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Vanille Ice Cream Stout

Goes ist eine Kleinstadt in der niederländischen Provinz Zeeland, eine niederländische Stadt wie aus dem Bilderbuch. Bereits im 10. Jahrhundert entstand die erste Siedlung am Ufer eines Wasserlaufs, der inzwischen aber eingedeicht wurde. Die Innenstadt von Goes ist reich an malerischen alten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Außerdem verfügt Goes über einen Jachthafen. Aus dieser traumhaften Kulisse stammt das Bier, das jetzt vor mir steht, das Vanille Ice Cream Stout.

Schwarz und absolut blickdicht ist dieses Bier. Es bildet eine herrliche Schaumkrone, dick, fest und elfenbeinfarben. Der Schaum hält sich sehr lange.

Schon der Duft weist darauf hin, dass das Vanille Ice Cream Stout süß ist und seinen Namen vollkommen zu Recht trägt. Er erinnert wirklich an einen Eisbecher, der aber nicht nur Vanilleeis beinhaltet, sondern auch Schokoladen- und Kaffeeeis. Da habe ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Auftakt ist süß und schnell ist klar, dass die sehr feinperlige Kohlensäure großzügig dosiert wurde. Der Geschmack nach Bourbon Vanille, die den Gaumen harmonisch auskleidet, ist anfangs dominant. Das Mundgefühl ist cremig. Bitterstoffe gesellen sich zur Süße und verwöhnen meine Zunge mit dem Geschmack nach Bitterschokolade. Die Röststoffe drängen mit Espressonoten mehr und mehr in den Vordergrund, bis das Ganze mit einem hübschen Röstgeschmack endet. Der Abgang ist bitter und leicht und klingt extrem lange nach.

Ein schönes Bier zur Abwechslung! Die glatte und cremige Basis und die hervorragende Ausgewogenheit können wirklich überzeugen. Dieses Bier kann mit Sicherheit einen Espresso oder einen Eisbecher als Dessert ersetzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafermehl, Hopfen, Vanille, Hefe, Michzucker

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Emelisse
Singelstraat 5
4461 HZ Goes
Niederlande
www.emelisse.nl

Grolsch Premium Lager

Die Brauerei Grolsch ist in Enschede beheimatet und gehört zu den großen Brauereien der Niederlande. Ab und an finden wir das Bier auch in den deutschen Getränkemärkten und in Köln hat Grolsch auch eine deutsche Niederlassung. Das Wasser stammt aus einer Quelle und als die Brauerei im Jahr 2002 eine neue Produktionsstätte errichtete, wurde extra eine sieben Kilometer lange Pipeline gebaut, die die Brauerei mit dem Wasser versorgt. Das Malz stammt aus den Niederlanden, aus Deutschland und Frankreich. Den Hopfen bezieht die Brauerei aus der Hallertau sowie aus Tschechien. Allerdings verwendet Grolsch auch Hopfenextrakt, bei dem die Herkunft nicht immer wirklich klar ist.

Bei der Flasche fällt mir der Inhalt auf. Anders als üblich enthält die Flasche nicht 500 ml, sondern lediglich 450 ml, also 10 % weniger als erwartet. Das gilt auch für die kleinere Flasche, sie statt der üblichen 330 ml nur 300 ml enthält.

Das intensive Gelb des Bieres gefällt mir. Allerdings enthält das Bier recht wenig Kohlensäure und der wenige Schaum ist gemischtporig und sehr kurzlebig. An der Optik könnte die Brauerei wirklich noch arbeiten.

Das Bier duftet nach hellem Malz, dazu einige herbe Noten und ein Hauch Zitrone. Das Aroma ist nicht komplex und spätestens jetzt erwarte ich ein Fernsehbier.

Der Antrunk ist süßlich und aufgrund der knapp dosierten Kohlensäure auch nicht sonderlich frisch. Auf der Zunge wird das Bier flach und wirkt fast wässrig. Der Abgang ist dann recht bitter, was nicht wirklich zum schwachen Körper passt.

Um sich die Kante zu geben ist das Grolsch durchaus geeignet, aber zum Genießen ist es die falsche Wahl.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

11,3° Plato

Brauerei:

Asahi Brands Europe a.s.
Niederlassung Deutschland
Konrad-Adenauer-Ufer 5-7
50668 Köln
www.grolsch.de

La Trappe Bockbier

La Trappe ist eines von zwei niederländischen Trappistenbieren. Das Bier wird im Trappistenkloster Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven in Berkel-Enschot bei Tilburg gebraut und vertrieben. Die Trappisten brauen hier schon seit 1884 Bier und verdienen damit ihren Lebensunterhalt, wie es die Regel des hl. Benedikt vorsieht.

Das La Trappe Bockbier hat einige Besonderheiten. La Trappe Bock Bier ist ein Bockbier, das einer zweiten Gärung unterzogen wird. La Trappe Bockbier ist nach Angaben der Brauerei das einzige Trappisten-Bockbier in der Welt. Es wird mit natürlichen Zutaten gebraut und durchläuft eine zweite Gärung in der Flasche. Im Jahr 2014 wurde das La Trappe Bockbier zum besten Bockbier der Niederlande gekürt.

Das Bockbier ist dunkel-rubinrot, beinahe ist es schwarz. Im Glas bildet sich sehr viel feinporiger beiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier perfekt gelungen.

Das Bier duftet nach Röstmalz. Ich rieche Kaffee, dunkle Schokolade und auch einen Hauch roter Früchte.

Der Antrunk ist süß und ohne die reichlich vorhandene sehr feinperlige Kohlensäure würde ich hier die Kostprobe abbrechen. Schnell kommen etwas Säure sowie ein leichtes Bitter dazu, was zusammen mit dem leicht schokoladigen Geschmack durchaus einen runden Geschmack erzeugt. Im Abgang kommen zunächst die Kaffeenoten zum Vorschein, die im recht langen Nachklang aber durch den Geschmack von Kakao abgelöst werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Glukosesirup, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Bierbrouwerij de Koningshoeven B.V,
Eindhovenseweg 3
5056 RP.Berkel-Enschot
Niederlande
www.latrappetrappist.com

Zundert Trappist

Es gibt weltweit nur elf Brauereien, die Trappistenbier brauen dürfen. Dafür ist es erforderlich, dass das Bier innerhalb eines Trappistenklosters und unter Aufsicht der Mönche gebraut wird. Zu erkennen sind die Trappistenbiere an dem sechseckigen Siegel “Authentic Trappist Product”. Zwei der weltweit elf Trappistenbrauereien befinden sich in den Niederlanden. Aus einer dieser beiden Brauereien steht jetzt ein Bier vor mir, das Zundert Trappist.

Bernsteinfarben und minimal hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine Krone aus feinporigem elfenbeinfarbenem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Wenn mir die Optik gefällt, lässt mich das Aroma staunen. Malzige Aromen und der Duft von Röststoffen vereinen sich mit Trockenfrüchten. Ich meine Feigen und Rosinen riechen zu können. Dazu kommen noch florale und würzige Noten

Das Aroma hatte bereits ein recht süßes Bier versprochen und der Antrunk enttäuscht die Erwartung nicht. Dabei zeigt sich auch die feinperlige Kohlensäure, die dem Bier trotz der intensiven Süße eine angenehme Frische verleiht. Der Geschmack erinnert an getrocknete Bananen, gepaart mit diskreten Bitterstoffen. Während das Bier im Mund ist und sich dabei erwärmt kommen auch Geschmäcker anderer Trockenfrüchte hinzu. Die Überraschung kommt aber im Abgang, während dem Noten dunkler Schokolade entstehen, die dann lange nachklingen.

Zu diesem Bier passen Gänsebraten sowie andere intensiv schmeckende Speisen, wie sie besonders im Winter beliebt sind.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Kräuter

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Brauerei:

Trappistenbrouwerij Dekievit B.V.
Rucphenseweg 38
4882 KC Klein Zundert
Niederlande
www.zunderttrappist.nl

BIPA

Der Name des jetzt vor mir stehenden Craft Beers aus den Niederlanden klingt auf den ersten Blick etwas merkwürdig. Dabei ist die Lösung ganz einfach: BIPA ist die Abkürzung für Black IPA.

Das Bier stammt aus dem beliebten Ferienort Kamperland in der niederländischen Provinz Zeeland, wo die Brauerei Emelisse seit dem Jahr 2005 ihren Sitz hat. Der Name stammt aus dem Mittelalter. Damals wurde ein Dorf in Nord-Beveland so genannt. In der Neuzeit wurde es mit elf anderen Dörfern zur Gemeinde Nord-Beveland zusammengefasst. Fre Buijze, ursprünglich Hobbybrauer, war einer der Gründer der Brauerei. Ende der neunziger Jahre ließ er in der “Scheldebrouwerij” ein Bier Namens “Emelisse Abdijbier” brauen. Als 1998 dann eine Stiftung zur Förderung der Gemeinde Nord-Beveland gegründet wurde, kam sein Bier wie gerufen. Das traditionell gebraute Bier mit lokal angebauter Braugerste sollte als Aushängeschild und Finanzmittel der Stiftung dienen.

Zunächst wurde das Bier von der Bierbrouwerij De Halve Maan gebraut, bis 2005 dann schließlich eine eigene Privatbrauerei gebaut wurde. Weiterhin arbeitet man aber eng mit der Scheldebrouwerij zusammen, die beispielsweise die Abfüllung übernimmt. Aufgrund des großen Erfolgs der Brauerei und ihren Bieren wird seit 2010 ein Teil der Produktion in der Vertragsbrauerei Proefbrouwerij in Hiftje (Belgien) gebraut. Die Hälfte der jährlichen produzierten 2000 hl Bier werden exportiert. Nachdem wir uns mit der Brauerei beschäftigt haben, ist es nun aber an der Zeit, mit der Verkostung zu beginnen.

Blickdicht schwarz ist das Bier mit viel hellbraunem und größtenteils feinporigem Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik gefällt mir schon mal.

Zunächst duftet das BIPA nach Grapefruit. Dieser Duft verfliegt aber schnell und die Röststoffe dominieren mit ihrem Espressoaroma und einem leichten Duft nach Lakritz.

Der Antrunk ist süß und dabei recht fruchtig. Dazu passt die sehr milde und feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge sticht die Frucht hervor. Zu diesem Grapefruitgeschmack kommen freundliche Bitterstoffe dazu. Im Abgang sind zunächst nur die Röststoffe und das Bitter zu schmecken. Dieser Geschmack ändert sich noch und im Nachklang ist nur reines Lakritz zu schmecken. Wirklich reines Lakritz ohne Zucker. Diesen Geschmack muss man schon mögen. Genau dieser Lakritzgeschmack ist ein Alleinstellungsmerkmal des BIPA.

Zutaten:

Wasser
Gerstenmalz
Hopfen
Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 %

IBU:

60

Brauerei:

Emelisse
Singelstraat 5
4461 HZ Goes
www.emelisse.nl

Venloosch Wit

Nun steht ein Witbier aus den Niederlanden vor mir, das Venloosch Wit. Auch wenn Wit Bier übersetzt Weißbier ist, dürfen wir die Witbiere aus Belgien und den Niederlanden nicht mit den bayerischen Weißbieren verwechseln. Während sich die Biere aus Bayern und dem Rest der Bundesrepublik an das deutsche Reinheitsgebot halten, enthalten die Witbiere auch Orangenschalen und Gewürze, in der Regel Koriander, aber auch weitere Kräuter und Gewürze sind möglich. Außerdem enthält Witbier meist weniger Weizenmalz als die deutschen Weißbiere. Das macht Witbier zu einem eigenen Bierstil. Das führt zu teilweise skurrilen Ergebnissen. Eines davon beschreibt Oliver Wesseloh, der Inhaber der Kehrwieder Kreativbrauerei in Hamburg, in seinem Buch “Bier leben” (ISBN 2091146418161). Da hat ein deutscher Craft Beer-Brauer ein Witbier kreiert, das er zu einem Bierwettbewerb einreichen wollte. Ich habe das Bier selbst nicht getrunken, aber es soll wirklich gut gewesen sein. Leider ging das nicht, da eine der Teilnahmebedingungen war, dass das Bier in seinem Heimatland als Bier verkauft werden darf. Da er aber das Bier in Deutschland gebraut hatte und Witbier nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht, darf es in Deutschland nicht als Bier verkauft werden. Wäre er zu einem befreundeten Brauer ins Ausland gefahren, hätte sein Bier dort hergestellt und anschließend nach Deutschland importiert, wäre es kein Problem gewesen. Logik sieht irgendwie anders aus.

Aber zurück zum Venloosch Wit. Der Aufdruck auf dem vorderen Etikett “‘t Bier van Hier” ist nicht so ganz richtig. Das niederländische Venlo, direkt an der Grenze zu Deutschland gelegen, hat keine eigene Brauerei mehr, sondern die Biere der Marke Venloosch werden von der Brauerei Lindeboom in Neer gebraut. Aber das nur nebenbei. Kommen wir jetzt endlich zum Test.

Golden und mit viel Hefe sowie mit sehr viel sehr aktiver Kohlensäure steht das Bier im Glas. Darüber cremiger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Es ist allerdings nicht so viel Schaum wie bei deutschen Weizenbieren.

Das Bier duftet angenehm nach Banane und Hefe. Dazu kommen florale Noten sowie der Duft von Gewürzen. Das Aroma ist so, wie ich es von einem Witbier erwarte.

Der Antrunk ist spritzig. Dafür sorgt die Kohlensäure zusammen mit dem Geschmack der Hefe und einer leichten Süße. Schnell zeigt sich, dass es sich hier um ein ausgewogenes Bier handelt, in dem sich Süße, Säure und die Bitterkeit des Hopfens wunderbar die Waage halten. Dazu kommen der Geschmack der Orangenschale und ein Hauch Koriander. Doch, so muss ein Witbier sein. Der Abgang ist durch ein freundliches Bitter geprägt, das mittellange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Weizenmehl, Hopfen, Kräuter, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Lindeboom Bierbrouwerij B.B.
Postbus 4416
6086 ZG Neer
www.lindeboom.nl

Venloosch Alt

Von dem Bier, das jetzt vor mir steht, behauptet die Brauerei Lindeboom, dass es das erste Altbier aus den Niederlanden wäre. Ich war ja nun schon häufiger dort und hatte eher den Eindruck, dass es sich um das einzige Altbier aus den Niederlanden handelt. Aber egal, wollen wir mal testen, wie dieses Brauereierzeugnis schmeckt.

Intensiv mahagonifarben steht das Bier im Glas, darüber eine durchschnittliche Menge feinporiger elfenbeinfarbener Schaum, der sich leider schnell auflöst. Dafür sehe ich eine überdurchschnittliche Menge Kohlensäure.

Das Aroma ist süßlich und deutlich malzbetont. Dazu rieche ich leichte Röstaromen und Karamell. Allzu komplex ist das Aroma aber nicht.

Der Antrunk ist dann nicht so süß wie ich es erwartet hätte, dafür aber durch die Kohlensäure spritzig. Der Körper ist intensiv. Wirklich intensiv. Ich habe vorher noch nie ein Altbier getrunken, das so einen intensiven Geschmack hatte. Kaffee- und Kakaonoten kommen zum Vorschein und obwohl ich kaum Bitterstoffe schmecke, macht das Bier einen recht ausgewogenen Eindruck. Der Abgang ist eher schwach. Das Bier rinnt durch die Kehle, ohne einen Eindruck zu hinterlassen. Dafür bleibt der Geschmack von Kaffee und Kakao auf der Zunge sehr lange erhalten. Je länger der Geschmack auf der Zunge ist, desto mehr kommt der Kaffeegeschmack in den Vordergrund.

Dieses Altbier ist nur schwer mit dem Altbier zu vergleichen das wir auf Düsseldorf oder Münster kennen. Irgendwie fehlt der Hopfen, aber der starke malzige Geschmack macht dieses Bier zu etwas Besonderen.

Zutaten:

Wasser
Gerstenmalz
Hopfen
Kräuter
Karamel

Alkoholgehalt:

5,0 %

Brauerei:

Lindeboom Bierbrouwerij B.B.
Postbus 4416
6086 ZG Neer
www.lindeboom.nl