gesellt sich eine fruchtige Säure dazu, so dass ich meine, den Geschmack von Birnen zu schmecken. Insgesamt ist das Bier vollmundig und rund. Der Abgang ist mild und enthält nur wenige Bitterstoffe, so dass er auch nur kurz nachklingt.

An so ein Bier könnte ich mich gewöhnen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

11,8 %

Brauerei:

Hohenthanner Schlossbrauerei
Brauhausstr. 1
84098 Hohenthann
www.hohenthanner.de

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