Früher gab es in Hannover eine ganze Reihe selbstständiger Brauereien, von denen nach meinem Wissen nur zwei Brauereien übriggeblieben sind, die älteste Brauerei, die Gilde, die allerdings nicht mehr eigenständig ist, sowie die Herrenhäuser Brauerei. Im Jahr 2003 kaufte Interbrew, der Vorgänger von ABInBev, die Gilde-Brauerei, um sechs Jahre später die Produktion zu drosseln. Das Unternehmen war vermutlich lediglich an der Marke interessiert und hätte den Produktionsstandort wohl am liebsten dichtgemacht. 2016 wurde die Gilde-Brauerei als neu gegründete GmbH an eine mittelständische Brauereigruppe verkauft, der bereits das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt/Oder sowie die Feldschlößchen Brauerei in Dresden gehörten. Auf dem vorderen Etikett steht die Bezeichnung Premium Pils. Was unterscheidet eigentlich ein Premium Pils von einem schnöden Pils ohne Premium? Udo Dewies von Brau und Brunnen in Dortmund hat es gegenüber der Rheinischen Post erläutert: Der Begriff Premium „ist jedoch nicht als Qualitätssiegel zu verstehen. Premium steht für Marken, die sich durch eine hochwertige Ausstattung in Gastronomie und Handel sowie durch attraktive Werbe- und Sponsoringmaßnahmen von Billigstbieren unterscheiden.“ Kurz gesagt, Premium kostet halt etwas mehr. Nachdem wir das nun wissen, können wir uns ja mit gutem Gewissen endlich dem Bier zuwenden. Ein Blick auf das Rückenetikett verrät, dass Gilde dieses Bier ausschließlich mit Hopfen braut, also keinen Hopfenextrakt verwendet. Eine gewisse Qualität können wir von diesem Bier also erwarten.
Goldgelb und kristallklar ist das Gilde Ratskeller. Darüber eine durchschnittliche Menge feinporiger weißer Schaum, der einige Zeit lang erhalten bleibt. Optisch macht dieses Bier also schon mal was her.
Das Aroma wird durch das Malz dominiert, aber auch der Hopfen meldet sich bereits zu Wort und zeigt damit an, dass ich eine gewisse Menge Bitterstoffe erwarten kann.
Der erste Geschmackseindruck ist eine kräftige aber unaufdringliche Süße, die sich mit der in ausreichender Menge vorhandenen sehr feinperligen Kohlensäure verbindet. Dazu gesellt sich schnell ein kräftiges Bitter. Dabei wirkt das Bier ausgeglichen und rund, dabei aber auch süffig. Der Abgang ist freundlich Bitter und klingt lange nach. Ein typisch norddeutsches Pils, das seinen Platz in den Supermarktregalen Hannovers und in der Umgebung durchaus verdient hat.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Alkoholgehalt:
4,9 % Vol.
Stammwürze:
11,4° Plato
Brauerei:
Gilde Brauerei GmbH
Hildesheimer Str. 132
30173 Hannover
www.gildebrau.de
Das Ainpöckisch Bier 1378 ist ein weiteres Bockbier aus Einbeck. Im Gegensatz zu den anderen Bockbieren dieser Brauerei enthält dieses Bier Hefe. Da auch die klaren Böcke aus Einbeck mir gut gefallen haben und da mit der Hefe auch Geschmacksstoffe aus dem Bier entfernt werden, erwarte ich hier ein wirklich geschmackvolles Bier. Das Ainpöckisch Bier, das im Jahr 1378 erstmals urkundlich erwähnt wurde, wird nach Angaben der Brauerei nach traditioneller Rezeptur gebraut, ist unfiltriert und hopfenbetont. Zu Zeiten der Hanse war Ainpöckisch Bier im gesamten Hanseraum begehrt und selbst Martin Luther lobte 1521: „Der beste Trank, den einer kennt, wird Ainpöckisch Bier genennt.“ Na, dann wollen wir mal. Vor dem Öffnen der Flasche müssen wir diese aber erst einmal etwas schütteln, da sich die Hefe am Boden abgesetzt hat und sich erst einmal wieder mit dem Bier vermischen muss, damit wir in den vollen Genuss dieses Bieres kommen.
Nun will ich mich wieder einem Bier aus Niedersachsen zuwenden, dem Klosterkeller aus dem Kloster Wöltingerode. Dort am Nordrand des Westharzes werden einige Biere gebraut und veredelt, die sogar zwischen anderen Craft-Bieren herausstechen. Das Klosterkeller, das jetzt vor mir steht, ist im Cognacfass gereift. Durch die Reifung im Cognac- oder Rumfass erhalten die Biere ein besonderes Aroma, so dass es sich meist lohnt, für diesen Genuss etwas mehr Geld pro Flasche auszugeben. Jetzt will ich feststellen, ob das auch für dieses Bier zutrifft. Immerhin werden die Flaschen exklusiv von Hand abgefüllt und nummeriert, meine Probe ist Flasche 49 von 3562 abgefüllten Flaschen.
Wieder steht ein Bier aus Niedersachsen vor mir, das naturtrübe Einbecker Kellerbier. Die Brautradition von Einbeck geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als jeder Bürger das Recht hatte, Bier zu brauen. Damals gab es in der kleinen Stadt im Weserbergland etwa 700 Brauherren. Das führte selbstverständlich zu einer extremen Überproduktion, die von der Stadt aufgekauft wurde, um sie außerhalb der Stadtmauern zu verkaufen. Die Biertransporte gingen bis nach Amsterdam, München und nach Reval, dem heutigen Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Von den vielen Brauereien ist nur noch das Einbecker Brauhaus übriggeblieben, das dafür aber zu den bekanntesten Brauereien Deutschlands gehört.
In der nächsten Woche findet wie jedes Jahr die Industriemesse in Hannover statt, die ich aus beruflichen Gründen besuchen werde. Zeit also, sich mental darauf vorzubereiten. Damit beginne ich heute mit einem Bier aus dem südlichen Niedersachsen, dem Einbecker Brauherren Alkoholfrei. Mir fällt auf, dass das vordere Etikett nicht aussagt, dass es sich um ein Pils handelt; diese Information wird erst auf dem Rückenetikett verraten. Im Jahr 2012 wurde dieses alkoholfreie Bier durch die „Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V.“ als Kulinarischer Botschafter Niedersachsens ausgezeichnet. Von diesem Bier des Brauhauses in Einbeck, dessen Geschichte bis ins Jahr 1371 zurückreicht, kann ich also einiges erwarten.
Erst seit 2016 wird im Kloster Wöltingerode bei Goslar Bier gebraut. Oder nein, gebraut wird in der Brauerei Altenau im Oberharz, aber in Wöltingerode wird das Bier für die Reifung in unterschiedlichen Holzfässern gelagert. Die Brauerei hat mir von jedem ihrer vier Biere jeweils eine der durchnummerierten Flaschen geschickt. Vom Klosterkrug ist es Flasche 31 von 5877 des Jahrgangs 2017, die jetzt vor mir steht und verkostet werden will. Tue ich ihr also den Gefallen.
Im September 2016 hatte ich bereits berichtet, dass das Kloster Wöltingerode bei Goslar eine eigene Craft Beer-Reihe plant. Inzwischen sind die Biere gebraut und sie werden vertrieben. Ich habe die Biere auf der Grünen Woche in Berlin kennengelernt und vor etwa einer Woche erhielt ich von der Brauerei ein Paket mit vier Flaschen Bier, jeweils eine Flasche jeder Sorte. Heute will ich die Klosternacht verkosten, ein Winterbockbier.
Nachdem mit das Moritzberger Felsenkeller-Pils wirklich gut gefallen hat, will ich gleich ein weiteres Bier aus der erst in diesem Jahr gegründeten Hildesheimer Braumanufaktur verkosten. Das Brunhilde, ein India Brown Ale, verspricht auf dem Etikett „ein wohlgeformtes dunkles Ale von intensivem ausgewogenem Charakter“. Dieses vollmundige Versprechen sowie meine positiven Erfahrungen mit dem Pils schrauben meine Erwartungen selbstverständlich kräftig nach oben und ich bin jetzt gespannt, ob das Bier meine Erwartungen erfüllen kann. Probieren wir es aus.
Der Name des Bieres, das jetzt vor mir steht, drückt eine tiefe Heimatverbundenheit aus. Das ist auch kein Wunder. Obwohl der Moritzberg bereits 1911 in Hildesheim eingemeindet wurde, sehen sich die Bewohner auch heute noch eher als Moritzberger, nicht als Hildesheimer. Auch der Felsenkeller hat eine historische Bedeutung. Im Moritzberg gibt es einen Eiskeller, der bis zum Jahr 1906 von der Victoria-Brauerei genutzt wurde, um das Bier mit Eis zu kühlen, das im Winter aus dem Eisteich an der Alfelder Straße geschnitten und im Eiskeller eingelagert wurde. Aber das ist noch nicht die gesamte Biertradition des Moritzbergs. Bis in die 1960er oder 197er Jahre hatte die Härke-Brauerei ein Lager in der Brauhausstraße, dort wo heute das Altenheim ist. Die jetzige Gaststätte Treppchen war damals die Brauereigaststätte. Von daher ist es eigentlich logisch, dass es jetzt wieder ein Bier vom Moritzberg gibt, auch wenn es von der erst in diesem Jahr gegründeten Hildesheimer Braumanufaktur am anderen Ende von Hildesheim an der Goslarschen Landstraße gebraut wird. Aber kommen wir zum Felsenkeller-Pils.
Nun steht mal ein Bier aus der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover vor mir, das Mashsee Hafensänger Baltic Porter. Pate bei der Namensgebung war der Maschsee, das südlich der Innenstadt gelegene und mit einer Größe von 78 Hektar größte künstliche Gewässer in Hannover. Die Brauerei liegt nur wenige hundert Meter von diesem Naherholungsgebiet entfernt. Aber kommen wir zum Bier.