Archiv der Kategorie: Craft Beer

Insel-Brauerei Baltic Dubbel

Nun habe ich mal wieder ein Bier aus dem hohen Norden vor mir stehen, das Baltic Dubbel aus der Insel-Brauerei auf Rügen. Markus Berberich gibt seinen Bieren immer einen besonderen und persönlichen Touch. Dabei hält er sich nicht sklavisch an die einzelnen Bierstile, sondern macht aus seinen Bieren immer etwas Individuelles, so dass ich auf dieses Bier wirklich gespannt bin, insbesondere, weil die Insel-Brauerei grundsätzlich nur Naturhopfen verwendet, keine Pellets und keinen Hopfenextrakt (na gut, letzteres verbietet sich bei Craft Beer ja von selbst).

Schwarz steht das Bier im Glas, lediglich, wenn ich es gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge weißer feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gibt es also schon mal nichts zu meckern.

Das Aroma wird durch die Röststoffe dominiert. Deutlich zu riechen ist der Duft dunkler Schokolade. Aber es kommt noch mehr zum Vorschein. Einen Hauch von Rum kann ich entdecken, zusammen mit Trockenfrüchten. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber zusätzlich meine ich auch den zarten Duft von Walnüssen wahrzunehmen. Auf jeden Fall ist das Aroma sehr komplex und macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist durch die Röststoffe geprägt, dabei recht süß und ich stelle fest, dass die Kohlensäure nicht nur sehr feinperlig ist, sondern auch nach meinem Geschmack perfekt dosiert wurde. Sobald sich das Bier im Mund ausgebreitet hat, geht der Schokoladengeschmack in den Hintergrund und Espressonoten kommen hervor. Das Mundgefühl ist samtig und rund, so dass es an einen Dessertwein erinnert. Beim Schlucken verstärkt sich noch der Geschmack nach Rum und Früchten. Der Abgang ist trocken und langanhaltend mit einem freundlichen Bitter.

Was für ein Bier. Der Geschmack wechselt von süß über Schokolade und Espresso bis hin zu einem leichten Bitter. Wie die anderen Biere aus der Insel-Brauerei nicht zum nebenbei-hinter-die-Binde-kippen, sondern zum bewussten Genießen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Roggenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:

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Maisel & Friends IPA

Ich glaube, es gibt keinen Craft Beer-Brauer ohne ein IPA. Ab und an mag ich diese Bierstil ja wirklich gerne, aber manchmal habe ich auch den Verdacht, dass ein Sud nicht gelungen ist und durch eine reichliche Gabe von Simcoe-Hopfen doch noch für den Verkauf gerettet werden soll. Dieses Gefühl kommt bei mir immer auf, wenn das Bier nur noch nach dem Hopfen schmeckt und der Geschmack des Malzes vollkommen überdeckt wird. Nun hoffe ich, dass dieser Verdacht beim IPA aus Bayreuth unbegründet ist.

Kupferfarben und mit sehr aktiver Kohlensäure präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Die Optik ist also schon mal sehr ansprechend.

Zitronenschalen und rote Johannisbeeren prägen das Aroma dieses IPA, aber auch das Malz kommt zu seinem Recht. Aus dem Hintergrund meldet sich auch eine Prise Gewürz, es könnte sich um Pfeffer handeln.

Der Antrunk ist spritzig und leicht süß und bereits an der Zungenspitze kommen die Bitterstoffe zum Einsatz. Aber erst, wenn sich das IPA auf der Zunge verteilt, zündet es alle seine Geschmacksnoten. Neben den dominierenden Zitrusnoten prägen rote Beeren den Geschmack, nicht nur die roten Johannisbeeren, die bereits die Nase festgestellt hat, sondern auch andere Beeren, ich meine Brombeeren herauszuschmecken. Der Abgang ist trocken und klingt lange nach.

Ein IPA wie es sein soll.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Ahtanum, Cascade u.a.), Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

14,4 %

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

DIE BIEROTHEK

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Hopfenreiter

Nun steht wieder ein Sondersud aus Bayreuth vor mir, der Hopfenreiter der Brauerei Maisel in Bayreuth. Auch der Hopfenreiter hat eine Besonderheit. An ihm waren fünf Brauereien beteiligt, allerdings nicht im Rahmen eines Co-Brewing, sondern es handelt sich um einen Freundschafts-Sud. Der Begriff war mir bislang noch nicht bekannt, aber die Brauerei erklärt ihn: „Wir finden es wichtig, dass sich Craftbrauer gegenseitig helfen, sich unterstützen, sich mit Rat und Tat zur Seite stehen.“ So entstand die Idee, einen Sondersud zu brauen, zu dem befreundete Brauereien jeweils eine Zutat beisteuern. Zum Hopfenreiter haben die Brauereien Hoppebräu, BFLO, Schanzenbräu, Brew Age und Jopen jeweils einen Hopfen beigesteuert. Auch wenn es heißt, dass viele Köche den Brei verderben, wollen wir jetzt dem Hopfenreiter eine faire Chance geben. Auf der anderen Seite ist dies bereits der zweite Freundschafts-Sud, so dass wir wohl davon ausgehen können, dass es zumindest beim ersten Mal ein gutes Ergebnis gegeben hat.

Orange-golden steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel weißer Schaum, fest und sahnig, der sehr lange erhalten bleibt. Die Optik ist auf jeden Fall perfekt.

Das Aroma ist wahnsinnig komplex. Ich rieche Zitrusschalen, Honig, Ananas, Mango und Spearmint. Bei einem so intensiven und vielschichtigen Aroma dürfte aber jeder Konsument auch andere Duftnoten wahrnehmen. So schreibt die Brauerei auch von Heidelbeeren und Erdbeeren.

Der Antrunk ist intensiv und süß, abgerundet durch die sehr feine Kohlensäure. Aber das ist erst der Anfang. Während sich das Bier im Mund verteilt, zeigt es seinen ganzen wuchtigen Geschmack. Die Aromen, besonders der Zitrusnoten, kommen als Geschmack zur Geltung, dazu kommt ein kräftiges Bitter, immerhin hat das Bier 70 IBU. Der Abgang ist trocken und zunächst kräftig bitter. Das Bittere lässt schnell nach, es kommt etwas Würziges zum Vorschein, das dann abklingt und ein langanhaltendes freundliches Bitter zurücklässt.

Wenn es ein perfektes IPA gibt, dann kommt der Hopfenreiter ihm schon sehr nahe. Meine Frau reagiert sehr empfindlich auf Bitter, aber den Hopfenreiter hat auch sie gemocht. Wenn Sie das Bier beim Händler Ihres Vertrauens bestellen wollen, sollten Sie sich beeilen, denn wenn der Sud verkauft ist, wird es dieses Bier nicht noch einmal geben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Mosaic, Comet, Vic Secret, HBC 431, Callista, Chinook, Perle, Columbus), Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18,8° Plato

Bittereinheiten:

70 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.hopfenreiter.de

Dieses Bier können Sie ab 12 Flaschen oder einem Bestellwert von mindestens 49 Euro (auch gemischt) versandkostenfrei online bestellen:

Hopfenbock

In der letzten Woche klingelte der Paketbote von DHL bei mir und ich dachte zunächst, dass ich mal wieder ein Paket für einen Nachbarn annehmen solle. Aber nein, es war für mich. Es kam von der Brauerei Maisel in Bayreuth und enthielt zwei Flaschen Bier mit Sondersuden, dem Hopfenbock und dem Hopfenreiter. Beide Biere werden nur einmal gebraut und wenn sie weg sind, dann ist es zu spät und es wird keine weiteren Auflagen dieser Biere mehr geben. Ich habe die beiden Biere am Wochenende verkostet und kann daher mit Fug und Recht behaupten, dass es ein spannendes Wochenende war.

Begonnen habe ich mit dem Hopfenbock. Ich mag Bockbier schon aus industrieller Produktion, nur dass sie dann ziemlich austauschbar sind. Von einem Craft Beer-Bock verspreche ich mir daher ein ganz besonderes Bier. Die Ausgangssituation beschreibt Maisel wie folgt: „Wir hatten Lust auf ein neues Brauexperiment und wollten ein ganz besonderes Bockbier brauen. Es sollte ein helles Bockbier werden und dazu sollten Geruch und Geschmack völlig anders sein als sie der Genießer von einem Bock erwarten würde.“ Eine ambitionierte Aufgabenstellung. Ich bin gespannt wie sie umgesetzt wurde.

Kräftig goldgelb ist er, der Hopfenbock. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge fester weißer und feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gefällt mir das Bier also schon mal sehr gut, auch wenn mich die Optik noch nicht wirklich überrascht.

Die Überraschung kommt mit dem Aroma. Meine Erwartung bei einem Bockbier ist ein ausgewogener Duft verschiedener Malze. Dieser Duft ist auch beim Hopfenbock vorhanden, wird aber kräftig durch fruchtige und blumige Düfte unterstützt. Dazu ein Hauch Honig und Zitronenschale. Kurz gesagt ist das Aroma extrem komplex, so dass ich gar nicht sagen kann, welche Blumen und Früchte sich hier verstecken. Da jede Nase etwas anders reagiert, wird vermutlich auch jeder etwas anderes riechen. Aber eines kann ich mit gutem Gewissen behaupten: das Aroma ist rund und ausgeglichen. Es macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist, dass dieser Bock nicht so viel Süße enthält wie die meisten anderen Bockbiere. Trotzdem ist er wirklich vollmundig und die reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure sorgt zusammen mit den Aromen in der Nase für eine sehr angenehme Frische. Dann ist der Hopfenbock stilgerecht malzig. Der Geschmack des Malzes wird aber durch die Fruchtigkeit und die Bitterstoffe des Hopfens gut abgerundet. Der Abgang ist angenehm bitter und langanhaltend.

Schade, dass dieser Bock nur einmal gebraut wird. Wenn Sie ihn beim Händler Ihres Vertrauens bestellen wollen, denken Sie daran: wenn weg, dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,6 % Vol.

Stammwürze:

16,9° Plato

IBU:

35

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Dieses Bier können Sie ab 12 Flaschen oder einem Bestellwert von mindestens 49 Euro (auch gemischt) versandkostenfrei online bestellen:

Craftwerk Tangerine Dream

Nun steht ein Bier von Craftwerk Brewing vor mir, einem Unternehmen aus der Bitburger-Gruppe. Auch wenn ich eigentlich gerne kleine Brauereien unterstütze, kann ich mir doch vorstellen, dass auch aus Bitburg ein gutes Bier mit eigenem Charakter kommen kann. Im Brauen von Bier hat Bitburger schließlich Erfahrung und wie andere Großunternehmen in anderen Branchen auch kann auch Bitburger eine Garagenfirma gründen, die es entweder nicht schafft oder irgendwann richtig viel Geld abwirft. Und Craftwerk Brewing hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Ich will jetzt mal sehen, ob die Brauerei diesen Ruf zu Recht genießt.

Eine Besonderheit ist schon mal der Hopfen. Ein Pale Ale mit nur einer Hopfensorte ist schon mal eine Seltenheit. Der Hopfen Mandarina Bavaria wurde erst in den letzten Jahren in der Hallertau gezüchtet und kam im Jahr 2012 erstmals auf den Markt. Dieser Hopfen verfügt über ausgeprägte Zitrusnoten und duftet nach exotischen Früchten. Diesen Fruchtkorb finden wir auch im Tangerine Dream wieder. Das verspricht zumindest Craftwerk. Nun wird es aber Zeit, dass ich mit der Theorie aufhöre und das Bier einschenke.

Honiggolden ist das Bier und hefetrüb. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der auch relativ lange erhalten bleibt. Optisch ist also an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist sehr fruchtig. Dominiert wird es vom Duft der Mandarinen, genau wie ich es von einem Hopfen mit Namen Mandarina Bavaria erwarte. Dazu kommt der Duft von Zitronenschale und von Kräutern. Das Pfefferaroma, das die Brauerei verspricht, kann ich nicht feststellen, aber bekanntlich reagiert ja jede Nase etwas anders. Jetzt habe ich aber auch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist überraschend trocken, dabei aber intensiv fruchtig und durch die wirklich feinperlige Kohlensäure auch frisch. Damit gefällt mir das Bier gerade immer besser. Leider fällt das Bier im Vergleich zum intensiven Antrunk ab, sobald es sich im Mund verteilt. Es ist nicht schlecht, absolut nicht, aber der Körper hält nicht so richtig, was der Antrunk versprochen hat. Der Abgang ist fruchtig-bitter und erinnert an ein mildes IPA. Er klingt auch lange nach.

Insgesamt macht das Bier mir keinen richtig ausgewogenen Eindruck. Einem guten Anfang folgt eine vergleichsweise schwache Mitte, die aber ein sehr starker Abgang abschließt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

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Insel-Brauerei Baltic Stout

16 Jahre war Markus Berberich Geschäftsführer bei der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in Rambin die Insel-Brauerei. Das ist erst einige Jahre her und trotzdem ist die Brauerei in der Qualität bereits ganz weit oben. So wurde die Insel-Brauerei im Jahr 2016 beim World Beer Award in London als beste deutsche Brauerei ausgezeichnet.

Bereits im Regal fallen die Biere von der Insel Rügen auf. Sie sind nicht mit Etiketten beklebt, sondern sie sind vollständig mit Papier umwickelt. Sie fallen damit nicht nur auf (angeblich fällt die Kaufentscheidung der Konsumenten in Sekundenschnelle), sondern es bleibt auch mehr Platz für einige Produktinformationen.

Beim Lesen der Zutatenliste fällt eines auf: bei allen Bieren steht dort auch der Eintrag „Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung. Traditionelle Methode)“. Süß wird das Bier also durch den Traubenzucker nicht, sondern die Zugabe des Zuckers hat einen anderen Grund, den Markus im Gespräch mit Hopfenhelden.de verraten hat: Nach dem „normalen“ Brauvorgang mit der offenen Gärung und der Reifung im Tank wird das Bier in Flaschen abgefüllt. So weit ist alles noch recht konventionell. Anschließend wird die noch in der Flasche befindliche Luft abgesaugt und das Bier bekommt noch die Dosis Traubenzucker. Damit bekommen die Hefen noch einmal kräftig etwas zu tun. Sie vergären den Traubenzucker während einer zweiwöchigen Reifung in der beheizten Reifekammer. In dieser Zeit verdauen die Hefen den Zucker. Dadurch wird die Kohlensäure feinperliger und der noch in der Flasche befindliche Sauerstoff wird restlos verbraucht. Dadurch soll auch die Haltbarkeit des Bieres verbessert werden.

Jetzt will ich ein Bier aus dieser neuen Brauerei verkosten, das Baltic Stout, ein Imperial Stout. Das Imperial Stout ist ein traditioneller Bierstil aus England. Schwarz und malzbetont ist dieses Bier. Mal sehen, ob so etwas auch auf Rügen gebraut werden kann.

Bereits beim Einschenken macht das Bier einen guten Eindruck. Tiefschwarz ist es. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte schimmert kein bisschen schwarz durch. An den Zutaten wurde also schon mal nicht gespart. Es bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge cremiger haselnussbrauner Schaum, der sich nur langsam auflöst. Die Optik macht also schon mal Lust auf den ersten Schluck. Aber vorher muss erst einmal das Aroma seine Qualität beweisen.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Espresso und eine feine dunkle Schokolade. Für die Feinheit des Schokoladenaromas ist das Hafermalz verantwortlich. Dazu kommen noch Aromen roter Früchte, eventuell von schwarzen Johannisbeeren.

Der Antrunk ist süß und intensiv. Wirklich überraschend ist aber etwas anderes, die extrem safte und feinperlige Kohlensäure, die dem Bier eine überraschende Frische und Spritzigkeit verleiht, die schon von Anfang an einen aparten Kontrast zur Malzsüße bildet. Verdammt, ich würde ja gerne etwas meckern, aber zumindest bis hierher hat die Brauerei nicht nur nichts verkehrt gemacht, sondern sie hat meine höchsten Erwartungen noch übertroffen. Das Bier verteilt sich im Mund und offenbart seine Geschmacksnuancen. Cremig ist es und zusammen mit dem klaren Schokoladengeschmack muss ich an Mousse au Chocolat denken. Während sich das Bier im Mund erwärmt kommt immer mehr der Geschmack von Espresso in den Vordergrund und verbindet sich wunderbar mit dem Schokoladengeschmack. Der Abgang ist dann überraschend trocken und mild, trotzdem aber langanhaltend. Und selbst der Abgang ändert noch seinen Geschmack. Recht flott entwickelt sich in der Kehle der Geschmack von Kakao.

Die Vielfalt der Aromen und Geschmäcker macht das Baltic Stout zu meinem derzeitigen Favoriten aus der Insel-Brauerei. Allerdings habe ich auch noch nicht alle Biere verkostet.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Traubenzucker (vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

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Siegelbier 2015 Slyrs

Dass Heidelberg schön ist, ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist diese Stadt eines der beliebtesten Ziele im Städtetourismus. Weit weniger bekannt ist, dass im historischen Klosterhof in Heidelberg seit dem Jahr 2009 Bier gebraut wird. Dort, wo die Mönche früher ihre Stallungen hatten und wo auch früher bereits Apfelmost, Wein und Spirituosen hergestellt wurden, wird nach einem Umbau nun aus biologisch angebauten Zutaten feinstes Biobier gebraut. Eines dieser Biere habe ich jetzt vor mir stehen, das im Whiskyfass gereifte Siegelbier Slyrs.

Cognacfarben präsentiert sich das Bier im Glas und es bildet sich darüber so gut wie kein Schaum. Außerdem kann ich im Bier keinerlei Kohlensäure sehen, und das, obwohl das Bier keine Hefe enthält, die die Kohlensäure gerne verbirgt.

Das Aroma wird durch Röststoffe geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen. Das Malz dominiert das Aroma eindeutig.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Bereits jetzt kann ich die Einflüsse des Whiskyfasses feststellen, in dem das Bier gereift ist. Die Süße hält sich auch im Körper, wobei sie durch eine leichte Säure ergänzt wird. Damit wird der Körper wunderbar komplex und fruchtig. Auffällig ist vor allem, dass hier mit dem Malz gespielt wurde und kaum das Bitter des Hopfens festzustellen ist. Bei dem kräftigen Geschmack des Bieres ist es kaum zu glauben, dass das Bier lediglich 6,5 % Alkohol enthält. Auch der Abgang ist nicht bitter und er erinnert eher an einen Whisky.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Aromahopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
www.brauerei-zum-klosterhof.de

UrCraft Kirsch Bier

Nun steht mal wieder ein Craft Beer aus der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg vor mir, das UrCraft Kirsch Bier. Ein Blick in den Onlineshop der Brauerei zeigt bereits einen Unterschied zu den Fruchtbieren, die wir aus Belgien kennen: auf der Zutatenliste steht als erste Zutat Bier, an zweiter Stelle steht Kirschmuttersaft. Daraus lässt sich schließen, dass der Kirschsaft nicht mit verbraut wird, sondern dass er dem ansonsten fertigen Bier zugegeben wird. Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass das Kirsch Bier nicht als Bier verkauft werden dürfte, sondern dass es sich um ein Biermischgetränk handelt. Ich habe aber im letzten Jahr mit dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei, Herrn Fritsche, telefoniert, der mir mitgeteilt hat, dass die Brauerei für alle Biere eine Ausnahmegenehmigung nach dem vorläufigen Biergesetz erhalten hat und dass die Biere in Deutschland auch wirklich als Biere verkauft werden dürfen. Jetzt reicht es aber mit der Theorie; es ist an der Zeit, die Flasche endlich zu öffnen und das erste Glas einzuschenken.

In dunklem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger rosa Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch gibt es an dem Bier also nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch Toffee dominiert und ich wundere mich etwas, dass der Kirschduft überraschend zurückhaltend ist. Dazu meine ich, noch etwas Vanille riechen zu können.

Der Antrunk ist süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Etwas mehr Kohlensäure würde der Spritzigkeit sicher guttun. Wie erwartet ist der Körper weich und süß. Aber jetzt kommt auch der Kirschgeschmack durch, der sich für meinen Geschmack vorher etwas zu sehr im Hintergrund gehalten hat. Ich habe den Eindruck, dass etwas mehr Bitterstoffe des Hopfens den Geschmack noch weiter abrunden würde. Der Abgang ist sehr mild.

Insgesamt ist dies ein süßes und fruchtiges Bier, das meiner Frau richtig gut geschmeckt hat, während ich noch nicht ganz so begeistert davon bin. Ich meine aber, dass das UrCraft Kirsch Bier eine hervorragende Grundlage für einen Biercocktail oder eine Dessertsoße darstellt. Einfach mit etwas Stärke abgebunden ergibt sich eine gute Soße, die beispielsweise zu einem Marzipansoufflee oder einem Walnusseis passt. Für einen Cocktail würde ich versuchen, das Bier mit einem Mandellikör und einigen Tropfen Limonensaft zu mischen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kirschmuttersaft, Invertzuckersirup, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:

Harz Craft Klosterkrug Naturtrüb

Erst seit 2016 wird im Kloster Wöltingerode bei Goslar Bier gebraut. Oder nein, gebraut wird in der Brauerei Altenau im Oberharz, aber in Wöltingerode wird das Bier für die Reifung in unterschiedlichen Holzfässern gelagert. Die Brauerei hat mir von jedem ihrer vier Biere jeweils eine der durchnummerierten Flaschen geschickt. Vom Klosterkrug ist es Flasche 31 von 5877 des Jahrgangs 2017, die jetzt vor mir steht und verkostet werden will. Tue ich ihr also den Gefallen.

Mahagonirot zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich ein beiger sahniger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal sehr edel. Allerdings fällt mir auf, dass das Bier kaum trüb ist. In der Regel enthält ein naturtrübes Bier mehr Hefe, aber gerade bei handwerklich hergestellten Bieren kann das von Flasche zu Flasche variieren.

Das Bier duftet süß nach Karamell, unterstützt durch einen Hauch Espresso. Dieses Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Beim Antrunk fällt mir zunächst die sehr feinperlige Kohlensäure auf, die für eine gewisse Spritzigkeit sorgt. Dabei kommen die vollen und kräftigen Malztöne hervor. Trotzdem ist das Bier nicht so süß, wie ich es nach dem Aroma erwartet habe. Auch als sich das Bier im Mund verteilt, bestimmen die Röststoffe des Malzes den Geschmack, der auch deutliche Noten dunkler Schokolade enthält. Trotzdem ist das Bier durchaus süffig. Der Abgang ist trocken und der Geschmack der Schokolade klingt lange nach. Als der Geschmack der Schokolade langsam schwindet, kommt auch ein leichtes Bitter des Hopfens hervor. Ein Bier, das noch im Abgang verschiedene Geschmacksnoten zeigt, ist wirklich eine Seltenheit.

Matthias Kliemt, der weltweit erste 3-Sterne-Biersommelier, empfiehlt dieses Klosterbier als Begleitung zu Fisch, Bratkartoffeln mit Speck und Camembert. Beim Käse stimme ich mit ihm durchaus überein, auch wenn ich zu diesem Bier vermutlich einen Bergkäse bevorzugen würde. Aber zu Bratkartoffeln würde ich wohl eher ein Pils oder ein Zwickel trinken. Auch zum Fisch kann ich mir dieses Bier nicht vorstellen. Ich habe zwei Kochbücher durchforstet und habe dabei kein einziges Rezept gefunden, von dem ich mir vorstellen kann, dass es mit diesem Bier wirklich harmoniert. Ich würde mir den Klosterkrug eher mit Gänsekeulen, Sauerbraten oder Rinderschmorbraten vorstellen, also Gerichten, die selbst schon komplexe Aromen mitbringen und zu denen meist ein guter Rotwein gereicht würde. Ich glaube, ich werde Herrn Kliemt gleich eine Mail schicken. Als Biersommelier mit drei Sternen müsste er schließlich mehr Ahnung haben als ich und vielleicht hilft er mir ja weiter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, geröstetes Karamellmalz, Röstmalz), Hopfen (Herkules, Select), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,3° Plato

Brauerei:

Kloster Wöltingerode
Brennen & Brauen GmbH
Wöltingerode 1
38690 Goslar
www.harz-craft.de

Zötler Braukunst Herzsolo

Als ich die Flasche, die jetzt vor mir steht, erstmals sah, fand ich den Namen schon bemerkenswert. Auf der Website der Brauerei Zötler Braukunst fand ich dann aber eine Erklärung: der Großvater des jetzigen Inhabers war leidenschaftlicher und guter Doppelkopfspieler. Meist hat er auch gewonnen und nun wurde ihm dieses Bier gewidmet. Wenn der Opa wirklich so gut gespielt hat und der Enkel so gut brauen kann wie sein Opa gespielt hat, kann bei diesem Bier ja eigentlich nichts schiefgehen.

Hellgold, mit leichtem Grünstich und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich recht viel feinporiger weißer Schaum, der sehr stabil ist und der nur sehr langsam in sich zusammenfällt. Die Farbe verspricht schon mal ein besonderes Bier und an der Optik ist wirklich nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch den Duft der Hefe bestimmt, unterstützt durch Gewürze, Zitronenschalen und Orangenblüten. Jetzt frage ich mich, mit was für einem Bierstil ich es hier zu tun habe. Der Duft der Hefe erinnert mich an ein Witbier, während die Zitrusnoten an ein IPA angelehnt sind. Dafür sind sie allerdings nicht kräftig genug. Ich vermute mal, dass sich dieses Bier nicht einordnen lässt. Ich nenne es jetzt einfach einmal Kreativbier.

Der Antrunk enthält kaum Süße, ist aber durch die feinperlige Kohlensäure wunderbar spritzig. Auf der Zunge entwickelt sich durch die Zitrusnoten schnell eine ordentliche Fruchtigkeit, die in einen leicht bitteren Abgang mit langem Nachklang übergeht.

Schade, dass ich das Bier im Winter probiert habe; es würde eigentlich besser zu einem warmen Sommerabend passen. Dann ist es aber nahezu perfekt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz), Weizenmalz (helles Weizenmalz), Hopfen (Magnum, Polaris, Mandarina Bavaria, Centennial, Cascade), Hefe (belgische Withefe, Weizenhefe)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

11,8 %

Brauerei:

Privat-Brauerei Zötler GmbH
Grüntenstr. 2
87549 Rettenberg
www.zoetler.de

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