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Original Ritterguts Gose

Es ist schon erstaunlich – die Gose gehört in Deutschland zu den eher unbekannten Bierstilen, aber genau dieser relativ selten erhältliche Bierstil wird sehr häufig im Internet beschrieben. Und auch kein anderer Bierstil wird so unterschiedlich bewertet wie die Gose. Die einen müssen lediglich in der Ferne etwas sehen, das eine Gose, eine Berliner Weisse oder auch eine Geuze sein könnte, uns sofort wird “Gosianna” gerufen. Anderen gefällt kein saures Bier und vergleichen es gerne mit umgekipptem, also verdorbenen, Bier. Ich kann beide Seiten verstehen. Es gibt durchaus richtig leckere Sauerbiere mit zurückhaltender Säure und viel Fruchtigkeit. Andere Sauerbiere hinterlassen bei mir lediglich einen kräftigen sauren Eindruck, so dass ich sie nicht trinken mag. Aber trotzdem muss das Bier nicht in den Abguss. Ich verwende es aufgrund seiner sauberen Säure gerne beim Kochen. Was wollen wir mehr? Jetzt will ich aber testen, wie sich die Original Ritterguts Gose macht.

Mit seiner klaren und goldenen Farbe, seiner reichlich dosierten Kohlensäure und der leicht überdurchschnittlichen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt, macht das Bier einen richtig guten Eindruck.

Das Aroma ist fruchtig. Der Duft überreifer Birnen steigt mir in die Nase, dazu kräftige säuerliche Noten sowie einige Würzigkeit, die vom Koriander stammt. Ich glaube fast, dass diese Gose ernsthaft versucht, mir zu gefallen.

Der erste Eindruck auf der Zunge ist trocken und frisch. Schnell kommt eine deutliche fruchtige Säure nach Limone dazu, die gut zu der leichten Note nach Koriander passt. Im Aroma hatte ich überreife Birnen festgestellt, die ich auf der Zunge aber absolut nicht wiederfinde. Überhaupt fehlt mir in dieser Gose etwas Süße, die die Säure ausbalancieren würde. So erscheint die Original Ritterguts Gose recht unausgewogen. Auch der Abgang kann mich nicht überzeugen. Er ist zu schlank und ohne Nachklang.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hefe, Hopfen, Kochsalz, Koriander

Alkoholgehalt:

4,7 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Brauerei:

Ritterguts Gose GmbH
Häuerweg 1
04552 Borna
www.leipziger-gose.com

Bärentöter

Vermutlich ist die Gose der älteste Bierstil, der heute noch gebraut wird. Erstmals wurde die Gose durch Kaiser Otto III. erwähnt, der den Wohlgeschmack des Goslarer Bieres gelobt hat. Seine Regierungszeit endete im Jahr 1002. Damit ist die Gose mehr als 1000 Jahre alt.

Der Name der Gose leitet sich aus dem gleichnamigen Fluss ab, nach dem auch die Stadt Goslar benannt wurde. Lange Zeit war die Gose fast in Vergessenheit geraten und wurde ausschließlich in Leipzig gebraut. Heute ist die Gose auch wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt, aber jetzt steht eine Gose aus Borna vor mir, einer Kreisstadt, etwa 30 Kilometer südlich von Leipzig gelegen.

Ich muss noch anmerken, dass ich kein großer Freund von Sauerbier bin, weshalb die Flasche einige Zeit bei mir stand. Irgendetwas in mir wollte dieses Bier nicht verkosten. Aber jetzt habe ich mich endlich durchgedrungen.

Rotbraun und leicht hefetrüb ist der Gose-Bock. Es bildet sich nur wenig mittelporiger Schaum, der sich auch schnell auflöst.

Das Aroma ist kräftig und so komplex, dass ich mir nicht sicher sein kann, alle Nuancen zu erkennen. Aber ich versuche es einfach mal. Im ersten Moment meine ich den Duft nach Whisky und Karamell wahrzunehmen. Mit der Zeit kommt noch ein angenehmer Zitrusduft dazu, der mich stark an Blutorangen erinnert. Aus dem Hintergrund melden sich aber auch die würzigen Noten zu Wort, die vom Koriander und den Orangenschalen stammen, die bei diesem speziellen Bier mit verbraut wurden. Hier kommen die Aromen von Bockbier, belgischem Sauerbier und Witbier zusammen. Ich beginne, nicht mehr zu verstehen, weshalb das Bier so lange bei mir stand.

Der Antrunk ist recht süß, was vermutlich dem in dieser Gose enthaltenen Bierstil Bockbier geschuldet ist. Die reichlich vorhandene feinperlige und sanfte Kohlensäure versorgt das Bier aber mit der notwendigen Frische. Schnell kommt eine saubere Säure dazu. Dabei bleibt eine leichte Süße erhalten. Abgerundet wird der Geschmack durch die Kräuter. Im Zusammenspiel erinnert der Geschmack an das Aroma nach Blutorangen, das ich noch in der Nase habe. Der Abgang ist mild und ich kann in der Kehle kaum Bitterstoffe feststellen. Auch hier dominiert die Mischung aus süß und sauer.

Zu diesem Gose-Bock passt gut eine dunkle Schokolade. Ich habe bei meinem Test eine Schokolade mit Ingwer und einem Kakaoanteil von 72 % gegessen.

Zutaten:

Brauwasser, Gersten- und Weizenmalze, Hefe, Hopfen, Kochsalz, Koriander, Orangenschalen, Zimt

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Stammwürze:

16,8° Plato

Brauerei:

Ritterguts Gose GmbH
Häuerweg 1
04552 Borna
www.leipziger-gose.com

Hexenritt

Das Bier aus Österreich, das jetzt vor mir steht, muss etwas ganz Besonderes sein. Nicht nur, dass es eine Gose ist, eine Bierart, von der ich bislang nur aus Leipzig und Goslar gehört habe, sondern die Brauerei beschreibt es auf dem Etikett als stark, sauer, salzig, fruchtig und würzig. Ein salziges Bier? Mal sehen, ob das schmecken kann. Goldgelb und hefetrüb ist das Bier, darüber wenig gemischtporiger Schaum, der sich schnell auflöst. Das Aroma wird durch Zitrusfrüchte geprägt, dazu der Duft von Blumen. Beinahe duftet das Bier wie ein IPA. Der Antrunk ist süß und es zeigt sich, dass dieses Bier relativ wenig Kohlensäure enthält. Der Körper ist anfangs würzig, wird dann aber sehr sauer mit einer dezenten Salznote. Bitterstoffe sind kaum zu schmecken. Dementsprechend nichtssagend ist auch der Abgang. Der wenige Geschmack verliert sich schnell. Eventuell passt das Bier ja zu einem sehr deftigen Essen, beispielsweise zu einer Schweinshaxe mit Sauerkraut. Solo ist es nach meiner Meinung kaum zu genießen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe, Milchsäure, Salz, Koriander

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16,9° Plato

Brauerei:

Bierzauberer GmbH
2345 Brunn/Geb.
Österreich
http://www.bierzauberer.info