Archiv der Kategorie: Biertest

Pfungstädter Export

In vielen Fällen sind die Etiketten auf den Bierflaschen eher langweilig, manchmal sind darauf interessante Informationen zum Bier abgedruckt. Aber diesmal hat mich das Etikett des Pfungstätter Export Classic doch überrascht. Auf dem Rückenetikett der Flasche ist ein „Frischestern“ abgedruckt, der anzeigt, ob das Bier ausreichend gekühlt ist. Ist das Bier wärmer als für den Verzehr empfohlen, ist das Innere des golden umrandeten Sterns weiß, ist die richtige Trinktemperatur erreicht, verfärbt sich das Innere des Sterns grün. Ein Gag? Vielleicht. Schließlich steht das Bier in der Regel bis zum Verzehr im Kühlschrank und wird dann bei Kühlschranktemperatur getrunken. Aber gut, zumindest dient der Frischestern der Orientierung. Allerdings zeigt der Stern nicht an, wenn der Kühlschrank zu hochgedreht wurde und das Bier zu kalt ist.

Gebraut wird das Export mit Naturhopfen aus der Hallertau und aus dem Elbe-Saale-Gebiet, mit einer untergärigen Aromahefe sowie mit Quellwasser in Mineralwasserqualität. Da sollte es doch etwas Besonderes sein.

Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur. Es ist kräftig goldgelb mit einer durchschnittlichen Menge feinporigem Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist durch das Malz dominiert und der Hopfen kommt nur schwach durch, duftet aber angenehm nach Melone und Blumen. Doch, das gefällt mir.

Bereits der Antrunk ist recht vollmundig, dabei recht süß. Die Kohlensäure ist leider nicht allzu stark vertreten. Da würde ich mir etwas mehr wünschen. So geht es auch weiter. Das Bier erzeugt ein rundes Mundgefühl und da sich zu der Süße eine leichte Säure gesellt, ist es auch recht süffig. Wie ich es von einem Export erwarte, hält sich das Bitter diskret im Hintergrund. Der Abgang ist mild und er klingt nur kurz nach.

Fehler kann ich bei dem Bier nicht feststellen, aber ihm fehlen Ecken und Kanten, die es unverwechselbar machen. Es fehlt nicht viel zu einer gewissen Langweiligkeit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

12,3 %

Brauerei:

Pfungstädter Brauerei
Hildebrand GmbH & Co KG
64319 Pfungstadt
www.pfungstaedter.de

Craftwerk Hophead IPA7

Nun will ich mich wieder einmal einem Bier von Craftwerk zuwenden, der Craft Beer-Brauerei der Bitburger-Gruppe. Diesmal steht das Hop Head IPA 7 vor mir. Wenn Sie sich jetzt fragen, was die Zahl hinter dem Namen zu bedeuten hat, so ist die Antwort einfach: dieses IPA wurde mir sieben unterschiedlichen Hopfensorten gebraut. Und um sieben Hopfensorten zusammenzustellen und sie in ein harmonisches Mengenverhältnis zu bringen ist schon eine gute Portion Verliebtheit in diese Zutat erforderlich. Mal sehen, ob sich die Mühe gelohnt hat. Die Brauerei verspricht auf jeden Fall eine „knallharte Hopfenexplosion“.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb ist das IPA, die lebhafte Kohlensäure sorgt zusammen mit dem Hopfen für eine schöne weiße Schaumkrone, feinporig und mit langer Standzeit. Die Optik ist auf jeden Fall schon mal sehr ansprechend.

Dazu passend ist das frische Aroma. Ich rieche Orangenschalen, Papaya, Mangos und Vanille. Ja, so soll ein IPA duften.

Auch der Antrunk ist frisch und fruchtig. Sofort breiten sich die Fruchtnoten im Mund auf, Grapefruit mischt sich mit der Frische von Äpfeln und von Südfrüchten. Dazu kommt das kräftige Bitter des Hopfens. Das Hop Head IPA ist ein wirklich überraschendes IPA. Die Überraschung geht auch im Abgang weiter, der überraschend mild und trotzdem langanhaltend ist.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz), Hopfen (Cascade, Centennial, Chinook, Herkuls, Taurus, Magnum, Simcoe), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

17,4° Plato

Bittereinheiten:

65 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

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Licorne Black

Nun steht ein Bier aus dem Land der Feinschmecker vor mir, aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Elsass. Mal sehen, ob die Franzosen nicht nur Wein keltern, sondern auch ein vernünftiges Bier brauen können.

Dunkel-Rubin ist es das Licorne Black, beinahe schwarz. Es bildet sich recht viel beiger Schaum, gemischtporig und mit recht kurzer Verweildauer auf dem Bier. Optisch bleibt also noch einige Luft nach oben.

Das Aroma lässt sich nur mit süß beschreiben, ich rieche Toffee. Bei der Farbe des Bieres hätte ich einige Röstaromen erwartet, die ich aber absolut nicht feststellen kann. Woher kommt dann die dunkle Farbe? Ein Blick auf die Zutatenliste verrät es: die Farbe stammt aus dem Farbstoff 150c, Zuckercouleur. Auch wenn dieser Farbstoff als gesundheitlich unbedenklich gilt, hat er nach meiner Meinung im Bier doch absolut nichts verloren. Hoffentlich ist der Geschmack besser als das Aroma.

Dem ist leider nicht so. Dieses Bier schmeckt nach – nach was eigentlich? Irgendetwas zwischen Malztrunk und Cola. Meiner Meinung nach ungenießbar. Nach einem Schluck habe ich den Rest der Flasche im Ausguss entsorgt. Ich habe bereits viele Biere verkostet und es waren viele Biere dabei, die mir nicht gefallen haben, aber das Licorne Black ist das erste Bier, das ich als ungenießbar bewerte.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glucosesirup, Zucker, Farbstoff E 150c, Aromen, Raucharoma, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Licorne
60 rue de Dettviller
6700 Saverne
Frankreich
www.brasserielicorne.com

Surtr

Ich muss zugeben, dass Biere aus Wacken bei mir einen schweren Stand haben, denn ich werde ein Vorurteil nicht los. Jedes Jahr fallen in das 2.000 Seelen-Dorf im Südwesten Schleswig-Holsteins etwa 70.000 Metalheads ein, stellen den Ort auf den Kopf und geben sich die Kante. Aber so richtig. Wenn ich den Berichten im NDR und auf Spiegel TV glauben darf, geht der Konsum von billigem Dosenbier bis zum Exzess. Und aus so einer Umgebung soll ein gutes Bier kommen können? Mein Vorurteil verneint die Frage, aber ich werde mich jetzt einmal bemühen, es zur Seite zu schieben und zu ignorieren, denn jetzt steht erstmals ein Bier aus Wacken vor mir, das Surtr.

Der Name klingt für deutsche Ohren etwas seltsam. Deshalb habe ich mal bei Wikipedia nachgesehen um eine Definition zu finden. Hier ist sie: „Surt (altnordisch Surtr „der Schwarze“) ist in der nordischen Mythologie ein Feuerriese und ein Feind der Asen. Er ist der Herrscher über Muspellsheim. In den Ragnarök zertrennt er mit seinem Feuerschwert Surtalogi die Brücke Bifröst, die Verbindung zwischen Midgard und Asgard. Mit den Söhnen Muspels steckt er die Welt in Brand, schleudert Feuer in alle Richtungen und vernichtet alles Leben (Weltenbrand).“ Eine Darstellung von Surt, des englischen Zeichners John Charles Dollman findet sich auch auf dem vorderen Etikett der Flasche. Nachdem nun die Namensgebung geklärt ist, können wir uns endlich dem Bier zuwenden. Ich bin ja mal gespannt, ob das Bier den gleichen Charakter hat wie die Gestalt aus der nordischen Sage.

Blickdicht schwarz steht es im Glas, mit einer enormen Krone aus haselnussbraunem sahnigem Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. An der Optik habe ich schon mal nichts auszusetzen.

Allerdings toppt der Duft des Bieres die Optik mit Leichtigkeit. Röst- und Raucharomen dominieren. Ich kann Espresso, dunkle Schokolade, Rauch riechen, abgerundet durch einen Hauch Toffee. Langsam ahne ich, dass dieses Bier seinen Namen zu Recht trägt.

Der Antrunk ist süß nach Röstmalz. Dabei steht die Süße in einem interessanten Kontrast zu den Rauchnoten des Surtr. Komplettiert wird der Geschmack durch die Geschmäcker, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Schokolade, Kaffee und Toffee formen sich zu einem komplexen Geschmackserlebnis. Der Körper ist cremig und mit sehr intensivem Geschmack. Kaffee und Rauch treten etwas in den Hintergrund, während eine leichte Säure und Fruchtigkeit auf der Bildfläche erscheint und zusammen mit der intensiven Malzsüße ein geändertes Geschmacksbild formt. Der Abgang ist überraschend mild und die Rauchnoten klingen noch lange nach.

Mein Vorurteil hat sich also nicht bestätigt. Mit dem Surtr kommt ein Bier aus Wacken, das neugierig auf mehr macht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bitterwert:

24 IBU

Brauerei:

Wacken Brauerei GmbH & Co. KG
Gehrn 13
25596 Wacken
www.wacken.beer

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Hopfmeister Surfers Ale

Die Brauerei aus dem bayerischen Hohenthann beschreibt das Surfers Ale auf ihrer Website wie folgt: „Das Surfers Ale ist ein süffiges, naturtrübes Pale Ale (helles, obergäriges Bier) mit fruchtigen Noten von Grapefruit, Mandarine und Litschi. Es hat einen vollmundigen Körper mit einer angenehmen, aber nicht zu starken Bittere im Abgang. Deshalb erinnert es auch ein wenig an ein naturtrübes Pils und besticht mit seiner hohen ‚Drinkability‘. Das Surfers Ale ist der ideale Durstlöscher für die heißen Tage und lauen Nächte. Passt am Besten zu viel Sonne, Sand und Salz. In einer Craft-Beer-Tulpe bei 8° serviert, kommen die Aromen schön zur Geltung.“ Bei diesen großartigen Versprechen erwarte ich einiges von diesem Bier. Mal sehen, ob es die Erwartungen auch erfüllen kann.

Golden mit einem leichten Rotstich steht das Bier im Glas, dabei leicht hefetrüb. Kohlensäure ist nicht zu sehen, aber die üppige feinporige Schaumkrone sorgt für eine sehr gute Optik. Der blütenweiße Schaum ist stabil und bleibt lange erhalten.

Das fruchtige Aroma wird durch Mandarine und Zitronenschale geprägt, dazu etwas Gras und Vanille. Dann rieche ich noch eine andere süße Frucht im Hintergrund, die ich aber nicht identifizieren kann. Die ausgesprochene Fruchtigkeit macht mir das Bier schon mal sympathisch.

Süß, fruchtig und rund ist der erste Eindruck, als das Bier auf meine Zunge kommt. Die sehr feinperlige Kohlensäure verleiht ihm noch eine angenehme Frische. Das Bier scheint für einen warmen Sommerabend wie geschaffen. Die Südfrüchte bleiben der dominante Eindruck. Dabei macht das Bier einen ausgewogenen Eindruck. Na ja, nicht so ganz, mir ist das Bier eindeutig zu süß. Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, so dass jeder Konsument für sich entscheiden muss, ob ihm das Bier gefällt oder nicht. Der Abgang ist freundlich bitter, allerdings weniger, als ich es von einem Ale erwartet hätte.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Magnum, Cascade, Citra, Simcoe), Hefe (Obergärige Ale-Hefe)

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Hopfmeister
Kyreinstr. 18
81371 München
www.hopfmeister.de

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Neuzeller Gourmet Pilsner

Nun steht mit dem Gourmet Pilsner mal wieder ein Bier aus der Klosterbrauerei in Neuzelle vor mir. Was ein einfaches Pils vom Gourmet Pilsner unterscheidet erklärt die Brauerei auf dem Rückenetikett: erlesener Aromahopfen, ein spezielles Brauverfahren und eine lange Reifezeit, die der Entwicklung des Aromas dient. Außerdem empfiehlt die Brauerei, das Bier aus einem Weinglas zu trinken, damit der vollständige Genuss erreicht wird. Um welchen Hopfen es sich handelt und wie sich der Brauvorgang von dem eines normalen Pils unterscheidet, verrät die Brauerei weder auf dem Etikett noch auf der Website.

Kräftig goldgelb zeigt sich das Bier im Glas mit einer durchschnittlichen Menge weißem sahnigem Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Dazu kommt eine sehr aktive Kohlensäure. Optisch macht das Bier also schon mal einen hervorragenden Eindruck.

Das Aroma ist intensiv malzig und der Hopfen steuert die würzigen Noten von Heu bei. Damit erinnert das Gourmet Pilsner eher einem Pils aus dem Norden als einem Bier aus dem tiefen Osten. Aber mir persönlich gefällt das.

Der Antrunk ist intensiv, voll und bringt einige malzige Süße mit, die aber in keiner Weise penetrant wird. Schnell gesellt sich das Bitter des Hopfens dazu, so dass der Körper rund, angenehm und süffig ist. Keine der Geschmacksrichtungen dominiert. Das Bitter steht wie für diesen Bierstil typisch im Mittelpunkt, aber es handelt sich um ein wirklich ausgeglichenes Bier. Der Abgang ist deutlich aber fein bitter, angenehm um freundlich und er klingt recht lange nach.

Das Bier hat nur einen Nachteil: die Kohlensäure verflüchtigt sich schnell. Wird das Bier zu langsam getrunken, wirkt es nach kurzer Zeit abgestanden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:


Captain Blaubeer

Wer seine Brauerei schon Mashsee nennt, ist mit ziemlicher Sicherheit ein Freund von Wortspielen, so dass es auch nicht verwunderlich ist, dass irgendwann vom Maschsee in Hannover ein Bier namens Captain Blaubeer kommt. Dieses steht jetzt vor mir und es stellt sich mir selbstverständlich die Frage, wo der Name herkommt. Die Brauerei erklärt es so: „Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn man ein Baltic Porter mit der Kalthopfung eines IPAs versieht? … haben wir uns gefragt und unserem Hafensänger massig Comet Hopfen spendiert. Die unter anderem an Blaubeeren erinnernden Noten haben uns so überzeugt, dass wir nicht anders konnten als ihn in die Flasche zu bringen – unseren Captain Blaubeer.“

Tiefschwarz präsentiert sich das Bier im Glas mit einer recht großen Schaumkrone, hellbraun und feinporig. Der Schaum bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Das Aroma ist komplex. Das Malz steuert seine Röstaromen bei, die nach dunkler Schokolade und Espresso duften. Vom Hopfen stammen die fruchtigen Noten mit dem Duft der Heidelbeere. Daher stammt auch der Name dieses Bieres.

Die Komplexität des Aromas findet sich auch im Antrunk wieder. Er ist recht süß und die Schokoladennoten kommen sehr gut zum Ausdruck. Zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure macht der Captain einen sehr angenehmen und frischen Eindruck. Die Schokolade bleibt auch der prägende Eindruck, wenn sich das Bier im Mund verteilt. Jetzt kommen auch die Blaubeeren dazu. Dieses ausgewogene Bier schmeichelt mit seinem cremigen Mundgefühl meinem Geschmack. Auch im Abgang mit seinem sehr langen Nachklang dominiert der Geschmack der dunklen Schokolade. Dabei ist der Abgang nur wenig bitter.

Den richtigen Genuss habe ich aber erst erreicht, als ich zum Captain Blaubeer noch ein Stück Königsberger Marzipan gegessen habe.

Zutaten:

Wasser
Gerstenmalz (Pilsener Malz, Carapils, Carahell, Chocolate Malz, Münchner Malz, Carafa), Hopfen (Galaxy, Comet), Hefe (Lager-Hefe)

Alkoholgehalt:

6,1 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Mashsee Brauerei GmbH & Co. KG
Am Eisenwerk 17
30519 Hannover
www.mashsee.de

DIE BIEROTHEK

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Nürnberger Stadtbier Maibock

Direkt unterhalb der Nürnberger Burg liegt die Hausbrauerei Altstadthof. Neben einer Gaststube und dem Brauereiladen gibt es die Möglichkeit, die Biere im eigenen kleinen Biergarten zu verkosten. Nach eigenen Angaben war es die erste Brauerei in Deutschland, die ihre Biere ausschließlich mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau gebraut hat.

Neben den vier Standardbieren Rotbier, Helles, Schwarzbier und einem roten Weißbier braut der Altstadthof verschiedene saisonale Biere, unter anderem den Maibock, der jetzt vor mir steht.

Die Farbe ist für ein Bockbier untypisch. Rot ist das Bier und erinnert damit farblich an das Nürnberger Rotbier. Rotbier gibt es zwar nicht nur in Nürnberg, aber in der fränkischen Metropole ist dieser Bierstil wohl am verbreitetsten. Über dem leicht hefetrüben Bier bildet sich nur eine kleine gemischtporige Schaumkrone, die recht schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch den Aromahopfen dominiert. Der Duft von Grapefruit ist vorherrschend, dazu meine ich, eine leichte pfeffrige Note festzustellen. Das Malz hält sich diskret im Hintergrund, ist aber auch noch feststellbar. Wir haben hier also ein komplexes Aroma, das wirklich Lust auf den ersten Schluck macht.

Im Antrunk fällt zunächst die kräftige Malzsüße auf, die aber zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure einen guten Eindruck macht. Schnell gesellt sich ein fruchtiges Bitter dazu, ausgewogen zur Süße. Ich schmecke Grapefruit und Ananas und kann kaum glauben, dass es sich um ein Bockbier handelt. Eher hätte ich es für ein Crossover von Bockbier und IPA gehalten. Auch der Abgang ist fruchtig bitter und er klingt ellenlang nach.

Der Maibock vom Altstadthof ist ein überraschendes Bier, das nur einen Nachteil hat. Das Aroma verfliegt schnell. Wenn das Bier zu lange im Glas steht, ist das tolle Hopfenaroma bald verflogen und es bleibt ein Bockbier übrig, das sich nicht grundlegend von anderen Böcken unterscheidet. Es schmeckt immer noch gut, aber das Besondere fehlt dann halt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Rotes Spezialmalz), Naturhopfen (Hersbrucker Tradition, Hersbrucker Smaragd, Hersbrucker Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Stammwürze:

16,3 %

Bittereinheiten:

34 IBU

Brauerei:

Nürnberger Altstadthof e. K.
Hausbrauerei & Whiskydestille
Bergstraße 19-21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de

Gilde Ratskeller Premium Pils

Früher gab es in Hannover eine ganze Reihe selbstständiger Brauereien, von denen nach meinem Wissen nur zwei Brauereien übriggeblieben sind, die älteste Brauerei, die Gilde, die allerdings nicht mehr eigenständig ist, sowie die Herrenhäuser Brauerei. Im Jahr 2003 kaufte Interbrew, der Vorgänger von ABInBev, die Gilde-Brauerei, um sechs Jahre später die Produktion zu drosseln. Das Unternehmen war vermutlich lediglich an der Marke interessiert und hätte den Produktionsstandort wohl am liebsten dichtgemacht. 2016 wurde die Gilde-Brauerei als neu gegründete GmbH an eine mittelständische Brauereigruppe verkauft, der bereits das Frankfurter Brauhaus in Frankfurt/Oder sowie die Feldschlößchen Brauerei in Dresden gehörten. Auf dem vorderen Etikett steht die Bezeichnung Premium Pils. Was unterscheidet eigentlich ein Premium Pils von einem schnöden Pils ohne Premium? Udo Dewies von Brau und Brunnen in Dortmund hat es gegenüber der Rheinischen Post erläutert: Der Begriff Premium „ist jedoch nicht als Qualitätssiegel zu verstehen. Premium steht für Marken, die sich durch eine hochwertige Ausstattung in Gastronomie und Handel sowie durch attraktive Werbe- und Sponsoringmaßnahmen von Billigstbieren unterscheiden.“ Kurz gesagt, Premium kostet halt etwas mehr. Nachdem wir das nun wissen, können wir uns ja mit gutem Gewissen endlich dem Bier zuwenden. Ein Blick auf das Rückenetikett verrät, dass Gilde dieses Bier ausschließlich mit Hopfen braut, also keinen Hopfenextrakt verwendet. Eine gewisse Qualität können wir von diesem Bier also erwarten.

Goldgelb und kristallklar ist das Gilde Ratskeller. Darüber eine durchschnittliche Menge feinporiger weißer Schaum, der einige Zeit lang erhalten bleibt. Optisch macht dieses Bier also schon mal was her.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert, aber auch der Hopfen meldet sich bereits zu Wort und zeigt damit an, dass ich eine gewisse Menge Bitterstoffe erwarten kann.

Der erste Geschmackseindruck ist eine kräftige aber unaufdringliche Süße, die sich mit der in ausreichender Menge vorhandenen sehr feinperligen Kohlensäure verbindet. Dazu gesellt sich schnell ein kräftiges Bitter. Dabei wirkt das Bier ausgeglichen und rund, dabei aber auch süffig. Der Abgang ist freundlich Bitter und klingt lange nach. Ein typisch norddeutsches Pils, das seinen Platz in den Supermarktregalen Hannovers und in der Umgebung durchaus verdient hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,4° Plato

Brauerei:

Gilde Brauerei GmbH
Hildesheimer Str. 132
30173 Hannover
www.gildebrau.de

Kozel Černý

Kozel ist eine Brauerei aus Plzno in Tschechien, hat aber auch eine Braustätte in Poznan in Polen, von wo das Bier stammt, das jetzt vor mir steht. Ich habe mir das Bier von meiner letzten Reise nach Polen mitgebracht. Allerdings scheint sich das Bier auch in Polen nicht allzu gut zu verkaufen; bei meinem Kauf war das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits fast erreicht. Aber das muss ja nicht heißen, dass das Bier nicht schmeckt. Lassen Sie sich aber nicht durch den auf dem Etikett abgebildeten Steinbock ins Bockshorn jagen – das Kozel ist keinesfalls ein Bockbier.

Immerhin haben Sie ein literarisch wertvolles Bier vor sich stehen. Wenn Sie schon einmal in Prag waren, einen Reiseführer über Prag gelesen haben oder zumindest im Fernsehen den braven Soldaten Schweijk gesehen haben, dann könnte Ihnen Kozel bekannt sein. Jaroslav Hasek, der Verfasser des Romans, hat in seinem Werk diesem Bier ein Denkmal gesetzt. Schwejk verabredete sich „nach dem Krieg um sechs“ im U kalicha (Zum Kelch). Auf die Frage „Schwejk, Schwejk, was für Bier ham Sie beim ‚Kelch‘?“ antwortete er: „Velkopopovicky Kozel.“ Und tatsächlich wird dieses Bier auch heute noch im U kalicha ausgeschenkt.

Das Bier heißt nicht umsonst Černý, also Schwarz. Es ist wirklich schwarz, fast blickdicht. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine sahnige elfenbeinfarbene Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz geprägt. Ich rieche Röststoffe, Kaffee und etwas Toffee. Einige Kräuter steuern ebenfalls ihren Duft bei. Der Duft ist schon mal nicht schlecht.

Der Antrunk ist recht süß und da die sehr feinperlige Kohlensäure leider nur sparsam verwendet wurde, macht das Bier keinen allzu frischen Eindruck. Auf der Zunge entwickelt sich der Geschmack dunkler Schokolade, dabei wenig Bitter und Säure ist nicht zu schmecken. Im Abgang klingt der Geschmack von Espresso lange nach, was für mich der angenehmste Geschmackseindruck dieses Bieres ist.

Es ist schon ungewohnt, ein so dunkles Bier zu trinken, das nur 3,8 Volumenprozent Alkohol enthält. Meist sind die dunklen Biere ja eher gehaltvoller. Daher weist das Kozel Černý auch die gleichen Defizite auf wie die meisten alkoholfreien Biere. Es wirkt auf mich irgendwie unausgewogen und schlaff.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Stammwürze:

9,9° Plato

Brauerei:

Kompania Piwowarska SA
ul. Szwajcarska 11
61-285 Poznan
Polen