Im April 2014 eröffneten Biersommelier Alexander Herold und Diplom-Braumeister Kolja Gigla in der hannoverschen Südstadt das Craft Beer Kontor mit angeschlossener Mikrobrauerei. Das Unternehmen nannten sie Mashsee. Das erste Bier, das auf der kleinen Brauanlage entstand, war ein Lager und da es sich quasi noch um ein Übungsbier handelte, lag der Name Trainingslager eigentlich auf der Hand. Und nein, ich versuche jetzt nicht krampfhaft witzig zu sein und das Trainingslager irgendwie mit dem Fußball zu verknüpfen. Ich werde auch keine dummen Scherze über ein Erstlingswerk reißen, sondern ich werde mich bemühen, das Bier wie jedes andere zu verkosten.
Gegen die Optik ist auf jeden Fall schon mal nichts zu sagen. In einem wunderbaren Bernstein und mit einer leichten Hefetrübung präsentiert sich das Trainingslager im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Krone aus einem weitgehend feinporigen Schaum mit leichtem Gelbstich, der lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich viel feinperlige Kohlensäure.
Das Aroma ist frisch und überzeugt mit den Düften von Grapefruit, Maracuja und Birne. Doch, das macht Lust auf den ersten Schluck.
Der Antrunk ist leicht süß und angenehm. Überhaupt macht das Bier ein wunderbar samtiges Mundgefühl. Sobald das Bier die Mitte der Zunge erreicht hat, gesellt sich ein freundliches und fruchtiges Bitter zur Süße dazu und jetzt spiegelt sich auch die Birne im Geschmack wider, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Der Abgang ist leicht herb, dabei aber nicht so bitter wie ich es erwartet hätte. Dafür klingt er aber sehr lange nach.
Das Trainingslager ist ein modernes Lager, das sich wohl gerade jetzt zur Muschelzeit anbietet.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz (Carapils, Carared, Melanoidin Malz, Böhmisches Tennenmalz), Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
5,5 % Vol.
Stammwürze:
12° Plato
Bittereinheiten:
36 IBU
Brauerei:
Mashsee Brauerei GmbH & Co. KG
Am Eisenwerk 17
30519 Hannover
www.mashsee.de

Alkoholfreie Craft-Biere sind noch selten. Ich habe den Eindruck, dass es am Einfachsten ist, ein IPA alkoholfrei zu brauen. Immerhin habe ich jetzt schon das dritte alkoholfreie IPA vor mir stehen, das FreIPA aus dem Brauhaus Nittenau. Auf dem Rückenetikett ist auch noch eine Geschichte zur Geburtsstunde des FreIPAs ausgedruckt: „Jean-Pièrre ist Franzose, leidenschaftlicher Biertrinker und Hobbybrauer. In seinem Beruf als Chauffeur lässt es sich mit seinem cholerischen Chef Monsieur Rigoureux nicht gut Bierchen trinken. Eines Nachts chauffierte er die hübsche Biologin Heidi Huber aus Berlin auf einen Kongress nach Paris. Nach einer stundenlangen Fahrt mit aufgeregter Unterhaltung verriet sie Ihm ein Geheimnis. Zum Abschied bekam Jean-Pièrre von seinem Passagier ein kleines Fläschchen eines geheimen Bierhefestammes geschenkt. Mit diesem schaffte er es ein einzigartiges leckeres Bier, frei von Alkohol, zu brauen.“ Ob die Geschichte nun stimmt oder nicht ist mir nicht bekannt, aber auf jeden Fall ist sie schön zu lesen. Kommen wir nun aber zum Bier:
Der Versandhändler bierselect.de hat auf seiner Website einmal die Zukunftspläne der Inhaber der kleinen Brauerei im Hafen von Neustadt beschrieben: „Die Inhaber der Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG planen Großes für die Zukunft. Aus dem kleinen Familienunternehmen, gegründet von Jutta und Detlev Klüver, ist mittlerweile ein regionaler Wirtschaftsfaktor geworden, der ca. 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aus einer lokalen Brauerei soll bald schon eine regionale Brauerei werden. Seit 2013 sind sowohl die benötigten Kapazitäten als auch eine eigene Etikettierstraße vorhanden. Dadurch soll die Versorgung mit den handgemachten Bierspezialitäten, hergestellt auf höchstem Niveau, bald flächendeckend möglich sein.“
Es ist doch immer wieder interessant, wie die deutschen Kreativbrauer zu ihrem Beruf und damit zu ihrer Passion gekommen sind. So auch in diesem Fall. Mathias Lottes war Verkehrspilot und flog acht Jahre durch die ganze Welt. Von seinen Reisen brachte er seinen Freunden häufig besondere Biere mit. Es war da nur eine Frage der Zeit, bis die Frage aufkam, weshalb es so etwas hier nicht gibt. Daher begann er als Hobbybrauer. Weil von dem Bier aber fast nie etwas übrigblieb (schließlich wollten alle etwas abhaben), beschloss er, alles eine Nummer größer zu machen. Er holte Braumeister Florian Ceppa dazu und nun brauen die beiden in Gilching ihre neun kreativen Biere. Von diesen Bieren steht jetzt das Sud Terrain vor mir, von dem die Brauer sagen, dass es im Stil eines Kölsch gebraut sei (Kölsch dürfen die beiden das Bier nicht nennen, da der Name dieses Bierstils von den Brauern in Köln geschützt ist und Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf).
Weshalb heißt ein Bier Imperial Stout und aus welchem Grund ist das Etikett so nostalgisch gestaltet? Beide Fragen beantwortet die Brauerei auf ihrer Website: „Das Imperial Stout verdankt seinen Namen dem kaiserlichen Winterpalast, dem „Imperial Winter Palace“ der russischen Zarin, Katharina der Großen. Ende des 18. Jahrhunderts wollten Londoner Brauereien „Eindruck schinden“ und schickten ihre obergärige Starkbier-Version eines Englischen Stouts nach St. Petersburg, um die Zarin zu beeindrucken – ihr sollten die langen, dunklen Wintertage erträglicher gemacht werden und der Überlieferung zufolge, hat dieses hocharomatische Bier, das auf jedem Gaumen ein geschmackliches Feuerwerk abbrennt, wie eine „Bombe eingeschlagen“ und wurde zum Hof-Bier des Zarenhauses. Das „Bavarias Best“ Imperial Stout, gebraut aus erlesenen, ausgesuchten Rohstoffen, vermag auch die eisigste Kälte zu vertreiben.“
Nun steht ein IPA aus der Mikrobrauerei Red Castle Brew in Gräfenberg vor mir. Ursprünglich befand sich die Brauerei im Roten Schloss in Heroldsberg in der Nähe von Nürnberg. Daher stammt auch der Name.
Auf dieses Bier bin ich wirklich gespannt. Als Bierstil wird „Belgian North Sea Beer“ angegeben. Und tatsächlich, in der Zutatenliste wird auch Brausalz angegeben. Da mir Brausalz nicht bekannt war, habe ich erst einmal im Internet danach gesucht. Ein Händler beschreibt die Verwendung einer Brausalzlösung wie folgt: „Lösung von natürlich-reinem Kalziumchlorid (E509) enthält 33% Kalziumchlorid. Das Brausalz wird in die Maische gegeben. Die Chloride geben dem Bier einen weicheren, volleren und süßeren Geschmack. Das Kalzium fördert die Ausflockung der Eiweiße und trägt zur Geschmacksstabilisierung bei.“ Nachdem das jetzt geklärt ist, kann ich ja die Flasche öffnen und mir das Bier einschenken.
Lange Zeit war das Rauchbier beinahe ausgestorben. Lediglich einige Brauereien in Bamberg hielten die Fahne dieses Traditionsbieres noch hoch. Erst mit dem Aufkommen der Craft Beer-Brauer kamen neue Rauchbiere auf den Markt. So auch das Röker aus Klüvers Delikatessen Manufaktur in Neustadt/Holstein, das jetzt vor mir steht. Die Brauerei beschreibt das Bier wie folgt: „Während des Mälzens wird das Malz abschliessend über Buchenrauch auf der Darre getrocknet. Dadurch nimmt das Malz die Aromen und den Geschmack des rauchenden Buchenholzes auf und verleiht dem Klüvers Röker so seinen interessanten Charakter. Nach unserer Rezeptur verwenden wir 40% dieses Rauch-Malzes.“ Dann wollen wir doch mal sehen, ob die Nordlichter auch das Rauchbier brauen können.
Wenn zwei Craft-Brauereien sich zu einem Collaboration-Brew zusammenfinden, bringen sie meist das Beste aus beiden Brauereien zusammen und dementsprechend gut sind auch die Biere, die dabei entstehen. Aber wie sieht es bei einem Collaboration-Brew zwischen einer Brauerei und einer Heavy Metal-Band aus? Das will ich heute herausfinden. Für das Iron Maiden Trooper haben sich die Robinsons Brewery im englischen Stockport und Bruce Dickinson, der Sänger von Iron Maiden, zusammengetan. Die Brauerei beschreibt das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wie folgt: Trooper ist ein britisches Premiumbier, das durch Iron Maiden inspiriert und in der Robinsons Brewery handwerklich gebraut wurde. Malzaromen und Zitrusnoten aus einer einmaligen Mischung der Hopfensorten Bobec, Goldings und Cascade dominieren dieses tiefgoldene Ale mit einem Hauch Limone. Mal sehen, wie mir dieses Bier mundet.
AB InBev ist für viele Bierliebhaber die Hassfigur. Teilweise kann ich das auch verstehen. Insbesondere wenn dieses Unternehmen eine große Brauerei aufgekauft hat, soll die Qualität der Biere wohl gesunken sein. Ich erinnere mich an einen Fernsehbericht, in dem mehrere ehemalige Betriebsräte von Becks erklärt haben, dass das Hopfenaroma des in Bremen hergestellten Bieres im Gegensatz zu früher heute kaum noch wahrnehmbar sei. Aber das ist nicht immer so bei AB InBev. Beispiele dafür sind Leffe und Hoegaarden, beides belgische Brauereien, die zum Konzern AB InBev gehören und deren Erzeugnisse in fast keinem guten Craft Beer-Laden fehlen. Jetzt steht das Hoegaarden Wit Blanche vor mir, ein Witbier und das Flaggschiff der Brauerei in der gleichnamigen Gemeinde im flämischen Teil von Belgien.