Über den armen Gehenkten, der auf allen Flaschen der Brasserie d’Ebly abgebildet sind, habe ich mich ja bereits ausreichend ausgelassen. Und da Wiederholungen bekanntlich nicht gefallen, komme ich jetzt gleich und ohne Umwege zum Bier.
Rubinrot und hefetrüb läuft das Bier ins Glas. Überraschend dabei ist die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die sich in strahlendem Weiß präsentiert, nicht rosafarben, wie ich es bei diesem intensiv roten Bier erwartet hätte.
Die Düfte der Himbeere dominieren das Aroma dieses Bieres. Hier mischen sich die Süße und Säure der Früchte mit dem Karamell des Malzes. Im Hintergrund erahne ich noch einen leichten Ton von Harz.
Der Antrunk ist weniger süß als erwartet. Stattdessen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund, die gut mit der sehr feinperligen Kohlensäure harmoniert. Das Mundgefühl ist voll, dabei aber frisch. Die Früchte kommen wie bereits im Aroma in den Vordergrund, ohne dabei penetrant zu werden. Auch der Abgang wird durch die Früchte dominiert. Bitterstoffe kann ich nur sehr verhalten feststellen, weshalb der Geschmack nur kurz nachklingt.
Dieses Bier lässt sich gut zu süßen Desserts oder zu Obstsalat genießen.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Süßstoff aus der Stevia, 3 % Himbeersaftkonzentrat
Alkoholgehalt:
4 % Vol.
Brauerei:
Brasserie d’Ebly
Rue Champs Claire 4
6860 Ebly
Belgien
http://www.lacorneduboisdespendus.be/
Was macht ein hessischer Brauer, der ein Craft Beer außerhalb des Reinheitsgebots brauen will? Er lässt sich von der Frankfurter Grünen Soße inspirieren und schon ist er fertig. Soweit das Vorurteil, dem aber Glaabsbräu aus Seligenstadt gefolgt ist. So entstand im Jahr 2018 erstmals das saisonale Craftbier Glaab´s Grie Soß. Seit April 2019 kam die zweite Auflage dieses Biers wieder in den Handel, ganz nach dem Motto „Schmägg die Kraft der siwwe Kräuder“. Das Biermischgetränk besteht zu 90% aus einem mild gehopften hellen Bier und 10% aus den sieben Kräutern der hessischen Grünen Sauce (Petersilie, Kresse, Borretsch, Schnittlauch, Sauerampfer, Kerbel und Pimpernelle). Ich habe mich auf der Internorga mit den Brauern unterhalten, die mir erzählt haben, dass sie einige Zeit aufwenden mussten, um die richtige Kräutermischung zu finden. Vor allem der Schnittlauch musste geringer dosiert werden, da er im Bier sonst zu dominant wurde. Wie sich die sieben Kräuter der Grünen Soße im Bier machen will ich jetzt feststellen.
Als 2003 der afrikanische Ideengeber Henrique bei einem Unfall stirbt, setzt Mongozo den von ihm eingeschlagenen Weg fort, neue Biere nach Rezepturen aus Afrika zu brauen. Der Niederländer Jan Fleurkens entwickelt eigene Rezepte und bringt im Frühling 2005 Mongozo Coconut auf den Markt. Mongozo Mango ist biozertifiziert: die Mangos sind aus biologischem Anbau. Mongozo gelingt der Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Kulturen: zwischen alt und neu, zwischen nah und fern. Anhand bewährter Biertraditionen und neuer Brauverfahren bietet Mongozo fünf exotische Biersorten an. Jetzt steht das Mongozo Mango vor mir. Dieses obergärige Bier wird in guter belgischer Brautradition einer zweiten Gärung in der Flasche unterzogen.
Jetzt steht ein Lambic aus Belgien vor mir, gebraut mit Mirabellen, einer Pflaumenart mit dem wissenschaftlichen Namen Prunus domestica subsp. Syriaca. Das Bier stammt aus der Brouwerij De Troch im flandrischen Wambeek. Seit mehr als 100 Jahren kreiert die Brauerei fruchtige belgische Craft-Biere, was sie zu einem Pionier des Lambic macht.
Jetzt steht ein Lambic aus dem flämischen Itterbeek vor mir. Dieser Bierstil ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt und wird bis heute ausschließlich im Zenne-Tal, insbesondere in der Region Brüssel, gebraut. Es ist die einzige belgische Biersorte mit eingetragener Herkunftsbezeichnung (gemäß dem belgischen Königlichen Erlass vom 20. Mai 1965) und muss nach den gesetzlichen Vorschriften gebraut werden.
Die Schweiz ist eigentlich nicht für ihre Braukunst bekannt; und das, obwohl die Schweiz das Land mit der größten Brauereidichte weltweit ist. Auf jeweils etwa 8.600 Einwohner kommt eine Brauerei (zum Vergleich: in Deutschland kommen auf jede Brauerei etwa 50.000 Einwohner). Das bedeutet, dass die meisten Brauereien in der Schweiz Kleinbetriebe sind, die handwerklich arbeiten. Ich weiß allerdings nicht, weshalb die Biere aus der Schweiz im Ausland so selten angeboten werden, insbesondere weil ich das Vorurteil habe, dass die Schweizer sehr auf Qualität achten, und das nicht nur bei Uhren und Schokolade. Und tatsächlich – als ich Ende letzten Jahres auf der BrauBeviale war, wo ich viele Biere verkosten konnte, hat mich ein Bier aus der Schweiz am meisten beeindruckt. Dieses Bier steht jetzt vor mir und ich bin mal gespannt, ob es mir zu Hause genauso gut schmeckt wie auf der Messe.
Jetzt steht ein Bier aus dem nördlichen Hessen vor mir. Die junge Brauerei Rehbocks aus Wolfhagen, etwa 30 km westlich von Kassel gelegen. Derzeit sind die Brauer noch als Gypsy-Brauer unterwegs, planen aber eine eigene Brauerei in Wolfhagen. Dr. Florian Rehbock ist Mitglied bei den Kreativbrauern. Dieser eingetragene Verein hat für sich das Natürlichkeitsgebot entwickelt. Es ist in vielen Punkten strenger als das so häufig zitierte Reinheitsgebot, schränkt die Brauer aber nicht auf die vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ein. Das Kesper wird mit Kirschsaft aus Witzenhausen gebraut. Auch diese Kleinstadt liegt im Norden von Hessen. Die Brauerei produziert vier unterschiedliche Biere, von denen das Kesper das einzige ist, das nicht dem Reinheitsgebot entspricht.
Die Brauerei Liefmans in Oudenaarde gibt es bereits seit dem Jahr 1679. Heute ist sie die einzige Brauerei in dem 30.000 Einwohner-Ort. Seit Jahrhunderten ist Oudenaarde berühmt für seine Fruchtbiere und Liefmans ist die letzte von ehemals 20 Brauereien in Oudenaarde. Das Besondere an Liefmans ist, dass sich dort eine Mikroflora gebildet hat, die Liefmans ermöglicht, mit den wilden Hefen zu brauen. Liefmans behauptet sogar, dass es nirgendwo sonst auf der Welt eine so perfekte Umgebung für das Brauen von Bier gibt.
Seit dem Jahr 2006 braut die Brouwerij Haacht das Mystic Krieken her, ein Kirschbier. Im Gegensatz zu den meisten belgischen Fruchtbieren werden hier nicht die Kirschen in den Sud gegeben, sondern zunächst wird ein Witbier gebraut, das anschließend mit Kirschsaftkonzentrat veredelt wird. Die Menge des Konzentrats entspricht 25 % Fruchtsaft. Jetzt hat eine Flasche dieser Brauspezialität ihren Weg zu mir gefunden, die ich jetzt verkosten werde.
Bereits seit dem 6. Jahrhundert wird in Mitteleuropa der Apfel angebaut, das Bier gehört sogar noch deutlich länger zur europäischen Kultur. Beides vereint das Apfel Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle in dem Bier, das jetzt vor mir steht. Im Internet habe ich mehrere Rezensionen gefunden, in denen das Apfel Bier als Biermischgetränk bezeichnet wurde. Ich habe darüber mit Herrn Fischer, dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei, gesprochen und er hat mir erläutert, dass die Brauerei das Bier zunächst nach dem Reinheitsgebot braut und anschließend mit verschiedenen Zusätzen veredelt. Er hat mir versichert, dass für alle Biere eine Ausnahmegenehmigung als „besonderes Bier“ nach dem vorläufigen Biergesetz aus dem Jahr 1993 vorliegt. Daher dürfen die Biere aus Neuzelle auch als Bier verkauft werden.