Das Bockbier gehört in Deutschland zu den beliebtesten Bierstilen und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die kleine aufstrebende Brauerei Eulchen aus dem rheinland-pfälzischen Mainz auch einen Doppelbock im Angebot haben. Eine Flasche steht jetzt vor mir und möchte gerne verkostet werden. Mache ich sie also auf und schenke ein.
Sehr dunkel mahagonifarben zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge hellbrauner größtenteils feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. An der Optik gibt es schon mal nichts auszusetzen.
Im Aroma mischen sich die Röststoffe des Malzes, die den Duft dunkler Schokolade beisteuern, mit vielen fruchtigen Noten des Hopfens, die Düfte nach Kirschen und roten Beeren beitragen. Der Duft zeigt bereits, dass das Bier recht viel Süße enthält.
Do ist es auch nicht verwunderlich, dass der Antrunk recht süß ist. Aus diesem Grund könnte die Kohlensäure auch etwas großzügiger dosiert erden. Aber das vollmundige Bier gefällt mir mit seinem vollmundigen Geschmack trotzdem von Beginn an. Sobald sich das Bier im Mund verteilt zeigt sich der Geschmack nach Marzipan, was zusammen mit dem sich auf der Zunge dezent widerspiegelnden Kirscharoma sehr apart ist. Im Abgang gesellt sich noch ein freundliches und sanftes Bitter mit durchschnittlichem Nachklang zur Fruchtigkeit.
Der Doppelbock von Eulchen ist ein wirklich angenehmes Bier, bei dem ich mich nur frage, weshalb es ausschließlich im Winter gebraut wird.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saphir), Hefe
Alkoholgehalt:
7,6 % Vol.
Stammwürze:
19,3 %
Brauerei:
Eulchen GmbH
Hindenburgstr. 7
55118 Mainz
www.eulchen-bier.de
Das Waldhaus Ohne Filter ist ein hefetrübes Kellerbier aus dem südlichen Teil des Schwarzwalds, das mit ganzem Doldenhopfen gebraut wird.
Der Name des Bieres, das jetzt vor mir steht, ist ziemlich retro, schließlich haben wir von Flower Power zuletzt in den 1960er Jahren gesprochen. Aber das war nicht die schlechteste Zeit. Auch die Gestaltung des Etiketts orientiert sich an dieser Zeit. Da bin ich ja mal auf das Bier gespannt.
Die Beschreibung, die die Brauerei für dieses Bier liefert, ist euphorisch: „Unsere untergärige Spezialität, für die man auch keinen Anlass zum Genießen braucht… Von allen Stimmungen unbeeindruckt bringt Sie meist einem Lächeln mit. Spätestens wenn sie den Gästen das erste Getränk serviert herrscht auch bei diesen ein zufriedenes Aufatmen. Sollte es dann noch ein wirklich gutes Bier sein wird aus einem langweiligen „Hallo“ ein fröhliches „Hell-Oohh“… wer kennt Sie nicht? Die Kellnerin des Vertrauens…. Prost.“
Horny Betty – das ist schon ein merkwürdiger Name für ein Bier. Horny bedeutet hornig, geil oder spitz. Welches dieser Adjektive auf dieses Bier zutrifft überlasse ich Ihrer Vorstellungskraft. Es stammt aus der Brauerei Gusswerk, die sich selbst als die österreichische Bio-Brauerei bezeichnet. Nun ist sie nicht die einzige Brauerei in Österreich, aus der Biobiere kommen, aber mehr als zwei Dutzend Biobiere aus einer Brauerei sind schon eine Seltenheit. Mal sehen, ob aus Hof in der Nähe von Salzburg nicht nur Masse, sondern aus Klasse kommt.
Eigentlich ist es mir ja vollkommen egal, ob mein Bier von einem Mann oder einer Frau gebraut wurde. Es kommt auf das Ergebnis an, das er oder sie abliefert, das Geschlecht ist mir genauso egal wie die Schuhgröße des Brauers. Aber in diesem Fall kann ich das Geschlecht nicht ignorieren. Das rosa Etikett passt zur ebenfalls rosa Fahne am Flaschenhals. Und die Website www.holladiebierfee.de befasst sich auch mehr mit den Frauen, die das Bier herstellen als mit dem Bier selbst. Ich persönlich finde es nicht so furchtbar ungewöhnlich, dass Frauen ein gutes Bier brauen können. Geschichtlich betrachtet war das Bierbrauen Frauensache und damit waren die Frauen die Begründer der Bierkultur in Deutschland. Kommen wir nun also zu dem Dinkel Ale, das die drei Brauerinnen ständig im Angebot haben.
Die Geschichte des Eulchens begann genau wie bei vielen anderen Craft Beer-Brauern: die beiden Kommunikationsdesignstudenten Philip Vogel und Leonidas Lazaridis begannen als Hobbybrauer und kamen irgendwann auf die Idee, das Bier auch zu verkaufen. 2013 suchten sie sich eine kleine Brauerei, in der sie nach ihren Vorstellungen 2000 Flaschen brauen ließen. Sie mieteten einen Pop-Up-Store und bereits nach einer Woche war der erste Sud ausverkauft. Und da das Bier weiterhin nachgefragt wurde machten sie weiter.
Die Brauerei beschreibt das Drunken Sailor so: „Weigh the Anchor, Hoist the Sails… Meterhohe Wellen, peitschender Wind. Das war das Leben der englischen Seefahrer, die den Auftrag hatten, Bier in die indische Kolonie zu bringen. Nur unendlich viel Hopfen und ein hoher Alkoholgehalt machten es haltbar für die gefährliche Reise. Drunken Sailor IPA bringt das Abenteuer und den kräftigen Geschmack ins 21. Jahrhundert… Ship Ahoy!“ OK, das war nicht unbedingt die Beschreibung des Drunken Sailor, sondern eher die Beschreibung der Entstehung dieses Bierstils. Ich finde die Formulierungen aber ganz gelungen. Wenn das Bier genauso gut ist, ist daran nichts auszusetzen.
Wieder einmal steht ein Craft Beer aus der Brauerei Glaabsbräu im hessischen Seligenstadt vor mir, das Tropic Thunder. Die Freien Brauer, ein Zusammenschluss von etwa 40 inhabergeführten Brauereien, beschreiben die Brauerei wie folgt: „Älteste Brauerei Südhessens und zugleich eine der modernsten Brauereien Deutschlands – das ist Glaabsbräu. Der Bierkultur ist Glaabsbräu seit mehr als 270 Jahren verpflichtet, dem Qualitätsanspruch, nur die besten und geschmackvollsten Biere zu brauen, ebenso. Sie wird in neunter Generation von Robert Glaab geführt und hebt sich durch ihre besondere Brau- und Rohstoffphilosophie gerade hervor. 2015 und 2017 hat Glaabsbräu wichtige strategische Meilensteine gesetzt. In 2015 wurde eine der modernsten Brauanlagen Deutschlands eingerichtet. Neben brauhandwerklichem Geschick und Liebe zum Detail ist damit eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, individuelle Biere auf höchstem Niveau zu brauen.“ Na, da soll kann ich mich doch wohl auf ein gutes Bier freuen.
Bei meinem letzten Besuch in Mainz ließ ich es mir selbstverständlich nicht nehmen, die vier Biere der jungen Brauerei Eulchen mitzunehmen. In der Nähe des betreibt das Unternehmen einen Kiosk, der, wenn ich mich richtig erinnere, hauptsächlich die Eulchen-Biere verkauft. Ich finde, das ist eine witzige Idee, auch wenn ich mich wundere, dass das sich wirtschaftlich rechnet. Auf der Website von Eulchen finden sich aber auch einige Bilder, die zeigen, dass dort im Sommer richtig was los ist.