Es ist schon merkwürdig – bei diversen Aufenthalten in Polen habe ich das Porter von Zywiec nicht gesehen – andernfalls hätte ich es sicher zur Verkostung mitgebracht. Und dann sehe ich es in einem kleinen polnischen Laden in Essen. Und prompt stellt sich mir eine andere Frage: kann eine so große Brauerei wie die im schlesischen Zywiec, nahe dem Dreiländereck Polen-Tschechien-Slowakei gelegen, überhaupt ein trinkbares Porter brauen? Die besten Porter stammen in der Regel aus kleinen Brauereien. Aber das werde ich ja gleich feststellen.
Vorher habe ich aber noch eine Internetrecherche durchgeführt und tatsächlich – das Bier wird nicht in Zywiec gebraut, sondern in der zum gleichen Konzern gehörenden Schlossbrauerei Bracki in Cieszyn. Dort wird das Zywiec Porter in absolut traditioneller Brauweise und in offener Gärung gebraut. Das macht mich jetzt richtig neugierig auf das Bier und ich will auch nicht länger mit dem Test warten.
Die Optik ist bestechend. Das Bier ist tiefschwarz und blickdicht. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse Krone aus einem sahnigen hellbraunen Schaum, deren Haltbarkeit mir wirklich gefällt. Insbesondere aufgrund der satten 9,5 Volumenprozente Alkohol hatte ich eigentlich angenommen, dass sich nur wenig Schaum bilden würde.
Bei dieser Farbe ist es klar, dass das Aroma des Zywiec Porter durch die Röststoffe dominiert wird. Ich rieche jede Menge Karamell, das durch den Duft dunkler Schokolade sowie einem Hauch Espresso unterstützt wird. Der Hopfen hält sich hier diskret im Hintergrund. Dadurch wirkt das Aroma bei aller Intensität etwas flach und nicht so komplex wie bei anderen Bieren dieses Stils.
Der Antrunk ist weich und süß, dabei sehr intensiv. Die Süße steht dabei in einem guten Verhältnis mit der feinperligen Kohlensäure. Die Intensität steigert sich noch, als sich das Bier auf der Zunge verteilt. Hier spiegelt sich das Aromaprofil im Geschmack wider. Ich schmecke Espresso und dunkle Schokolade, wobei der Geschmack nach Espresso jetzt mehr im Vordergrund steht. Süß, bitter und sauer sind ausgewogen. Im Abgang halten sich Bitter und Süß die Waage und sie klingen sehr lange nach.
Bei einem Wettbewerb wie dem European Beer Star wird dieses Zywiec Porter mit Sicherheit keine Platinmedaille gewinnen, aber wenn wir uns einmal das Preis-/Leistungsverhältnis ansehen, steigt das Zywiec Porter ganz an die Spitze. Schließlich habe ich weniger als einen Euro für den halben Liter bezahlt.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Alkoholgehalt:
9,5 % Vol.
Brauerei:
Cieszyn
ul. Dojazdowa 2
43-400 Śląskie
www.grupazywiec.pl/
Die Benediktinerabtei Weltenburg liegt malerisch direkt an der Donau. Bereits im Jahr 1050 begannen die Mönche, in Weltenburg zu brauen. Damit ist die Klosterbrauerei die älteste Klosterbrauerei der Welt. Von dort kommt auch das Weltenburger Kloster Barock Dunkel, das jetzt vor mir steht. Im Kloster wird nicht nur seit langer Zeit Bier gebraut, sondern auch die Qualität ist gut. Nicht umsonst wurde das Weltenburger Kloster Barock Dunkel 2004 mit Gold ausgezeichnet, 2006 mit Bronze, 2008 mit Gold, 2010 mit Silber und 2012 erneut mit Gold. Wenn Sie sich die Jahreszahlen ansehen, bedenken Sie, dass der Wettbewerb nur alle zwei Jahre ausgerichtet wird. Mit einigem Stolz vermerkt die Brauerei auch auf dem vorderen Etikett: „Das Beste Dunkel der Welt“.
Alkoholfreie Craft-Biere sind noch selten. Ich habe den Eindruck, dass es am Einfachsten ist, ein IPA alkoholfrei zu brauen. Immerhin habe ich jetzt schon das dritte alkoholfreie IPA vor mir stehen, das FreIPA aus dem Brauhaus Nittenau. Auf dem Rückenetikett ist auch noch eine Geschichte zur Geburtsstunde des FreIPAs ausgedruckt: „Jean-Pièrre ist Franzose, leidenschaftlicher Biertrinker und Hobbybrauer. In seinem Beruf als Chauffeur lässt es sich mit seinem cholerischen Chef Monsieur Rigoureux nicht gut Bierchen trinken. Eines Nachts chauffierte er die hübsche Biologin Heidi Huber aus Berlin auf einen Kongress nach Paris. Nach einer stundenlangen Fahrt mit aufgeregter Unterhaltung verriet sie Ihm ein Geheimnis. Zum Abschied bekam Jean-Pièrre von seinem Passagier ein kleines Fläschchen eines geheimen Bierhefestammes geschenkt. Mit diesem schaffte er es ein einzigartiges leckeres Bier, frei von Alkohol, zu brauen.“ Ob die Geschichte nun stimmt oder nicht ist mir nicht bekannt, aber auf jeden Fall ist sie schön zu lesen. Kommen wir nun aber zum Bier:
Der Versandhändler bierselect.de hat auf seiner Website einmal die Zukunftspläne der Inhaber der kleinen Brauerei im Hafen von Neustadt beschrieben: „Die Inhaber der Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG planen Großes für die Zukunft. Aus dem kleinen Familienunternehmen, gegründet von Jutta und Detlev Klüver, ist mittlerweile ein regionaler Wirtschaftsfaktor geworden, der ca. 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aus einer lokalen Brauerei soll bald schon eine regionale Brauerei werden. Seit 2013 sind sowohl die benötigten Kapazitäten als auch eine eigene Etikettierstraße vorhanden. Dadurch soll die Versorgung mit den handgemachten Bierspezialitäten, hergestellt auf höchstem Niveau, bald flächendeckend möglich sein.“
Es ist doch immer wieder interessant, wie die deutschen Kreativbrauer zu ihrem Beruf und damit zu ihrer Passion gekommen sind. So auch in diesem Fall. Mathias Lottes war Verkehrspilot und flog acht Jahre durch die ganze Welt. Von seinen Reisen brachte er seinen Freunden häufig besondere Biere mit. Es war da nur eine Frage der Zeit, bis die Frage aufkam, weshalb es so etwas hier nicht gibt. Daher begann er als Hobbybrauer. Weil von dem Bier aber fast nie etwas übrigblieb (schließlich wollten alle etwas abhaben), beschloss er, alles eine Nummer größer zu machen. Er holte Braumeister Florian Ceppa dazu und nun brauen die beiden in Gilching ihre neun kreativen Biere. Von diesen Bieren steht jetzt das Sud Terrain vor mir, von dem die Brauer sagen, dass es im Stil eines Kölsch gebraut sei (Kölsch dürfen die beiden das Bier nicht nennen, da der Name dieses Bierstils von den Brauern in Köln geschützt ist und Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf).
Beer, Food, Music und Art sind die vier Schlagworte kommenden Samstag im Wiener WUK, wo unter der Schirmherrschaft der BeerLovers das erste Craft Village stattfinden wird. Das Format soll eine eintägige gemütliche Genussparty mit Anspruch werden!
Jetzt steht mal wieder ein Fernsehbier vor mir, diesmal aus Sachsen. Es handelt sich um das Wernesgrüner Pils, das die Brauerei vollmundig als Legende vermarktet.
Wenn Sie annehmen, dass das Allgäuer Heubier aus Bayern kommt, ist diese Annahme zwar nachvollziehbar aber falsch. Tatsächlich kommt das Allgäuer Heubier aus der Klosterbrauerei im brandenburgischen Neuzelle. Seit dem Jahr 2014 überrascht die kleine Brauerei nahe der Grenze zu Polen mit dieser Bierspezialität. Grundlage ist ein Pils, das mit Heuextrakt aufgewertet wird.
Die Firma Wolfscraft aus Freising hat es sich zur Aufgabe gesetzt, traditionelle Bierstile modern zu interpretieren und dabei die Biere so gut wie möglich zu gestalten. Das haben sie auch mit dem Pils gemacht und so steht jetzt das Frisch-Pils vor mir. Ich vermute jetzt mal, dass es erheblich schwieriger ist, einen Bierstil zu brauen, der den Konsumenten seit Jahrzehnten bekannt ist und diesen Bierstil dabei so zu verbessern, dass die Konsumenten das Ergebnis als besser erkennen, als einen Bierstil zu brauen, der in Deutschland bis vor einigen Jahren nicht bekannt war. Ich will jetzt testen, ob die Freisinger bei ihrem Pilsener ihre selbst gestellten Kriterien erfüllt haben.