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Maisel&Friends Dirty 30

Ein runder Geburtstag ist für viele Menschen etwas Besonderes und aus diesem Grund werden diese Geburtstage häufig auch ganz besonders begangen. Einmalig ist aber wohl das Geburtstagsgeschenk, das sich Markus Briemle, der Braumeister von Maisel&Friends, zu seinem 30. Geburtstag gemacht hat. Er braute sich ein Bier mit 30 unterschiedlichen Malzen und ebenfalls 30 unterschiedlichen Hopfensorten, das Dirty 30.

Das Sprichwort sagt ja aus, dass viele Köche den Brei verderben. Verderben auch viele Rohstoffe das Bier oder kommt dabei etwas ganz Spezielles mit einem ungeheuer komplexen Aromaprofil heraus? Ich habe jetzt das Bier vor mir stehen und bin wirklich gespannt, was dabei herausgekommen ist.

Wenn 30 Malze auf 30 Hopfensorten treffen, dann knallt es auf jeden Fall so richtig. Zwei skelettierte Widder treffen aufeinander, einer mit Hopfen, einer mit Malz beladen. Wenn mir das Bier so gut gefällt wie das Etikett, das von Markus Schwester gestaltet wurde, dann werde ich sicher begeistert von dem Ergebnis sein.

Rein optisch macht das Black IPA schon mal seinem Bierstil alle Ehre. Tiefschwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Krone aus festem hellbraunem Schaum, der sehr lange erhalten bleibt.

Das Aroma droht, die Wahrnehmungsfähigkeit meiner Nase zu überfordern. Der Duft nach Ananas steht im Vordergrund, dicht gefolgt von anderen Aromen. Ich rieche einen ganzen tropischen Obstsalat, dazu den Duft roter Früchte und von Rosinen, dazu einen Hauch schwarzer Pfeffer. Erst mit der Zeit kommt auch das Aroma des Malzes mit den Düften nach Toffee und dunkler Schokolade hervor. Ich bin davon überzeugt, dass andere Konsumenten noch weitere Duftnoten feststellen werden.

Jetzt ist es aber Zeit für den ersten Schluck. Und der erste Eindruck auf der Zunge ist, dass es sich beim Dirty 30 um ein frisches prickelndes Bier handelt. Es ist nichts zu spüren von der Schwere vieler dunkler Biere. Damit qualifiziert sich dieser Sondersud als ein hervorragendes Sommerbier. Das wird durch die ungeheure Fruchtigkeit des Bieres unterstützt. Zunächst schmecke ich Kumquats, bevor sich alle Aromen, die ich bereits in der Nase wahrgenommen habe, auf der Zunge widerspiegeln. Aber dabei bleibt es nicht. Auch Mandarine, Grapefruit und Banane kommen zum Vorschein. Die 8,2 Volumenprozent Alkohol sind dabei so gut in das Bier integriert, dass sie nicht hervorschmecken, sondern den Geschmack des Hopfens sowie des Malzes unterstützen. Überraschend ist auch der Abgang. Er ist deutlich weniger bitter als der Geschmack auf der Zunge, dafür tritt die Fruchtigkeit noch einmal klar hervor und sie klingt auch lange nach.

Das Dirty 30 ist ein Brauexperiment, das auf Anhieb überzeugen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Roggenmalz, Dinkelmalz, Hopfen (Amarillo, Ariana, Bramling Cross, Callista, Cascade, Celeia, Centennial, Chinook, Citra, Crystal, Ella, Enigma, Hallertauer Blanc, Hallertauer Herkules, Hallertauer Perle, , Hallertauer Saphir, Hallertauer Tradition, HBC431, Hersbrucker, Hüll Melon, Mandarina Bavaria, Mittelfrüh, Relax, Saazer, Spalter Select, Styrian Fox, Styrian Golding, Tettnanger, Triskel, Vic Secret), Hefe

Alkoholgehalt:

8,2 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Bittereinheiten:

62 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Kreativsud #1

Das Bier, das ich jetzt testen will, ist ein Novum für mich. Als Hersteller steht kein einzelner Brauer, sondern als Hersteller fungiert der Bundesverband der Kreativbrauer e.V. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob dieser Verein das deutsche Reinheitsgebot bekämpft. Liest man sich die Website des Vereins durch, ist schnell zu erkennen, dass die in dem Verein zusammengeschlossenen Brauer eigentlich genau die Regeln leben, die beim deutschen Reinheitsgebot immer betont werden, die aber in der Realität nicht oder zumindest nicht immer eingehalten werden. Reinheit sollte bei Lebensmitteln eigentlich ein Synonym für Natürlichkeit sein, was aber bei industriell gebrautem Bier nicht wirklich zutrifft. Außerdem fordern die Brauer, dass auch andere natürliche Zutaten im Bier verarbeitet werden dürfen, die im Reinheitsgebot oder besser gesagt im vorläufigen Biergesetz nicht vorgesehen sind. Aber beschäftigen wir uns jetzt mit dem Bier.

Bernsteinfarben und ungefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert. Die feine Süße wird durch den Kümmel und besonders durch den Wacholder unterstützt. Ich weiß ja nicht, wann das Bier genau eingebraut wurde, aber bereits jetzt taucht vor meinem inneren Auge ein leckerer Hirsch-Sauerbraten auf. Ganz offensichtlich ist das Bier für den Winter gedacht.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist die Süße des Bieres. Leider ist die sehr feinperlige Kohlensäure nur sparsam dosiert. Schnell drängen sich die Gewürze, in erster Linie der Wacholder, in den Vordergrund und verdrängen die Süße. Im Abgang flackert kurz etwas Säure auf, die aber schnell wieder dem Wacholder Platz macht, der sehr lange nachklingt.

Dieses Bier eignet sich gut als Begleiter zu Wildgerichten oder zum Kochen einer winterlichen Soße. Die Gewürze stehen im Vordergrund und lassen dem ebenfalls enthaltenen Hopfen keinen Platz im Geschmack.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Kümmel, Wacholder, Salz, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Bundesverband der Kreativbrauer e.B.
Rathgeberstr. 7
97656 Oberelsbach
www.deutschkreativbrauer.de

Tucher Urbräu

Heute nehme ich mir mal ein Bier aus der Radeberger-Gruppe vor, das Tucher Urbräu. Das Helle stammt aus Fürth und da die Franken für ihre Braukunst bekannt sind, hoffe ich auf ein leckeres Bierchen, auch wenn es aus einem Großkonzern stammt.

Hellgolden präsentiert sich das Bier im Glas mit viel feinporigem Schaum, der auch lange erhalten bleibt. An der Optik ist schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma ist malzbetont. Der Duft nach Biskuitteig steigt mir in die Nase. Dazu kommt ein Hauch Fruchtigkeit, ich meine eine Spur Limone entdecken zu können.

Der Antrunk ist mäßig süß und die sehr feinperlige Kohlensäure ist recht ordentlich dosiert. Auf der Zunge nimmt die Süße des Malzes etwas zu. Eventuell erscheint es mir aber auch nur so, denn ich kann nur wenige Bitterstoffe feststellen und von Fruchtigkeit kann keine Rede sein. Genau dieser Eindruck setzt sich auch im Abgang fort. Das können di Franken aber eigentlich besser. Trinken lässt sich das Bier durchaus, aber um zu einem Genusserlebnis zu kommen, fehlt doch sehr viel. Selbst die Brauerei scheint von ihrem Urbräu nicht so richtig überzeugt zu sein, denn auf der Website kann ich keinerlei Informationen zu diesem Bier finden. Schade.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Tucher Bräu GmbH & Co. KG
Tucherstraße 10
90763 Fürth
www.tucher.de

Keiler Land-Pils

Das Keiler Land-Pils, das jetzt vor mir steht, stammt aus Lohr am Main in Unterfranken, genauer gesagt im Spessart. Allerdings ist die Keiler-Bier GmbH, die als Hersteller auf dem Etikett genannt wird, nicht selbstständig, sondern gehört zu Würzburger Hofbräu. Die Würzburger scheinen sich aber nicht viele Gedanken um das Bier aus Lohr zu machen (falls es überhaupt noch in Lohr gebraut wird), denn die Website von Land-Bier wurde seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr gepflegt. Die letzte Presseerklärung des Unternehmens stammt von Mitte Oktober letzten Jahres und nun haben wir bereits Ende Mai. Da ist mir kein Webauftritt doch lieber als solch ein vernachlässigter. Aber ich habe ja noch die Hoffnung, dass die Brauerei dem Bier mehr Aufmerksamkeit schenkt als der Website, und darauf kommt es schließlich an.

Golden und klar zeigt sich das Land-Pils im Glas. Die überdurchschnittliche Schaukrone ist fest und bleibt lange erhalten.

Das Bier duftet getreidig mit einigen würzigen Noten. Für ein Pils ist das Aroma des Hopfens wirklich schwach ausgeprägt, so dass der Duft eher zu einem Hellen passen würde.

Der Antrunk ist frisch und angenehm. Auf der Zunge kommt ein dezentes Bitter dazu und der Abgang zeigt wenig Hopfen. Trotzdem klingt er relativ lange nach.

Das war die kürzeste Beschreibung eines Bieres, die ich jemals verfasst habe. Aber mehr gibt es zu diesem Bier aus nicht zu sagen. Es handelt sich um ein recht angenehmes Konsumbier, das sich gut trinken lässt, das aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Etwas mehr Ecken und Kanten würden dem Land-Pils gut zu Gesicht stehen. Dann könnte eventuell auch der Untertitel “Die saugute Spezialität” passen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,6 %

Brauerei:

Keiler Bier GmbH
Höchberger Straße 28
97082 Würzburg
www.keilerbier.de

König Ludwig Weissbier alkoholfrei

Die Schloßbrauerei Kaltenberg, besser bekannt als König Ludwig, ist eine der bekanntesten Brauereien in Bayern und in der Regel gefallen mir die Biere aus dieser biederbayerischen Brauerei recht gut. Umso mehr überrascht mich ein Blick auf das Etikett, da ich dort feststelle, dass dieses Bier ausschließlich mit Hopfenextrakt gebraut wurde. Ein Blick auf die Website der Brauerei, die im Übrigen die detailliertesten Informationen zu den Bieren anbietet, die ich bislang gesehen habe, bringt die nächste Überraschung ans Licht: im Bier sind ganze 0,001 % Hopfenextrakt enthalten, also wirklich ein Tausendstel Prozent. Da bin ich wirklich gespannt, ob es den Brauern gelungen ist, mit dieser minimalen Dosis Hopfenextrakt ein gut trinkbares Bier herzustellen.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine voluminöse feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch gibt es an diesem Bier nichts auszusetzen.

In der Nase machen sich getreidige Noten breit. Der stiltypische Bananenduft ist nur in Ansätzen vorhanden. Damit ist das Aroma etwas enttäuschend.

Der Antrunk ist recht trocken, dabei prickelnd und frisch. Damit empfiehlt sich dieses Bier als Durstlöscher an einem heißen Sommerabend. Auf der Zunge ist das Bier getreidig mit wenigen Bitterstoffen und auch eine Fruchtigkeit suche ich recht vergebens. Insgesamt macht das Bier im Mund keinen runden Eindruck. Der Abgang ist wenig bitter und er klingt kaum nach.

Bei diesem Bier dominiert das Malz von Anfang bis Ende. Als Durstlöscher ist es sicherlich geeignet, aber für den Genuss ziehe ich dann doch andere Biere vor.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

0,35 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

König Ludwig GmbH & Co. KG
Schloßbrauerei Kaltenberg
Augsburger Str. 41
82256 Fürstenfeldbruck
www.koenig-ludwig-brauerei.com

Artbeer #1 Case Maclaim

Jetzt steht mal wieder ein Sondersud von Maisel & Friends vor mir, Artbeer #1 genannt. Das auffällige Etikett wurde von Andreas von Chrzanowski gestaltet, auch als Case Maclaim bekannt. Na ja, bekannt ist wohl relativ. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber immerhin hat er es zu einem eigenen Eintrag auf Wikipedia gebracht. Der Bildausschnitt auf dem Etikett zeigt, wie filigran Case sprayt. Damit passt das Bild gut zu den in der Regel gut komponierten Bieren aus Bayreuth.

Beim Artbeer #1 handelt es sich um ein Hoppy Strong Ale, so dass ich also ein kräftiges, schweres und ordentlich gehopftes Bier erwarte. Mal sehen, wie mir dieses Bier gefällt, bei dem bereits der Name aussagt, dass es sich um das erste einer Reihe handelt.

Golden mit einem ordentlichen Stich ins orange präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommt eine leichte Hefetrübung, die mich aber noch sehen lässt, dass das Bier recht viel Kohlensäure enthält. Die Schaumkrone ist durchschnittlich groß, dabei aber cremig und mit langer Haltbarkeit. Optisch macht das Bier schon mal einen sehr guten Eindruck.

Das Aroma ist frisch und fruchtig. Düfte nach Zitrusfrüchten, Ananas, Mango und Himbeeren steigen mir in die Nase. Ich kann kaum glauben, dass diese frischen Aromen wirklich mit satten 9,5 Volumenprozenten Alkohol daherkommen. Jedenfalls bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Bereits beim ersten Kontakt des Bieres mit meiner Zungenspitze spiegeln sich die fruchtigen Aromen wider. Die Süße ist angenehm zurückhaltend. Während sich das Bier auf der Zunge verteilt nimmt die Fruchtigkeit noch zu und das Mundgefühl ist cremig und rund. Ich frage mich nur, wo sich denn die 38 Bittereinheiten verstecken. Die verstecken sich offensichtlich irgendwo hinter der ungeheuren Fruchtigkeit der Hopfensorten Mosaic und Citra und sie kommen erst im recht trockenen Abgang wirklich zum Vorschein. Auch der Geschmack des Alkohols meldet sich erstmals im Abgang, wo er aber gut eingebunden ist. Und wo wir schon beim Abgang sind: die Fruchtigkeit klingt noch ellenlang nach.

Das Artbeer #1 hat mich wirklich überrascht und auch überzeugt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Stammwürze:

19,3° Plato

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstaße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Zombräu Voodoo

Jetzt steht das letzte Bier von Tobias und Bastian Merches aus Mirskofen vor mir, das Zombräu Voodoo. Es ist ein leichtes IPA mit nur 3,7 Volumenprozenten. Das Etikett verspricht also ein leichtes Sommerbier für zwischendurch. Mal sehen, ob ein IPA mit so wenig Alkohol auch schmecken kann. An dieser Stelle sage ich noch einmal “Danke” an die beiden Brauer für die Zusendung der Biere.

Rotgolden und wenig hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Ich sehe reichlich Kohlensäure und es bildet sich viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist fruchtig und für ein India Pale Ale erstaunlich mild. Düfte nach Limonen, Maracuja und Mango steigen mir in die Nase. Bis jetzt kann mich das Bier wirklich begeistern.

Der Antrunk ist fruchtig und hopfenbetont, aber auch der Malzkörper kommt zu seinem Recht und sorgt für eine leichte Süße. Diese Mischung überzeugt vom ersten Moment an. Schnell kommt ein ordentliches Bitter dazu, das etwa so kräftig ist wie die Fruchtigkeit und sie beinahe überdecken will. Der Geschmack ist nicht so stark wie bei IPAs mit mehr Alkohol, aber überraschend voll. Auch der Abgang kann überraschen. Er ist vergleichsweise mild und klingt trotzdem lange und angenehm nach.

Mit seinem relativ wenigen Alkohol, seiner Frische und seiner Fähigkeit, den Durst zu löschen, ist dieses Bier ideal für einen heißen Sommertag.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Helles Caramelmalz), Hopfen (Nugget, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

3,7 % Vol.

Brauerei:

Zombräu OHG
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Braukatz Hop Cat

Das Allgäu – eine Bilderbuchlandschaft. Von dort kommt das Bier, das jetzt vor mir steht, das Braukatz Hop Cat aus der Brau-Manufaktur Allgäu in Nesselwang. Die Brauerei ist seit 1883 in Familienbesitz. Neben den traditionsreichen bayrischen Bieren werden hier auch einige Craft-Biere kreiert, so auch das Hop Cat.

Das helle Gelb des Bieres und die leichte Trübung durch die Hefe gefallen mir schon mal gut. Leider hat das Bier nur recht wenig gemischtporigen Schaum, der auch schnell in sich zusammenfällt.

Über die meiner Meinung nach doch noch verbesserungsfähige Optik dieses Bieres trösten aber die fruchtigen Aromen hinweg, die mir bereits während des Einschenkens in die Nase steigen. Vor Allem Limone und Ananas kann ich riechen. Spätestens mein Geruchssinn verrät mir, dass ich hier ein besonderes Bier vor mir stehen habe.

Bei diesem fruchtigen Aroma erwarte ich einen recht süßen Antrunk – und ich werde auch nicht enttäuscht. Die fruchtige Süße, in der sich das Aroma widerspiegelt, wird aber durch die gut dosierte feinperlige Kohlensäure ausgeglichen. Schnell verbindet sich ein kräftiges aber freundliches Bitter mit der Fruchtigkeit. Jetzt zeigt das Hop Cat seinen Charakter – kräftig und ausgewogen, damit aber absolut nicht langweilig. Trotz des kräftigen Bitter bleibt das Bier sehr gut trinkbar. Auch der Abgang ist fruchtig und zeigt dabei ein erstaunlich mildes Bitter. Trotzdem klingt er ellenlang nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Triskel, Brewers Gold), Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,0 %

Bittereinheiten:

42 IBU

Brauerei:

Post-Brauerei Nesselwang
Karl Meyer
Hauptstr. 25
87484 Nesselwang
www.brau-manufactur-allgaeu.de

Zombräu Blutweisse

Mir gefällt ja die Philosophie der beiden Brauer aus Mirskofen, die sie auf ihrer Homepage zusammenfassen: “Was bereits tot ist, kannst du nicht mehr umbringen! Craft Beer ist kein neues Phänomen, sondern existiert schon seit hunderten von Jahren. Aber mit der industriellen Revolution und der Industrialisierung des Bieres wurden innovative in Handarbeit gebraute Schätze niedergemetzelt und durch Standardbier ersetzt. Gesichtsloses, wässriges Lager, das die Leute nur trinken, weil sie glauben, das müsse so schmecken. Aber sie irren sich gewaltig!” Die Biere von Tobias und Bastian, die ich bislang verkostet habe, haben bereits bewiesen, dass die beiden die Ansprüche, die sie in ihrer Darstellung formulieren, durchaus erfüllen. Daher freue ich mich auf diesen Biertest.

Vor mir steht jetzt die Blutweisse, ein rotes Weizenbier, das vollkommen ohne Weizen auskommt. Wie das geht? Er wurde einfach durch Dinkel ausgetauscht. Dinkel ist ein enger Verwandter des Weizens, einige Quellen sagen auch, dass der Weizen aus dem Dinkel gezüchtet wurde. Tatsächlich sind die beiden Getreidearten so eng miteinander verwandt, dass sie sich sogar kreuzen lassen. Da der Dinkel zumindest im Brot verbacken intensiver schmeckt als Weizen erwarte ich jetzt ebenfalls eine Geschmacksexplosion. Wikipedia schreibt sogar, dass Dinkel auch von Weizenallergikern vertragen wird. Ich weiß zwar nicht, ob diese Menschen auch auf Weizenbier reagieren, aber falls ja, ist die Blutweisse für diese Personen sicher eine Alternative. Wenn Sie von einer Weizenallergie betroffen sind, sollten Sie das aber vor einem Selbstversuch noch genau abklären. Aber genug der Theorie, jetzt ist es an der Zeit, das Glas zu füllen.

Und wirklich – rot mit einem Braunstich und ist leicht hefetrüb. Die durchschnittlich große Schaumkrone ist fest, hat einen leichten Elfenbeinton und bleibt lange erhalten. Optisch ist das Bier schon mal perfekt.

Ein sattes Getreidearoma steigt mir in die Nase, zusammen mit Karamell- und fruchtigen Aromen nach Banane sowie einigen würzigen Noten. Ich meine Düfte nach Pfeffer und Gewürznelken wahrzunehmen. Das runde Aroma macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß, dabei intensiv. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig und sanft. Die Rezenz ist cremig, Malze und Banane bestimmen den Geschmack auf der Zunge. Der Abgang ist wenig bitter, aber er klingt lange nach.

Die Blutweisse hat meine Erwartungen vollkommen erwartet. Sie hat Charakter, ist rund und ausgewogen. Schade, dass es dieses Bier im Ruhrpott nicht zu kaufen gibt; es würde sonst sicher häufiger meinen Kühlschrank bevölkern. Außerdem wird die Blutweisse in 0,33 l-Flaschen geliefert, so dass ich mein kleines Weizenbierglas häufiger mal verwenden könnte.

Zutaten:

Wasser, Dinkelmalz, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Cara50, Cara100, Melanoidinmalz, Special W®), Hopfen (Perle)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürzegehalt:

14° Plato

Bittereinheiten:

11 IBU

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Camba IPA

Camba Bavaria wurde im Jahr 2014 von Meiningers International Award als Craft -Brauer des Jahres ausgezeichnet. 2017 erschien in der Welt ein Artikel, in dem die Redaktion die Brauerei als eine der innovativsten Brauereien beschrieb, gemeinsam mit Maisel & Friends. Diese Beschreibung bezog sich allerdings nicht auf das Bier, sondern auf die Produktion. Die Brauerei beschreibt sich auf ihrer Website wie folgt: “Von der Produktion bis hin zum Vertrieb verfolgen wir gemeinsam ein Ziel: unseren Kunden beste Biere zu bieten – dabei steht der persönliche Kontakt und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit stets an erster Stelle. Unsere Expertise und die Bündelung unterschiedlichster Kompetenzen unter einem Dach zeichnet uns als Brauerei aus. Eine internationale Ausrichtung sowie geballtes Branchen-Know-How, ermöglicht es uns, Kunden aus aller Welt zu beliefern und einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.” Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob sich so viel attestierte Kompetenz auch im Bier niederschlägt.

Mit seiner dunklen Bernsteinfarbe, die einen deutlichen Rotstich aufweist und der kräftigen Hefetrübung spricht mich das Bier schon mal an. Auch die sich darüber bildende sehr voluminöse und sahnige Schaumkrone lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Im Aroma halten sich die Fruchtigkeit des Hopfens und der Malzkörper die Waage. Mir steigen Aromen von Mandarinen, Limetten und Ananas in die Nase, gepaart mit dem Karamellduft des Malzes sowie einigen grasigen Noten. Das macht doch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure prägen den ersten Eindruck dieses Bieres. Für ein IPA geht es überraschend leicht über die Zunge. Die Bitterstoffe halten sich zunächst diskret im Hintergrund, so dass das Bier recht leicht wirkt. Das bleibt aber nicht so. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt der Geschmack nach Grapefruit in den Vordergrund und zieht auch die Bitterstoffe mit sich. Immer noch wirkt das Bier aber frisch und gut trinkbar. Der Abgang ist durch ein freundliches Bitter mit einem langen Nachklang geprägt.

Zutaten

Brauwasser, helle und dunkle Gerstenbraumalze, Hopfen (Mosaic, Cascade, Chinook, Citra), obergärige Bierhefe

Alkoholgehalt

6,6 % Vol.

Stammwürze

15,5 %

Bittereinheiten

62 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.cambabavaria.de

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