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Lehe – The World is Your Oyster

Die Brauerei Lehe im estländischen Harjumaa hat sich vorgenommen, ein Bier zu kreieren, das perfekt zu Meeresfrüchten passt. Herausgekommen ist das Bier, das jetzt vor mir steht. Für ein Sauerbier enthält es mit 8,5 Volumenprozent viel Alkohol und die Brauerei verspricht, dass es knackig sauer ist. Daher haben die Brauer dem Stil dieses Bieres einen neuen Namen gegeben – Imperial Sour Ale.

Der Name des Bieres geht auf ein Zitat von William Shakespeare zurück: “Why then the world’s mine oyster Which I with sword will open.” (The Merry Wives Of Windsor, Akt 2, Szene 2, 2-5). Und auch wenn ich wirklich kein Liebhaber von Austern bin, muss ich doch eingestehen, dass dieser Name richtig gut passt.

Bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei sehr viel sahnigen Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist ungewöhnlich und komplex. Düfte nach getrockneten Birnen und gutem Apfelessig, dazu Johannisbeere und Ananas. Anfangs ist das Aroma kräftig, nimmt aber dann recht schnell ab.

Der erste Kontakt mit der Zunge offenbart es: dieses Bier ist zu Recht in seinen Stil “Imperial Sour Ale” einsortiert. Dieser Eindruck wird durch die Kohlensäure nur leicht abgeschwächt. Auch als sich das Bier auf der Zunge verteilt dominiert die Säure und überdeckt sicher viele andere Geschmacksnuancen. Im Abgang wird die Säure etwas milder, so dass jetzt auch die süßen Bestandteile von Johannisbeeren zu schmecken sind. Der Nachklang ist recht kurz.

Ob “The World is Your Oyster” noch ein Sauerbier ist oder schon ein Bieressig muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde es wirklich eher als Essig verwenden, zum Trinken enthält es für meinen Geschmack einfach zu viel Säure. Aber als Hauptkomponente eines Dressings für einen Krabbensalat ist es wirklich perfekt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Pruulikoda Lehe
Paldiski mnt. 21
76 606 Harjumaa
Estland
www.lehepruulikoda.ee

Rodenbach Grand Cru

Rodenbach Grand Cru – ein Name, der mich sofort ein hervorragendes Bier erwarten lässt. Auch dass dieses Bier bei den Beer World Awards 2014 und 2015 die Goldmedaille und 2016 immerhin die Bronzemedaille gewonnen hat, steigert meine Erwartungen noch.

Rodenbach Grand Cru ist eine Mischung von jungem und gereiftem Bier, das in Eichenfässern gelagert wurde. Diese Herstellungsart kenne ich auch von anderen belgischen Brauereien, beispielsweise von Cantillon. Dort entstehen durch diese Arbeitsweise fantastische Aromen voller Frucht, Holz und Vanille. Nun hoffe ich, dass dies auch bei diesem Bier der Fall ist.

Rotbraun fließt das Bier ins Glas. Bereits an der Färbung ist zu erkennen, dass dieses Bier einen intensiven Geschmack haben wird, denn die Brauerei hat an den Zutaten nicht gespart, so dass das Bier fast blickdicht ist. Auch das weinähnliche Aroma steigt mir bereits beim Einschenken in die Nase. Der Schaum ist nicht ausgeprägt und er fällt auch schnell in sich zusammen.

Das Aroma ist fruchtig-sauer, aber auch deutliche süße Töne steigen mir in die Nase, so dass das Bier likörartig duftet. Auch dass das Bier im Eichenholzfass gereift ist, spiegelt sich im Aroma wider, dazu einige würzige und harzige Noten. Zusammen mit der bereits erwähnten deutlichen Säure ergibt sich ein weinartiges Bouquet.

Der Antrunk ist für ein Sauerbier überraschend frisch und spritzig. Aber erst auf der Zunge kommt die Komplexität dieses Biers richtig zum Ausdruck. Fruchtige Säure, die an Sauerkirschen erinnert trifft auf Vanille. Die Süße, die im Aroma recht dominant war, tritt vollständig in den Hintergrund, so dass das Bier plötzlich recht trocken wirkt. Dabei ist das Mundgefühl weich und voll. Im Abgang lässt die Säure nach, er ist überraschend mild mit kurzem Nachklang.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Rodenbach
Spanjestraat 133 – 141
8800 Roeselare
Belgien
www.rodenbach.be

Flügge Mija

Mit Mija hat Flügge ein 6,7 Volumenprozent starkes Pflaumen-Saison gebraut. Es wurde mit Blaugies-Hefe vergoren, anschließend auf Pflaumen-Püree gelagert und zum Abschluss mit Hallertau Blanc kaltgehopft. Zum Abschluss? Nein, den Abschluss macht jetzt die Verkostung bei mir.

Kupferfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine größtenteils feinporige Schaumkrone, die nicht allzu groß ist und auch relativ schnell in sich zusammenfällt.

Im Aroma ist das Pflaumen-Püree deutlich zu riechen, auf dem das Bier gelagert wurde. Dazu kommt eine angenehme Säure, die an einen wirklich guten Essig erinnert und auch die Herbheit des Hopfens kommt aus dem Hintergrund zum Vorschein.

Die Fruchtigkeit der Pflaumen ist auch der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mit der Zunge hervorruft. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, was mit der Fruchtigkeit gut harmoniert. Die Säure ist weniger ausgeprägt als ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Bitter ist kaum zu schmecken. Insgesamt ist das Bier angenehm frisch und süffig. Auch der Abgang ist fruchtig, aber leider mit nur kurzem Nachklang.

Das Mija passt gut zu kräftig gewürzten asiatischen Gerichten. Es erinnert fast mehr an Pflaumenwein als an Bier, was aber dem Genuss keinen Abbruch tut.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Chevallier, Sauermalz, Melanoidin), Pflaumen-Püree (16 %), Roggenmalz, Hopfen (Columbus), Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 %

Stammwürze:

13,9° Plato

Brauerei:

Brauerei Flügge GmbH
Goldsteinstraße 254
60529 Frankfurt am Main
www.brauerei-fluegge.de

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Weyerbacher Berry Monks

Weyerbacher Brewing wurde 1995 in einem Pferdestall in der Innenstadt von Easton, Pennsylvania, gegründet. Schnell wurde der Raum zu klein und das Unternehmen zog in eine knapp 3000 Quadratmeder große Anlage um, in der es sich auch heute noch befindet.

Die Brauerei hat den Ruf erworben, große, vollmundige und qualitativ hochwertige Biere herzustellen. Zwar ist sie vor allem für belgischen Spezialitäten wie Merry Monks und QUAD bekannt, aber sie hat auch ein umfangreiches Fassreifeprogramm.

Die Brauer experimentieren mit verschiedenen Zutaten und Brautechniken, um ihren kreativen Geist zu erweitern und interessante und umwerfende Biere zu entwickeln, die Ihren Geschmack für das Außergewöhnliche befriedigen werden. So hoffe ich nun, dass auch das Berry Monks ein besonderer Genuss wird.

Rotgolden und praktisch ohne Schaum präsentiert sich das Bier im Glas.

Das Aroma ist säuerlich-fruchtig nach Birne, Stachelbeeren, roten Früchten sowie einem Hauch Schärfe von Ingwer, kurz gesagt der reinste Obstsalat.

Der Antrunk ist frisch mit reichlich Kohlensäure. Auf der Zunge ist das Bier fruchtig und süß und obwohl es mehr als neun Volumenprozent Alkohol enthält, schmeckt er kaum heraus. Auch der Abgang ist fruchtig-mild mit kurzem Nachklang.

Ich kann durchaus verstehen, dass dieses Bier seine Freunde hat, auch wenn es nicht so richtig meins ist. Zu einem würzeigen Hartkäse kann ich es mir aber doch vorstellen.

Alkoholgehalt:

9,3 % Vol.

Stammwürze:

18,6° Plato

Bittereinheiten:

15 IBU

Brauerei:

Weyerbacher Brewing
905 Line Street
Easton, PA
www.weyerbacher.com

Bench Citra Grove

Bench Brewing ist in Beamsville beheimatet, dem Weinland von Ontario, und stellt einige faszinierende Biere her. Die Brauerei sieht sich in der Tradition der Saison-Biere aus Belgien und verbindet diese Tradition mit der lokalen Weinbautradition der Region Niagara. Dort bietet das fruchtbare Ökosystem des Landes ein einzigartiges Klima für dieses Bier, genau wie für Wein.

Strohgelb und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große gemischtporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Düfte nach Orangen, Melonen, Karamell und Blumen steigen mir in die Nase, dazu kräftige saure Noten. Mich begeistert die wahnsinnige Fruchtigkeit dieses Biers.

Der Antrunk ist trocken und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch und spritzig. Diese Frische unterscheidet das Citra Grove von Bench von den meisten anderen Sauerbieren. Zitrusfrüchte und reife Bananen sind der vorherrschende Geschmack. Dabei verhält sich die Säure recht diskret und drängt sich nicht so in den Vordergrund wie bei einem Lambic aus dem Raum Brüssel. Im Gegenteil – das Citra Grove ist erfrischend und schlank. Im Abgang lässt die Fruchtigkeit langsam nach.

Ich kann mir kaum ein schöneres Sommerbier vorstellen. Schade nur, dass es so gut wie unmöglich ist, dieses Bier in Deutschland zu finden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Milchsäurebakterien

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Bench Brewing Company
3991 King Street
Beamsville, ON, LOR 1B1
Kanada
www.benchbrewing.com

1332 Gose

Auf den ersten Blick erscheint der Name 1332 für ein Bier etwas merkwürdig. Aber er macht durchaus Sinn. Vom 27. März 1332 stammt die älteste erhaltene Urkunde, in der Gose erwähnt wurde. Gebraut wurde sie im Kloster Ilsenburg, einer ehemaligen Benediktinerabtei in der heutigen Stadt Ilsenburg, Landkreis Harz. Die 1332 Gose stammt aber nicht aus Sachsen-Anhalt, sondern aus der Berliner Bierfabrik, gelegen im Bezirk Marzahn.

Strohgelb präsentiert sie die Gose im Glas. Darüber steht eine extrem große sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Es empfiehlt sich also, dieses Bier sehr vorsichtig einzuschenken. Aber dann macht es eine wirklich gute Figur.

Das Aroma ist fruchtig-säuerlich geprägt. Düfte nach Banane, grünen Äpfeln und Birnen steigen mir in die Nase, gut abgerundet durch die leichte Würzigkeit des Korianders.

Der Antrunk ist leicht süß und durch die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure spritzig. Erst als sich die Gose auf der Zunge verteilt, kommt die Fruchtigkeit kräftig zum Tragen. Der Geschmack roter Johannisbeeren steht im Vordergrund. Er korrespondiert gut mit der hintergründigen Süße. Die Säure ist deutlich zu schmecken, aber nicht zu kräftig. Insgesamt ist das Bier gut ausgewogen. Das Mundgefühl ist schlank, aber trotzdem voll und rund. Im Abgang lässt die Säure etwas nach und die Würzigkeit des Korianders kommt erstmals deutlich hervor. Der Fruchtgeschmack klingt noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Koriander, Salz, Hefe, Milchsäurebakterien

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

BBF Berliner Bierfabrik
Zur Alten Börse 74
12681 Berlin
http://www.berlinerbierfabrik.com

Bersalis sourblend

Cuvées, auch Blends genannt, werden vor Allem bei Wein und Whisky häufig angewandt. Beim Bier wird selten verschnitten und mir ist dieses Vorgehen eigentlich nur aus Belgien bekannt. Dieses Verfahren hat die Brauerei Oud Berseel auch beim Bersalis sourblend angewandt, bei dem ein belgisches Lager mit einem Lambic verschnitten wurde. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die grobporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und fällt recht flott in sich zusammen. Na gut, bei einem Lambic ist auch kein stabiler Schaum zu erwarten.

Im Aroma dominieren die sauren Noten, das Aroma grüner Äpfel sorgt für eine fruchtige Note und auch eine gewisse Süße des Malzes steigt mir in die Nase.

Der erste Eindruck, den das Bier auf der Zunge hinterlässt, ist recht trocken, aber die reichlich vorhandene Kohlensäure verleiht ihm eine gewisse Spritzigkeit. Als sich das Bier im Mund verteilt schmecke ich ein reines Sauer, das an einen guten Essig erinnert. Ich vermisse die Süße, die meine Nase wahrgenommen hatte, auch das Aroma der Äpfel spiegelt sich nicht auf der Zunge wider. Erst im Abgang kommt wieder eine gewisse Fruchtigkeit zum Vorschein, dieses Mal allerdings von Orangen.

Mir ist bei diesem Bier die Säure zu dominant, die alle anderen Geschmackseindrücke überdeckt. Wer kräftig saure Biere mag, kann diesem Bier eventuell etwas abgewinnen, aber für mich ist das nichts.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Oud Beersel Brewery
Laarheidestraat 230
1650 Beersel
Belgien
www.oudbeersel.com

Verzet Oud Bruin

Oud Bruin ist ein typischer Bierstil für Flandern, die Region, in der er gebraut wird. Eine Mischung aus gereiftem Braunbier, das bereits seit sechs Monaten in Eichenfässern gelagert wurde, und etwas jungem Braunbier. Jedes Fass wird separat probiert und nach Belieben gemischt, um die perfekte Kombination zu erhalten. Der Geschmack ist jedes Jahr etwas anders, obwohl die Hauptmerkmale immer gleichbleiben: Das Aroma wird von grünem Apfel, roten Früchten und Eiche dominiert.

Kupferfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche hellbraune Schaumkrone, die sich schnell auflöst. Aber gut, das ist ja bei Sauerbieren stiltypisch.

Das Aroma ist fruchtig-säuerlich nach Kirschen, Mango und Zitrusfrüchten.

Der Antrunk ist trocken und spritzig. Auf der Zunge entsteht der Geschmack nach Kirschen und Äpfeln, unterstützt durch eine Holznote. Dabei bleibt der Eindruck aber frisch. Auch im Abgang bleibt die Fruchtigkeit bestehen und der Geschmack klingt einige Zeit nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij ‘t Verzet
Grote Leiestraat 117
8570 Anzegem
Belgien
www. http://brouwerijtverzet.be/

Lindemans Faro

Lindemans Faro ist ein belgisches Cuvee, das aus unterschiedlich jungen und mindestens ein Jahr in einem Eichenholzfass gereiften Lambic Bieren verschnitten ist. Als erfrischende und spritzige Bierart basiert es auf sehr säuerlichen Gueuze Bieren aus Belgien, die durch eine zweite Gärung (ausgelöst durch zusätzlich hinzugefügten Kandiszucker) im Fass nachreifen und dadurch zu einem Lambic Bier werden.

Kastanienbraun und gefiltert zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich wenig feinporiger Schaum, der aber schnell in sich zusammenfällt. Kohlensäure kann ich nicht sehen.

Das Aroma ist leicht säuerlich. Düfte nach Äpfeln und Kirsche steigen mir in die Nase, zusammen mit einem leichten Aroma nach Rosinen. Das gefällt mir schon mal.

Der Antrunk zeigt, dass das Bier erstaunlich viel Restsüße enthält, die sich sehr charmant mit den säuerlichen Geschmacksnoten vereint. Jetzt zeigt sich auch, dass das Faro überraschend viel sehr feinperlige Kohlensäure enthält, die aber im Bier gelöst ist, so dass sie nicht zu sehen war. Der erste Eindruck ist erfrischend. Auf der Zunge erinnert das Bier an Sirup. Der Kandiszucker und die Malznoten harmonieren weiterhin gut mit den Fruchtnoten nach Äpfeln. Der Abgang ist leicht trocken, sehr mild und mit minimalem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, GERSTENMALZ, Kandiszucker, WEIZEN, Hopfen, Süßstoff, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure

Alkoholgehalt:

4,5 %

Brauerei:

Brouwerij Lindemans
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
www.lindemans.be