Lindemans Kriek

Jetzt steht mal wieder eines der Fruchtbiere aus dem Hause Lindemans vor mir. Wie bei den anderen Bieren aus dieser Brauerei handelt es sich auch hier nicht um ein Mischgetränk, sondern der Kirschsaft wurde bereits während des Brauprozesses zugegeben, so dass ein ganz besonderer Geschmack entsteht. Auch das Kriek ist ein Lambic, also ein Bier, das mit wilden Hefen gebraut wurde, ein Vorgang, der nur in der Umgebung von Brüssel funktionieren soll.

Tiefrot steht das Bier im Glas. Darüber ein rosa Schaum, der sich allerdings recht schnell auflöst. Na ja, ich hatte auch nichts anderes erwartet. Das ist bei allen Fruchtbieren aus dem Hause LindemanS so. Dazu der intensive Duft nach Schwarzkirschen, der Duft des Hopfens ist eher zu erahnen. Wer wie ich die Fruchtbiere mag, kann den ersten Schluck kaum erwarten. Fangen wir also an.

Der Antrunk ist süß und der Geschmack der Kirschen füllt sofort den gesamten Mund aus. Dazu die leichte Herbe des Hopfens, die hervorragend zur Säure der Kirschen passt. Der Kirschgeschmack ist fast zu intensiv, aber durchaus lecker. Lediglich im Abgang ist das Kriek etwas schwach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, 25% Kirschsaft, Fructose, Süßstoff, Aromen

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

DIE BIEROTHEK

Grüner Vollbier hell

Nun wende ich mich mal wieder einem Bier aus Franken zu. Das Grüner Vollbier hell wird nicht mehr in der 1709 gegründeten Brauerei Grüner gebraut, die ihren Betrieb 1977 eingestellt wird, sondern seit 2011 in der Brauerei Tucher, die ebenfalls in Fürth ansässig ist.

Das untergärige Lagerbier ist im Glas goldgelb mit einer nicht allzu üppigen aber feinporigen Schaumkrone, die auch relativ lange erhalten bleibt. Dafür sorgt wohl auch die reichlich vorhandene Kohlensäure. Optisch hat Tucher also schon mal alles richtig gemacht. Der Duft ist vom Malz geprägt, während der Geruch des Hopfens eher zu erahnen ist. Wir können also schon mal von einem recht milden Bier ausgehen.
Diesen Eindruck unterstreicht auch der Antrunk. Zurückhaltend süß ist er, dabei aber kräftig. Auffällig ist der vollmundige und runde Geschmack, der auf eine sorgfältige Auswahl des Malzes schließen lässt. Auch der Körper ist wirklich lecker. Da der Hopfen eher zurückhaltend eingesetzt wurde, ist das Bier recht süffig. Der Abgang ist frisch, ebenfalls durch das Malz geprägt und erst jetzt kommt der Hopfen wirklich zu seinem Recht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Tucher Traditionsbrauerei
90763 Fürth
http://www.tucher.de

Hasseröder Schwarz

Nun steht ein Schwarzbier aus Sachsen-Anhalt vor mir, das Hasseröder Schwarz. In der DDR war die im Jahr 1872 gegründete Brauerei in einem Vorort von Wernigerode die größte Brauerei des Landes. Nachdem sie die Wende überlebt hatte, wurde sie 2002 von ABInBev aufgekauft. Ich wundere mich etwas, dass die Brauerei erst 2011 begonnen hat, Schwarzbier zu brauen, obwohl Schwarzbiere im Osten eigentlich ziemlich beliebt sind.

Tiefschwarz zeigt sich das Bier im Glas. Selbst wenn es gegen das Licht gehalten wird, ist nur ein schwacher Rotton zu erkennen. Dazu eine sehr schöne feinporige und feste Schaumkrone. Das Bier duftet intensiv nach Malz, unterstützt von feinen Schokoladen- und Kaffeenoten. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt eine intensive Röstmalznote zusammen mit einer leichten Süße, die das Malz angenehm unterstützt. Dazu die leichte Schokoladennote. Im recht langen Abgang kommen noch einige diskrete Bitterstoffe zum Tragen. Ich bin der Meinung, dass das Hasseröder Schwarz ein wirklich gut trinkbares Schwarzbier ist. Leider sind die verschiedenen Zutaten nicht wirklich gut aufeinander abgestimmt, so dass die Qualität noch steigerbar ist.

Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:
5,0 % Vol.

Brauerei:
Hasseröder Brauerei GmbH
Auerhahnring 1
38855 Wernigerode
http://www.hasseroeder.de

Frankenbräu Pilsener

Pils macht etwa zwei Drittel der deutschen Bierproduktion aus. Grund genug also, mal wieder ein Bier Pilsener Brauart zu testen. Allerdings habe ich das Vorurteil, dass die Pilsener meist ziemlich ähnlich schmecken.

Irgendwie mag ich ja die Flaschen mit dem Bügelverschluss. Das könnte einerseits daran liegen, dass ich das Design mag, andererseits lässt sich die Flasche auch wieder verschließen, was vor Allem im Sommer hilfreich ist, wenn auf diese Weise die Insekten abgehalten werden. Vor allem bleibt das Bier aber auch frisch, wenn es nicht sofort ausgetrunken wird.

Nachdem ich bereits im ersten Absatz meine Bedenken geschrieben habe, ziehe ich hier mein Fazit vor: Dieses Bier ist etwas ganz besonderes. So etwas würde ich mir häufiger wünschen. Es ist einfach so, wie ich mir ein Bier aus Franken vorstelle.

Schon im Glas macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Goldgelb steht das Bier im Glas, darüber eine wunderbar feinporige Schaumkrone, die auch lange stehen bleibt. Das Bier duftet vielseitig nach Getreide, Hopfen und Früchten.

Auch der Geschmack überzeugt. Der Antrunk ist von Malz geprägt, unterstützt durch eine fruchtige Note. Dazu zeigt das Bier einen vollen Körper und deutliche Hopfennoten im Abgang. So schmeckt Franken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Franken Bräu
96268 Mitwitz im Frankenwald
http://www.frankenbraeu.de

Pott’s Prinzipal

Nun habe ich mal wieder ein Bier aus der kleinen Brauerei Pott’s im münsterländischen Oelde vor mir.

Kräftig goldgelb steht das Bier im Glas. Dazu eine üppige Schaumkrone mit mittlerer Standzeit. Der Duft ist durch den Hopfen geprägt, unterstützt von Zitrusnoten. Optik und Duft lassen uns also ein herbes Bier erwarten.

Der Antrunk zeigt viel Malz und schnell wird klar, dass es sich um ein sehr schön süffiges Bier handelt. Das hätte mir auch bereits die Angabe des Stammwürzegehalts von 12,5 % auf dem Etikett sagen können. Im Abgang wird das Bier deutlich bitter, was aber nicht unangenehm ist. Der Geschmack bleibt auch lange erhalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Pott’s Brauerei
59302 Oelde
http://www.potts.de

Nörten-Hardenberger Pils

Nun teste ich einmal ein Pils, gebraut in Kassel, verkauft allerdings unter dem Namen der südniedersächsischen Kleinstadt Nörten-Hardenberg. Nachdem mir die Biere aus dem Harz gut gemundet haben, erwarte ich auch einiges von einem Pils aus dem Vorharz bzw. aus dem benachbarten Nordhessen. Diese Erwartungen wurden noch durch die goldene DLG-Prämierung im Jahr 2013 gesteigert.

Goldgelb ist das Bier im Glas, darüber eine üppige feinporige Schaumkrone, die auch recht lange stehenbleibt. Der Duft ist frisch und hopfig. Bis hierhin ist also alles genau so, wie es sein soll. Nehmen wir also den ersten Schluck.

Bereits im Antrunk wird klar, dass es sich um ein recht herbes Pils handelt. Wenig spektakulär, wenn auch mit langem Abgang. Viel mehr ist zu diesem Bier nicht zu sagen. Wer ein herbes Bier mag, ist mit diesem recht gut beraten. Sicher würde es noch aufgewertet, wenn dazu Wurst aus dem Nörten-Hardenberg benachbarten Eichsfeld gegessen wird. Das Bier passt wirklich in seine Heimat.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Martini Brauerei
34119 Kassel
http://www.noerten-hardenberger.de

Dobber IPA

Großbritannien ist bekanntlich die Heimat der IPAs und daher musste ich ein britisches IPA selbstverständlich gleich mitnehmen. Falls Sie sich wundern, dass ich bei diesem Bier keine Zutatenliste veröffentliche: ich habe sie nicht vergessen. Das Bier habe ich in Amsterdam gekauft und offensichtlich ist es weder in den Niederlanden noch auf der Insel erforderlich, die Zutaten eines Biers auf der Liste aufzulisten. Da auch auf der Website der Brauerei keine Angaben zu den Zutaten gemacht werden, kann ich lediglich schreiben, dass in dem Bier sowohl Weizen als auch Gerste enthalten sind. Aber kommen wir zum Bier.

Rotgolden und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber eine durchschnittliche Menge cremiger Schaum der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich eine lebhafte Kohlensäure.

Das Aroma ist bestechend. Bereits während ich das Bier einschenke nehme ich intensive Zitrusnoten wahr. Beim näheren Riechen kommen noch Noten nach Orange, Zitronenschale, Karamell und Marzipan dazu. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und enthält nur wenig Süße. Der Körper ist zunächst fruchtig. Diese Fruchtigkeit wird schnell durch einen intensiven Bittergeschmack abgelöst. Der Abgang dagegen ist überraschend mild. Dadurch wirkt das Bier etwas unausgeglichen, es ist aber trotzdem ausnehmend gut.

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Marble Brewery
41 Williamson Street
Manchester, M4 4JS
Großbritannien
www.marblebeers.com

Sierra Nevada Torpedo

In der Regel bevorzuge ich ja Biere aus kleinen Brauereien, die ihr Bier in der jeweiligen Region vertreiben. Jetzt gehe ich aber mal wieder fremd und teste ein Bier aus den USA, das Sierra Nevada Torpedo Extra IPA. Mal sehen, wie sich das Bier so schlägt und ob es auch einem europäischen Gaumen gefällt.

Bernsteinfarben steht das Bier im Glas. Es enthält etwas Hefe, nicht so viel wie ein europäisches naturtrübes Bier, aber immerhin. Darüber steht eine durchschnittliche Menge feinporiger elfenbeinfarbener Schaum, der lange erhalten bleibt. Ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält.

Das Aroma ist nicht so intensiv wie bei deutschen IPAs, dafür aber recht komplex. Ich stelle Zitrusfrüchte, Toffee, geröstete Nüsse und Gewürze fest. Mir hat ein Biersommelier erklärt, dass die USA im Züchten von Hopfensorten deutlich weiter sind als die deutschen Hopfenbauern. Dieses Bier könnte durchaus der lebende Beweis für diese Aussage sein.

Der Antrunk präsentiert sich angenehm mit geringer Süße. Dafür bemerke ich, dass das Torpedo mehr Kohlensäure enthält als zu sehen war. Die Kohlensäure ist extrem feinperlig und verleiht dem Bier eine ungeahnte Frische. Ich denke spontan, dass die deutschen Brauer noch etwas üben müssen, um zu einer so feinen Kohlensäure zu kommen. Der Körper enthält weniger Säure als deutsche IPAs, dafür dominieren die bitteren Noten. Das Bittere dominiert auch den Abgang, aber der Geschmack lässt recht schnell nach.

Ich mag dieses Bier, aber eventuell habe ich den Fehler gemacht, dieses IPA zu sehr mit dem deutschen Pendent zu vergleichen. Vermutlich muss ich in Zukunft das amerikanische IPA als eigenen Bierstil betrachten, dieses Bier unterscheidet sich jedenfalls recht deutlich von den PIAs, die ich aus Deutschland kenne.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Stammwürze:

17,0° Plato

Brauerei:

Sierra Nevada Brewing Co.
Chico,
CA & Mills River NC.
USA
www.sierranevada.com

DIE BIEROTHEK

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Löwenbrauerei Urtyp Hell

Nun habe ich ein Bier aus einer regionalen Brauerei in Niederbayern vor mir stehen, das Urtyp Hell aus der Löwenbrauerei in Passau. Dieses Bier wurde mehrfach prämiert, es erhielt den European Beer Star in Gold 2009 + 2010 und wurde 0012 mit World Beer Cup in Gold ausgezeichnet. Ich kann meine Erwartungen also hochschrauben.

In einem intensiven leuchtenden Gold mit einer leicht überdurchschnittlichen Menge Schaum, der auch lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu sehe ich reichlich Kohlensäure. Optisch hat die Brauerei also schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist durch Karamell und Toffee geprägt. Ich habe hier ein Bier vor mir, das durch das verwendete Malz geprägt ist. Ich erwarte aufgrund des Aromas ein recht mildes Bier.

Der Antrunk ist spritzig und nur leicht süß. Dann kommt der intensive Körper mit seinem Volumen zum Vorschein. Auch hier dominiert das Malz und es sind kaum saure und bittere Noten festzustellen. Bitterstoffe zeigen sich erst im Abgang, aber auch dort mild und sie halten auch nicht allzu lange an.

Das Urtyp hell aus Passau ist ein schönes Bier, das man gut zum Feierabend genießen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,6 %

Brauerei:

Löwenbrauerei Passau AG
94032 Passau
www.loewenbrauerei.de

Erdinger Pikantus

Nachdem ich vor einigen Tagen einen Weizenbock von Schneider verkostet habe und er mir ausnehmend gut gefallen hat, will ich jetzt gleich ein weiteres Bier diesen Stils testen, wenn auch eines mit einem deutlich niedrigeren Preis. Vor mir steht ein Erdinger Pikantus. Auffällig ist bereits das Rückenetikett, auf dem die Zutatenliste in immerhin sechs Sprachen abgedruckt ist, was darauf hinweist, dass ein recht großer Anteil dieses Biers exportiert wird. Die Zutatenliste enthält auch Röstmalzbier. Das ist eine Zutat, bei der ich immer misstrauisch werde. Nun ist Röstmalzbier (auch Farbebier genannt) nichts per se schlechtes. Schließlich handelt es sich um ein sehr starkes und sehr konzentriertes Bier, so stark, dass es in der Form, in der es an die Brauereien verkauft wird, nicht trinkbar ist. Röstmalzbier ist auch nichts grundsätzlich Schlechtes. Aber da es dazu dient, aus einem Bierstil (in diesem Falle heller Weizenbock) zwei zu machen (in diesem Fall wird aus dem hellen Weizenbock durch eine relativ geringe Menge Röstmalzbier ein dunkler Weizenbock). Röstmalzbier gilt aber Bier, und da ein Verschnitt mehrerer Biere in Deutschland nicht gekennzeichnet werden muss, rechne ich es der Brauerei Erdinger durchaus positiv an, dass sie diesen Trick angibt. Überhaupt die Transparenz. Hier ist Erdinger vorbildlich, ich meine sogar, dass an diesem Punkt übertrieben wird. Dass 100 ml dieses Weizenbiers 0,32 Broteinheiten enthalten ist für Diabetiker noch eine wichtige Information, aber dass in der gleichen Menge Bier 2,0 mg Salz enthalten sind, dürfte für niemanden interessant sein. Aber gut, lieber etwas zu viel als zu wenig. Kommen wir nun zum Bier. Sehr dunkel Rotbraun und fast blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger hellbrauner Schaum, der sich recht schnell auflöst. Das Aroma wird durch Karamellnoten geprägt, dazu meine ich, den Duft von Trockenpflaumen sowie einige würzige Noten festzustellen. Beim Antrunk zeigt sich, dass das Bier reichlich feinperlige Kohlensäure enthält, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Außerdem ist das Bier nur wenig süß und enthält deutlich weniger Zucker als ich erwartet hätte. Der Körper präsentiert viele Röststoffe und nur wenig Bitter. Mir fehlt hier etwas Säure. Der Abgang ist dann überraschend mild und der Geschmack bleibt nicht allzu lange enthalten. Die Brauerei preist das Bier als Aperitif an. Ich meine, dass es dafür noch etwas mehr Aromenvielfalt bieten müsste. Es ist aber sicher kein schlechter Begleiter für einen Grillabend.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Röstmalzbier, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16,7° Plato

Brauerei:

Erdinger Weissbräu
Werner Brombach GmbH
85435 Erding
www.erdinger.de