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Tallinn Baltic Porter

Vermutlich kann niemand ein Bier so gut beschreien wie der Brauer selbst, zumindest weiß niemand besser als er, was er sich bei der Entwicklung des Bieres vorgestellt hat. Lassen wir also am Beginn dieser Bierverkostung Oliver Wesseloh selbst zu Wort kommen: “Unser Tallinn Baltic Porter ist der Grund sich auf ungemütliches Wetter zu freuen. Die Gischt wütet, der Wind tobt, Regen prasselt ans Fenster und drinnen sorgt unser malzbetontes, dunkles Tallinn für ein wohliges Gefühl, ob mit Kamin oder ohne. Unser Tallinn Baltic Porter war eigentlich als saisonales Bier gedacht. Aber dann hat es uns und Euch so gut geschmeckt, dass wir es in unser Standardportfolio aufgenommen haben. Denn bei uns in Norddeutschland gibt es ja nicht nur im Winter einmal ungemütliche Tage.”

Na gut, dann weiß ich ja schon mal, auf was ich mich einzustellen habe und hoffe nur noch, dass das Bier meine Erwartungen auch erfüllt. Aber bislang haben die Biere von Oliver mich ja noch nie enttäuscht.

Die Optik stimmt jedenfalls schon mal. Blickdicht schwarz ist das Tallinn Porter. Zwar bildet sich nur relativ wenig gemischtporiger hellbrauner Schaum, aber der bleibt lange erhalten.

Und auch das Aroma hat es in sich. Dass das Bier nach Schokolade und Kaffee duften würde, habe ich ja erwartet. Der Duft nach Rosinen ist aber genau wie die Intensität des Aromas eine Überraschung. Da kann ich es kaum abwarten, den ersten Schluck zu probieren.

Der erste Eindruck auf der Zunge ist Süße, und das nicht zu knapp. Aber da kommt bei mir eine Frage auf: wenn Oliver beim Malz so großzügig war – weshalb wird er bei der Kohlensäure geizig? Aber dafür ist die Kohlensäure wunderbar sanft und feinperlig. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt lässt die Süße nach; der Geschmack dunkler Schokolade kommt in den Vordergrund und bringt auch einen leichten Hauch von Espresso mit. Dabei entsteht ein volles und beinahe cremiges Mundgefühl. Jetzt bin ich mit der wenigen Kohlensäure ausgesöhnt. Im Abgang lässt der Schokoladengeschmack nach und der Espressogeschmack kommt mit seinem freundlichen Bitter in den Vordergrund, das auch lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (dunkles böhmisches Tennenmalz, Caramelmalz, Röstmalz), Hopfen (Ella), Hefe

Alkoholgehalt

6,3 % Vol.

Stammwürze

15,6° Plato

Brauerei:

Kehrwieder Kreativbrauerei
Oliver Wesseloh
Sinstorfer Kirchweg 74-92
21077 Hamburg
www.kehrwieder.beer

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:


Eibauer Porter

Wieder einmal steht ein Bier aus der Privatbrauerei in Eibau vor mir, diesmal das Eibauer Porter. Mir leuchtet nicht so recht ein, was mir der Junge auf dem Etikett sagen soll, trotzdem wirkt das Etikett durchaus edel und ich hoffe, dass diese Eigenschaft auch auf das Bier abfärbt. Also schenke ich mir das Bier mal ein.

Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas, nicht wie ich es bei einem Porter erwarte in tiefem Schwarz. Darüber bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die bis auf einen Rest schnell in sich zusammenfällt. Der Rest bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Das Aroma ist malzbetont, auch wenn ich erst einmal überraschend wenige Röstaromen feststelle. Stattdessen steigen mir Kraramelldüfte in die Nase, die durch den Duft nach Pflaumen und Feigen ergänzt werden.

Der Antrunk offenbart nur geringe Süße, aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure wirkt das Bier recht frisch. Auf der Zunge kommt der Geschmack der Trockenfrüchte in den Vordergrund, die ich auch bereits in der Nase wahrgenommen habe. Obwohl das Porter mit nur 3,5 Volumenprozenten recht leicht ist, schmeckt der Alkohol doch deutlich durch. Aber das passt recht gut zum Geschmack der Trockenfrüchte. Die Fruchtigkeit dominiert auch im Abgang, wo sie lange nachklingt.

Ich mag dieses Bier, auch wenn es für ein Porter absolut ungewöhnlich ist. Hätte ich nicht gelesen, dass es um ein Porter handelt, hätte ich es für eine Lightversion eines Barley Wine gehalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Eibau i.Sa. GmbH
Neueibauer Straße 9
02739 Eibau
www.eibauer.de

Vulkan Porter

Mendig, in der Eifel gelegen, ist seit langem als Bierbrauerstadt bekannt. Das liegt an der durch frühere vulkanische Aktivität, durch die viele natürliche Felsenkeller entstanden sind, in denen die Temperatur konstant bei 5° – 8° Celsius liegt. Deshalb gab es in Mendig zeitweise 28 Brauereien, die bis auf eine letzte geschlossen wurden. Auch diese letzte Brauerei stand vor der Schließung, wurde aber durch die Brüder Malte und Hannes Tack gerettet. So entstand im Jahr 2011 die Vulkan Brauerei, aus der das Porter stammt, das jetzt vor mir steht und auf die Verkostung wartet. Von diesem Bier erwarte ich einiges, hat es doch 2016 und 2017 beim Meininger International Craft Beer Award Gold gewonnen.

Praktisch blickdicht schwarz ist dieses Bier mit einer durchschnittlichen Menge cremigem hellbraunem Schaum, der lange erhalten bleibt. Das gefällt mir schon mal.

Intensiver Duft nach dunkler Schokolade und Kaffee steigt mir in die Nase. Bei dieser Farbe hätte ich auch nichts anderes erwartet.

Der Antrunk ist recht süß und die sehr feinperlige Kohlensäure ist relativ knapp dosiert. Hier würde ich mir mehr wünschen. Auf der Zunge entwickelt sich der Geschmack dunkler Schokolade. Fruchtige Noten fehlen vollständig, sondern der Geschmack dieses Bieres konzentriert sich vollständig auf Kaffee und Schokolade. Das Mundgefühl ist weich und cremig. Beeindruckend ist auch die Ausgewogenheit des Geschmacks. Auch im Abgang dominiert der Geschmack dunkler Schokolade, der lange nachklingt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Caramelmalz Hell, Pilsner Malz, Pale Ale, Münchner), Hopfen (Herkules, Tradition), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bittereinheiten:

34 IBU

Brauerei:

Vulkan Brauerei GmbH & Co. KG
Laacher-See-Straße 2
56743 Mendig
www.vulkan-brauerei.de

Dieses Bier können Sie ab 12 Flaschen oder einem Bestellwert von mindestens 49 Euro (auch gemischt) versandkostenfrei online bestellen:

Dunkle Macht

Jetzt will ich mich mit der Dunklen Macht auseinandersetzen. Nein, nicht mit der Dunklen Macht aus Starwars, sondern mit dem Smoked Porter aus der Bierschmiede der Hamburger Brauerei Landgang. Die Brauer beschreiben das Bier wie folgt: “Schwarz wie die Nacht. Rauchig wie das Feuer, sinnlich und hochkomplexe Aromen, die sich am besten in einem Rotweinglas verkosten lassen. Es sind die dunklen Mächte der Versuchung, die seit Jahrhunderten ihren Reiz ausüben. Ihnen widmen wir dieses ungewöhnliche Porter, das einzigartig schmeckt durch den Gebrauch von getorftem Malz.” Damit formuliert die Brauerei einen hohen Anspruch, der aber wohl auch erfüllt wird, denn dieses Bier hat im Jahr 2016 die Goldmedaille beim Internationalen Craft Beer Award errungen. Mal sehen, wie es sich bei mir macht.

Absolut blickdicht schwarz präsentiert sich die Dunkle Macht im Glas und macht damit ihrem Namen alle Ehre. Die sahnige Schaumkrone ist mittelbraun und durchschnittlich groß. Sie fällt anfangs relativ schnell zusammen, aber ein Rest bleibt dann lange erhalten.

Das Aroma wird durch die Röstaromen dominiert, genau wie ich es erwartet hatte. Düfte nach Bitterschokolade und Rauch steigen mir in die Nase, aber durchaus auch ein Hauch Blumigkeit, der vom Hopfen stammt.

Der erste Geschmackseindruck ist recht süß und die sehr feinperlige Kohlensäure ist wirklich zurückhaltend dosiert. Auf der Zunge entwickeln sich die Geschmäcker nach Schokolade und Kaffee, die durch einen Hauch roter Früchte abgerundet werden. Das Mundgefühl ist cremig und mit dem leichten Bitter und der zurückhaltenden Fruchtigkeit macht das Bier einen runden Eindruck. Der Abgang ist wenig bitter nach dunkler Schokolade. Der Geschmack klingt aber lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Roggenmalz, Hopfen (Taurus, Northern Brewer”, Hefe

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Stammwürze:

16,0 %

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Landgang Brauerei GmbH & Co. KG
Beerenweg 12
22783 Hamburg
www.landgang-brauerei.de

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BRLO Porter

BRLO ist der altslawische Name von Berlin. Auf dem vorderen Etikett des BRLO Porter steht “Handcrafted with Berlin Love” während auf dem Rückenetikett versichert wird, dass die Brauerei in Berlin verwurzelt ist und sich für ein nachhaltiges Miteinander einsetzt. Da würde ich eigentlich erwarten, dass das Bier aus Berlin stammt. Das ist aber ein Irrtum, denn das Porter stammt aus dem sachsen-anhaltinischen Landsberg im Saalekreis. OK, das muss kein Nachteil sein. Im Gegenteil, die kleine Brauerei bezieht ihr Wasser aus einem eigenen Brunnen, verfügt über eine eigene Malzfabrik und zumindest die eigenen Biere werden mit Hopfen aus dem Elbe-Saale-Anbaugebiet gebraut, so dass die Grundstoffe für das Bier maximal 80 Kilometer transportiert werden. Das macht die Brauerei und auch das dort gebraute BRLO Porter doch gleich sympathisch.

Sehr dunkel bernsteinfarben präsentiert sich das BRLO Porter im Glas. Damit entspricht das Bier schon mal nicht so ganz meinen Erwartungen, da ich eigentlich erwarte, dass ein Porter schwarz wie die Nacht und blickdicht daherkommt. Die leicht bräunliche Schaumkrone gefällt mir schon besser, größtenteils feinporig und mit langem Leben.

Der Antrunk ist schwer und süß, aber absolut nicht schlecht. Der Geschmack nach Karamell, Kaffee, Nüssen und Honig breitet sich auf der Zunge aus. Dabei bleibt das Bier schön süffig. Der Abgang ist mit einem leichten Kaffeegeschmack überraschend mild und er klingt nicht allzu lange nach.

Nachdem mich die Optik nur teilweise überzeugen konnte, konnte das Bier doch durch den Geschmack noch richtig punkten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Caramelmalz, Röstmalz), Hopfen (Herkules, Tettnanger), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Braukunst Berlin GmbH
Torstr. 33-35
10119 Berlin
www.brlo.de

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Giesinger Baltic Rye Porter

Giesinger ist im Münchener Stadtteil Giesingen beheimatet und hält die Tradition der Stadtteilbrauerei aufrecht. Die Biere werden handwerklich hergestellt und sind weder filtriert noch thermisch behandelt. Die im Bier vorhandenen Trübstoffe sorgen für den vollen Geschmack. Da Brautradition bei Giesinger Bräu großgeschrieben wird, greift man bei der Herstellung auf vier große und offene Gärbottiche für die Hauptgärung der einzelnen obergärigen Biere zurück. Jetzt steht das Baltic Rye Porter vor mir. Die Brauerei verspricht auf dem Etikett, dass es sich um ein röstiges, süßes, dunkles und komplexes Baltic Porter mit vollmundigem Geschmack und brotigen Aromen handelt. An dieser Aussage werde ich das Bier messen.

Blickdicht schwarz und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Es wird von einer feinporigen hellbraunen Schaumschicht bedeckt, die lange erhalten bleibt. An der Optik gibt es schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Kaffee, Pumpernickel und dunkle Schokolade, begleitet durch die Süße und Fruchtigkeit von Sultanas. Der Duft ist wirklich einladend. Die Brauerei hat auf dem Etikett nicht zu viel versprochen.

Der Antrunk ist nicht so süß wie ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Er ist angenehm und spritzig. Schnell kommt noch etwas Säure dazu. Jetzt dominiert der Schokoladengeschmack. Das Bier ist ausgesprochen vollmundig und süffig. Die immerhin 6,7 Volumenprozent Alkohol sind gut eingebettet, ich könnte auch sagen, sie sind versteckt. Im Abgang kommt zusammen mit einem leichten Hopfenbitter noch eine subtile Fruchtigkeit dazu. Das Bitter klingt recht kurz nach, aber der Geschmack der Schokolade bleibt noch lange erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Münchner Malz, dunkles Caramelmalz), Roggenmalz (dunkles Roggenmalz), Roggencaramelmalz, Roggenröstmalz, Hopfen (Spalter Select), Hefe (Ale-Hefe)

Alkoholgehalt:

6,7 %

Stammwürze:

17 %

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

GIESINGER BIERMANUFAKTUR & SPEZIALITÄTENBRAUGESELLSCHAFT MBH
Martin-Luther-Str. 2
81539 München
www.giesinger-braeu.de

Teleporter

Nun ist es bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr passiert – ich komme aus dem Urlaub zurück und bekomme als Überraschung ein Paket von Maisel & Friends mit einem Sondersud. Vielleicht sollte ich häufiger mal in den Urlaub fahren.

Der Teleporter ist eine deutsch-amerikanische Gemeinschaftsproduktion. Maisel & Friends hat das Bier gemeinsam mit der Christian Moerlein Brewing Company kreiert. Beide Brauereien verbinden ihre fränkischen Wurzeln. Der Gründer der Christian Moerlein Brewing Company, Christian Moerlein, wurde in Truppach in der Nähe von Bayreuth geboren, war gelernter Brauer, wanderte mit 23 Jahren nach Cincinnati aus und gründete dort im Jahr 1853 seine Brauerei. Genau wie Maisel & Friends braut die Christian Moerlein Brewing Company bis heute nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 und beide Brauereien gehören in ihren jeweiligen Ländern zu den Pionieren der Craft Beer-Bewegung. Daher erscheint es mir nur logisch, dass sich die beiden Brauereien jetzt zu einem Co Brewing getroffen haben. Es wurden zwei Biere gebraut, in den USA das Spacetime, ein kräftig gehopftes Weißbier, in Bayreuth das Teleporter, ein Imperial Porter. Dieses Bier steht jetzt vor mir.

Optisch macht das Bier auf jeden Fall schon mal was her. Tiefschwarz ist es, absolut blickdicht. Er bildet sich eine ungeheure hellbraune und sehr feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Das lässt schon mal das beste erwarten.

Wie erwartet wird das Aroma durch die Röststoffe dominiert. Ich rieche Schokolade, Toffee, Vanille sowie einige grasige Noten. Schon jetzt ist das Aroma ungewöhnlich komplex. Nachdem der Schaum in sich zusammengefallen ist, kommen die fruchtigen Aromen zum Vorschein. Zitrusfrüchte und rote Beeren sind jetzt zusätzlich zu riechen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß und weich. Mir gefällt vom ersten Moment an, dass die Menge der sehr feinperligen Kohlensäure perfekt auf die Süße abgestimmt ist. Schnell lässt die Süße nach und der Geschmack von dunkler Schokolade und Espresso kommt in den Vordergrund. Dazu kommen noch rote Früchte. Eine interessante Mischung, die mir sehr gut gefällt. Dazu kommt ein volles cremiges Mundgefühl. Der Abgang erscheint zunächst sehr mild, aber der Geschmack der Schokolade klingt noch sehr lange nach. Und eines fällt mir noch auf – mit jedem Schluck gefällt das Bier besser.

Dieser Sondersud ist mit seiner Komplexität etwas ganz Besonderes. Er überrascht mit jedem Schluck aufs Neue. Schade, dass dieses Bier nur einmal gebraut wird – wenn es weg ist, ist es weg.

Und zum Abschluss: Wollen Sie wissen, was Jeff Maisel und Simon Martin, ein Vidio-Bierblogger aus Wales zu diesem Bier sagen? Unter https://youtu.be/7QNDkm-XNyg können Sie sich ansehen, wie Simon und Jeff während des Craft Brauer Festivals 2017 den Teleporter verkosten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (u.a. Phoenix), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 %

IBU:

39

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Zywiec Porter

Es ist schon merkwürdig – bei diversen Aufenthalten in Polen habe ich das Porter von Zywiec nicht gesehen – andernfalls hätte ich es sicher zur Verkostung mitgebracht. Und dann sehe ich es in einem kleinen polnischen Laden in Essen. Und prompt stellt sich mir eine andere Frage: kann eine so große Brauerei wie die im schlesischen Zywiec, nahe dem Dreiländereck Polen-Tschechien-Slowakei gelegen, überhaupt ein trinkbares Porter brauen? Die besten Porter stammen in der Regel aus kleinen Brauereien. Aber das werde ich ja gleich feststellen.

Vorher habe ich aber noch eine Internetrecherche durchgeführt und tatsächlich – das Bier wird nicht in Zywiec gebraut, sondern in der zum gleichen Konzern gehörenden Schlossbrauerei Bracki in Cieszyn. Dort wird das Zywiec Porter in absolut traditioneller Brauweise und in offener Gärung gebraut. Das macht mich jetzt richtig neugierig auf das Bier und ich will auch nicht länger mit dem Test warten.

Die Optik ist bestechend. Das Bier ist tiefschwarz und blickdicht. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse Krone aus einem sahnigen hellbraunen Schaum, deren Haltbarkeit mir wirklich gefällt. Insbesondere aufgrund der satten 9,5 Volumenprozente Alkohol hatte ich eigentlich angenommen, dass sich nur wenig Schaum bilden würde.

Bei dieser Farbe ist es klar, dass das Aroma des Zywiec Porter durch die Röststoffe dominiert wird. Ich rieche jede Menge Karamell, das durch den Duft dunkler Schokolade sowie einem Hauch Espresso unterstützt wird. Der Hopfen hält sich hier diskret im Hintergrund. Dadurch wirkt das Aroma bei aller Intensität etwas flach und nicht so komplex wie bei anderen Bieren dieses Stils.

Der Antrunk ist weich und süß, dabei sehr intensiv. Die Süße steht dabei in einem guten Verhältnis mit der feinperligen Kohlensäure. Die Intensität steigert sich noch, als sich das Bier auf der Zunge verteilt. Hier spiegelt sich das Aromaprofil im Geschmack wider. Ich schmecke Espresso und dunkle Schokolade, wobei der Geschmack nach Espresso jetzt mehr im Vordergrund steht. Süß, bitter und sauer sind ausgewogen. Im Abgang halten sich Bitter und Süß die Waage und sie klingen sehr lange nach.

Bei einem Wettbewerb wie dem European Beer Star wird dieses Zywiec Porter mit Sicherheit keine Platinmedaille gewinnen, aber wenn wir uns einmal das Preis-/Leistungsverhältnis ansehen, steigt das Zywiec Porter ganz an die Spitze. Schließlich habe ich weniger als einen Euro für den halben Liter bezahlt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Brauerei:

Cieszyn
ul. Dojazdowa 2
43-400 Śląskie
www.grupazywiec.pl/

Neuzeller Imperial Porter

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle vor mir. Das Etikett unterscheidet sich deutlich von den Etiketten der anderen Biere, gefällt mir von der Optik her erst einmal richtig gut. Lediglich die Beschriftung verwundert mich. Einerseits ist als Bierstil Stout vermerkt, weiter unten dagegen Imperial Porter. Angeboten wird das Bier von der Brauerei als Imperial Porter, weshalb ich annehme, dass dies der korrekte Bierstil ist und dementsprechend werde ich das Bier jetzt auch testen.

Schwarz und fast blickdicht steht das Bier im Glas. Nur wenn ich es gegen das Licht halte, schimmert etwas rubinrot durch. Dazu kommt eine voluminöse hellbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Jetzt hoffe ich nur, dass der Geschmack so gut ist wie die Optik.

Das Aroma wird eindeutig durch die Röststoffe dominiert. Das Bier duftet nach dunkler Schokolade. So einen würzigen Duft würde ich mir häufiger wünschen.

Der Antrunk ist recht süß, wobei die Süße gut mit der sehr schön feinperligen Kohlensäure korrespondiert. Zusammen sorgen sie für eine ungeheure Spritzigkeit. Aber richtig überraschend ist das Bier erst, als es sich im Mund verteilt hat. Es sorgt für ein samtiges Mundgefühl und während im Aroma die Schokoladennoten im Vordergrund standen zeigt sich jetzt ein kräftiger Espressogeschmack. Dazu kommt ein angenehmes Bitter, so dass der Geschmack gut ausgewogen ist. Der Abgang ist leicht bitter, er klingt aber lange nach.

Das Imperial Porter gehört mit Sicherheit zu meinen Lieblingsbieren aus Neuzelle. Es passt gut zu sahnigen Desserts.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Dieses Bier können Sie portofrei bestellen, indem Sie auf den folgenden Banner klicken:


Surtr

Ich muss zugeben, dass Biere aus Wacken bei mir einen schweren Stand haben, denn ich werde ein Vorurteil nicht los. Jedes Jahr fallen in das 2.000 Seelen-Dorf im Südwesten Schleswig-Holsteins etwa 70.000 Metalheads ein, stellen den Ort auf den Kopf und geben sich die Kante. Aber so richtig. Wenn ich den Berichten im NDR und auf Spiegel TV glauben darf, geht der Konsum von billigem Dosenbier bis zum Exzess. Und aus so einer Umgebung soll ein gutes Bier kommen können? Mein Vorurteil verneint die Frage, aber ich werde mich jetzt einmal bemühen, es zur Seite zu schieben und zu ignorieren, denn jetzt steht erstmals ein Bier aus Wacken vor mir, das Surtr.

Der Name klingt für deutsche Ohren etwas seltsam. Deshalb habe ich mal bei Wikipedia nachgesehen um eine Definition zu finden. Hier ist sie: “Surt (altnordisch Surtr “der Schwarze”) ist in der nordischen Mythologie ein Feuerriese und ein Feind der Asen. Er ist der Herrscher über Muspellsheim. In den Ragnarök zertrennt er mit seinem Feuerschwert Surtalogi die Brücke Bifröst, die Verbindung zwischen Midgard und Asgard. Mit den Söhnen Muspels steckt er die Welt in Brand, schleudert Feuer in alle Richtungen und vernichtet alles Leben (Weltenbrand).” Eine Darstellung von Surt, des englischen Zeichners John Charles Dollman findet sich auch auf dem vorderen Etikett der Flasche. Nachdem nun die Namensgebung geklärt ist, können wir uns endlich dem Bier zuwenden. Ich bin ja mal gespannt, ob das Bier den gleichen Charakter hat wie die Gestalt aus der nordischen Sage.

Blickdicht schwarz steht es im Glas, mit einer enormen Krone aus haselnussbraunem sahnigem Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. An der Optik habe ich schon mal nichts auszusetzen.

Allerdings toppt der Duft des Bieres die Optik mit Leichtigkeit. Röst- und Raucharomen dominieren. Ich kann Espresso, dunkle Schokolade, Rauch riechen, abgerundet durch einen Hauch Toffee. Langsam ahne ich, dass dieses Bier seinen Namen zu Recht trägt.

Der Antrunk ist süß nach Röstmalz. Dabei steht die Süße in einem interessanten Kontrast zu den Rauchnoten des Surtr. Komplettiert wird der Geschmack durch die Geschmäcker, die ich bereits im Aroma festgestellt habe. Schokolade, Kaffee und Toffee formen sich zu einem komplexen Geschmackserlebnis. Der Körper ist cremig und mit sehr intensivem Geschmack. Kaffee und Rauch treten etwas in den Hintergrund, während eine leichte Säure und Fruchtigkeit auf der Bildfläche erscheint und zusammen mit der intensiven Malzsüße ein geändertes Geschmacksbild formt. Der Abgang ist überraschend mild und die Rauchnoten klingen noch lange nach.

Mein Vorurteil hat sich also nicht bestätigt. Mit dem Surtr kommt ein Bier aus Wacken, das neugierig auf mehr macht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bitterwert:

24 IBU

Brauerei:

Wacken Brauerei GmbH & Co. KG
Gehrn 13
25596 Wacken
www.wacken.beer