Archiv der Kategorie: Craft Beer

BRLO Pale Ale

BRLO – als ich erstmals ein Bier dieses Unternehmens im Regal sah, vermutete ich aufgrund der Schreibweise, dass es sich um ein Bier aus dem slawischen Sprachraum handelt, beispielsweise aus Tschechien oder Polen. Damit lag ich etwas neben der Wahrheit, wenn auch nicht vollständig. Tatsächlich ist BRLO der alte slawische Name von Berlin. Damit ist nicht nur der etwas merkwürdig anmutende Name der Brauerei erklärt, sondern auch der Standort dieser seit Ende 2014 arbeitenden Brauerei am Gleisdreieck in Berlin aufgedeckt.

Das Team steckt offensichtlich viel Herzblut ins Bier. Das Malz wird von einer Mälzerei in Franken geliefert, die Biogetreide malzt. Dabei handelt es sich nicht um EU-Bioware, die eher ein Bio Light bietet, sondern um Getreide von Bioland- und Naturland-Betrieben. Dass das Bier trotzdem kein Biobier ist, liegt vermutlich daran, dass nicht ausreichend Hopfen der unterschiedlichen Sorten zur Verfügung steht.

Dabei braut das Team nicht alle Biere selbst, sondern mietet sich für einige Biere bei anderen privat geführten Brauereien ein. So stammt das Pale Ale, das ich jetzt testen will, aus der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg.

Damit wären wir endlich beim Bier angekommen. Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel weißer sahniger Schaum, der nur sehr langsam in sich zusammenfällt. Zumindest optisch hat die Brauerei also alles richtiggemacht.

Bereits beim Einschenken steigt mir das Aroma nach Südfrüchten in die Nase, Orange und Gewürze sind dabei. So soll ein Pale Ale sein.

Der Antrunk ist frisch und süß und durch eine passende Menge Kohlensäure spritzig. Grapefruit und Orangenschale sind die ersten Eindrücke. Schnell breitet sich ein angenehmes und fruchtiges Bitter aus, das im Abgang milder wird. Der Nachklang ist nicht allzu lang.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Münchener Malz, Caramelmalz), Hopfen (Cascade, Centennial, Citra, Saphir, Willamette), Hefe (London Ale)

Alkoholgehalt:

6 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Braukunst Berlin GmbH
Torstr. 33-35
10119 Berlin
www.brlo.de

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Kehrwieder Prototyp

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Kreativbrauerei Kehrwieder von Oliver Wesseloh vor mir. Der Inhaber der kleinen Brauerei in Hamburg gehört zu den führenden Köpfen der deutschen Craft Beer-Szene. Das ist er auch zu Recht, denn die Biere, die ich bislang von ihm getrunken habe, haben mir wirklich gut geschmeckt. Selbst der einen Ausnahme, die ich nicht gar so prickelnd fand, muss ich einen besonderen Charakter bescheinigen. Nun bin ich mal gespannt, ob das auch für das Bier mit dem ungewöhnlichen Namen Prototyp zutrifft.

Der Name wird auch gleich auf dem Rückenetikett der Flasche erklärt: „Unser Hamburg Style Lager Prototyp war nicht nur unser erstes Bier, sondern das erste India Pale Lager (IPL) in Deutschland und ist inzwischen zum Prototyp für diesen Bierstil geworden. Es ist ein starkes, kalt gehopftes Lager, das sieben Wochen auf zwei Aromahopfen gelagert wird und dabei seinen einzigartigen Geschmack und seine fruchtige Aromatik entwickelt. Es verbindet die Leichtigkeit eines Lagers mit der Fruchtigkeit eines Pale Ale. Natürlich unfiltriert und unpasteurisiert.

Prototyp wird mit einem komplett in Handarbeit produziertem böhmischen Tennenmalz eingemaischt. Die Vorderwürze wird mit Northern Brewer gehopft und um das Aroma zu bewahren, wird erst nach dem Kochen deutsche Perle zugegeben. Am Ende der kalten Gärung mit Lagerhefe wird tschechischer Saazer und amerikanischer Simcoe in den Lagertank gegeben. Zum Brauen des Prototyp ist die Kreativbrauerei zu Gast bei verschiedenen anderen Brauereien, mal der Vormann Brauerei in Hagen, mal im Brauhaus Nittenau, und das nächste Mal vielleicht ganz in Ihrer Nähe.

So, nun ist es aber genug mit der Theorie. Kommen wir nun endlich zum Bier. Goldgelb mit einem leichten Rotstich und mit wenig Hefe präsentiert sich das Bier im Glas, darüber viel weißer feinporiger Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt. Es ist nur wenig Kohlensäure zu sehen.

Das Aroma erinnert an ein vergleichsweise mild gehopftes IPA, was aber kein Wunder ist, da Simcoe eine der Hopfensorten ist. Positiv fällt mir sofort auf, dass ich nicht nur den Hopfen rieche, sondern dass auch der das Malz noch zu seinem Recht kommt. Aber dominiert wird das Aroma von den Düften nach Südfrüchten, nach Mango, Orangen und auch nach Honig. So ein elegantes Aroma finden wir nicht allzu häufig. Ich bin schon vor dem ersten Schluck von diesem Bier begeistert.

Der Antrunk ist frisch, leicht und relativ süß. Auch während sich das Bier im Mund verteilt bleibt die Frische erhalten, auch während mehr und mehr das Bittere des Hopfens mit dem Geschmack von Kumquats in den Vordergrund tritt. Der Abgang ist wie bei einem IPA bitter und er klingt lange nach. Überraschend war für mich, dass sich der freundlich-bittere Geschmack nach dem Schlucken zunächst noch verstärkt.

Dieses Bier hat mich wirklich begeistert und für mich ist es das ideale Sommerbier.

Zutaten:

Wasser; Gerstenmalz (böhmisches Tennenmalz); Hopfen (Saazer, Simcoe, Northern Brewer, Perle); Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
21077 Hamburg
www.kreativbrauerei.de

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Hancock Økologisk Pils

Früher kamen aus Dänemark nur recht wässrige Biere, die nun wahrlich keinen Genuss bereiteten und die auch so dünn gebraut wurden, dass sie eigentlich nicht einmal zum Wirkungstrinken zu gebrauchen waren. Das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert, so dass auch von unseren nördlichen Nachbarn trinkbare Biere und auch Craft Beere kommen. Ein solches habe ich jetzt vor mir stehen, sogar ein Biobier und wie aus dem Norden fast zu erwarten war, ein Pilsener.

Golden und klar zeigt sich das Bier im Glas. Es enthält kaum sichtbare Kohlensäure und bildet daher auch vergleichsweise wenig weißen Schaum, der sich auch schnell auflöst.

Das Aroma ist hopfenbetont, auch wenn der Duft des Malzes noch durchkommt. Das Bier duftet nach Getreide, Gras und grünen Früchten. Bis hierhin gefällt mir das Bier deutlich besser als die Pilsener aus industrieller Produktion, die in Norddeutschland meist verkauft werden.

Der Antrunk zeigt zunächst, dass im Bier recht viel Kohlensäure gelöst ist, auch wenn davon nicht viel zu sehen war. Dazu ist das Bier nur wenig süß, so dass ich ein herbes nordisches Pils erwarte. Der Körper ist dann auch freundlich bitter, wobei der Geschmack deutlich kräftiger ist als bei den meisten Pilssorten aus deutschen Brauereien. Zusammen mit der Kohlensäure handelt es sich um ein wirklich leckeres Pils. So etwas würde ich mir häufiger wünschen. Überraschend mild bitter ist der Abgang.

Ein ehrliches Bier ohne große Überraschungen.

Zutaten:

Wasser
Gerstenmalz
Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 %

Brauerei:

Hancock Bryggerierne A/S
7800 Skive
Dänemark
www.hancock.de

Endspiel

Endspiel ist der auf den ersten Blick etwas merkwürdig anmutende Name dieser Gemeinschaftsproduktion der Brauerei Lehe in Estland mit St. Erhard in Bamberg. Woher der Name stammt will mir noch nicht so richtig in den Kopf und ich weiß auch nicht, in welcher Form die Zusammenarbeit stattgefunden hat. Ich weiß nur, dass St. Erhard das Bier aus Estland importiert; ob eine weitere Zusammenarbeit stattgefunden hat, beispielsweise bei der Entwicklung des Rezepts, ist mir nicht bekannt. Auf meine Anfrage bei der Brauerei bekam ich nur die gleiche Prosa als Antwort, die auch auf dem Rückenetikett der Flasche abgedruckt ist:

„Auf dem karierten Schachfeld ist es übersichtlich geworden. Die letzten verbliebenen Schachfiguren bereiten sich auf den entscheidenden Kampf vor. Jede Figur spielt eine Rolle, jeder Gedanke ist wichtig und jede Bewegung ist entscheidend.

Dieser Barley Wine ist wie ein Endspiel am Schachbrett – je weniger unterschiedliche Malze und Hopfen es gibt, desto wichtiger ist die Rolle der einzelnen Malz- und Hopfensorten und die Art und Weise ihrer Zusammensetzung. Der frische, in Estland gewachsene Hopfen ist wie ein Bauer, der im Endspiel zur Dame geworden ist.“

Wirklich erhellend ist das ja nicht. Da ich hier nicht weiterkomme, wenden wir uns einfach dem Bier zu.

Tief rubinrot ist es im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge gemischtporiger hellbrauner Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch Sherrynoten bestimmt, unterstützt durch Trockenpflaumen und verschiedene andere Aromen, die ich aber unmöglich auseinanderhalten kann. Auffällig ist jetzt lediglich noch eine deutliche alkoholische Note, die aber keinesfalls störend ist. Im Gegenteil, das Bier wirkt wie ein guter Likör. Auf jeden Fall ist das Aroma sehr komplex und hätte ich hier noch mehr Flaschen, würde ich sicher an einem anderen Tag weitere Düfte entdecken, die mir aufgrund einer leichten Erkältung jetzt verborgen bleiben. Der Antrunk ist süß und offenbart eine milde und sehr feinperlige Kohlensäure, die perfekt zum Likörduft passt, der dem Bier entströmt. Wie erwartet ist der Körper sehr geschmacksintensiv, wobei eine angenehme Säure sich zusammen mit den Bitterstoffen an der Süße des Antrunks vorbeischiebt. Dazu kommen noch Röstaromen, die einen angenehmen leichten Kaffeegeschmack mitbringen. Vermittelte bereits das Aroma den Eindruck nach Likör, verfestigt sich dieser Eindruck jetzt noch weiter. Mich wundert diese Geschmackskomposition und kann mir kaum vorstellen, dass dieses Bier weniger als 10 % Vol. Alkohol enthält. Dann überrascht mich noch der Abgang, der wirklich mild ist. Aber der Körper klingt noch lange nach.

Dieses Bier hat mich wirklich überrascht. Liegt es an der Zusammenarbeit mit einer Brauerei im Baltikum? Wenn ich mal wieder ein Bier aus den baltischen Staaten im Regal sehe, werde ich es sicher mitnehmen und ebenfalls verkosten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Stammwürze:

25° Plato

Bittereinheiten:

52 IBU

Brauerei:

Lehe Pruulikoda OU
Paldiski mnt 21
Keila
Harjumaa
76606 Estonia
Estland
www.lehepruulikoda.ee

Importeur:

Bierothek GmbH
96052 Bamberg
www.bierothek.de

Berliner Schwarze

Berliner Weiße ist ja allgemein bekannt. Jetzt ist neu die Berliner Schwarze auf dem Markt. Schwarzbiere gibt es ja, Stout ist auch bekannt… Dieses Craft Beer hält sich aber nicht an das deutsche Reinheitsgebot, sondern enthält neben Hopfen und Malz noch geringe Beigaben von Ginseng und Maca. Ich glaube zwar nicht, dass 1 % Ginseng und/oder 0,8 % Maca irgendeine pharmazeutische Wirkung haben (und selbst wenn das so sein sollte, würde ich Bier nicht unbedingt als Trägersubstanz dafür empfehlen), aber eventuell verbessern diese Zusätze ja den Geschmack.

Aber was sind Ginseng und Maca überhaupt? Ginseng ist der bekanntere Zusatz. Wikipedia schreibt der asiatischen Wurzel die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen Stress und Krankheiten zu. Auch der Maca-Knolle werden nach Wikipedia positive Effekte auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die psychische Belastbarkeit zugeschrieben.

Wie gesagt, ich vermute mal, dass die Dosis nicht für eine gesundheitliche Wirkung ausreicht, aber wenn ich so etwas in der Zutatenliste lese, dann werde ich doch neugierig. Kommen wir nun zum Biertest. Gebraut wird das Bier durch die Brauerei Landsberg in Sachsen-Anhalt für die Robin Green AG in Berlin. Von dort wird das Bier versandt, nicht nur an den Einzelhandel und die Gastronomie, sondern auch direkt an Endverbraucher. Aber kommen wir zum Bier.

Schwarz und blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger haselnussbrauner Schaum, der sich durchschnittlich schnell auflöst.

Das Aroma ist blumig, dazu ein Hauch Banane sowie einige Röststoffe. Auf jeden Fall sind die Röststoffe deutlich weniger dominant als ich aufgrund der Farbe erwartet hätte. Der Duft beweist bereits, dass die Mischung der Hopfen (Magnum, T’N’T) wirklich gelungen ist. Der Antrunk ist malzig und süß; durch die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure wirkt er aber angenehm frisch. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt und dabei auch etwas erwärmt drängen sich die Röststoffe in den Vordergrund, was aber zusammen mit der fruchtigen Säure zu einem guten runden Geschmack führt. Der Abgang ist freundlich bitter und der Geschmack klingt lange nach.

Wollen Sie die Berliner Schwarze auch einmal probieren? In Zusammenarbeit mit dem Hersteller können wir Ihnen eine Flasche des neuen Schwarzbiers als Kostprobe anbieten. Wie Sie an Ihre Probe kommen? Melden Sie sich einfach über das Kontaktformular und teilen Sie uns Ihren Namen und Ihre Mailadresse mit, damit Sie sich für die Probe anmelden können. Nur solange der Vorrat reicht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Gerstenmalzextrakt, Hopfen (Magnum, T’N’T), Hefe, Ginseng (1 %), Maca (0,8 %)

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Brauerei Landsberg
Bahnhofstr. 33
06188 Landsberg

Für

Robin Green AG
Schaperstr. 18
10719 Berlin
www.berliner-schwarze.de

Distelhäuser Loch Ness

Jetzt will ich mal wieder ein Bier aus Baden-Württemberg verkosten, das Distelhäuser Loch Ness. Das Classic Stout ist zweimal beim renommierten Meiningers Award ausgezeichnet worden, 2014 mit Silber und 2015 mit Gold. Also muss dieses Bier wohl etwas Besonderes sein. Auf dem vorderen Etikett beschreibt die Brauerei das Bier auch vollmundig: „Tiefschwarz und geheimnisvoll wie die Heimat des sagenhaften Ungeheuers. Schlankes Dry Stout mit kräftigen Aromen nach Röstmalz und gebrannter Gerste. Eine leichte Süße umschmeichelt dezent die Hopfenbittere. Eine Hommage an das schottische Hochland.“ Na, dann will ich mal.

Tiefschwarz ist das Bier, fast blickdicht. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik hat die Brauerei also schon mal sehr gut hinbekommen.

Das Aroma ist betörend. Es ist durch Röstnoten bestimmt, dazu stelle ich Düfte von Kaffee und dunkler Schokolade fest. Dazu kommt noch ein Hauch Cognac, so dass ich fast den Eindruck habe, dass das Bier im Cognacfass gereift sein könnte. Aber da die Brauerei das sicher erwähnen würde, irre ich mich da vermutlich.

Der Antrunk ist süß und ich stelle fest, dass das Bier kaum Kohlensäure enthält. Das finde ich etwas schade, etwas mehr Kohlensäure hätte dem Antrunk sicher noch etwas Frische verliehen. Der Körper ist so kräftig wie ich es erwartet habe. Geschmack von Espresso und Schokolade kommt hervor, die Bitterstoffe runden das Bild perfekt ab. Im Abgang kommen erstaunlich wenige Bitterstoffe zum Vorschein und schnell übernimmt der Geschmack dunkler Schokolade mit Espresso die Oberhand. Dieser Geschmack bleibt lange erhalten.

Wer kräftige schwarze Biere mag, wird das Loch Ness aus Distelhausen, einem Ortsteil von Tauberbischofsheim, sicher lieben. Die Brauerei empfiehlt das Bier als Begleitung zu Rinderbraten, geräucherten Speichen und süßen Schokoladendesserts.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Münchner Malz, Caramelmalz, Röstgerste), Hafermalz, Röstgerste, Hopfen (Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Distelhäuser Brauerei
97941 TBB-Distelhausen
www.distelhaeuser.de

Hancock Black Lager

Nun steht erstmals ein Bier aus Dänemark vor mir, das Hancock Black Lager. Da ich aus Dänemark bislang nur Industriebiere wie das Faxe kennengelernt habe und in der Vergangenheit noch keinen Kontakt zu Craft Beer von unseren nördlichen Nachbarn hatte, bin ich auf dieses Bier besonders gespannt.

Dunkel bernsteinfarben zeigt sich das Bier im Glas. Das Bier ist so intensiv gefärbt, dass keine Kohlensäure zu sehen ist, was schon mal auf ein Bier mit einem kräftigen Geschmack schließen lässt. Darüber viel cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch hat die Brauerei also schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist süß mit Düften nach Trockenfrüchten und Whiskey. Der Antrunk ist sehr süß und wird durch die sehr feinperlige Kohlensäure aufgewertet. Der sehr kräftige Körper ist bitter, was aber durch den Geschmack von Whiskey abgemildert wird. Dadurch ist dieses Bier, genossen in kleinen Schlucken, zu einem echten Highlight. In der Kehle ist das Bier dann überraschend mild, wobei die Bitterstoffe und der Whiskeygeschmack aber lange erhalten bleiben.

Dieses charakterstarke Bier will nicht jedem gefallen. Wessen Geschmack aber getroffen wird, dem wird dieses Bier sicher lange in guter Erinnerung bleiben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Kohlendioxid (E290), Antioxidanz (Ascorbinsäure E300)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hancock Bryggerierne A/S
Humlevej 32
7800 Skive
Dänemark
www.hancock.dk

Uerige DoppelSticke

Jetzt will ich mal wieder ein Bier von Uerige aus Düsseldorf testen. Allerdings nicht das „normale“ Altbier, für das diese Brauerei bekannt ist, sondern ein anderes Bier, das dort speziell für den amerikanischen Markt gebraut wird – die Uerige DoppelSticke. Das große „S“ in DoppelSticke ist übrigens kein Tippfehler von mir, sondern die Brauerei hat dieses Bier so benannt.

Bevor ich das Bier öffnet will ich mir erst einmal die Etiketten ansehen. Dabei fällt mir auf, dass in der Zutatenliste Doldenhopfen steht. Es werden also weder Hopfenextrakt noch Pellets verbraut, sondern trotz des höheren Aufwands bei der Verarbeitung wirklich die Dolde, so wie sie geerntet wird. Außerdem handelt es sich hierbei nicht um ein Altbier, sondern auf dem Rückenetikett wird es als Starkbier bezeichnet. Na ja, bei einem Alkoholgehalt von 8,5 % ist das auch naheliegend. Dann will ich jetzt aber endlich mit dem Verkosten beginnen.

Schwarz, fast blickdicht, präsentiert sich das Bier im Glas. Erst als ich es gegen das Licht halt, schimmert ein dunkles Braun durch, das an einen guten Rum erinnert. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge haselnussbrauner cremiger Schaum, der sich nur langsam auflöst. Optisch hat die Brauerei auf jeden Fall alles richtiggemacht.

Das Aroma ist wirklich herausragend. Der Duft nach Malz, Karamell, Espresso und Wiesenkräutern macht Lust auf den ersten Schluck. Wie erwartet ist der Antrunk recht süß. Aber jetzt stelle ich auch die sehr feinperlige Kohlensäure fest, wodurch die Süße etwas abgemildert wird. Aber das ist erst der Anfang. Dieses Bier bringt einen sensationell wuchtigen Körper mit. Das Malz steht im Mittelpunkt, zusammen mit Geschmack nach Karamell und dunkler Schokolade. Aber das ist noch nicht alles. Nach und nach kommen auch Noten gebrannter Mandeln durch. Der Abgang ist mild und wenig bitter; dafür bleibt auch hier der Geschmack dunkler Schokolade erhalten, der recht lange nachklingt.

Schade, dass dieses Bier nur für den amerikanischen Markt gebraut wird und ich auch nicht weiß, wo ich es gekauft habe. Ich würde mir sofort noch einige Flaschen holen. Einen besonderen Tipp hält die Brauerei noch auf ihrer Website bereit: Dort wird empfohlen, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu ignorieren und das Bier erst einmal ein Jahr im Keller zu lagern. Wenn ich mich an andere lang gereifte Biere erinnere, ist dieses Vorgehen bei der DoppelSticke ganz sicher einen Versuch wert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Caramelmalz, Röstmalz), Dodenhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

UERIGE Obergärige Hausbrauerei GmbH
Berger Str. 1
40213 Düsseldorf

DIE BIEROTHEK

Fuller’s India Pale Ale

Nun steht mal wieder ein Bier aus Großbritannien vor mir, das Fuller’s India Pale Ale. Die englischen Biere und ganz besonders die aus der Brauerei Fuller haben mit bislang gut gefallen und der Hinweis auf dem Halsetikett der Flasche, dass es sich um ein „award winning ale“ handele, steigert meine Erwartungen selbstverständlich noch weiter. Mal sehen, ob dieses Bier meine Erwartungen erfüllen kann.

Intensiv golden bis bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Es ist klar und enthält sehr viel Kohlensäure. Trotzdem entwickelt sich beim Einschenken nur eine durchschnittliche Menge cremiger weißer Schaum.

Das Aroma ist fruchtig – ich stelle Düfte von Zitronen, Orangen und Bitterorgangen, unterstützt durch einen deutlichen Duft nach Karamell. Damit unterscheidet sich der Duft dieses IPA von dem vieler anderer IPAs: Das Fuller’s ist nicht gar so intensiv gehopft, daher kommt der Duft des Malzes besser zum Vorschein. Nun bin ich zwar kein Brauer, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es schwieriger ist, ein IPA wie dieses zu entwickeln, bei dem der Aromahopfen nicht alle anderen Geschmacksnuancen überdeckt. Jetzt bin ich mal gespannt, ob sich diese Erwartung auch im Geschmack widerspiegelt.

Der Antrunk ist deutlich weniger süß als ich es erwartet hätte. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil – die geringe Süße passt sehr gut zur sanften Kohlensäure dieses Bieres. Der Körper des Bieres wird durch eine frische Säure und deutliche Bitterstoffe bestimmt. Eigentlich müsste mir jetzt die Süße fehlen, denn wirklich ausgewogen ist das Bier nicht. Das müsste mir jetzt eigentlich negativ auffallen – aber verdammt, das Bier schmeckt. Es gefällt mir wirklich. Auch der Abgang weiß zu gefallen. Er ist für ein IPA überraschend mild und dabei angenehm bitter. Dass dieser Geschmack nicht allzu lange erhalten bleibt, wird viele Biertrinker sicher nicht stören.

Dieses IPA ist nicht so wie ich es erwartet hätte, absolut nicht. Wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden, hat der Kandidat einen schweren Stand. Aber dieses Bier ist in der Lage, meinen nicht erfüllten Erwartungen zum Trotz zu gefallen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Fuller Smith & Turner PLC
Chiswick Lane South
London W4 2QB
England
www.fullers.co.uk

DIE BIEROTHEK

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Imperial Stout

Im August letzten Jahres veranstaltete die Störtebeker Braumanufaktur bereits zum vierten Mal das Festival der Bierspezialitäten in Stralsund. Knapp 15 Hobbybrauern aus ganz Deutschland hatten ihre Kreationen eingereicht. Sie nahmen dabei an der ersten Meisterschaft der Hobbybrauer teil, bei der sie ein eigens eingebrautes „Imperial Stout“ einreichen mussten. Eine sechsköpfige Jury – unter anderem mit dem Vizeweltmeister der Biersommeliers Frank Lucas – verkosteten im Vorfeld der Veranstaltung die verschiedenen Biere und kürten die Besten: Platz eins ging an Stefan Mahlburg.

Jetzt ist es so weit – die Brauerei hat das Siegerbier nachgebraut und vertreibt es derzeit. Ich habe jetzt eine Flasche vor mir stehen und werde sie verkosten.

Schwarz und fast blickdicht steht das Bier im Glas. Darüber eine unterdurchschnittliche Menge haselnussbrauner Schaum, cremig mit einzelnen großen Blasen. Optisch hat die Braumanufaktur also alles richtiggemacht. Leider bleibt der Schaum nur recht kurze Zeit erhalten.

Das reichhaltige Aroma wird durch Röstaromen geprägt. Ich bemerke Düfte nach Toffee, Espresso und etwas Würziges. Ist das Pfeffer? Egal, auf jeden Fall macht der Aroma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber nicht so süß wie ich erwartet hätte. Dafür ist er aber sehr intensiv und cremig, fast wuchtig. Der Körper ist samtig, rund und vollmundig mit Noten dunkler Schokolade. Der Abgang ist nur leicht bitter, dabei aber trotzdem intensiv. Der Geschmack ist nicht nur in der Kehle, sondern füllt lange Zeit den gesamten Mund aus.

Leider ist das Bier nur vorübergehend im Angebot. Wenn der Sud verkauft ist, wird es nicht neu aufgelegt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Bier noch schnell zu bestellen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Buchweizenmalz, Röstgerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,67 % Vol.

Stammwürze:

18 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com