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Piedboeuf Blond

Eine Bierflasche mit 75 cl Inhalt, einem Schraubverschluss aus Plastik und einem Preis von etwa einem Euro sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Auch die Bezeichnung als Tafelbier zieht mich nicht wirklich an. Aber OK, manchmal gibt es ja auch Überraschungen, so dass ich auch dieses Bier einmal verkosten muss.

Schon beim Einschenken macht sich aber Enttäuschung breit. Das Bier ist hell und sieht irgendwie wässrig aus. Der Schaum ist grobporig und fällt schnell in sich zusammen. Der Eindruck bestätigt sich beim ersten Schluck. Kaum Bitterstoffe und dazu ein teigiger Geschmack. Dieser Geschmack kommt vermutlich durch das Hinzufügen von nicht gemalzter Gerste und von Mais. Bis jetzt also wirklich kein Genuss; zum Trinken ist dieses Bier eher nicht geeignet.

Aber Moment, die Belgier kochen doch auch häufig mit Bier. Eventuell ist das Piedbeouf ja zum Kochen geeignet. In Deutschland wird Bier zum Kochen nur selten verwendet, da das am weitesten verbreitete Pils beim Kochen meist bitter wird. Aus diesem Grund wird zum Kochen hierzulande fast immer Schwarz- oder Rotbier verwendet. Für eine helle Biersoße hat sich Piedboeuf als gut geeignet herausgestellt.

Inhalt:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Hopfen, Klärstoff: E150c (Ammoniak-Zuckercouleur), Antioxidanz: E300 (Ascorbinsäure), Süßstoff E954 (Saccharin)

Alkoholgehalt:

1,1 % Vol.

 

Brauerei:

InBev Belgium s.a./n.v.
BdIndustriel 21 Industrielaan
B-1070 Bruxelles

Delirium Red

Nun habe ich bereits seit längerer Zeit kein Bier aus Belgien getestet. Außerdem habe ich noch kein Fruchtbier vorgestellt. Es wird also höchste Zeit, dass ich mich an das Delirium Red mache.

Die Flasche ist schon mal im typischen Delirium-Design gehalten – eine Glasflasche mit Steinoptik beklebt. Beginnen wir also mit dem Bier.

Tiefrot und fast undurchsichtig ist das Bier im Glas, darüber eine weiße Schaumkrone. Der Duft des Bieres nach Hopfen und Malz wird durch einen intensiven Kirschgeruch überlagert. Gut, das hätte ich von einem Fruchtbier im Prinzip auch erwartet. Ein erster Schluck zeigt, dass der Geschmack gut mit dem Duft harmoniert – das Delirium Red schmeckt wie ein guter und nicht zu süßer Kirschnektar, der mit einem kräftigen Bier vermischt wurde. Eigentlich nicht schlecht, aber mir erscheint der Geschmack zu intensiv als dass er natürlichen Ursprungs sein könnte. Ein Blick auf das Rückenetikett mit der Zutatenliste bringt es ans Tageslicht: Das Delirium Red enthält neben Kirschen auch Kirschsaft, Holundersaft (daher die tiefrote Farbe) und Aroma (daher der intensive Geschmack).

Geschmacklich ist dieses Bier nicht schlecht, aber ob wir bei dieser Zutatenliste noch von einem Naturprodukt reden können lasse ich jetzt mal dahingestellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Kirschen, Kirschsaft, Holundersaft, Zucker, Hopfen, Hefe, Aroma, Süßstoff

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Huyghe Brewery
Brusselse stw 282
9090 Melle
http://www.delirium.be

DIE BIEROTHEK

Lindemans Framboise

Jetzt will ich einmal ein Lambik von Lindemans testen. Dem Test möchte ich aber erst einmal einige Erklärungen voranstellen. Zunächst einmal handelt es sich um ein Lambik, also um ein Bier, das nicht mit Reinzuchthefen gebraut wird, sondern das durch wilde Hefen im Holzfass in Gärung kommt – diese Hefen sollen ausschließlich im Raum Brüssel beheimatet sein. Aber wie sind die Belgier bloß darauf gekommen, ihr Bier mit Früchten zu versetzen? Überliefert ist die Geschichte, dass einmal ein Lambik ziemlich misslungen und sehr sauer war. Da gerade Kirschenzeit war und die Ernte sehr üppig ausfiel kippte der Brauer die überzähligen Kirschen in das Fass mit dem ungenießbaren Lambik. Als er einige Zeit später den Fassinhalt entsorgen wollte, stellte er fest, dass die Kirschen vollständig weg waren – nur die Kerne waren noch übrig. Dafür schmeckte das Lambik jetzt gut. Ob die Geschichte stimmt kann ich nicht sagen, aber sie gefällt mir doch recht gut.

Heute steht aber das Lindemans mit Himbeeren vor mir. Wer erstmals ein Bier von Lindemans öffnet wird sich wundern, dass die Flasche unter dem Kronkorken noch einmal mit einem Naturkorken verschlossen ist. Zusätzlich zum Öffner benötigen wir also noch einen Korkenzieher, um an das Objekt der Begierde zu kommen.

Nachdem wir die Flasche nun aufbekommen haben, schenken wir das Bier ein. Tiefrot ist es im Glas, darüber ein für ein Lambik fester zartrosa Schaum. Intensiv duftet das Bier nach reifen Himbeeren, so stark, dass dadurch alle anderen Düfte beinahe überdeckt werden. Lediglich ein herber Duft ist noch festzustellen.

Nehme ich den ersten Schluck. Die reinste Geschmacksexplosion. Das Lindemans schmeckt genau wie es duftet – intensiver Geschmack nach Himbeeren – wie ein sehr guter Himbeersaft. Da durch die Gärung ein Teil des Zuckers in Alkohol umgewandelt wurde, ist es aber nicht so süß wie ein Saft. Der Geschmack des Malzes und des Hopfens gehen allerdings weitgehen unter. Lediglich im Abgang sind noch leichte Bitternoten festzustellen, die aber gut mit der starken Fruchtigkeit harmonieren.

Das Lindemans Framboise ist sicher kein Bier für jeden Tag, aber an einem schönen Sommertag oder zu einem Dessert ist es eine feine Sache.

Zutaten:
Wasser, 30 % Himbeersaft, Gerstenmalz, Hefe

Alkoholgehalt:
2,5 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

Lindemans Apple

Nun will ich wieder einmal ein Lambic mit Frucht testen, das „LindemanS Apple“. Vielen deutschen Biertrinkern gefällt der Gedanke nicht, ein Bier zu trinken, in dem auch Apfelsaft vergoren wurde. Aber ich kann wirklich jedem nur anraten, es einfach einmal zu probieren. Wer es nicht mag, der hat keinen Verlust erlitten, aber ich glaube, dass viele durch diesen Versuch eine neue Erfahrung machen.

Wie bei den Bieren von LindemanS üblich haben die Brauer vor den Genuss den Schweiß gesetzt, unter dem Kronkorken befindet sich noch ein Naturkorken, der entfernt werden muss, bevor das Bier eingeschenkt werden kann. Aber dann ist es im Glas – die grüngelbe Farbe ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber das kennen wir ja bereits von den Bieren aus dem Hause LindemanS. Schaum entwickelt das Bier fast nicht. Das Bier duftet intensiv nach grünen Äpfeln, der Duft wird aber durch einen diskreten Hauch von Malz noch unterstützt.

So auch der Geschmack dieses Fruchtlambic. Im ersten Augenblick schmecke ich lediglich grüne Äpfel. Nicht zu süß und mit ausgewogener Säure. Dann kommen andere Geschmäcker dazu – zunächst nach einen wirklich guten Cidre. Aber da ist noch mehr. Es sind schließlich nicht nur vergorene Äpfel im Glas, sondern es ist ein Bier, dem während der Gärung 25 % Apfelsaft zugesetzt wurden. Auch dass das Bier mindestens ein Jahr lang gereift ist, dürfte der Entfaltung der Aromen und Geschmäcker zuträglich sein.

Ich glaube, an einem warmen Sommerabend gibt es nichts Besseres als ein gut gekühltes Fruchtlambic.

Zutaten:

Eine vollständige Zutatenliste veröffentlicht die Brauerei weder auf der vor mir liegenden Flasche mit 37,5 ml Inhalt noch auf der Website. Auf der Flasche werden lediglich die folgenden Zutaten angegeben (ich schreibe sie hier in der Reihenfolge des Erscheinens im Text auf):
mindestens 25 % Apfelsaft, Zucker, Süßstoff natürlichen Ursprungs, Gerstenmalz, Weizenmalz

Alkoholgehalt:

3,5 %

Brauerei:

Brouwerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

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