Archiv der Kategorie: Biertest

Guiness Extra Stout

Vor 30 Jahren sah die Bierwelt in Deutschland noch anders aus – es gab Pils und Export. Das war’s. In der einen oder anderen Kneipe und in wenigen Getränkemärkten gab es auch ein Stout – das Guinness. Damals habe ich es gerne getrunken. Nun will ich mal testen, ob mir dieses Bier noch genauso gut schmeckt wie damals.

Aber erst einmal wollen wir uns das Bier ansehen. Im Glas ist es tiefschwarz. Selbst wenn ich das Glas gegen das Licht halte, wird das Bier kaum vom Licht durchdrungen. Das unterscheidet das Guinness schon rein optisch von den deutschen Schwarzbieren, die nicht eigentlich schwarz sind, sondern sehr dunkelrot. Der Schaum ist fest, wenn auch nicht ganz so fein, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Dafür ist er nach wie vor richtig schön standfest. Der Duft ist kräftig mit deutlicher Röstmalznote. Soweit gefällt mir das Guinness also schon mal sehr gut.

Der Antrunk ist recht herb und die leichte vorhandene Süße hält sich dezent im Hintergrund. Der kräftige Geschmack, der vom Malz dominiert wird, enthält auch einige Raucharomen. Dazu der lange Abgang mit einem ausgewogenen Verhältnis von Malz, Rauch und einigen Bitterstoffen.

Alles in Allem ein angenehmes und süffiges Bier, das allerdings nicht an die Vielzahl der Aromen in handwerklich hergestellten Bieren herankommt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Gerste, geröstete Gerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Brauerei:

Guinness & Co.
St. Jame’s Gate
Dublin 8
Irland
http://www.guinness.com/

Importeur:
Radeberger Gruppe KG
Darmstädter Landstr. 185
60598 Frankfurt

Pott’s Landbier

So. Ein Landbier aus einer vermutlich kleinen Brauerei. In der Zutatenliste steht Hopfen, kein Hopfenextrakt. Das klingt doch richtig gut. Also gut, fangen wir mit dem Test an.

Bernsteinfarben und klar, mit einer großen aber nicht allzu feinporigen Schaumkrone, steht das Bier vor mir. Der optische Eindruck ist also schon mal nicht schlecht und wenn die Krone nicht so schnell in sich zusammenfallen würde, wäre er noch besser. Malz, Gewürze, Hopfen – das sind die entscheidenden Noten im Duft dieses untergärigen Bieres. So mag ich es.

Der Antrunk ist im ersten Moment etwas enttäuschen. Irgendwie fehlt mir hier der erste Geschmack, der den Charakter dieses Bieres sofort mitteilt. Aber dann geht es los. Ein voller Körper mit viel Würze, der ansteigende Geschmack des Malzes, dazu die feine Kohlensäure, das alles lässt den etwas schwachen ersten Eindruck schnell vergessen. Dazu der ausgeglichene lange Abgang. Der Geschmack des Malzes bleibt wirklich sehr lang erhalten, obwohl es sich um ein wirklich mildes Bier handelt. Ich kann dieses Bier nur empfehlen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Gerstenröstmalz. Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Pott’s Brauerei
59302 Oelde
http://www.potts.de

Weißer Franke

Nun steht mal wieder eine Flasche Weißbier aus Franken vor mir, diesmal aus der Ritter St.Georgen-Brauerei aus dem fränkischen Nennslingen. Dieses Bier fällt bereits im Getränkemarkt durch sein buntes Etikett auf. Am unteren Rand steht noch der lateinische Spruch „fortes fortuna adiuvat“, laut dem Pons Online-Wörterbuch lautet die deutsche Übersetzung „wer wagt gewinnt“. Braucht man Mut, um dieses Bier zu verkosten? Sehen wir mal.

Im Glas sieht das hefetrübe Weizenbier mit seiner hellen Bernsteinfarbe schon mal sehr gut aus. Der Schaum ist weiß, feinporig und bleibt lange stehen. Der Duft ist intensiv nach Weizen, er zeigt aber auch eine feine Säure und einen Hauch Banane. Soweit macht das Bier also schon mal einen sehr guten Eindruck.

Im Antrunk kommt vor allem die Hefe zum Tragen. Der Körper ist voll und bringt den Hopfen in den Vordergrund. Die angenehme Säure kommt zusammen mit den Bitterstoffen erst im Abgang hervor.

An diesem süffigen Weizenbier gibt es nichts auszusetzen. Allerdings erwarte ich von einem Bier aus Franken doch noch etwas mehr Charakter.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Ritter St.Georgen-Brauerei
91790 Nennslingen
http://www.ritter-bier.de/

Gulder

Jetzt habe ich ein Bier aus Nigeria vor mir stehen. Ob auch in Afrika gutes Bier gebraut werden kann? Die Etiketten verraten schon mal viel Internationalität. Die Etiketten sind vollständig in den Farben Schwarz, Rot und Gold gehalten. Sollte der Designer etwa ein Deutschlandfan gewesen sein? Das Bier wird in Nigeria unter Lizenz einer niederländischen Brauerei hergestellt (unter der gleichen Lizenz wird auch in Ghana ein Bier gebraut). Die Website hat eine englische URL. So viele Staaten habe ich noch bei keinem anderen Bier festgestellt. Aber eventuell schmeckt es ja gut?

Goldgelb und klar ist das Bier im Glas, vielleicht etwas wässrig. Optisch erinnert es eher an ein Lightbier. Der Schaum ist ungleichmäßig und fällt schnell in sich zusammen. Bis jetzt kann mich das Bier nicht wirklich überzeugen. Im Duft kann ich ausschließlich den Hopfen feststellen.

Der Antrunk ist recht enttäuschend. Irgendwie schmeckt das Bier zunächst wässrig. Schnell schiebt sich aber der Hopfen in den Vordergrund und die Bitternoten überdecken jeglichen anderen Geschmack. Dieses Bier ist für sich allein kein wirklicher Genuss. Eventuell passt es ja zu einem scharf gewürzten afrikanischen Essen, aber es für sich allein zu trinken kann ich nicht empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hirsemalz, Rohrzucker, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

Nigerian Breweries PLC
RC 613 Iganmu House
Lagos
Nigeria

Weltenburger Kloster Anno 1050

Jetzt steht das Märzen Weltenburger Kloster Anno 1050 vor mir. Die Klosterbrauerei im niederbayrischen Weltenburg wurde im Jahr 1050 gegründet und ist vermutlich die älteste Klosterbrauerei der Welt. Heute wird das Bier nicht mehr im Kloster gebraut, sondern nach dem Originalrezept in der Brauerei Bischofshof in Regensburg.

Das Bier steht bernsteinfarbig im Glas, darüber eine feinporige Schaumkrone mit langer Standzeit. Der Duft enthält eine Fülle von Aromen und wird eindeutig vom Naturhopfen geprägt, unterstützt durch das Aroma von Waldhonig. Soweit macht dieses Märzen eigentlich alles richtig.

Der Antrunk ist wunderbar vollmundig, leicht süß durch den Karamellzucker des Malzs. Dann wird das Bier kräftig, so wie ich es von einem Märzen erwarte. Lediglich der doch einigermaßen bittere Abgang gefällt mir an dieser Bierspezialität nicht so recht, aber das ist wohl auch Geschmackssache. Eventuell würde mich der Abgang auch nicht so stören, wenn das Bier kühler gewesen wäre und ich es zu einem bayrischen Essen genossen hätte.

 Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

 

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Bischofshof e.K.
93049 Regensburg
im Auftrag
Klosterbrauerei Weltenburg GmbH
http://www.weltenburger.de

Astra Rotlicht

Nun will ich mal wieder ein Bier aus der Holsten-Brauerei in Hamburg testen – das Astra Rotlicht. Die Marke Astra benennt ihre Biere gerne mit einer Anspielung auf den Standort in St. Pauli, direkt zwischen den Landungsbrücken und der Reeperbahn gelegen.

Rotgolden ist das Bier im Glas, darüber eine sehr ordentliche Schaumkrone. Wer aufgrund des Namens ein Rotbier im Stil der Biere aus Nürnberg erwartet hat, wird allerdings etwas enttäuscht. Es ist wirklich nur ein Hauch Rot vorhanden. Aber schließlich handelt es sich um ein norddeutsches Bier, so dass der Vergleich mit der fränkischen Bierspezialität ziemlich unfair wäre.

Der Antrunk macht sich erst einmal richtig gut. Eine leichte Süße des kräftig gedarrten Malzes macht sich im Mund breit. Der Geschmack ist intensiver als es die Farbe vermuten lässt. Typisch norddeutsch enthält das Bier recht viel Hopfen, der beim Abgang zum Tragen kommt und seinen Geschmack lange Zeit im Hals zurücklässt.

Insgesamt ist das Astra Rotlicht ein süffiges Bier, gut geeignet, um zwischendurch mal aus der Flasche getrunken zu werden. Aber auch dieses Bier hat noch einigen Raum für die Steigerung des Geschmacks.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Bavaria-St. Pauli GmbH
22755 Hamburg
http://www.astra-bier.de

Lindemans Framboise

Jetzt will ich einmal ein Lambik von Lindemans testen. Dem Test möchte ich aber erst einmal einige Erklärungen voranstellen. Zunächst einmal handelt es sich um ein Lambik, also um ein Bier, das nicht mit Reinzuchthefen gebraut wird, sondern das durch wilde Hefen im Holzfass in Gärung kommt – diese Hefen sollen ausschließlich im Raum Brüssel beheimatet sein. Aber wie sind die Belgier bloß darauf gekommen, ihr Bier mit Früchten zu versetzen? Überliefert ist die Geschichte, dass einmal ein Lambik ziemlich misslungen und sehr sauer war. Da gerade Kirschenzeit war und die Ernte sehr üppig ausfiel kippte der Brauer die überzähligen Kirschen in das Fass mit dem ungenießbaren Lambik. Als er einige Zeit später den Fassinhalt entsorgen wollte, stellte er fest, dass die Kirschen vollständig weg waren – nur die Kerne waren noch übrig. Dafür schmeckte das Lambik jetzt gut. Ob die Geschichte stimmt kann ich nicht sagen, aber sie gefällt mir doch recht gut.

Heute steht aber das Lindemans mit Himbeeren vor mir. Wer erstmals ein Bier von Lindemans öffnet wird sich wundern, dass die Flasche unter dem Kronkorken noch einmal mit einem Naturkorken verschlossen ist. Zusätzlich zum Öffner benötigen wir also noch einen Korkenzieher, um an das Objekt der Begierde zu kommen.

Nachdem wir die Flasche nun aufbekommen haben, schenken wir das Bier ein. Tiefrot ist es im Glas, darüber ein für ein Lambik fester zartrosa Schaum. Intensiv duftet das Bier nach reifen Himbeeren, so stark, dass dadurch alle anderen Düfte beinahe überdeckt werden. Lediglich ein herber Duft ist noch festzustellen.

Nehme ich den ersten Schluck. Die reinste Geschmacksexplosion. Das Lindemans schmeckt genau wie es duftet – intensiver Geschmack nach Himbeeren – wie ein sehr guter Himbeersaft. Da durch die Gärung ein Teil des Zuckers in Alkohol umgewandelt wurde, ist es aber nicht so süß wie ein Saft. Der Geschmack des Malzes und des Hopfens gehen allerdings weitgehen unter. Lediglich im Abgang sind noch leichte Bitternoten festzustellen, die aber gut mit der starken Fruchtigkeit harmonieren.

Das Lindemans Framboise ist sicher kein Bier für jeden Tag, aber an einem schönen Sommertag oder zu einem Dessert ist es eine feine Sache.

Zutaten:
Wasser, 30 % Himbeersaft, Gerstenmalz, Hefe

Alkoholgehalt:
2,5 % Vol.

Brauerei:

Brouerij LindemanS
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
http://www.lindemans.be

Altenauer Dunkel

Jetzt teste ich das dunkle Bier aus der Kleinstadt Altenau im Oberharz. Dunkel ist hier wirklich wörtlich zu nehmen, das Bier ist fast schwarz mit einem rötlichen Stich. Der Schaum ist feinporig und bleibt lange stehen. Das Bier macht also schon optisch einen sehr guten Eindruck. Der Duft ist deutlich malzig und der Alkohol kommt nur wenig durch.

Beim Trinken breitet sich zunächst der Geschmack des Malzes auf der Zunge aus. Dieses Bier hat viel Körper, die Bitterstoffe sind zurückhaltend. Ein wirklich süffiges Bier. Wenn Sie das Bier etwas länger auf der Zunge behalten kommt eine dezente Süße durch. Dies ist ein Bier, wie es wohl nur in kleinen handwerklich arbeitenden Brauereien hergestellt werden kann. Eines der ganz großen Biere. Wenn Sie einmal in den Harz kommen, sollten Sie dieses Bier auf jeden Fall verkosten.

Zutaten:
Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen,

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Altenauer Brauerei
38707 Altenau im Oberharz
www.altenauer-brauerei.de

Berliner Kindl Bock dunkel

Nachdem ich den hellen und dunklen Bock aus Einbeck getestet habe, will ich mir heute das dunkle Bockbier aus der Bundeshauptstadt vornehmen. Ich muss zugeben, dass das Bier es nach dieser Vorlage nicht ganz einfach haben wird.

Gießen wir das Bier also ein. Die Schaumkrone ist fein cremig und gleichmäßig mit kleinen Blasen. Sie fällt auch nicht so schnell in sich zusammen wie der Schaum anderer Biere. Darunter die fast schwarze Flüssigkeit mit braunem und rotem Stich. Doch die Optik macht schon Spaß.

Das Bier duftet nach Malz und es sind auch irgendwelche Fruchtaromen darin. Es macht Lust auf den ersten Schluck. Auf der Zunge schmeckt man neben dem Malz Hefe und einen Hauch von Weißbier mit dem typisch an Bananen erinnernden Geschmack. Der Geschmack lässt aber schnell nach. Schade. Da habe ich mir eigentlich mehr erwartet.

Alles in Allem ist der Berliner Kindl Bock ein gut trinkbares Bier, das aber noch Potential nach oben hat.

Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:
7,0 % Vol.

Brauerei:

Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei GmbH
Indira-Gandhi-Str. 66-69
13053 Berlin
www.berliner-kindl.de

Einbecker Mai-Ur-Bock

Nun teste ich wieder einmal ein Bier aus dem Süden Niedersachsens – den Urahnen der Saisonbiere im Frühjahr, Einbecker Mai-Ur-Bock genannt. Es kommt wie alle Biere aus Einbeck in der unverwechselbaren grünen Flasche. Aber ich will hier keine Modenschau für Bierflaschen veranstalten, sondern es kommt auf deren innere Werte an. Schenken wir uns also ein Glas ein.

Dieses Bier besticht bereits durch sein Aussehen. Der viele feinporige Schaum krönt ein kupferfarbenes klares Bier. Im Duft dominieren das Malz und der Hopfen. Dies spiegelt sich auch im Geschmack wider, der vor allem durch das Malz bestimmt wird, aber auch eine feine Süße enthält, die durch eine zurückhaltende Karamellnote abgerundet wird. Vor allem beeindruckt der sehr intensive Geschmack, der für deutsche Biere nicht unbedingt charakteristisch ist, sondern den ich eher in Belgien erwarten würde. Im sehr langen Abgang kommt immer stärker das Bittere zum Vorschein, was jeden Schluck dieses Bocks im Frühjahr zu einem abwechslungsreichen Vergnügen macht. Leider war dies die letzte Flasche, die mein Getränkemarkt noch vorrätig hatte, aber wenn es noch eines Grundes bedürfen würde, sich auf den nächsten Frühling zu freuen, dann ist es dieses Bier.

Zutaten:
Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:
6,5 % Vol.

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
37574 Einbeck
www.einbecker.de