Hopfenbock

In der letzten Woche klingelte der Paketbote von DHL bei mir und ich dachte zunächst, dass ich mal wieder ein Paket für einen Nachbarn annehmen solle. Aber nein, es war für mich. Es kam von der Brauerei Maisel in Bayreuth und enthielt zwei Flaschen Bier mit Sondersuden, dem Hopfenbock und dem Hopfenreiter. Beide Biere werden nur einmal gebraut und wenn sie weg sind, dann ist es zu spät und es wird keine weiteren Auflagen dieser Biere mehr geben. Ich habe die beiden Biere am Wochenende verkostet und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass es ein spannendes Wochenende war.

Begonnen habe ich mit dem Hopfenbock. Ich mag Bockbier schon aus industrieller Produktion, nur dass sie dann ziemlich austauschbar sind. Von einem Craft Beer-Bock verspreche ich mir daher ein ganz besonderes Bier. Die Ausgangssituation beschreibt Maisel wie folgt: „Wir hatten Lust auf ein neues Brauexperiment und wollten ein ganz besonderes Bockbier brauen. Es sollte ein helles Bockbier werden und dazu sollten Geruch und Geschmack völlig anders sein als sie der Genießer von einem Bock erwarten würde.“ Eine ambitionierte Aufgabenstellung. Ich bin gespannt wie sie umgesetzt wurde.

Kräftig goldgelb ist er, der Hopfenbock. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge fester weißer und feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gefällt mir das Bier also schon mal sehr gut, auch wenn mich die Optik noch nicht wirklich überrascht.

Die Überraschung kommt mit dem Aroma. Meine Erwartung bei einem Bockbier ist ein ausgewogener Duft verschiedener Malze. Dieser Duft ist auch beim Hopfenbock vorhanden, wird aber kräftig durch fruchtige und blumige Düfte unterstützt. Dazu ein Hauch Honig und Zitronenschale. Kurz gesagt ist das Aroma extrem komplex, so dass ich gar nicht sagen kann, welche Blumen und Früchte sich hier verstecken. Da jede Nase etwas anders reagiert, wird vermutlich auch jeder etwas anderes riechen. Aber eines kann ich mit gutem Gewissen behaupten: das Aroma ist rund und ausgeglichen. Es macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist, dass dieser Bock nicht so viel Süße enthält wie die meisten anderen Bockbiere. Trotzdem ist er wirklich vollmundig und die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure sorgt zusammen mit den Aromen in der Nase für eine sehr angenehme Frische. Dann ist der Hopfenbock stilgerecht malzig. Der Geschmack des Malzes wird aber durch die Fruchtigkeit und die Bitterstoffe des Hopfens gut abgerundet. Der Abgang ist angenehm bitter und langanhaltend.

Schade, dass dieser Bock nur einmal gebraut wird. Wenn Sie ihn beim Händler Ihres Vertrauens bestellen wollen, denken Sie daran: wenn weg, dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,6 % Vol.

Stammwürze:

16,9° Plato

IBU:

35

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Dieses Bier können Sie ab 12 Flaschen oder einem Bestellwert von mindestens 49 Euro (auch gemischt) versandkostenfrei online bestellen:

Gouden Carolus hopsinjoor

Nun will ich mal wieder ein Bier aus der belgischen Brauerei Het Anker testen. Diese Brauerei erzeugt neben anderen Bieren auch neun Sorten Gouden Carolus. Das Gouden Carolus hipsinjoor ist das jüngste Mitglied dieser Produktfamilie.

Der Name „Hopsinjoor“ ist ein flämisches Wortspiel, zusammengesetzt aus „Opsinjoor“, dem typischen Bierstil aus Mechelen und Hops, dem flämischen Wort für Hopfen. Immerhin werden für das Brauen dieses Bieres fünf unterschiedliche Hopfensorten verwendet. So ist es auch verständlich, dass dieses Bier beim Zythos Beer Festival 2008 mit dem Publikumspreis für das beste Bier ausgezeichnet wurde. Beim World Beer Award wurde das Beer mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Ich kann also mit einem wirklich guten Bier rechnen.

Bereits beim Öffnen der Flasche steigt mir kurz ein intensiver Duft nach Orangenschalen in die Nase. Beim Hopfen hat die Brauerei also schon mal nicht gespart. Das gefällt mir.

Goldgelb und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich wahnsinnig viel weißer feinporiger Schaum, der sich sehr lange hält. Die Optik ist also perfekt, aber beim Einschenken dieses Biers sollte der Konsument vorsichtig sein und das Glas schief halten, da sich sonst der erste Schluck um einige Zeit verzögert.

Das Aroma wird durch den Duft von Orangenschalen und von Grapefruit geprägt, abgerundet durch den Eindruck der Süße des Malzes. Damit erinnert das Gouden Carolus hopsinjoor entfernt an ein IPA, das Aroma ist aber nicht so fruchtig.

Der Antrunk ist mäßig süß, wobei die viele feinperlige Kohlensäure das Bier wunderbar frisch wirken lässt. Schnell breitet sich ein kräftiges Bitter im Mund aus, abgerundet durch den Geschmack nach Zitronenschalen und Ananas sowie einer leichten Pfeffernote. Der Abgang ist dann freundlich bitter mit einem langen Nachklang.

Wow, dieses Bier hat seine Auszeichnungen mit Sicherheit verdient. Dazu ein gutes indisches Essen und der Genuss wäre perfekt gewesen.

Alkoholgehalt:

8,0 %

Stammwürze:

18° Plato

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Craftwerk Tangerine Dream

Nun steht ein Bier von Craftwerk Brewing vor mir, einem Unternehmen aus der Bitburger-Gruppe. Auch wenn ich eigentlich gerne kleine Brauereien unterstütze, kann ich mir doch vorstellen, dass auch aus Bitburg ein gutes Bier mit eigenem Charakter kommen kann. Im Brauen von Bier hat Bitburger schließlich Erfahrung und wie andere Großunternehmen in anderen Branchen auch kann auch Bitburger eine Garagenfirma gründen, die es entweder nicht schafft oder irgendwann richtig viel Geld abwirft. Und Craftwerk Brewing hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Ich will jetzt mal sehen, ob die Brauerei diesen Ruf zu Recht genießt.

Eine Besonderheit ist schon mal der Hopfen. Ein Pale Ale mit nur einer Hopfensorte ist schon mal eine Seltenheit. Der Hopfen Mandarina Bavaria wurde erst in den letzten Jahren in der Hallertau gezüchtet und kam im Jahr 2012 erstmals auf den Markt. Dieser Hopfen verfügt über ausgeprägte Zitrusnoten und duftet nach exotischen Früchten. Diesen Fruchtkorb finden wir auch im Tangerine Dream wieder. Das verspricht zumindest Craftwerk. Nun wird es aber Zeit, dass ich mit der Theorie aufhöre und das Bier einschenke.

Honiggolden ist das Bier und hefetrüb. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der auch relativ lange erhalten bleibt. Optisch ist also an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist sehr fruchtig. Dominiert wird es vom Duft der Mandarinen, genau wie ich es von einem Hopfen mit Namen Mandarina Bavaria erwarte. Dazu kommt der Duft von Zitronenschale und von Kräutern. Das Pfefferaroma, das die Brauerei verspricht, kann ich nicht feststellen, aber bekanntlich reagiert ja jede Nase etwas anders. Jetzt habe ich aber auch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist überraschend trocken, dabei aber intensiv fruchtig und durch die wirklich feinperlige Kohlensäure auch frisch. Damit gefällt mir das Bier gerade immer besser. Leider fällt das Bier im Vergleich zum intensiven Antrunk ab, sobald es sich im Mund verteilt. Es ist nicht schlecht, absolut nicht, aber der Körper hält nicht so richtig, was der Antrunk versprochen hat. Der Abgang ist fruchtig-bitter und erinnert an ein mildes IPA. Er klingt auch lange nach.

Insgesamt macht das Bier mir keinen richtig ausgewogenen Eindruck. Einem guten Anfang folgt eine vergleichsweise schwache Mitte, die aber ein sehr starker Abgang abschließt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Craftbeer-Shop-Banner

Pauwel Kwak

Wieder einmal steht ein belgisches Bier vor mir, diesmal aus der Brauerei Bosteels in Buggenhout. Das im Jahr 1791 gegründete Unternehmen wird in der siebten Generation von der Familie Bosteels geführt. Das Wasser für die dort gebrauten Biere stammt aus einem mehr als 100 Meter tiefen Brunnen. So verwundert es auch nicht allzu sehr, dass das Pauwel Kwak mehrfach ausgezeichnet wurde. Die erste Goldmedaille erhielt es im Jahr 1996 beim World Beer Cup, gefolgt von einer Bronzemedaille 2000 und einer Silbermedaille 2002. Außerdem erhielt das Bier 1998 bei den World Beer Championships eine Goldmedaille. Da kann ich jetzt wirklich etwas Besonderes erwarten.

Dunkel bernsteinfarben ist das Pauwel Kwak. Darüber bildet sich überdurchschnittlich viel hellbeiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik ist also 1a.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche Zitronenschale, rote Früchte und Banane. Später kommen auch die Düfte von Röststoffen und Toffee durch. Offensichtlich hat die Brauerei gute Hopfensorten verwendet und das Aroma macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist intensiv und süß. Passend dazu ist die Kohlensäure feinperlig und mild. Auch der Körper ist intensiv, dabei ausgewogen, malzig und fruchtig. Aus dem Hintergrund schimmern rote Beeren durch. Dazu kommt eine angenehme Würzigkeit. Der Abgang ist sehr mild und bis zum Schluss malzig. Die Bitterstoffe des Hopfens kommen nur schwach zum Tragen.

Das Pauwel Kwak ist ein wirklich gutes belgisches Bier, das aber vermutlich noch gewinnen würde, wenn es in einem Whisky- oder Rumfass reifen würde.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,4 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Bosteels s.a.
Kerkstraat 96
9255 Buggenhout
Belgien

DIE BIEROTHEK

Gouden Carolus ambrio

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus Belgien vor mir, das Gouden Carolus ambrio aus der Brauerei Het Anker in Mechelen nördlich von Brüssel. Die Brauerei teilt mit, dass sie das Bier nach einem Rezept aus dem Jahr 1421 braut, dass dieses Rezept aber modernisiert wurde. Es ist etwas stärker als im Original und es wird besserer Hopfen verwendet, der ausschließlich aus Belgien stammt. Ziel ist es, dass durch die Kombination verschiedener Malze, der Hopfensorten und Kräuteraromen die Geschmacksvorteile dunkler Biere mit der Frische eines hellen Biers kombiniert wird. Außerdem wird das Bier in der Flasche nachvergoren.

Bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel weißer sahniger Schaum, der einen leichten Stich ins Beige hat. Der Schaum fällt nur langsam in sich zusammen. Die Optik ist bei diesem Bier also schon mal sehr gut.

Das Aroma wird durch sanfte Röstaromen geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen, Kräutern und einer leichten Whiskynote. Doch, das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle eine feinperlige Kohlensäure fest, die aber leider nur in geringer Menge vorhanden ist. Etwas mehr Kohlensäure würde sicher für eine bessere Frische sorgen. Sobald sich das Bier im Mund verteilt, spielt es seine Stärken aus. Der Geschmack ist ausgewogen und intensiv nach Irish Coffee und roten Beeren. Der Abgang ist mild und klingt mittellange nach.

Das Gouden Carolus ambrio ist ein sehr angenehmes Bier, an das sich die meisten Konsumenten gewöhnen können.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Insel-Brauerei Baltic Stout

16 Jahre war Markus Berberich Geschäftsführer bei der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in Rambin die Insel-Brauerei. Das ist erst einige Jahre her und trotzdem ist die Brauerei in der Qualität bereits ganz weit oben. So wurde die Insel-Brauerei im Jahr 2016 beim World Beer Award in London als beste deutsche Brauerei ausgezeichnet.

Bereits im Regal fallen die Biere von der Insel Rügen auf. Sie sind nicht mit Etiketten beklebt, sondern sie sind vollständig mit Papier umwickelt. Sie fallen damit nicht nur auf (angeblich fällt die Kaufentscheidung der Konsumenten in Sekundenschnelle), sondern es bleibt auch mehr Platz für einige Produktinformationen.

Beim Lesen der Zutatenliste fällt eines auf: bei allen Bieren steht dort auch der Eintrag „Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung. Traditionelle Methode)“. Süß wird das Bier also durch den Traubenzucker nicht, sondern die Zugabe des Zuckers hat einen anderen Grund, den Markus im Gespräch mit Hopfenhelden.de verraten hat: Nach dem „normalen“ Brauvorgang mit der offenen Gärung und der Reifung im Tank wird das Bier in Flaschen abgefüllt. So weit ist alles noch recht konventionell. Anschließend wird die noch in der Flasche befindliche Luft abgesaugt und das Bier bekommt noch die Dosis Traubenzucker. Damit bekommen die Hefen noch einmal kräftig etwas zu tun. Sie vergären den Traubenzucker während einer zweiwöchigen Reifung in der beheizten Reifekammer. In dieser Zeit verdauen die Hefen den Zucker. Dadurch wird die Kohlensäure feinperliger und der noch in der Flasche befindliche Sauerstoff wird restlos verbraucht. Dadurch soll auch die Haltbarkeit des Bieres verbessert werden.

Jetzt will ich ein Bier aus dieser neuen Brauerei verkosten, das Baltic Stout, ein Imperial Stout. Das Imperial Stout ist ein traditioneller Bierstil aus England. Schwarz und malzbetont ist dieses Bier. Mal sehen, ob so etwas auch auf Rügen gebraut werden kann.

Bereits beim Einschenken macht das Bier einen guten Eindruck. Tiefschwarz ist es. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte schimmert kein bisschen schwarz durch. An den Zutaten wurde also schon mal nicht gespart. Es bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge cremiger haselnussbrauner Schaum, der sich nur langsam auflöst. Die Optik macht also schon mal Lust auf den ersten Schluck. Aber vorher muss erst einmal das Aroma seine Qualität beweisen.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Espresso und eine feine dunkle Schokolade. Für die Feinheit des Schokoladenaromas ist das Hafermalz verantwortlich. Dazu kommen noch Aromen roter Früchte, eventuell von schwarzen Johannisbeeren.

Der Antrunk ist süß und intensiv. Wirklich überraschend ist aber etwas anderes, die extrem safte und feinperlige Kohlensäure, die dem Bier eine überraschende Frische und Spritzigkeit verleiht, die schon von Anfang an einen aparten Kontrast zur Malzsüße bildet. Verdammt, ich würde ja gerne etwas meckern, aber zumindest bis hierher hat die Brauerei nicht nur nichts verkehrt gemacht, sondern sie hat meine höchsten Erwartungen noch übertroffen. Das Bier verteilt sich im Mund und offenbart seine Geschmacksnuancen. Cremig ist es und zusammen mit dem klaren Schokoladengeschmack muss ich an Mousse au Chocolat denken. Während sich das Bier im Mund erwärmt kommt immer mehr der Geschmack von Espresso in den Vordergrund und verbindet sich wunderbar mit dem Schokoladengeschmack. Der Abgang ist dann überraschend trocken und mild, trotzdem aber langanhaltend. Und selbst der Abgang ändert noch seinen Geschmack. Recht flott entwickelt sich in der Kehle der Geschmack von Kakao.

Die Vielfalt der Aromen und Geschmäcker macht das Baltic Stout zu meinem derzeitigen Favoriten aus der Insel-Brauerei. Allerdings habe ich auch noch nicht alle Biere verkostet.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Traubenzucker (vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Craftbeer-Shop-Banner

Hellbräu Pilgerbier

Dass es aus dem Wallfahrtsort Altötting ein Bier gibt, das Pilgerbier genannt wird, ist nicht verwunderlich. Schließlich gibt es Pilgerbier aus vielen Städten, die sich der katholischen Kirche auf irgendeine Weise verbunden fühlen. Nun will ich testen, ob das Bier aus der Brauerei Hellbräu etwas so Besonderes ist wie der Name gerne nahelegen möchte.

Das Bier beringt eine intensive goldene Farbe mit. Allerdings bildet sich recht wenig weißer sahniger Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Bereits beim Einschenken fällt mir ein intensives Hopfenaroma auf, blumig mit Noten grüner Äpfel. So ein intensives Aroma ist bei deutschen Bieren recht selten.

Der Antrunk ist leicht süß, aufgrund der nur gering vorhandenen Kohlensäure aber etwas langweilig. Erst als sich das Bier im Mund verteilt, kommen auch Bitterstoffe zum Vorschein, die in einem guten Verhältnis zur Süße des Malzes stehen. Mir fehlt etwas Säure, so dass das Bier einen nicht ganz ausgeglichenen Eindruck macht. Dafür eine ich aber auch, einen Hauch von Mandeln zu schmecken. Der Abgang ist kurz mit einem leichten freundlichen Bitter.

Das Pilgerbier von Hellbräu ist ein gutes Bier, um es in der Gastwirtschaft oder zum Essen zu trinken. Ich werde es aber sicher niemals anbeten, so gut gefällt es mir dann doch nicht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hell-Bräu
Herrenmühlstr. 15
54503 Altötting
www.hellbraeu.de

Siegelbier 2015 Slyrs

Dass Heidelberg schön ist, ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist diese Stadt eines der beliebtesten Ziele im Städtetourismus. Weit weniger bekannt ist, dass im historischen Klosterhof in Heidelberg seit dem Jahr 2009 Bier gebraut wird. Dort, wo die Mönche früher ihre Stallungen hatten und wo auch früher bereits Apfelmost, Wein und Spirituosen hergestellt wurden, wird nach einem Umbau nun aus biologisch angebauten Zutaten feinstes Biobier gebraut. Eines dieser Biere habe ich jetzt vor mir stehen, das im Whiskyfass gereifte Siegelbier Slyrs.

Cognacfarben präsentiert sich das Bier im Glas und es bildet sich darüber so gut wie kein Schaum. Außerdem kann ich im Bier keinerlei Kohlensäure sehen, und das, obwohl das Bier keine Hefe enthält, die die Kohlensäure gerne verbirgt.

Das Aroma wird durch Röststoffe geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen. Das Malz dominiert das Aroma eindeutig.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Bereits jetzt kann ich die Einflüsse des Whiskyfasses feststellen, in dem das Bier gereift ist. Die Süße hält sich auch im Körper, wobei sie durch eine leichte Säure ergänzt wird. Damit wird der Körper wunderbar komplex und fruchtig. Auffällig ist vor allem, dass hier mit dem Malz gespielt wurde und kaum das Bitter des Hopfens festzustellen ist. Bei dem kräftigen Geschmack des Bieres ist es kaum zu glauben, dass das Bier lediglich 6,5 % Alkohol enthält. Auch der Abgang ist nicht bitter und er erinnert eher an einen Whisky.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Aromahopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
www.brauerei-zum-klosterhof.de

Brauerei Erl braut bestes Festbier

Mehr als sieben Millionen Maß Bier werden jedes Jahr auf dem Oktoberfest in München ausgeschenkt, mehr als auf jedem anderen Bierfest der Welt. Doch Europas bestes Festbier befindet sich nicht in den Maßkrügen auf der Münchner Wiesn – es wird im niederbayerischen Straubing auf dem Gäubodenvolksfest ausgeschenkt und von einer kleinen Familienbrauerei hergestellt. Zu diesem Urteil kam eine Jury aus mehr als einhundert deutschen und internationalen Gerstensaft-Experten beim European Beer Star 2016. Sie verliehen das einzige Gold in der Kategorie „Bestes Festbier nach deutscher Brauweise“ an die kleine Landbrauerei Erl aus dem Landkreis Straubing-Bogen: Die Brauerei schaffte eine Sensation und setzte sich in der prestigeträchtigen Wertung gegen die großen Platzhirsche aus der Branche durch. Das Geheimnis des niederbayerischen Davids im Wettbewerb gegen die Biergiganten: ein altes Familienrezept, Wasser aus einem eigenen Tiefbrunnen, Zutaten aus der Region – und eine große Portion Leidenschaft.

Die Auszeichnungen beim European Beer Star, verliehen beim Branchentreff „BrauBeviale“ auf der Nürnberger Messe, gelten unter Braumeistern als die „Gourmetsterne des Gerstensafts“. Ende 2016 verkosteten die Juroren mehr als 2.000 Biere aus über 40 Ländern rund um den Globus. Das überraschende Verdikt der Tester: „Erl Bräu“ ist Bayerns erfolgreichste Brauerei. Bundesweit teilen sich die Niederbayern den Spitzenplatz mit der Brauerei Gold Ochsen aus Ulm in Baden-Württemberg, die ebenfalls zwei Goldmedaillen holte. Mit Gold prämierten die Juroren neben dem „Erlkönig Festbier“ auch den „Erlkönig Imperator“, einen hellen Doppelbock, der anlässlich des 500. Jubiläums des Reinheitsgebots im vergangenen Jahr erstmals gebraut wurde.

Bierbrauen ist bei den Erls in Geiselhöring Familientradition: Der 29-jährige Braumeister Josef Erl führt den Betrieb gemeinsam mit seinem Vater Ludwig und dessen Bruder Günter bereits in der sechsten Generation. Die Braugeschichte der Erls begann im Jahre 1871, als Ulrich Erl die bestehende Brauerei Mayer am Stadtplatz in Geiselhöring kaufte. Dreißig Jahre später erweiterte dessen Sohn Ludwig den Betrieb und zog an einen neuen Standort wenige hundert Meter entfernt um. Dort ist die Brauerei seit 1901 und bis heute zuhause.

„Doppel-Gold – das war eine echte Überraschung“, sagt Josef Erl, der vor zwei Jahren sein Studium zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan abschloss und seitdem die Familientradition im Sinne seiner Vorfahren weiterführt. Für Seniorchef Ludwig Erl ist der Titel auch eine Bestätigung für das Bewahren des Ursprünglichen. Der 62-Jährige, der lange vor dem Beginn der „Craft-Beer-Bewegung“ bereits 1990 den Amerikanern in Los Angeles vorführte, wie ein echtes bayerisches Bier entsteht und schmeckt, sagt: „Wir wollen einfach mit guten Rohstoffen unsere niederbayerische Braukunst erlebbar machen.“ Und er meint damit: ungekünstelt und weit weg vom Zeitgeist.

Lange bevor „Micro Breweries“, also der Trend hin zu kleinen Brauereien und besonderen Bierspezialitäten in limitierten Mengen, aufkamen, hatten die Erls für sich schon festgelegt: der beste Weg in die Zukunft liegt in der großen Geschichte des niederbayerischen Biers. So ist heute das „Erlkönig Festbier“, das seit Jahrzehnten auf dem Gäubodenvolksfest ausgeschenkt wird, aktuell in der Ochsenbraterei Wenisch, das einzige, das noch traditionell handwerklich in offenen Gärbottichen gebraut wird. „Das gibt es auch auf der Münchner Wiesn schon lange nicht mehr“, sagt Ludwig Erl.

Auch bei den Zutaten hielten die Erls stets Kurs: „Unabhängig von Weltmarktpreisen und Spekulation legen wir hier den Schwerpunkt auf die Zuverlässigkeit unserer Partner und die Qualität von Hopfen und Malz“, sagt Junior-Braumeister Josef Erl, der auch das Rezept für den ebenfalls mit Gold ausgezeichneten hellen und mit fast neun Prozent Alkoholgehalt besonders süffigen Doppelbock „Erlkönig Imperator“ entwickelte. Alle Rohstoffe stammen nach seinen Worten von alteingesessenen bayrischen Mälzereien und Hopfenbauern, mit denen die Erls schon über Jahrzehnte zusammenarbeiten. Dazu kommt: „Unser weiches Brauwasser stammt aus dem eigenen kontrollierten Tiefbrunnen, wird nicht chemisch aufbereitet und ist eines der wenigen noch nitratfreien Brauwässer in Niederbayern“, sagt Josef Erl.

Auf Regionalität setzt das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern, davon drei Auszubildende, auch bei der Vermarktung: Das Liefergebiet umfasst einen Umkreis von rund 80 Kilometern. Besonders gern getrunken wird es traditionell im Raum Regensburg und Straubing. Doch seit Neuestem kommt Bewegung in die „Bierlandkarte“ der Geiselhöringer Traditionsbrauer: Bei Münchner Getränkehändlern galten die „Erlkönige“ lange als Geheimtipp. „Seit der Nachricht vom Doppel-Gold ist der Absatz spürbar gestiegen“, so Vertriebsleiter Günter Erl.

Happy End im Streit um das Bier

Artikel in Tageszeitungen, die sich mit dem Thema Craft Beer befassen, sind häufig peinlich. Meist merkt der Leser, dass ein Redakteur, der mit dem Thema Craft Beer überhaupt nichts anfangen kann, dazu verdonnert wurde, zu einem Craft Beer-Event oder eine Craft Beer-Brauerei zu fahren und etwas darüber zu schreiben. Selbstverständlich soll das Ergebnis aus noch positiv ausfallen. Nun kennt aber unser armer Redakteur nur die Fernsehbiere und ist eindeutig der Meinung, dass ein Bier so schmecken muss wie er es kennt. Nun wird er mit Menschen konfrontiert, die ihm zeigen, das Bier auch ganz anders schmecken kann, unabhängig davon, ob es nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde oder nicht. Damit ist er dann überfordert und entsprechend bemüht fällt dann er Artikel aus.

Anders der Artikel von Leopold Zaak, der in der Mittelbayerischen unter dem Titel „Happy End im Streit um das Bier“ über die Braukunst Live! in München berichtete. Angenehm unverkrampft und locker stellt er verschiedene Brauer vor, die auf der Messe in München ihre Produkte vorgestellt haben. Dabei geht er sowohl auf die Brauer von Fernsehbieren als auch auf große und kleine kreative Brauer (passt „kreative Brauer“ denn nicht viel besser als „Craft Beer-Brauer“?) ein und stellt kurz deren unterschiedliche Philosophien vor. Ich meine, dass es sich sicher lohnt, einmal auf die Website der Mittelbayerischen zu gehen (den Link finden Sie am Beginn dieses Absatzes) und den Artikel zu lesen.