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Braukraft Choco-Lata

„Eine wunderschöne Prinzessin, sesshaft unweit von Kumasi, wollte heiraten. Aber eben nicht irgendwen… So kamen aus dem ganzen Land die Prinzen und brachten ihr kostbaren Gaben. Als dann ein Sohn eines Bauern aus Nkenkaasu mit seiner Ware auf dem Weg zum Markt am Palast vorbeikam und der Prinzessin einen wunderbaren Kakao anbot, war es um sie geschehen. Der Mann war obendrein noch Brauer und ersann speziell für sie diese Köstlichkeit…“ Die Firma Braukraft ersinnt zu jedem ihrer Biere ein Märchen oder besser gesagt den Anfang davon. Den Rest müssen Sie selbst erfinden. Ist das zu viel verlangt? Ich meine nicht, denn die Brauer sollen ihre Kreativität doch lieber in das Bier stecken als in irgendwelche Märchen.

Ja, ich spreche hier von Bier, auch wenn das Choco-Lata nach dem deutschen Reinheitsgebot überhaupt nicht als Bier verkauft werden darf. In der Zutatenliste stehen auch Kakaobohnen. Der Gesetzgeber mein ja nun, das geht gar nicht. Irgendwelche Enzyme, Extrakte und Kunststoffgranulate dürfen bei der Bierherstellung gerne verwendet werden, aber ein Naturprodukt… Egal, sehen wir uns an, was das Team aus der Nähe von München hier kreiert hat.

Tiefschwarz ist es, das Choco-Lata. Tiefschwarz und Blickdicht. Die Schaumkrone können wir allerdings mit Fug und Recht vergessen. Sie ist sehr klein, besteht aus grobporigem Schaum und löst sich sofort auf. Schade, so kann mich die Optik nicht begeistern.

Bei der tiefen Schwärze des Bieres würde ich auch ein recht kräftiges und komplexes Aroma erwarten. Die Kakaobohnen aus Ghana sorgen auch für ein ordentliches Schokoladenaroma. Leider ist es so kräftig, dass es die anderen Aromen verdrängt. Eventuell wäre da weniger mehr gewesen.

Der Antrunk wird wie von mir erwartet durch die Röstnoten dominiert. Der Geschmack nach Schokolade steht im Vordergrund. Die kräftige Malzsüße passt zur gut dosierten feinperligen Kohlensäure. Von Anfang an schmeckt das Bier kräftig nach Kakao, schnell gesellen sich auch Espressonoten dazu. Säure ist keine zu schmecken, auch Bitterstoffe vermisse ich. Auf mich wirkt das Bier nicht wirklich rund und vollmundig. Auch der Abgang ist ohne Bitter und auch ohne Nachklang.

Die Idee, auch Kakaobohnen mit zu verbrauen ist sicher nicht schlecht. Das Choco-Lata wirkt auf mich aber nicht wirklich rund.

Zutaten

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kakaobohnen

Alkoholgehalt:

5,4 %

Stammwürze:

16,5 %

IBU:

16,5 %

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Original Sternla Helles

Ich weiß nicht, was ich von diesem Etikett halten soll. Ein Pin Up-Girl (vermutlich aus der Nachkriegszeit) reitet wie Baron Münchhausen (die bekannteste Verfilmung dieses Stoffs mit Hans Albers in der Hauptrolle stammt aus dem Jahr 1943) auf einem sechszackigen Stern. Irgendwie erscheint mir das Motiv zu alt für jeglichen Anflug von Modernität, es ist aber nicht alt genug um nostalgisch zu wirken. Mir macht es einfach nur einen altbackenen Eindruck. Dass der Bierstern abgebildet wird passt ja noch zum Inhalt. Aber wofür bloß das Pin Up? Na ja, zumindest erhöht es den Wiedererkennungswert der Flasche im Regal. Welcher dieser beiden Eindrücke nun richtig ist oder ob ich vollkommen daneben liege sollen andere entscheiden.

Einen gewissen Unterhaltungswert können wir durchaus dem Namen dieses Bieres zuschreiben oder vielmehr der Diskussion in Franken, ob die Schreibweise überhaupr mit den fränkischen Schreibregeln konform ist. Das Würzburg Wiki schreibt dazu: „Namensgeber ist das Firmenlogo, der Stern in seiner (mittel- und oberfränkischen) Verkleinerungsform. Diskutiert wurde im Vorfeld der Name, da mainfränkisch eigentlich Sternle richtig wäre. Die konzeptionelle Ausrichtung jedoch über das Gebiet Unterfranken hinaus und die Reminiszenz an den Brauereieigentümer in Kulmbach hat dann dem oberostfränkischen Dialekt den Vorzug gegeben. Seit Ende der 1990er Jahre existiert jedoch bereits ein „Sternla“ genanntes Lagerbier, das in Bambergs ältestem Wirtshaus Sternla ausgeschenkt wird.“ An anderer Stelle habe ich als mögliche richtige Schreibweise auch „Sternli“ gefunden. Es ist schon merkwürdig, mit was für Problemen die Menschen sich aufhalten.

Für das Sternla zeichnet die Sternla GmbH verantwortlich, eine hundertprozentige Tochter der Würzburger Hofbräu GmbH, die ihrerseits wiederum zur Kulmbacher Brauerei AG gehört. In Kulmbach wird das Sternla auch gebraut, da die dortige Abfüllanlage für die Arbeit mit den Euroflaschen geeignet ist. Wichtiger soll mir aber der Inhalt der Flaschen sein. Wenden wir uns also dem Bier zu.

Die Optik macht der fränkischen Bierkultur schon mal alle Ehre. Hell goldgelb ist das Bier mit einer sehr stabilen weißen Schaumkrone, die uns auch lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich recht viel Kohlensäure.

Das Aroma ist etwas schwach. Das Bier duftet leicht nach Karamell. Hofenaromen kann ich nicht wahrnehmen, was mich bei der Beschreibung auf dem Rückenetikett auch nicht wirklich überrascht. Dort steht, dass es sich um ein „extra mildes Bier“ handelt.

Der Antrunk bringt eine subtile Süße hervor, die gut zur feinperligen Kohlensäure passt. Aber dann lässt das Bier deutlich nach. Auf der Zunge kann das Bier nicht überzeugen. Ich schmecke eine leichte Malzsüße, die das Bier alleine nicht retten kann. Säure ist nicht zu schmecken und auch die Bitterstoffe kommen erst in der Kehle leicht zum Vorschein. Als Ausgleich klingen sie dann auch nicht nach.

Eigentlich bin ich ja ein Liebhaber der Biere aus Franken, aber vom Original Sternla (nicht zu verwechseln mit dem Sternla aus Bamberg) bin ich wirklich enttäuscht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 %

Stammwürze:

11,3 %

Brauerei:

Sternla Bier GmbH
Höchberger Str. 28
97082 Würzburg
www.sternlaschmeckt.de

Bauhöfers Schwarzwaldmarie

Der Schwarzwald ist für seine hochwertigen Lebensmittel bekannt und so wundert es auch nicht, dass dort ebenfalls Biere gebraut werden, die nicht mit anderen Bieren verwechselt werden können. Die Schwarzwaldmarie, ein helles Lager, wird mit Brauwasser aus einem brauereieigenen Tiefbrunnen, mit regional erzeugtem Malz und mit Aromahopfen aus Tettnang, Spalt und der Hallertau gebraut. Außerdem reift dieses Bier acht Wochen lang. Das macht mir Hoffnung, dass mir dieses Bier gut gefällt.

Auffällig ist an der Flasche, dass sie nicht mit einem Kronkorken verschlossen ist, sondern über einen Drehverschluss verfügt. Dagegen ist zunächst einmal nichts zu sagen, allerdings handelt es sich bei dieser Pfandflasche um eine spezielle Anfertigung für die Brauerei, so dass ich sie hier im Ruhrgebiet nicht loswerde. Für mich ist es quasi eine Einwegflasche. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Auf der anderen Seite habe ich das Bier aus dem Schwarzwald mitgebracht. Wird das Bier nur regional verkauft, ist gegen die spezielle Flasche nichts zu sagen.

Hell goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas. Ich sehe viel Kohlensäure und es bildet sich eine durchschnittlich große Krone aus feinporigem Schaum, die auch lange erhalten bleibt.

Auch das Aroma gefällt mir. Ich rieche Karamell, Ananas, Zitrone und Melone. Die Brauerei war offensichtlich bei der Dosierung des Aromahopfens nicht geizig. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der relativ süße und spritzige Antrunk begrüßt mich auch gleich mit dem Geschmack von Honigmelone und Zitrone. Diese Fruchtigkeit bleibt auch bestehen und es kommt ein hintergründiges zartes Bitter dazu, das an Zitronenschale erinnert. Der Abgang ist mild und wenig bitter. Trotzdem überrascht er mit einem sehr langen Nachklang.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (kaltgehopft mir Amarillo und Mosaic)

Alkoholgehalt:

5,2 %

Stammwürzegehalt:

12,7 %

Brauerei:

Familienbrauerei Bauhöfer GmbH & Co. KG
Ullenburgstraße 12-14
77871 Renchen – Ulm
www.schwarzwaldmarie.beer

Flensburger Blonde

Früher gab es aus der nördlichsten Brauerei Deutschlands nur das Pilsener. Inzwischen brauen die Flensburger auch einige andere Biere. Eines dieser relativ neuen Biere steht jetzt vor mir. Die Brauerei beschreibt das Blonde wie folgt:

„Nach dem Vorbild belgischer Abteibiere und dennoch gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot erreicht den Genießer mit dieser goldgelben, eher milden Bierspezialität ein rundum ausbalanciertes Geschmackserlebnis.

Gebraut mit der für den Bierstil charakteristischen obergärigen Spezialhefe aus Belgien sowie insgesamt drei erlesenen Gerstenmalzen und hellem Weizenmalz. Das Zusammenspiel von fruchtig-würzigen Hefe- und sanften Malzaromen wird harmonisch ergänzt durch die unaufdringlich bittere Note des slowenischen Aromahopfens »Styrian Golding Celeia«. Ein Meisterwerk Flensburger Braukunst.

Passt gut zu …

Das leckere BLONDE lässt sich sehr gut zu einem feinen Essen mit leichten Speisen kombinieren, oder – als krönender Abschluss – auch hervorragend mit fruchtigen Desserts. Unser Geheimtipp: Probieren Sie es auch einmal zu herzhaftem (Weich-)Käse!

Unser BLONDE eignet sich zudem hervorragend als „Einsteiger“ für besondere Genussmomente, zu denen Sie Freunde mit Ihrem gutem Biergeschmack überraschen und gekonnt in die Welt der Bierspezialitäten einführen können.“

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Flensburger Blonde im Glas. Darüber bildet sich eine voluminöse Krone aus weißem gemischtporigem Schaum, die recht lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier also schon mal nicht schlecht.

Das Aroma wird durch Karamelldüfte geprägt, unterstützt durch Zitrone und Holzaroma. Dazu kommt noch eine blumige Note.

Der Antrunk ist nur leicht süß und zeigt, dass das Bier nur recht wenig der sehr feinperligen Kohlensäure hat. Ich würde mir da etwas mehr wünschen. Dann gesellt sich eine angenehme Fruchtigkeit dazu, gepaart mit einem leichten Bitter. Das Bier macht einen recht ausgewogenen Eindruck. Der Abgang ist leicht bitter und er klingt nur kurz nach.

Das Bier gefällt mir recht gut, aber bei der Dosierung des Hopfens hat die Brauerei wohl der Mut verlassen. Das Original aus Belgien hat doch mehr Charakter. Das Flensburger Blonde ist mir persönlich etwas zu sehr auf den Massengeschmack getrimmt. Im Prinzip gesteht die Brauerei das auch zu, wenn sie schreibt, dass dieses Bier als Einstieg in die Welt der Brauspezialitäten dienen soll.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Styrian Golding Celeia), Hefe

Alkoholgehalt:

6,1 %

Stammwürze:

13,8° Plato

Brauerei:

Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG
Munketoft 12
24937 Flensburg
www.flens.de

Klüvers Pils

Würde mich jemand nach einem typischen norddeutschen Bier fragen, würde ich ohne Zögern das Pils nennen. Ein solches Bier aus der kleinen Brauerei im Hafen von Neustadt steht jetzt vor mir. Auch wenn die Pils-Biere der großen Brauereien meist ziemlich langweilig und vor allem austauschbar sind, habe ich doch bereits einige Pilsener aus kleinen Brauereien verkostet, die mir wirklich gut gefallen.

Hellgelb und nur leicht hefetrüb präsentiert sich Klüvers Pils im Glas. Darüber bildet sich wahnsinnig viel feinporiger weißer Schaum, der auch recht lange erhalten bleibt. Es ist also durchaus sinnvoll, dieses Bier vorsichtig einzuschenken, es sei denn, Sie habe vor, noch einige Zeit auf den Genuss zu warten.

Das Aroma ist frisch und fruchtig, wobei sich die Düfte des Malzes und die des Hopfens weitgehend die Waage halten.

Die Süße des Antrunks überrascht mich etwas, wobei allerdings die Kohlensäure auch für eine angenehme Frische sorgt. Schnell gesellt sich ein freundliches Bitter zur Süße. Beide Geschmacksrichtungen sind gut aufeinander abgestimmt, so dass ein ausgewogener und süffiger Geschmack entsteht. Der Abgang wird durch ein mildes Bitter dominiert, das aber lange nachklingt und harmonisch zu Ende geht.

Anfangs enthielt mir das Bier zu viel Süße, aber schnell wurde es zu einem guten typisch norddeutschen Pils mit einer Menge Charakter. Zusammenfassend halte ich Klüvers Pils für ein gutes universelles Bier.

Zutaten:

Brauwasser
Gerstenmalz (Caramelmalz Hill, Pilsener Malz, Sauermalz)
Hefe
Hopfen (Hallertauer Magnum, Hallertauer Tradition)

Alkoholgehalt:

4,8 %

Stammwürze:

11,7 %

IBU:

35

Brauerei:

Klüvers Delikatessen GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.klüvers.com

Teleporter

Nun ist es bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr passiert – ich komme aus dem Urlaub zurück und bekomme als Überraschung ein Paket von Maisel & Friends mit einem Sondersud. Vielleicht sollte ich häufiger mal in den Urlaub fahren.

Der Teleporter ist eine deutsch-amerikanische Gemeinschaftsproduktion. Maisel & Friends hat das Bier gemeinsam mit der Christian Moerlein Brewing Company kreiert. Beide Brauereien verbinden ihre fränkischen Wurzeln. Der Gründer der Christian Moerlein Brewing Company, Christian Moerlein, wurde in Truppach in der Nähe von Bayreuth geboren, war gelernter Brauer, wanderte mit 23 Jahren nach Cincinnati aus und gründete dort im Jahr 1853 seine Brauerei. Genau wie Maisel & Friends braut die Christian Moerlein Brewing Company bis heute nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 und beide Brauereien gehören in ihren jeweiligen Ländern zu den Pionieren der Craft Beer-Bewegung. Daher erscheint es mir nur logisch, dass sich die beiden Brauereien jetzt zu einem Co Brewing getroffen haben. Es wurden zwei Biere gebraut, in den USA das Spacetime, ein kräftig gehopftes Weißbier, in Bayreuth das Teleporter, ein Imperial Porter. Dieses Bier steht jetzt vor mir.

Optisch macht das Bier auf jeden Fall schon mal was her. Tiefschwarz ist es, absolut blickdicht. Er bildet sich eine ungeheure hellbraune und sehr feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Das lässt schon mal das beste erwarten.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Schokolade, Toffee, Vanille sowie einige grasige Noten. Schon jetzt ist das Aroma ungewöhnlich komplex. Nachdem der Schaum in sich zusammengefallen ist, kommen die fruchtigen Aromen zum Vorschein. Zitrusfrüchte und rote Beeren sind jetzt zusätzlich zu riechen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß und weich. Mir gefällt vom ersten Moment an, dass die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure perfekt auf die Süße abgestimmt ist. Schnell lässt die Süße nach und der Geschmack von dunkler Schokolade und Espresso kommt in den Vordergrund. Dazu kommen noch rote Früchte. Eine interessante Mischung, die mir sehr gut gefällt. Dazu kommt ein volles cremiges Mundgefühl. Der Abgang erscheint zunächst sehr mild, aber der Geschmack der Schokolade klingt noch sehr lange nach. Und eines fällt mir noch auf – mit jedem Schluck gefällt das Bier besser.

Dieser Sondersud ist mit seiner Komplexität etwas ganz Besonderes. Er überrascht mit jedem Schluck aufs Neue. Schade, dass dieses Bier nur einmal gebraut wird – wenn es weg ist, ist es weg.

Und zum Abschluss: Wollen Sie wissen, was Jeff Maisel und Simon Martin, ein Vidio-Bierblogger aus Wales zu diesem Bier sagen? Unter https://youtu.be/7QNDkm-XNyg können Sie sich ansehen, wie Simon und Jeff während des Craft Brauer Festivals 2017 den Teleporter verkosten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (u.a. Phoenix), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 %

IBU:

39

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Gruthaus Grut

Gruthaus ist eine Brauerei in Münster, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, alte Bierrezepte wiederzubeleben. So auch in diesem Fall. Das Grut wurde nach Angaben der Brauerei nach einem Rezept von 1480 gebraut und zumindest in diesem Jahr dem 500jährigen Reformationsjubiläum gewidmet.

In der Zutatenliste dieses Bieres finden sich auch Hafer, Wacholder, Gagel und Kümmel. Diese Kräutermischung besteht aus Pflanzen, die auch im Münsterland wild wachsen, was vor der Verwendung von Hopfen wichtig war. Die Bauern waren damals schließlich ausreichend damit beschäftigt, die Lebensmittelversorgung mehr oder weniger zuverlässig sicherzustellen. Während Wacholder und Kümmel jedem bekannt sind, ist Gagel in der heutigen Zeit nicht mehr so bekannt. Daher habe ich im Internet danach gesucht. Es handelt sich dabei um einen Strauch, der vorwiegend am Rand von Mooren wächst und inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten steht. Vermutlich aufgrund der in ihm enthaltenen ätherischen Öle wurde Gagel bereits früh zum Bierbrauen verwendet. Andere regional unterschiedliche Bezeichnungen für Gagel sind Bäckerbusch, Birtgenbertz, Borse, Flohkrut, Gerber-Myrthe, Grut, Mirtelbaum, Mirtelbon, Mirtelepoumahi, Mitrus, Myrtenheide, Noppenkraut, Portz, Rausch, Talgbusch, Torf-Öl-Myrte oder Waschbaum. Wenn Sie mehr über Gagel wissen wollen, können Sie sich auf Wikipedia informieren.

Da dieses Bier nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht und trotzdem als Bier verkauft werden darf, wurde es bei der Brauerei Anders im belgischen Halen gebraut. Manchmal geht die deutsche Gesetzgebung schon merkwürdige Wege. Aber kommen wir jetzt einfach zum Bier.

Hellgelb ist es, fast wie Stroh. Dazu hefetrüb mit einer gewaltigen Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt. Die Optik ist also schon mal nicht schlecht.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche neben dem Malz Stachelbeeren, Ananas sowie die verwendeten Gewürze. Der Duft hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Witbier aus Belgien.

Der Antrunk ist recht süß und weich, wobei die Süße gut auf die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure angeglichen ist. Schnell lässt die Süße nach und macht einer relativ kräftigen Säure Platz, die an einen Kräuteressig mit Zitrone erinnert. Im Abgang meldet sich die Süße wieder etwas zurück, zusammen mit einer Kräuterigkeit, die mich fast an Kräuterbonbons erinnert.

Das Bier wird bereits seit 2015 gebraut, so dass es offensichtlich seine Liebhaber hat. Meins ist es aber nicht so wirklich. Damit will ich nichts gegen die Brauerei gesagt haben; die anderen Biere von Gruthaus getestet habe, gefallen mir recht gut. Es ist auch möglich, dass das Bier im Handel nicht sachgemäß gelagert wurde, weshalb ich es erneut kaufen werde, wenn ich es noch einmal sehe.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Weizenmalz, Hafer, Hefe, Hopfen, Wacholder, Gagel, Kümmel

Alkoholgehalt:

5,5 %

Brauerei:

Gruthaus-Brauerei
48143 Münster
www.gruthaus.de

Lebensfreude

Nun steht wieder ein Bier aus Neuzelle vor mir. Diesmal handelt es sich um ein glutenfreies Bier, die Brauerei nennt es Bier-Getränk. Das liegt vermutlich daran, dass die Lebensfreude nach dem vorläufigen Biergesetz nicht als Bier verkauft werden darf. Ein Blick auf die Zutatenliste (siehe unten) zeigt auch sofort auf, weshalb.

Ich habe bereits mehrere glutenfreie Biere verkostet und ganz ehrlich gesagt hat mir keines so richtig zugesagt. Das haben aber glutenfreie Biere mit den meisten „frei von…“-Produkten gemeinsam. Gluten ist ein natürlicher Bestandteil der meisten Getreide und wenn bei der Produktion eines Lebensmittels ein wichtiger Bestandteil der Rohstoffe entfernt wird, ändert das selbstverständlich der Geschmack, in der Regel nicht zum Vorteil. Aber ich will versuchen, die Lebensfreude aus Neuzelle vorurteilsfrei zu testen und zu bewerten.

Helles Gelb strahlt mir aus dem Glas entgegen. Ich sehe relativ wenig Kohlensäure. Es bildet sich eine knapp durchschnittlich voluminöse Krone aus mittelporigem Schaum, die sich relativ schnell auflöst. Optisch macht das Bier einen bestenfalls durchschnittlichen Eindruck.

Das Aroma ist recht schwach. Ich rieche Karamell sowie einen Hauch von Zitrusfrüchten. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass die Brauerei mit dem Hopfen etwas zu sparsam umgegangen ist.

Der Antrunk ist recht süßlich und auch etwas wässrig. Es zeigt sich aber, dass die Kohlensäure sehr feinperlig ist und im Bier war erheblich mehr Kohlensäure gelöst als ich erwartet hatte. Schnell schiebt sich eine kräftige Säure in den Vordergrund, die allerdings einiges an Fruchtigkeit vermissen lässt. Im Abgang fehlt mir jegliches Bitter, eventuell wird es durch die Säure überdeckt.

Ich meine, wer keine Probleme mit dem Gluten hat, sollte dieses Bier-Getränk meiden. Anders sieht es bei Menschen aus, die an Zöliakie leiden und daher Gluten nicht vertragen. Für diese Menschen ist die Lebensfreude sicher eine Alternative. Meist weichen diese Menschen auf Wein aus, aber zu manchen Speisen passt Wein einfach nicht. Ich habe im Internet den Blog „Glutenfrei leben im Alltag“ gefunden, in dem das Bier von einer Frau mit Zöliakie beschrieben wird. Sie war von dem Produkt absolut begeistert. Leider wurde dieser Blog inzwischen aufgegeben und er ist nicht mehr erreichbar.

Zutaten:

Wasser, Invertzuckersirup. glutenfreier Gerstenmalz-Grundstoff, Bieraroma, Hopfen, Hopfen-Aroma, Schaumstabilisator (E405)

Alkoholgehalt:

4,8 %

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:


Alpirsbacher Weizen Alkoholfrei

Die Brauerei aus Alpirsbach (Landkreis Freudenstadt) bewirbt ihr alkoholfreies Weizenbier so: „Der sportliche Kamerad unserer Weizenbier-Spezialitäten sorgt für unbeschwerten Biergenuss der leichten Art. Dass ihm der Alkohol mit großer Sorgfalt schonend entzogen wurde, tut seinem fruchtig-spritzigen Aroma keinerlei Abbruch: Prickelnde Frische ist das Merkmal dieser isotonischen Besonderheit. Unser Weizen Hefe Hell alkoholfrei wurde beim härtesten und renommiertesten Bier-Wettbewerb der Welt, dem World Beer Award 2012 in London, als weltbestes „Alcohol Free Wheat Beer“ prämiert.“ Ich sollte hier also durchaus ein besonderes Bier erwarten können.

Goldgelb und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommen eine lebhafte Kohlensäure und eine recht voluminöse Schaumkrone nur langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist weizenbiertypisch. Ich rieche Teig und Banane.

Der Antrunk ist ungewohnt trocken und spritzig. Der Geschmack entfaltet sich aber erst, wenn sich das Bier im Mund verteilt. Das Bier ist leicht säuerlich und mild, nicht wirklich typisch für ein Weizenbier, aber es ist ein guter Durstlöscher.

Zutaten:

Brauwasser. Weizenmalz, Isomaltulose, Bierhefe
Hopfen

Alkoholgehalt:

0,0 %

Brauerei:

Alpirsbacher Klosterbräu
72275 Alpirsbach
www.alpirsbacher.de

Klüvers Rotbier

Mein letzter Besuch in Neustadt/Holstein ist sicher schon 30 Jahre her. Nach meinem Wissen gab es die Firma Klüver damals noch nicht, aber in der Zwischenzeit scheinen die Klüvers dort ein kleines lokales Imperium aufgebaut zu haben. So betreibt das Familienunternehmen dort nicht nur eine Hausbrauerei mit angeschlossener Gastronomie, sondern auch eine Fischräucherei sowie eine Delikatessen-Manufaktur. Dass hier regionale Grundstoffe verwendet werden macht das Unternehmen nur noch sympathischer. Jetzt steht das Rotbier der Nordlichter vor mir.

Seinen Namen hat das Rotbier schon mal zu Recht. Kupferfarben und leicht hefetrüb präsentiert es sich im Glas. Darüber bildet sich viel sahniger Schaum mit einem leichten Gelbstich, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist malzbetont. Ich rieche Karamell, gepaart mit einer angenehmen Fruchtigkeit sowie einem Hauch Vanille.

Wie ich es bei einem Rotbier erwarte ist der Antrunk leicht süß mit fruchtigen Noten. Dazu ist die sehr feinperlige Kohlensäure für meinen Geschmack perfekt dosiert. Im Mund entwickelt sich der Geschmack nach Zitrusfrüchten, de aber gleichzeitig durch blumige Einflüsse abgemildert wird. Dadurch ist das Bier recht komplex. Der Abgang ist angenehm bitter und würzig. Er klingt mittellang nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Carared, Melanoidinmalz, Pilsner Malz, Sauermalz), Hopfen (Northern Brewer, Perle). Hefe

Alkoholgehalt:

4,7 %

Stammwürze:

11,5 %

IBU:

10

Brauerei:

Klüvers Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com