Die beiden von Bier begeisterten Schwestern Stephanie und Kathrin Meyer haben das Hopfen Royal in der hauseigenen Spezialitäten-Brauerei gebraut, in der Brau-Manufactur Allgäu. Dafür verwenden sie ausschließlich regionale Rohstoffe.
Die kräftige dunkle Bernsteinfarbe spricht mich sofort an. Dazu die leichte Hefetrübe. Die reichlich vorhandene Kohlensäure sorgt für eine sehr schöne leicht elfenbeinfarbene gemischtporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Die Optik ist wirklich königlich.
Das intensive Aroma ist malzbetont und dabei doch fruchtig. Düfte nach Mango, Orange, Grapefruit und Waldhonig steigen mir in die Nase.
Der Antrunk enthält für ein Bockbier überraschend wenig Süße, aber er ist vom ersten Moment an angenehm und fruchtig. Der Geschmack von Pfirsich und Litschi verbindet sich mit dem von Grapefruit. Die Fruchtigkeit wird durch die ausgeprägten Malzaromen unterstützt. Dieser Bock wirkt dabei nicht schwer, sondern frisch und spritzig. Auch der Abgang wird durch die Fruchtigkeit geprägt. Die Bitterstoffe halten sich stiltypisch diskret im Hintergrund. Der Geschmack klingt mittellang nach.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Cascade), Hefe
Alkoholgehalt:
6,9 % Vol.
Stammwürze:
16° Plato
Brauerei:
Brau-Manufactur Allgäu
Hauptstr. 25
87484 Nesselwang
www.brau-manufactur-allgaeu.de
Bei meinem letzten Besuch in Hamburg war ich kurz in der Brauerei-Gaststätte von Überquell am Fischmarkt. Ich kann nur sagen, es lohnt sich. Es war herrliches Wetter, der Außenbereich mit dem Blick auf den Hamburger Hafen wirkt etwas improvisiert, ist aber perfekt professionell bewirtschaftet. Dazu die hervorragenden Biere – besser kann sich Hamburg nicht präsentieren.
Bockbier wurde in Einbeck „erfunden“ und war im Mittelalter ein Luxusartikel, der bis nach Bayern exportiert wurde. Die Brauerei Landgang aus Hamburg, ehemals als Hopper Bräu bekannt, ist der Meinung, dass es genug Oberklassenbrausen gibt und Bier allen gehören sollte. Deshalb wird dieses saisonal limitierte Starkbier aus Hamburg all denjenigen gewidmet, die Bock darauf haben und Spaß an komplexen Geschmäckern haben sowie etwas mehr Geschmack vertragen können. Dann will ich mal testen, ob die Hanseaten diesem Anspruch auch gerecht werden.
Craft Beer aus dem Allgäu? Ja, das geht, auch wenn viele bayrische Brauer dazu sagen: „So ein Schmarrn, bei uns heißt das Tradition“. Da ist durchaus etwas dran und der Übergang von traditionell gebrautem Bier und Craft Beer ist fließend. Aber es gibt doch noch Unterschiede zwischen einem (guten) Bier aus einer mittelständischen Brauerei auf der einen und einem Craft Beer auf der anderen Seite. Jetzt steht das Braukatz Pale Ale vor mir und ich will feststellen, wie gut dieses Bier gelungen ist. Vorher aber noch meinen Dank an die Post Brauerei in Nesselwang, die mir das Bier zugeschickt hat.
Das Buddelship HIgh on Rye ist ein traditionelles schottisches Bier, das mit Roggen eingebraut wird. Nicht nur die Blütezeit der Hanse, auch die der Heide verbindet Hamburg und Schottland – dieses Roggenbier ist mit beiden eng verwurzelt. Leider ist dieses Roggenbier nur saisonal verfügbar.
Fast jeder zweite Liter Bier, der in Deutschland verkauft wird, ist ein Pils. Vielen Menschen erscheint das Pils aber als recht langweilig, da ein Großteil des Bieres industriell hergestellt wird. Das Pils ist dann hell, klar, mehr oder weniger bitter. Das bedeutet nicht, dass diese Biere schlecht wären, aber sie sind sich so ähnlich, dass sie austauschbar sind. Wenn ich mich mit Craft Beer-Konsumenten unterhalte, stelle ich fest, dass das Pils dort aus diesem Grund einen schweren Stand hat. Trotzdem versuchen immer mehr Craft-Brauer, diesen Bierstil neu zu interpretieren und ihn mit verschiedenen Hopfensorten aufzupeppen. So auch die Hildesheimer Braumanufaktur, deren Keller-Pils ich jetzt vor mir stehen habe.
Vermutlich kann niemand ein Bier so gut beschreien wie der Brauer selbst, zumindest weiß niemand besser als er, was er sich bei der Entwicklung des Bieres vorgestellt hat. Lassen wir also am Beginn dieser Bierverkostung Oliver Wesseloh selbst zu Wort kommen: „Unser Tallinn Baltic Porter ist der Grund sich auf ungemütliches Wetter zu freuen. Die Gischt wütet, der Wind tobt, Regen prasselt ans Fenster und drinnen sorgt unser malzbetontes, dunkles Tallinn für ein wohliges Gefühl, ob mit Kamin oder ohne. Unser Tallinn Baltic Porter war eigentlich als saisonales Bier gedacht. Aber dann hat es uns und Euch so gut geschmeckt, dass wir es in unser Standardportfolio aufgenommen haben. Denn bei uns in Norddeutschland gibt es ja nicht nur im Winter einmal ungemütliche Tage.“
Die kleine Craft Bier-Brauerei aus Hamburg-Altona, ehemals Hoppe-Bräu, setzt ihre Leidenschaft auf außergewöhnliche Biere, die durchaus Ecken und Kanten haben dürfen. Ihre kreativen Rezepte setzt das Team zwar in kleinen Sudmengen um, aber dafür sind die Zutaten von besonderer Qualität. So hat Braumeister Sascha für das Brauen dieses Bieres eine Champagnerhefe verwendet.
Und wieder einmal steht ein Bier aus der Hildesheimer Braumanufaktur vor mir, das London Ale. Die Brauerei verspricht mir ein würziges und leicht fruchtiges Bier. Na, dann wollen wir doch mal sehen.
Mendig, in der Eifel gelegen, ist seit langem als Bierbrauerstadt bekannt. Das liegt an der durch frühere vulkanische Aktivität, durch die viele natürliche Felsenkeller entstanden sind, in denen die Temperatur konstant bei 5° – 8° Celsius liegt. Deshalb gab es in Mendig zeitweise 28 Brauereien, die bis auf eine letzte geschlossen wurden. Auch diese letzte Brauerei stand vor der Schließung, wurde aber durch die Brüder Malte und Hannes Tack gerettet. So entstand im Jahr 2011 die Vulkan Brauerei, aus der das Porter stammt, das jetzt vor mir steht und auf die Verkostung wartet. Von diesem Bier erwarte ich einiges, hat es doch 2016 und 2017 beim Meininger International Craft Beer Award Gold gewonnen.