Archiv der Kategorie: Biertest

Gouden Carolus hopsinjoor

Nun will ich mal wieder ein Bier aus der belgischen Brauerei Het Anker testen. Diese Brauerei erzeugt neben anderen Bieren auch neun Sorten Gouden Carolus. Das Gouden Carolus hipsinjoor ist das jüngste Mitglied dieser Produktfamilie.

Der Name „Hopsinjoor“ ist ein flämisches Wortspiel, zusammengesetzt aus „Opsinjoor“, dem typischen Bierstil aus Mechelen und Hops, dem flämischen Wort für Hopfen. Immerhin werden für das Brauen dieses Bieres fünf unterschiedliche Hopfensorten verwendet. So ist es auch verständlich, dass dieses Bier beim Zythos Beer Festival 2008 mit dem Publikumspreis für das beste Bier ausgezeichnet wurde. Beim World Beer Award wurde das Beer mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Ich kann also mit einem wirklich guten Bier rechnen.

Bereits beim Öffnen der Flasche steigt mir kurz ein intensiver Duft nach Orangenschalen in die Nase. Beim Hopfen hat die Brauerei also schon mal nicht gespart. Das gefällt mir.

Goldgelb und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich wahnsinnig viel weißer feinporiger Schaum, der sich sehr lange hält. Die Optik ist also perfekt, aber beim Einschenken dieses Biers sollte der Konsument vorsichtig sein und das Glas schief halten, da sich sonst der erste Schluck um einige Zeit verzögert.

Das Aroma wird durch den Duft von Orangenschalen und von Grapefruit geprägt, abgerundet durch den Eindruck der Süße des Malzes. Damit erinnert das Gouden Carolus hopsinjoor entfernt an ein IPA, das Aroma ist aber nicht so fruchtig.

Der Antrunk ist mäßig süß, wobei die viele feinperlige Kohlensäure das Bier wunderbar frisch wirken lässt. Schnell breitet sich ein kräftiges Bitter im Mund aus, abgerundet durch den Geschmack nach Zitronenschalen und Ananas sowie einer leichten Pfeffernote. Der Abgang ist dann freundlich bitter mit einem langen Nachklang.

Wow, dieses Bier hat seine Auszeichnungen mit Sicherheit verdient. Dazu ein gutes indisches Essen und der Genuss wäre perfekt gewesen.

Alkoholgehalt:

8,0 %

Stammwürze:

18° Plato

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Craftwerk Tangerine Dream

Nun steht ein Bier von Craftwerk Brewing vor mir, einem Unternehmen aus der Bitburger-Gruppe. Auch wenn ich eigentlich gerne kleine Brauereien unterstütze, kann ich mir doch vorstellen, dass auch aus Bitburg ein gutes Bier mit eigenem Charakter kommen kann. Im Brauen von Bier hat Bitburger schließlich Erfahrung und wie andere Großunternehmen in anderen Branchen auch kann auch Bitburger eine Garagenfirma gründen, die es entweder nicht schafft oder irgendwann richtig viel Geld abwirft. Und Craftwerk Brewing hat sich einen guten Ruf erarbeitet. Ich will jetzt mal sehen, ob die Brauerei diesen Ruf zu Recht genießt.

Eine Besonderheit ist schon mal der Hopfen. Ein Pale Ale mit nur einer Hopfensorte ist schon mal eine Seltenheit. Der Hopfen Mandarina Bavaria wurde erst in den letzten Jahren in der Hallertau gezüchtet und kam im Jahr 2012 erstmals auf den Markt. Dieser Hopfen verfügt über ausgeprägte Zitrusnoten und duftet nach exotischen Früchten. Diesen Fruchtkorb finden wir auch im Tangerine Dream wieder. Das verspricht zumindest Craftwerk. Nun wird es aber Zeit, dass ich mit der Theorie aufhöre und das Bier einschenke.

Honiggolden ist das Bier und hefetrüb. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der auch relativ lange erhalten bleibt. Optisch ist also an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist sehr fruchtig. Dominiert wird es vom Duft der Mandarinen, genau wie ich es von einem Hopfen mit Namen Mandarina Bavaria erwarte. Dazu kommt der Duft von Zitronenschale und von Kräutern. Das Pfefferaroma, das die Brauerei verspricht, kann ich nicht feststellen, aber bekanntlich reagiert ja jede Nase etwas anders. Jetzt habe ich aber auch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist überraschend trocken, dabei aber intensiv fruchtig und durch die wirklich feinperlige Kohlensäure auch frisch. Damit gefällt mir das Bier gerade immer besser. Leider fällt das Bier im Vergleich zum intensiven Antrunk ab, sobald es sich im Mund verteilt. Es ist nicht schlecht, absolut nicht, aber der Körper hält nicht so richtig, was der Antrunk versprochen hat. Der Abgang ist fruchtig-bitter und erinnert an ein mildes IPA. Er klingt auch lange nach.

Insgesamt macht das Bier mir keinen richtig ausgewogenen Eindruck. Einem guten Anfang folgt eine vergleichsweise schwache Mitte, die aber ein sehr starker Abgang abschließt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Mandarina Bavaria), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

12,4 %

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

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Pauwel Kwak

Wieder einmal steht ein belgisches Bier vor mir, diesmal aus der Brauerei Bosteels in Buggenhout. Das im Jahr 1791 gegründete Unternehmen wird in der siebten Generation von der Familie Bosteels geführt. Das Wasser für die dort gebrauten Biere stammt aus einem mehr als 100 Meter tiefen Brunnen. So verwundert es auch nicht allzu sehr, dass das Pauwel Kwak mehrfach ausgezeichnet wurde. Die erste Goldmedaille erhielt es im Jahr 1996 beim World Beer Cup, gefolgt von einer Bronzemedaille 2000 und einer Silbermedaille 2002. Außerdem erhielt das Bier 1998 bei den World Beer Championships eine Goldmedaille. Da kann ich jetzt wirklich etwas Besonderes erwarten.

Dunkel bernsteinfarben ist das Pauwel Kwak. Darüber bildet sich überdurchschnittlich viel hellbeiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik ist also 1a.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche Zitronenschale, rote Früchte und Banane. Später kommen auch die Düfte von Röststoffen und Toffee durch. Offensichtlich hat die Brauerei gute Hopfensorten verwendet und das Aroma macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist intensiv und süß. Passend dazu ist die Kohlensäure feinperlig und mild. Auch der Körper ist intensiv, dabei ausgewogen, malzig und fruchtig. Aus dem Hintergrund schimmern rote Beeren durch. Dazu kommt eine angenehme Würzigkeit. Der Abgang ist sehr mild und bis zum Schluss malzig. Die Bitterstoffe des Hopfens kommen nur schwach zum Tragen.

Das Pauwel Kwak ist ein wirklich gutes belgisches Bier, das aber vermutlich noch gewinnen würde, wenn es in einem Whisky- oder Rumfass reifen würde.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,4 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Bosteels s.a.
Kerkstraat 96
9255 Buggenhout
Belgien

DIE BIEROTHEK

Gouden Carolus ambrio

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus Belgien vor mir, das Gouden Carolus ambrio aus der Brauerei Het Anker in Mechelen nördlich von Brüssel. Die Brauerei teilt mit, dass sie das Bier nach einem Rezept aus dem Jahr 1421 braut, dass dieses Rezept aber modernisiert wurde. Es ist etwas stärker als im Original und es wird besserer Hopfen verwendet, der ausschließlich aus Belgien stammt. Ziel ist es, dass durch die Kombination verschiedener Malze, der Hopfensorten und Kräuteraromen die Geschmacksvorteile dunkler Biere mit der Frische eines hellen Biers kombiniert wird. Außerdem wird das Bier in der Flasche nachvergoren.

Bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel weißer sahniger Schaum, der einen leichten Stich ins Beige hat. Der Schaum fällt nur langsam in sich zusammen. Die Optik ist bei diesem Bier also schon mal sehr gut.

Das Aroma wird durch sanfte Röstaromen geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen, Kräutern und einer leichten Whiskynote. Doch, das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle eine feinperlige Kohlensäure fest, die aber leider nur in geringer Menge vorhanden ist. Etwas mehr Kohlensäure würde sicher für eine bessere Frische sorgen. Sobald sich das Bier im Mund verteilt, spielt es seine Stärken aus. Der Geschmack ist ausgewogen und intensiv nach Irish Coffee und roten Beeren. Der Abgang ist mild und klingt mittellange nach.

Das Gouden Carolus ambrio ist ein sehr angenehmes Bier, an das sich die meisten Konsumenten gewöhnen können.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Insel-Brauerei Baltic Stout

16 Jahre war Markus Berberich Geschäftsführer bei der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. Dann wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete in Rambin die Insel-Brauerei. Das ist erst einige Jahre her und trotzdem ist die Brauerei in der Qualität bereits ganz weit oben. So wurde die Insel-Brauerei im Jahr 2016 beim World Beer Award in London als beste deutsche Brauerei ausgezeichnet.

Bereits im Regal fallen die Biere von der Insel Rügen auf. Sie sind nicht mit Etiketten beklebt, sondern sie sind vollständig mit Papier umwickelt. Sie fallen damit nicht nur auf (angeblich fällt die Kaufentscheidung der Konsumenten in Sekundenschnelle), sondern es bleibt auch mehr Platz für einige Produktinformationen.

Beim Lesen der Zutatenliste fällt eines auf: bei allen Bieren steht dort auch der Eintrag „Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung. Traditionelle Methode)“. Süß wird das Bier also durch den Traubenzucker nicht, sondern die Zugabe des Zuckers hat einen anderen Grund, den Markus im Gespräch mit Hopfenhelden.de verraten hat: Nach dem „normalen“ Brauvorgang mit der offenen Gärung und der Reifung im Tank wird das Bier in Flaschen abgefüllt. So weit ist alles noch recht konventionell. Anschließend wird die noch in der Flasche befindliche Luft abgesaugt und das Bier bekommt noch die Dosis Traubenzucker. Damit bekommen die Hefen noch einmal kräftig etwas zu tun. Sie vergären den Traubenzucker während einer zweiwöchigen Reifung in der beheizten Reifekammer. In dieser Zeit verdauen die Hefen den Zucker. Dadurch wird die Kohlensäure feinperliger und der noch in der Flasche befindliche Sauerstoff wird restlos verbraucht. Dadurch soll auch die Haltbarkeit des Bieres verbessert werden.

Jetzt will ich ein Bier aus dieser neuen Brauerei verkosten, das Baltic Stout, ein Imperial Stout. Das Imperial Stout ist ein traditioneller Bierstil aus England. Schwarz und malzbetont ist dieses Bier. Mal sehen, ob so etwas auch auf Rügen gebraut werden kann.

Bereits beim Einschenken macht das Bier einen guten Eindruck. Tiefschwarz ist es. Selbst als ich das Glas gegen das Licht halte schimmert kein bisschen schwarz durch. An den Zutaten wurde also schon mal nicht gespart. Es bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge cremiger haselnussbrauner Schaum, der sich nur langsam auflöst. Die Optik macht also schon mal Lust auf den ersten Schluck. Aber vorher muss erst einmal das Aroma seine Qualität beweisen.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Espresso und eine feine dunkle Schokolade. Für die Feinheit des Schokoladenaromas ist das Hafermalz verantwortlich. Dazu kommen noch Aromen roter Früchte, eventuell von schwarzen Johannisbeeren.

Der Antrunk ist süß und intensiv. Wirklich überraschend ist aber etwas anderes, die extrem safte und feinperlige Kohlensäure, die dem Bier eine überraschende Frische und Spritzigkeit verleiht, die schon von Anfang an einen aparten Kontrast zur Malzsüße bildet. Verdammt, ich würde ja gerne etwas meckern, aber zumindest bis hierher hat die Brauerei nicht nur nichts verkehrt gemacht, sondern sie hat meine höchsten Erwartungen noch übertroffen. Das Bier verteilt sich im Mund und offenbart seine Geschmacksnuancen. Cremig ist es und zusammen mit dem klaren Schokoladengeschmack muss ich an Mousse au Chocolat denken. Während sich das Bier im Mund erwärmt kommt immer mehr der Geschmack von Espresso in den Vordergrund und verbindet sich wunderbar mit dem Schokoladengeschmack. Der Abgang ist dann überraschend trocken und mild, trotzdem aber langanhaltend. Und selbst der Abgang ändert noch seinen Geschmack. Recht flott entwickelt sich in der Kehle der Geschmack von Kakao.

Die Vielfalt der Aromen und Geschmäcker macht das Baltic Stout zu meinem derzeitigen Favoriten aus der Insel-Brauerei. Allerdings habe ich auch noch nicht alle Biere verkostet.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Traubenzucker (vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

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Hellbräu Pilgerbier

Dass es aus dem Wallfahrtsort Altötting ein Bier gibt, das Pilgerbier genannt wird, ist nicht verwunderlich. Schließlich gibt es Pilgerbier aus vielen Städten, die sich der katholischen Kirche auf irgendeine Weise verbunden fühlen. Nun will ich testen, ob das Bier aus der Brauerei Hellbräu etwas so Besonderes ist wie der Name gerne nahelegen möchte.

Das Bier beringt eine intensive goldene Farbe mit. Allerdings bildet sich recht wenig weißer sahniger Schaum, der aber lange erhalten bleibt.

Bereits beim Einschenken fällt mir ein intensives Hopfenaroma auf, blumig mit Noten grüner Äpfel. So ein intensives Aroma ist bei deutschen Bieren recht selten.

Der Antrunk ist leicht süß, aufgrund der nur gering vorhandenen Kohlensäure aber etwas langweilig. Erst als sich das Bier im Mund verteilt, kommen auch Bitterstoffe zum Vorschein, die in einem guten Verhältnis zur Süße des Malzes stehen. Mir fehlt etwas Säure, so dass das Bier einen nicht ganz ausgeglichenen Eindruck macht. Dafür eine ich aber auch, einen Hauch von Mandeln zu schmecken. Der Abgang ist kurz mit einem leichten freundlichen Bitter.

Das Pilgerbier von Hellbräu ist ein gutes Bier, um es in der Gastwirtschaft oder zum Essen zu trinken. Ich werde es aber sicher niemals anbeten, so gut gefällt es mir dann doch nicht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hell-Bräu
Herrenmühlstr. 15
54503 Altötting
www.hellbraeu.de

Siegelbier 2015 Slyrs

Dass Heidelberg schön ist, ist eine Binsenweisheit. Nicht umsonst ist diese Stadt eines der beliebtesten Ziele im Städtetourismus. Weit weniger bekannt ist, dass im historischen Klosterhof in Heidelberg seit dem Jahr 2009 Bier gebraut wird. Dort, wo die Mönche früher ihre Stallungen hatten und wo auch früher bereits Apfelmost, Wein und Spirituosen hergestellt wurden, wird nach einem Umbau nun aus biologisch angebauten Zutaten feinstes Biobier gebraut. Eines dieser Biere habe ich jetzt vor mir stehen, das im Whiskyfass gereifte Siegelbier Slyrs.

Cognacfarben präsentiert sich das Bier im Glas und es bildet sich darüber so gut wie kein Schaum. Außerdem kann ich im Bier keinerlei Kohlensäure sehen, und das, obwohl das Bier keine Hefe enthält, die die Kohlensäure gerne verbirgt.

Das Aroma wird durch Röststoffe geprägt, unterstützt durch den Duft von Trockenpflaumen. Das Malz dominiert das Aroma eindeutig.

Der Antrunk ist recht süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Bereits jetzt kann ich die Einflüsse des Whiskyfasses feststellen, in dem das Bier gereift ist. Die Süße hält sich auch im Körper, wobei sie durch eine leichte Säure ergänzt wird. Damit wird der Körper wunderbar komplex und fruchtig. Auffällig ist vor allem, dass hier mit dem Malz gespielt wurde und kaum das Bitter des Hopfens festzustellen ist. Bei dem kräftigen Geschmack des Bieres ist es kaum zu glauben, dass das Bier lediglich 6,5 % Alkohol enthält. Auch der Abgang ist nicht bitter und er erinnert eher an einen Whisky.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Aromahopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei zum Klosterhof GmbH
Stiftweg 4
69118 Heidelberg
www.brauerei-zum-klosterhof.de

Braustüb’l Pilsner

Immerhin 16 Biere stellt die kleine Brauerei in Darmstadt her, dazu noch einen Radler. Jetzt steht das Pilsner vor mir und damit der beliebteste Bierstil in Deutschland. Dann wollen wir doch mal sehen, ob die Hessen auch ein frisches und herbes Pils brauen können.

Gelb wie Stroh und klar ist das Bier. Mir fällt auf, dass keinerlei Kohlensäure zu sehen ist. Darüber bildet sich aber eine durchschnittliche Menge weißer Schaum mit sahniger Konsistenz. Optisch hat die Brauerei also alles richtiggemacht.

Pilstypisch herb duftet das Braustüb’l Pilsner, ich rieche Gräser und Äpfel, aber auch das Malz kommt sanft durch.

Der Antrunk ist leicht süß und zeigt, dass das Bier relativ wenig Kohlensäure enthält, die aber sehr feinperlig ist. Die geringe Menge Kohlensäure kann aber durchaus daran liegen, dass das Bier sein Mindesthaltbarkeitsdatum bereits fast erreicht hat. Daher werde ich das nicht negativ beurteilen. Der Körper ist herb und trocken. Nicht schlecht, wenn auch nicht so frisch wie ein Pils aus dem Norden. Der Abgang ist freundlich bitter und klingt recht lange nach.

Das Braustüb’l Pils ist ein ordentliches Bier, das gut zu einem gutbürgerlichen Essen passt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,2 %

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Darmstädter Privatbrauerei GmbH
Goebelstr. 7
64293 Darmstadt
www.braustuebl.net

UrCraft Kirsch Bier

Nun steht mal wieder ein Craft Beer aus der Klosterbrauerei Neuzelle in Brandenburg vor mir, das UrCraft Kirsch Bier. Ein Blick in den Onlineshop der Brauerei zeigt bereits einen Unterschied zu den Fruchtbieren, die wir aus Belgien kennen: auf der Zutatenliste steht als erste Zutat Bier, an zweiter Stelle steht Kirschmuttersaft. Daraus lässt sich schließen, dass der Kirschsaft nicht mit verbraut wird, sondern dass er dem ansonsten fertigen Bier zugegeben wird. Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass das Kirsch Bier nicht als Bier verkauft werden dürfte, sondern dass es sich um ein Biermischgetränk handelt. Ich habe aber im letzten Jahr mit dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei, Herrn Fritsche, telefoniert, der mir mitgeteilt hat, dass die Brauerei für alle Biere eine Ausnahmegenehmigung nach dem vorläufigen Biergesetz erhalten hat und dass die Biere in Deutschland auch wirklich als Biere verkauft werden dürfen. Jetzt reicht es aber mit der Theorie; es ist an der Zeit, die Flasche endlich zu öffnen und das erste Glas einzuschenken.

In dunklem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger rosa Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch gibt es an dem Bier also nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch Toffee dominiert und ich wundere mich etwas, dass der Kirschduft überraschend zurückhaltend ist. Dazu meine ich, noch etwas Vanille riechen zu können.

Der Antrunk ist süß und ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Etwas mehr Kohlensäure würde der Spritzigkeit sicher guttun. Wie erwartet ist der Körper weich und süß. Aber jetzt kommt auch der Kirschgeschmack durch, der sich für meinen Geschmack vorher etwas zu sehr im Hintergrund gehalten hat. Ich habe den Eindruck, dass etwas mehr Bitterstoffe des Hopfens den Geschmack noch weiter abrunden würde. Der Abgang ist sehr mild.

Insgesamt ist dies ein süßes und fruchtiges Bier, das meiner Frau richtig gut geschmeckt hat, während ich noch nicht ganz so begeistert davon bin. Ich meine aber, dass das UrCraft Kirsch Bier eine hervorragende Grundlage für einen Biercocktail oder eine Dessertsoße darstellt. Einfach mit etwas Stärke abgebunden ergibt sich eine gute Soße, die beispielsweise zu einem Marzipansoufflee oder einem Walnusseis passt. Für einen Cocktail würde ich versuchen, das Bier mit einem Mandellikör und einigen Tropfen Limonensaft zu mischen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kirschmuttersaft, Invertzuckersirup, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:

Harz Craft Klosterkrug Naturtrüb

Erst seit 2016 wird im Kloster Wöltingerode bei Goslar Bier gebraut. Oder nein, gebraut wird in der Brauerei Altenau im Oberharz, aber in Wöltingerode wird das Bier für die Reifung in unterschiedlichen Holzfässern gelagert. Die Brauerei hat mir von jedem ihrer vier Biere jeweils eine der durchnummerierten Flaschen geschickt. Vom Klosterkrug ist es Flasche 31 von 5877 des Jahrgangs 2017, die jetzt vor mir steht und verkostet werden will. Tue ich ihr also den Gefallen.

Mahagonirot zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich ein beiger sahniger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Die Optik ist schon mal sehr edel. Allerdings fällt mir auf, dass das Bier kaum trüb ist. In der Regel enthält ein naturtrübes Bier mehr Hefe, aber gerade bei handwerklich hergestellten Bieren kann das von Flasche zu Flasche variieren.

Das Bier duftet süß nach Karamell, unterstützt durch einen Hauch Espresso. Dieses Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Beim Antrunk fällt mir zunächst die sehr feinperlige Kohlensäure auf, die für eine gewisse Spritzigkeit sorgt. Dabei kommen die vollen und kräftigen Malztöne hervor. Trotzdem ist das Bier nicht so süß, wie ich es nach dem Aroma erwartet habe. Auch als sich das Bier im Mund verteilt, bestimmen die Röststoffe des Malzes den Geschmack, der auch deutliche Noten dunkler Schokolade enthält. Trotzdem ist das Bier durchaus süffig. Der Abgang ist trocken und der Geschmack der Schokolade klingt lange nach. Als der Geschmack der Schokolade langsam schwindet, kommt auch ein leichtes Bitter des Hopfens hervor. Ein Bier, das noch im Abgang verschiedene Geschmacksnoten zeigt, ist wirklich eine Seltenheit.

Matthias Kliemt, der weltweit erste 3-Sterne-Biersommelier, empfiehlt dieses Klosterbier als Begleitung zu Fisch, Bratkartoffeln mit Speck und Camembert. Beim Käse stimme ich mit ihm durchaus überein, auch wenn ich zu diesem Bier vermutlich einen Bergkäse bevorzugen würde. Aber zu Bratkartoffeln würde ich wohl eher ein Pils oder ein Zwickel trinken. Auch zum Fisch kann ich mir dieses Bier nicht vorstellen. Ich habe zwei Kochbücher durchforstet und habe dabei kein einziges Rezept gefunden, von dem ich mir vorstellen kann, dass es mit diesem Bier wirklich harmoniert. Ich würde mir den Klosterkrug eher mit Gänsekeulen, Sauerbraten oder Rinderschmorbraten vorstellen, also Gerichten, die selbst schon komplexe Aromen mitbringen und zu denen meist ein guter Rotwein gereicht würde. Ich glaube, ich werde Herrn Kliemt gleich eine Mail schicken. Als Biersommelier mit drei Sternen müsste er schließlich mehr Ahnung haben als ich und vielleicht hilft er mir ja weiter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, geröstetes Karamellmalz, Röstmalz), Hopfen (Herkules, Select), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,3° Plato

Brauerei:

Kloster Wöltingerode
Brennen & Brauen GmbH
Wöltingerode 1
38690 Goslar
www.harz-craft.de