Archiv der Kategorie: Craft Beer

St. Erhard Saison

Saison, auch Farmhouse Ale genannt, ist ein traditioneller belgischer Bierstil, der früher auch wirklich nur saisonal gebraut wurde, um die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft mit Bier zu versorgen. Heute braut St. Erhard das Bier aber ganzjährig und jetzt steht dieses Bier vor mir.

Rubinrot und hefetrüb ist das Bier mit recht wenig grobporigem Schaum, der auch relativ schnell in sich zusammenfällt.

Bereits das Aroma ist komplex und betörend. Ich rieche Karamell und viele fruchtige Aromen nach Trockenpflaumen und Banane, dazu Schokolade. Außerdem ist das Aroma recht süß, fast wie ein guter Kräuterlikör. Das macht schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Wie erwartet ist der Antrunk süß, aber die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt für einige Frische. Aber das ist erst der Anfang und das Bier steigert sich noch. Intensiv und ausgewogen ist es, das Malz kommt weiter in den Vordergrund und bringt eine gute Portion Geschmack nach Whisky mit sich. Das ist mit Sicherheit kein Bier, das man sich „einfach hinter die Binde kippen“ kann. Dieses Bier genieße ich mit jedem Schluck. Der Abgang ist dann bitter und süß und er klingt mittellang nach.

Dieses Bier erinnert wirklich an Belgien und ich kann kaum glauben, dass es aus Franken stammt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Tennenmalz dunkel, belgische Karamellmalze), Weizenmalz, (Weizenbraumalz, Weizenkaramellmalz), Hopfen (Hallertauer Tradition, Nelson Sauvin, Hallertau Blanc, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Rittmayer Hallerndorf GmbH & Co. KG
An der Mark 1
91352 Hallerndorf

Für
St. Erhard GmbH
96052 Bamberg
www.st-erhard.com

DIE BIEROTHEK

Walter’s India Pale Ale

Jetzt steht nach längerer Zeit mal wieder ein Bier aus der kleinen Brauerei Walter Bräu aus Wesel am Niederrhein vor mir. Diese Brauerei hat eine Besonderheit. Kleine Brauereien gibt es inzwischen viele, das ist mittlerweile nichts Besonderes mehr. Dass auch kleine Brauereien ihr Bier über eine eigene Brauereigaststätte verkaufen ist auch eher die Regel als die Ausnahme und Walter Bräu bildet da keine Ausnahme. Dass in den meisten Brauereigaststätten ein gutes wenn auch sehr fleischlastiges Essen serviert wird, ist allgemein bekannt. Die Besonderheit der Brauereigaststätte von Walter Bräu ist aber, dass Sie Ihre Mahlzeit auch selbst mitbringen und in der Gaststätte verzehren können. Das kennen Sie auch aus traditionellen Biergärten in Bayern? OK, aber bei Walter Bräu erhalten Sie zu Ihrem mitgebrachten Essen noch Teller und Besteck. Auch einen Grill, ein Raclette oder einen heißen Stein können Sie dort mieten, um Ihre mitgebrachten Speisen fertigzustellen. Sie werden zugeben, dass das eine Besonderheit ist. Aber hier wollen wir uns nicht länger mit der Gaststätte aufhalten, sondern wir kommen nun endlich zum Bier.

Während die bisherigen Biere aus Wesel in traditionellen Bierstilen gebraut waren, gibt es heute ein Bier in einem zumindest für Deutschland neuen Bierstil, das India Pale Ale. Das Etikett verrät, dass für dieses Bier vier verschiedene Hopfen verwendet wurden; ansonsten enthält das Etikett keine Informationen über das Bier. Kommen wir also zum Einschenken.

Bernsteinfarben und hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber sehr viel feinporiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird wie für ein IPA typisch durch Zitrusnoten bestimmt. Ich rieche Blutorange, Zitronenschalen und Holunderblüten. Als ausgesprochen positiv empfinde ich, dass auch die Aromen des Malzes noch leicht durchkommen. Dadurch wird die Nase wunderbar komplex.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig. Schnell kommen zunächst die Fruchtnoten zum Vorschein, die schnell durch ein kräftiges Bitter abgelöst werden. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich eher Bittermandel oder Bitterorange schmecke. Der Abgang ist freundlich bitter und klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Walter Bräu Büderich
Perricher Weg 54c
46487 Wesel
www.walterbrau.de

NBG India Pale Ale

NBG ist offensichtlich eine Abkürzung, in diesem Fall sogar doppelt. NBG ist eine geläufige Abkürzung für Nürnberg, aber auch für „New Beer Generation“, zwei Amerikaner, die mit nach amerikanischen Rezepten gebrautem Bier von Nürnberg aus die deutsche Bierwelt erobern wollen. Allerdings brauen sie nicht selbst, sondern in der Brauerei Binkert in Breitengüßbach. Ich bin mir nicht sicher, ob Deutschlands Bierkultur unbedingt Entwicklungshilfe aus den USA nötig hat, aber Vielfalt kann ja nie schaden. Egal, jetzt geht es erst einmal um das NBG IPA.

Das Etikett ist nicht sonderlich aussagekräftig. Die Entstehungsgeschichte des IPA wird wieder einmal neu durchgekaut, die Brauer verraten, dass sie sich ans deutsche Reinheitsgebot halten, und das war es im Wesentlichen auch schon. Nicht einmal, dass NBG seinen Sitz in der Bismarckstraße in Nürnberg hat, wird verraten, genau wie auf dem Etikett die Website des Unternehmens verheimlicht wird. Ich denke einmal, dass für die nächste Auflage der Etiketten die Beschriftung überarbeitet werden sollte. Aber kommen wir endlich zum Wesentlichen, zum Bier.

Goldgelb und leicht hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas, darüber viel weißer feinporiger Schaum mit guter Standfestigkeit. Optisch ist an dem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Auch das Aroma ist vielversprechend. Ich rieche Zitrusfrüchte, Ananas und Holunderblüte. Die Düfte gefallen mir, auch wenn für meinen Geschmack zur Perfektion noch etwas Karamell des Malzes fehlt. Aber das ist mein persönlicher Geschmack und jeder kann das anders empfinden.

Der Antrunk ist leicht süß und fruchtig und ich stelle die sehr feinperlige Kohlensäure fest. Mich wundert etwas, dass ich jetzt zumindest schwach die das Malz schmecken kann, obwohl es im Aroma nicht festzustellen war. Schnell schlagen dann die Bitterstoffe zu, was bei 50 IBU kein Wunder ist. Dadurch wird die Fruchtigkeit etwas in den Hintergrund gedrängt. Mich überrascht, dass der Abgang dann milder und freundlicher wird. Das trockene Bitter klingt auch recht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Hallertau Mittelfrüh, Columbus, Cascade, Comet), Hefe

Alkoholgehalt:

6,1 % Vol.

Bittereinheiten:

50 IBU

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidla.de

Gebraut für:

New Beer Generation
Bismarckstr. 45c
90491 Nürnberg
www.newbeergeneration.de

DIE BIEROTHEK

Camba EI PI AI

Nun habe ich ein IPA aus der Brauerei Camba in Truchtlaching im Landkreis Traunstein in Oberbayern vor mir stehen. Ich kenne die Brauerei nicht näher, aber es fällt mir auf, dass dort etwa 40 Biersorten gebraut werden. Das ist schon eine erstaunliche Menge, die ich ansonsten bislang nur noch in der Klosterbrauerei in Neuzelle gefunden habe.

Das Ei Pi AI, das ich jetzt vor mir stehen habe, ist bereits dreimal beim Meiningers International Craft Beer Award ausgezeichnet worden, im Jahr 2014 mit Gold sowie 2015 und 2016 mit Silber. Wir können also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass es sich hier um ein besonderes Bier handelt.

Golden mit einem leichten Rotstich und hefetrüb steht das obergärige Bier im Glas. Darüber eine sehr schöne große weiße und feinporige Schaumkrone, die auch lange stehen bleibt. Von der Optik bin ich schon mal begeistert.

Das Aroma ist sehr angenehm. Ich rieche Düfte nach Zitronenschale, Orange, und Holunderblüte. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Karamell.

Der Antrunk ist angenehm süß und es zeigt sich, dass das Bier eine sehr feinperlige Kohlensäure enthält. Dann ist das Bier zunächst sehr fruchtig, mit einem eindeutigen Fokus auf Orangen, bevor mit Macht das Bittere die Oberhand gewinnt. Der Abgang ist freundlich bitter und mit langem Nachklang. Das EI PI AI ist ein Bier, das man unbedingt getrunken haben sollte.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen (Centinnial, Cascade, Chinook, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

17,5 %

IBU:

62

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Mühlweg 2
83376 Truchtlaching
www.camba-bavaria.de

Main Seidla Summer Ale

Ein Bier aus Breitengüßbach. Da muss ich erst einmal nachsehen, wo Breitengüßbach überhaupt liegt. Auf der Karte finde ich den Ort im Landkreis Bamberg in Oberfranken. Dann wird das Bier vermutlich gut sein, denn die Franken kennen sich mit Bier ja nun wirklich aus. Ob das auch für ein IPA gilt werde ich gleich wissen.

Auch wenn Franken eine lange Brautradition hat, gilt dies nicht für die Brauerei Main Seidla. Sie wurde erst im Jahr 2012 anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Breitengüßbach gegründet. Aber trotzdem hat die Brauerei eine Tradition wiederbelebt, die fast eineinhalb Jahrhunderte nicht mehr fortgeführt worden war: Bis ins Jahr 1870 war Breitengüßbach ein Hopfenanbaugebiet. Jetzt wird auf dem Brauereigelände wieder Hopfen angebaut, aus dem einmal im Jahr ein Jahrgangsbier gebraut wird. Das muss zwar nicht zwangsweise das Summer Ale besser machen, aber nach meiner Erfahrung wird in Brauereien, die sich nicht auf das reine Brauen beschränken, in vielen Fällen ein besseres Bier gebraut. Das ist dann das Herzblut, das auch der Konsument im Bier bemerken kann. Daher will ich jetzt auch nicht mehr auf die Verkostung warten und öffne die Flasche.

Als erstes fällt mir beim Einschenken auf, dass sich extrem viel weißer gemischtporiger Schaum bildet, der langsam in sich zusammenfällt. Da hätte ich das Glas wohl besser schräggehalten, aber mit so viel Schaum hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber der Schaum ist ja auch absolut kein Nachteil.

Das Aroma ist betörend fruchtig. Ananas, Mango und Zitrusfrüchte steigen mir in die Nase. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist spritzig und leicht süß. Als sich das Bier im Mund verteilt übernimmt ein freundliches Bitter die Oberhand, unterstützt durch fruchtige Noten nach Bitterorange und Zitrone. Der Abgang klingt lange nach.

Auch wenn das Bier nicht als IPA angeboten wird und auch Unterschiede zu einem IPA nicht abzustreiten sind, ordne ich es hier als IPA ein. Würde ich für jeden der mehrere Hundert vorhandenen Bierstile ein eigenes Stichwort verwenden würde, wäre die Stichwortwolke vollkommen unübersichtlich. Das Summer Ale ist weniger bitter als ein IPA, dafür aber frischer. So rettet die Brauerei einen Teil des Sommers in den Winter hinüber.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Cascade, Hallertauer Mittelfrüh, Herkules), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidl.de

Riedenburger Doldenbock

Nun steht mal wieder ein Bier aus Riedenburg im Altmühltal vor mir, ein Weizenbock namens Doldenbock mit 7,9 % Vol. Alkohol. Das Rückenetikett verspricht viel: Ein Doppelbock, doppelt mit Hopfen gestopft. Dazu noch ein Weizenbock und das Ganze unfiltriert und aus Bioland-Anbau. Irgendwie habe ich den Eindruck, das Team des Riedenburger Brauhauses, das im letzten Jahr sein 150jähriges Jubiläum feierte, wollten mit diesem Bier das deutsche Reinheitsgebot mal so richtig ausreizen. Mal sehen, was dabei rausgekommen ist.

Den Doldenbock dürfen wir auch nicht mit dem Doldensud verwechseln, der aus der gleichen Brauerei stammt. Hier noch kurz die Prosa, mit der die Brauerei uns den Doldenbock auf dem Rückenetikett der Flasche schmackhaft machen will: „Er ist stark. Er ist mächtig. Er ist kraftvoll. Ein Naturbursche. Bevor du diesen Bock herausforderst, sei ehrlich zu dir selbst und frag dich, ob du stark genug bist. Er ist kein einfacher Bock. Er ist doppelbockig. Er ist heimtückisch. Er kommt mit seiner Hopfennote und frisch und leicht daher. Blumige Noten steigen in die Nase. Und dann nimmt er dich auf die Hörner mit seinen potenten 7,9 % Volumen. Bezwing den Bock. Und wenn du ganz stark bist – auch zwei.

Mit diesen Worten hat die Brauerei mich überzeugt, die Flasche zu kaufen. Jetzt ist es aber endlich an der Zeit, sie zu öffnen und den Bock in die Freiheit zu entlassen.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich der Bock im Glas. Darüber bildet sich recht viel feinporiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Gegen die Optik ist jedenfalls nichts zu sagen.

Das Aroma ist fruchtig. Ich rieche Banane, Zitrusfrüchte, Karamell und auch etwas Würziges. Ich kann es nicht genau identifizieren, es könnten aber Düfte von Pfeffer und Nelken dabei sein.

Der Antrunk ist so süß, wie ich es von einem Bockbier erwarte, dabei aber prickelnd und frisch wie ein gutes Weizenbier. Bis hierhin ist das Bier einfach perfekt. Der Körper ist vollmundig mit Geschmäckern nach Melone und überreifen Bananen. Dazu kommt die Süße des Malzes, abgerundet mit Trockenfrüchten. Der Abgang ist nur wenig bitter, da hätte ich mehr erwartet. Aber zumindest klingt er einige Zeit nach.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich dieses Bier bewerten soll. Einerseits ist es gut ausgewogen, aber es hat so viele Geschmacksnuancen, so dass ich den Eindruck habe, dass es irgendwie überladen ist. Aber auf jeden Fall ist es ein spannendes Bier.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:

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Hooky Gold

Und nun mal wieder ein englisches Bier. Das Hooky Gold aus der Brauerei im englischen Hook Norton ist dreimal ausgezeichnet worden, 2012 bei den SIBA Midlands mit Gold und bei der International Beer Challenge 2015 und 2016 jeweils mit Bronze. Ich kann also ein recht gutes Bier erwarten.

Bernsteinfarben und leicht trüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine gute Menge weißer Schaum. Er ist zwar recht grobporig, fällt aber trotzdem recht langsam in sich zusammen. Mir fällt auf, dass keinerlei Kohlensäure zu sehen ist.

Das Aroma ist deutlich geringer als bei den meisten anderen Craft Beers. Es ist unaufgeregt, aber angenehm. Die fruchtigen Düfte von Südfruchten, nach Mango und Ananas, verbinden sich mit den milden Aromen hellen Malzes. Das kann man so lassen.

Der Antrunk zeigt, dass im Bier praktisch keine Kohlensäure gelöst ist. Trotzdem wirkt das Bier nicht abgestanden, sondern mit der angenehmen Süße macht es eher einen frischen Eindruck. Trotzdem würde ich mir spontan etwas mehr Kohlensäure wünschen. Im Körper tritt die Süße in den Hintergrund und macht einer recht intensiven Bitterkeit Platz. Auf mich wirkt das Bier nicht wirklich ausgewogen. Der Abgang ist in der Kehle überraschend neutral, aber das Bittere auf der Zunge klingt noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Malz (Maris Otter, Pale Ale), Hopfen (Fuggles, Goldings Williamette), Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Brauerei:

The Hook Norton Brewery Co Ltd
Brewery Lane
OX15 5NY Hook Norton
Großbritannien
www.hooky.co.uk

Spezial Rauchbier Lager

Jetzt steht eine Bierspezialität aus Bamberg vor mir, das Spezial Rauchbier Lager. Als erstes fällt mir auf dem nostalgisch gestalteten Etikett auf, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum offensichtlich von Hand gestempelt ist. Wenn diese zeitaufwändige Arbeit von Hand gemacht wird, muss es sich wohl um eine recht kleine Brauerei handeln. Eine kurze Recherche im Internet bestätigt diese Vermutung: die Brauerei stellt im Jahr nur etwa 6000 Hektoliter Bier her. Und noch mehr – die Brauerei liefert ihr Bier nur im Umkreis von 15 Kilometern rund um die Brauerei aus. Eine kleine traditionale Brauerei (sie wurde im Jahr 1536 erstmals urkundlich erwähnt) mit regionalen Bieren – das gefällt mir schon mal. Die Brauerei stellt insgesamt fünf unterschiedliche Biere her, von denen nur das Ungespundene ohne Rauchmalz gebraut wird.

Dass ich jetzt ein Rauchbier vor mir stehen habe ist nicht die einzige Besonderheit dieser Brauerei. Dazu kommt noch die ungewöhnliche Produktionstiefe der Brauerei. Sie gehört zu den wenigen Brauereien, die noch selbst mälzen. Das ist zwar kein absolutes Alleinstellungsmerkmal, aber ungewöhnlich ist das in der heutigen Zeit schon.

Ich bin schon einmal gefragt worden, wie denn der Rauch ins Bier kommt. Schließlich lässt sich das Bier nicht wie ein Schinken an den Haken und in den Rauch hängen. Die Antwort ist einfach: das Malz wird über Buchenholz gedarrt und nimmt dabei den Geschmack des Rauchs an. Vor der Einführung des Darrens mit Kohle oder Öl war die Arbeit mit Holz der Regelfall, weshalb vor der Industrialisierung vermutlich alle Biere einen mehr oder weniger starken Rauchgeschmack aufgewiesen haben dürften. Ich denke daher mal, dass die Rauchbiere den ursprünglichen Bieren am nächsten kommen.

Das Bier hat aber noch eine weitere Besonderheit: Das Malz stammt aus der Region und das Getreide wird biologisch angebaut. Der Hopfen stammt nur teilweise aus biologischem Anbau, weshalb das Bier kein Biobier ist. Aber ist es ein Craft Beer? Es wird traditionell und handwerklich hergestellt. Dabei werden keine Extrakte oder Auszüge verwendet und die Brauerei gehört keinem Konzern an. Es handelt sich also eindeutig um ein Craft Beer. Jetzt wird es aber langsam Zeit, das Bier zu verkosten.

Bernstein- bis cognacfarben steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel weißer feinporiger Schaum, der recht langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch den Rauch bestimmt, wobei er nicht so kräftig ist, dass er alles andere übertönt, wie ich es bei anderen Rauchbieren erlebt habe. Hier kommen noch Düfte nach Karamell sowie Frucht- und Gewürzaromen dazu. Der Nase gefällt das Bier schon mal.

Der Antrunk ist – irgendwie nichtssagend. Lediglich der Geschmack des Rauchs breitet sich sofort im gesamten Mund aus. Aber das Bier ist durchaus steigerungsfähig. Während sich das Bier im Mund ausbreitet lässt der Raucheindruck etwas nach und macht einem immer noch rauchigen, aber auch würzigen Geschmack Platz. Dazu kommt jetzt eine angenehme fruchtige Süße. Der Rauchgeschmack ist nicht zu kräftig wie ich es bei anderen Rauchbieren erlebt habe, sondern eher dezent und er unterstützt die anderen Geschmacksnuancen hervorragend. Der Abgang ist dann überraschend mild und trotzdem hält er lange an.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol. (auf der Website der Brauerei werden 4,7 % Vol. angegeben, was darauf hinweisen kann, dass Alkoholgehalt und Stammwürze von Sud zu Sud unterschiedlich sein könnten)

Stammwürze:

12,0 %

Brauerei:

Brauerei Spezial
Obere Königstr. 10
96052 Bamberg
www.brauerei-spezial.de

Biershop Bayern

DIE BIEROTHEK  

Broughton 6.2 I.P.A.

Großbritannien ist nicht unbedingt für kulinarische Höchstleistungen bekannt, zumindest was Speisen angeht. Ich finde es erstaunlich, dass trotzdem sehr gute Biere von der Insel kommen. Vor mir steht jetzt ein IPA aus Schottland und wartet darauf, dass ich sie verkoste. Es handelt sich um das Broughton 6.2 I.P.A., das seit dem Jahr 2014 gebraut wird.

Das Bier ist bernsteinfarben mit einem deutlichen Rotstich und enthält viel Kohlensäure. Übe dem Bier bildet sich viel fein- bis mittelporiger weißer Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Orangenschale, Ananas und Zitrus. Dabei ist der Duft nicht so intensiv wie bei vielen anderen IPAs, was ein gut trinkbares Bier verspricht.

Wie das Aroma bereits versprochen hat, ist der Antrunk spritzig und frisch. Der Körper ist fruchtig. Ich schmecke Südfrüchte. Dabei enthält das Broughton für ein IPA recht wenig Bitterstoffe, sondern die Fruchtigkeit steht im Vordergrund. Erst im Abgang zeigt sich ein kurzes und heftiges Bitter, dem ein langer milder Nachklang folgt.

Wenn Ihnen die IPAs in der Regel zu bitter sind, Sie aber die Fruchtigkeit mögen, sind Sie mit diesem Bier sicher gut bedient.

Zutaten:

Wasser, Pale Malt Crystal Malt), Hopfen (Columbus, Cascade, Pacific Jade, Chinook), Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Bittereinheiten:

67 IBU

Brauerei:

Broughton Ales Ltd.
Main Street
Broughton Village
126HQ Biggar
www.broughtonales.co.uk

St. Erhard Farmer

Lange hatte ich kein Bier aus Franken mehr vor mir, das St. Erhard Farmer aus der 2011 gegründeten Brauerei St. Erhard in Bamberg. Auf der Flasche wird erklärt, wie es zum Namen Farmer kam:

„Das St. Erhard Farmer, unser Farmhouse IPA, ist ein Crossover-Bierstil, der den typisch belgischen Charakter eines Farmhouse Ales mit der belebenden Fruchtigkeit eines California IPAs kombiniert. Die Verwendung von zwölf verschiedenen Spezialmalzen, welche einen kräftig malzigen Körper erzeugen, macht diese Bierkreation zu einem vollmundigen Farmhouse IPA.“

Mit diesem Bier hat die junge Brauerei einige Erfolge zu verbuchen. Sie war nicht nur die erste Brauerei, die mit diesem Bier auf dem indischen Markt aktiv wurde, sondern sie exportiert auch in andere Länder Asiens und hat auch auf dem deutschen Heimatmarkt einiges Aufsehen erregt. Jetzt will ich testen, ob diese Erfolge zu Recht erzielt wurden.

In der Farbe von dunklem Bernstein und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich wenig beiger mittelporiger Schaum, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Ich glaube, ich habe noch kein anderes Bier verkostet, das ein so komplexes Aromaprofil aufweist. Dafür sorgen zwölf Malz- und fünf Hopfensorten. Gut kommen die Malzaromen zum Vorschein, Karamell ist deutlich zu riechen. Dazu kommen die fruchtigen Hopfenaromen. Das Bier duftet nach Zitrusfrüchten und Ananas. Dazu kommen noch viele andere Duftnoten, die ich in ihrer Komplexität aber nicht identifizieren kann. Da jede Nase auf andere Aromen reagiert, ist es gut möglich, dass Sie auch andere Düfte identifizieren. Der Duft macht richtig Lust auf den ersten Schluck und mir kommt spontan der Gedanke, dass ich, wenn der Geschmack so gut ist wie das Aroma, mein neues Lieblingsbier gefunden habe.

Der Antrunk ist relativ süß und ich stelle fest, dass das Bier relativ wenig Kohlensäure enthält. Etwas mehr Prickeln würde dem Bier sicher guttun. Aber sonst kann ich an diesem Bier nichts aussetzen. Der Körper ist angenehm bitter und es mischt sich der Geschmack von Schokolade mit dem einer Grapefruit. Abgerundet wird der Geschmack durch die Süße der Malzsorten. Der Abgang ist von mittlerer Bitterkeit und er klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Tennenmalz Dunkel, Belgische Karamellmalze)
Weizenmalz (Weizenbraumalz, Weizenkaramellmalz)
Hopfen (Hallertauer Tradition, Equinox, Vic Secret, Mosaic, Cascade)
Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 %

Gebraut für:

St. Erhard GmbH
Hafenstr. 13
96052 Bamberg
www.st-erhard.com

DIE BIEROTHEK