Archiv für den Monat: November 2017

Aecht Nürnberger Kellerbier

Die Brauerei Tucher, die zum Radeberger Konzern gehört, bewirbt ihr Bier mit vollmundigen Worten: “Es war einmal … eine Zeit, da gab es in Nürnberg bis zu 42 Brauereien, die den Bierdurst der Bürger löschten. Um all das Bier kühl zu lagern, wurden tiefe Felsenkeller unter der Kaiserburg angelegt. Die richtige Lagerung ist auch bei unserem Aecht Nürnberger Kellerbier von entscheidender Bedeutung: Es reift in aller Seelenruhe und wird naturtrüb abgefüllt. Ein wahres Nürnberger Meisterbier.” Na, hoffentlich hat der Texter bei Radeberger da den Mund nicht zu voll genommen. An diesen Worten wird sich schließlich das Bier messen lassen müssen.

Intensiv golden steht das Bier im Glas. Mir fällt auf, dass es fast keine Hefe enthält, obwohl es doch als naturtrübes Bier angeboten wird. Na gut, diesen Effekt hatte ich ja bereits häufiger, so dass ich das der Tucher-Brauerei nicht ankreiden möchte, aber ein Bier, das fast wie gefiltert aussieht, hatte ich nicht erwartet und es war ja auch nicht versprochen worden. Die Krone aus gemischtporigem weißen ist überraschend klein und sie fällt auch schnell in sich zusammen.

Das Aroma ist blumig, dazu kommt bereits im Aroma eine leichte Malzsüße zum Vorschein. Damit enthält das Aroma keine falschen Töne, aber um mich zu begeistern ist es einfach zu wenig. Mit einer besseren Hopfenauswahl könnte mir das Aroma durchaus gefallen.

Der Antrunk ist leicht süß und wenig spritzig. Und so ähnlich geht es auch weiter. Der Körper ist schlank, wenig bitter und ohne Fruchtigkeit. Der Abgang ist ebenfalls nur gering bitter und er klingt nur kurz nach.

Nein, dieses Bier enthält keine falschen Töne, aber irgendwie von Allem zu wenig. So sehr ich mich auch anstrenge, kann ich dieses Bier nicht als Meisterbier anerkennen.

Alkoholgehalt:

12,5 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen, Hopfenextrakt

Brauerei:

Tucher Bräu GmbH & Co. KG
Tucher Straße 10
90763 Fürth
www.tucher.de

Craft Beer – in Bayern heißt das Tradition

Craft Beer ist ein Begriff, der über den großen Teich auch nach Deutschland geschwappt ist. Damit meinen die Amerikaner Bier, das sich bewusst gegen den Einheits-Gerstensaft der großen Konzernriesen stellt, die in Amerikas Kneipen und Gastwirtschaften seit Jahren die Zapfhähne dominieren. Doch was die amerikanische Bierwelt als neuen Trend feiert, gibt es in der Oberpfalz und in Niederbayern bereits seit hunderten Jahren: handwerklich gebraute Bierspezialitäten von höchster Qualität. Das traditionelle Zoigl aus den Kommunbrauhäusern in der nördlichen Oberpfalz, aber auch das Bier aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt in Weltenburg vor den Toren Regensburgs sind die lebenden Zeugen einer Genusskultur, die bis heute als weltweit einzigartig gilt.

Kühl und naturtrüb schäumt der “Zoigl” im Glaskrug: Für Bierliebhaber ist die mittelalterliche Spezialität aus der nördlichen Oberpfalz eine neue Offenbarung: Immer mehr Einheimische und Touristen entdecken die gemütliche Wirtsstube im Wohnzimmer – ein Brauch, der um die Jahrtausendwende beinah ausgestorben war, in den letzten Jahren aber zum Renner bei den Urlaubsgästen und zum Renommee der ganzen Region zwischen Cham und Bayreuth, Neumarkt und Mitterteich geworden ist. Kenner der “Zoiglszene” schätzen, dass heute mindestens doppelt so viele Hektoliter des naturtrüben Gerstensafts gebraut werden wie noch vor fünf Jahren.

Und wer in der Klosterschenke des Weltenburger Klosters bei Regensburg eine Halbe malzig-vollmundiges Barock Dunkel genießt – es wird bis heute handwerklich eingebraut – kann es kaum glauben: Dieses Bier ist angeblich bereits vor fast 1.000 Jahren zum ersten Mal gebraut worden. Rund 600 kleine und mittelständische Brauereien gibt es heute zwischen Hof und Garmisch-Partenkirchen.

“Bayern ist damit die eigentliche Heimat des Craft Beers mit einem wesentlichen Unterschied zu den USA: Es verkörpert nicht nur Trend, sondern vor allem auch Tradition”, sagt Hermann Goß, Direktor der Brauerei Bischofshof, zu der die Klosterbrauerei Weltenburg heute gehört. Hinter den mittelständischen Brauereien stünden Brauer und Betriebe, die für Echtheit und Qualität, für Ehrlichkeit und Genusskultur stehen – und für eine gelebte Verantwortung gegenüber ihrer Heimatregion, ihren heimischen Lieferanten und Kunden. Goß erinnert auch daran, dass die Wurzeln des Reinheitsgebots in Ostbayern liegen und es Mitte des 19. Jahrhunderts ein Braumeister aus Niederbayern war, der das “Pils” erfand.

Beim härtesten Bierwettbewerb der Welt, dem European Beer Star, haben Brauereien aus Ostbayern in diesem Jahr elf Medaillen gewonnen – mit handwerklich gebrauten Bierspezialitäten im besten Wortsinn. “Alle ostbayerischen Preisträger sind klassische Craft-Biere, auch wenn sie nicht so heißen”, sagt Goß, der sich mit seiner Mannschaft über drei Medaillen freuen konnte. Die Region gehöre damit zu den erfolgreichsten weltweit. Das ist umso erstaunlicher, weil die Konkurrenz für Biere aus unserer Heimat noch nie so groß war wie heuer: Braumeister, Biersommeliers und renommierte Bierkenner aus knapp 30 Nationen testeten in diesem Jahr mehr als 2.000 Biere aus fast 50 Ländern rund um den Globus.

“Die regionalen Brauereien haben bewiesen, dass sie für höchste Qualität und stetige Innovation stehen und es ist ein Grund zur Freude, dass immer mehr Kunden das schätzen”, sagt Goß. Jeder Konsument habe es in der Hand, bewusst ein Zeichen für regionale Wertschöpfung und regionale Vielfalt zu setzen – gerade auch beim Bier. “Denn jenseits aller Medaillen sind – nicht nur für einen Braumeister – begeisterte Kunden noch immer das schönste Geschenk”, sagt der Brauereidirektor.

Und längst sind es nicht mehr die Amerikaner allein, die mit ihrem Craft Beer weltweit von sich reden machen: Gerstensaft-Liebhaber rund um den Globus schätzen mittlerweile die ostbayerischen Bierspezialitäten: Den eigentlich nur für den heimischen Markt anlässlich des Reinheitsgebot-Jubiläums im vergangenen Jahr produzierten und beim European Beer Star prämierten “Altvater”-Weizenbock lieferten Versandhändler wegen der großen Nachfrage auch in die USA. Und eine japanische Delegation orderte nach einer Verkostung in Regensburg fast 200 Hektoliter des Spezialbiers.

Craft-Beer-Kompetenz aus Bayern ist auch in einem anderen Bereich ein Exportschlager mit wachsendem Erfolg: Die NürnbergMesse ist heute Motor, um der Kunst des handwerklich gebrauten Bieres national und international eine Bühne zu bieten. Die weltweit bedeutendste Messe für Getränke- und Getränketechnologien “Beviale” in der Frankenmetropole hat bereits Ableger in Russland (Moskau) und China (Shanghai). In diesem November bekommt die “Beviale-Familie” weiter Zuwachs – mit der ersten “Craft Beer Italy” in Mailand. 2018 ist erstmals eine Veranstaltung in Brasilien geplant. “Wir wollen Weltmarktführer bei Craft-Beer-Veranstaltungen werden”, sagte der Nürnberger Messe-CEO Roland Fleck bei einer Pressekonferenz in diesem Jahr.

Corsendonk Christmas Ale

Auch die Familienbrauerei Bocq braut ein Weihnachtsbier, das Corsendonk Christmas Ale. Bis 1982 wurden die Corsendonk-Biere von der Brewery Corsendonk in Oud-Tournhout im ehemaligen Augustiner-Kloster hergestellt. Seitdem werden die Corsendonk-Biere in der Brauerei du Bocq gebraut, die sich vollständig im Besitz der Familie Keersmaker befindet. Das Corsendonk Christmas Ale wird nur für die Weihnachtszeit gebraut.

Im Glas präsentiert sich das Bier tiefschwarz, nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert es kastanienbraun. Darüber bildet sich ein hellbrauner und sehr haltbarer Schaum. Optisch spricht mich das Bier sehr an.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Ich rieche Schokolade sowie Trockenfeigen und auch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist ziemlich süß. Außerdem stelle ich fest, dass das Corsendonk Christmas Ale nur sehr wenig feinperlige Kohlensäure enthält, wodurch diesem Bier die Frische fehlt. Trotzdem ist der Geschmack recht angenehm, da er viel Geschmack von Feigen sowie von Koriander, Lakritze und Vanille enthält. Offensichtlich kommt ein großer Teil der Süße von Kandiszucker. Der kräftige wärmende Körper ist ausgewogen und vollmundig. Der Alkohol ist gut eingebunden in die weiterhin vorhandenen Frucht- und Gewürznoten. Jetzt meine ich, auch etwas Orangenschale zu schmecken. Der Abgang ist erstaunlich mild, auch wenn hier die ersten Bitterstoffe auftauchen. Jetzt erinnert das Bier an einen guten Likör.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Zucker, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Brauerei:

Brewery Corsendonk
Steenweg op Mol 118
2360 Oud-Turnhout
Belgien

Leffe Radieuse

Für viele Bierliebhaber gilt AB InBev als Inbegriff des schlechten Biers. Dafür gibt es auch gute Beispiele. Viele Industriebiere sind unter dem Dach des größten Brauereiunternehmens der Welt vereint und alle, die mit diesen Bieren zu tun haben, bestätigen einen Qualitätsrückgang. Es gibt aber auch viele andere Beispiele, in denen auch unter dem Dach von InBev die Qualität hochgehalten wurde und auch Sondersude möglich sind. Ein Beispiel dafür ist Leffe. Bei Leffe habe ich sogar den Eindruck, dass sich die Biervielfalt vergrößert wurde. Aber das ist ein gefühltes Argument und ich kann mich auch irren. Jetzt steht jedenfalls das Leffe Radieuse vor mir. Ob der Name gerechtfertigt ist (radieuse ist französisch für frohlockend, strahlend), will ich jetzt feststellen.

Wunderbar rubinrot mit einem Stich ins Kupfer präsentiert sich das Bier im Glas. Da es gefiltert ist, könnte sich der Name auf die Optik dieses Belgian Strong Dark Ales beziehen. Über dem Bier bildet sich eine sehr voluminöse Schaumkrone, sehr fest und elfenbeinfarben, die sich nur langsam auflöst. Die Optik des Leffe Radieuse ist auf jeden Fall schon mal makellos.

Das Bier duftet angenehm und frisch nach Röststoffen und Trockenfrüchten, dazu nach Koriander und verschiedenen Kräutern.

Der Antrunk ist fruchtig-süß und durch die sehr feinperlige Kohlensäure erfrischend. Während sich das Bier im Mund verteilt bleibt die Süße und wird durch eine leichte Säure und einige Bitterstoffe ergänzt. Ich schmecke Rosinen und Aprikosen, dazu Orangenschale und eine leichte Holznote. Der Alkohol ist gut eingebunden. Im Abgang kommen die Röststoffe in den Vordergrund. Sie bringen den Geschmack nach dunkler Schokolade wie auch von Orangenschale, Koriander und Marzipan mit. Der Geschmack des Bieres klingt in der Kehle lange nach.

Zwar können weder Antrunk noch der Körper oder der Abgang für sich mich total begeistern, aber in der Gesamtheit weiß das Bier absolut zu überzeugen.

Alkoholgehalt:

8,2 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Abbaye de Leffe s.a./n.v.
Place de l’Abbaye 1
5500 Dinant
Belgien
www.leffe.com

Préaris X-Mas

Die Inhaber der Brauerei Préaris waren viele Jahre lang Hobbybrauer und nahmen als solche auch im April 2011 am “Brouwland Biercompetitie” teil. Dort wurden sie als die besten belgischen Heimbrauer ausgezeichnet. Daraufhin haben sie sich entschlossen, ihr Bier auch Bierliebhabern verfügbar zu machen. Da sie aber nur über eine Heimbrauanlage mit 80 Litern verfügten und kein eigenes Brauhaus aufbauen wollten, haben sie sich entschlossen, ihr Bier in Lizenz bei einer anderen Brauerei herstellen zu lassen. Die Wahl fiel auf die ProefBewery, wo das Bier nach meinen Informationen bis heute gebraut wird. 2011 begann der kommerzielle Verkauf der Biere und bereits zwei Jahre später wurde Préaris von ratebeer.com als beste neue Brauerei in Belgien ausgezeichnet.

Von dort stammt auch das X-Mas, das jetzt vor mir steht. Dieses Bier unterscheidet sich deutlich von den meisten anderen belgischen Weihnachtsbieren. Zum einen enthält dieses Bier lediglich 5,0 Volumenprozent Alkohol. Außerdem ist es ein helles Bier und nicht wie die meisten Weihnachtsbiere mit Röstmalz gebraut. Dann wollen wir mal sehen, wie sich das Bier so macht.

Tiefgolden ist das Bier und es enthält viel agile Kohlensäure. Die Schaumkrone ist überdurchschnittlich und sie bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma ist fruchtig. Deutlich ist Limone zu riechen sowie einige würzige Noten; ich meine weißen Pfeffer zu riechen. Die Fruchtigkeit lässt mich vermuten, dass das Bier gestopft wurde, vermutlich mit Simcoe oder einem ähnlichen Hopfen.

Der Antrunk offenbart eine leichte Süße und obwohl ich sehr viel Kohlensäure gesehen habe, ist das Bier nur mäßig spritzig. Die Kohlensäure ist sehr mild. Trotzdem ist der erste Eindruck bereits ausgewogen, da die Menge der Kohlensäure gut auf die Süße abgestimmt ist. Auf der Zunge kommt eine leichte Fruchtigkeit auf, die schnell durch ein überraschend intensives und trotzdem freundliches Bitter überdeckt wird. Im Abgang lässt das Bitter etwas nach, der Nachklang ist aber sehr lang.

Das Préaris X-Mas ist für ein Weihnachtsbier ungewöhnlich, aber sehr angenehm. Ich könnte mir auch an einem warmen Abend im Sommer vorstellen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Zucker

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Andelot bvba
Doornzelestraat 20
9080 Lochristi
Belgien
www.proefbrouwerij.com

für

Vliegende Paard Brouwers
Beverhoutsveldstraat 33
8730 Oedelem
Belgien
www.prearis.be

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen

Lange Zeit waren Rauchbiere fast ausgestorben. Lediglich in Bamberg wurde die Tradition noch hochgehalten und im Weltkulturerbe wurde weiterhin das Malz durch die Brauereien über offenem Buchenholzfeuer geröstet. Nicht umsonst wurde das Rauchbier im Jahr 2006 aus Bamberg von Slowfood in als Passagier in die Arche des guten Geschmacks aufgenommen. Auch wenn es inzwischen einige Craft Brauer gibt, die sich des Rauchbiers angenommen haben, kommt das Original weiterhin aus Franken.

Rauchbier ist vermutlich der umstrittenste Bierstil. Vielen Konsumenten gefällt der meist kräftige Rauchgeschmack nicht. Und auch ich muss zugeben, dass die ersten Schlucke jedes Mal dazu dienen, sich wieder an den Geschmack zu gewöhnen. Aber ab dem dritten oder Vierten Schluck finde ich wieder Gefallen am rauchigen Bier. Ich meine, alleine für die Einkehr in den Brauereigaststätten lohnt sich ein Besuch in Bamberg.

Aber kommen wir jetzt zum Märzen von Aecht Schlenkerla Rauchbier. Die Brauerei bewirbt es als “das Original und Bambergs Spezialität seit Jahrhunderten.” Und wir wollen auch nicht vergessen, dass diese fränkische Spezialität mit einer Unmenge an Preisen überhäuft wurde, alleine von 2012 bis heute mit 20 Auszeichnungen. Aufgrund der Menge will ich sie hier nicht alle aufzählen. Wenn Sie an der Liste der Ehrungen interessiert sind, lesen Sie bitte auf der Website der Brauerei. Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich die Flasche öffne und mit dieses spezielle Märzen einschenke.

Schwarz ist es, wirklich schwarz. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine voluminöse Krone aus hellbraunem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt.

An dieser Stelle beschreibe ich in der Regel das Aroma des Biers. Damit tue ich mich in diesem Fall etwas schwer. Das Bier duftet intensiv nach Buchenrauch, durchaus vergleichbar mit einem handwerklich geräucherten Schinken. Der Rauchgeruch ist so kräftig, dass ich zunächst keinen anderen Duft feststellen kann. Erst als ich die Flasche zur Hälfte getrunken habe, kann ich feststellen, dass noch weitere Aromen vorhanden sind, allerdings so zurückhaltend, dass ich sie nicht identifizieren kann. Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb die Brauerei auf dem Rückenetikett schreibt: “Dieweilen aber das Gebräu beim ersten Trunk etwas fremd schmecken könnt, laß Dir’s nicht verdrießen, denn bald wirst du innehaben, daß der Durst nit nachläßt, sintemalen Dein Wohlbehagen sichtlich zunimmt.”

Der Antrunk ist einigermäßen trocken, weshalb es mich auch nicht stört, dass die sehr feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert ist. Dann kommt der Rauchgeschmack mit Macht. Er dominiert dieses Bier eindeutig. Nach dem dritten oder vierten Schluck lukt noch eine leichte Fruchtigkeit hervor, allerdings so schwach, dass ich sie nicht näher definieren kann. Auch der Abgang ist rauchig, aber er bringt noch ein leichtes Bitter hervor, verbunden mit einem Hauch dunkler Schokolade. Wie erwartet klingt der Geschmack noch lange nach. Nachdem ich mich mit dem Bier einige Zeit beschäftigt und mich an den Rauchgeschmack gewöhnt habe, kommt im Abgang das Bitter stärker hervor.

Ich mag das Bier, aber ich kann auch verstehen, wenn jemand dieses Bier ablehnt. Geeignet ist das Bier zu sehr deftigen Speisen und ich kann mir auch vorstellen, dass sich mit dem Rauchgeschmack und der zurückhaltenden Bitteren dieses Bier eine gute Grundlage für eine Soße zum Schweinsbraten bilden kann.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

13,5 %

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Brauerei Schlenkerla
Dominikanerstraße 6
96049 Bamberg
www.schlenkerla.de

18. 11. – 25. 11. 2017: Vienna Beer Week

Bereits zum dritten Mal findet in diesem Jahr die Vienna Beer Week statt. Eine Woche lang gibt es in verschiedenen Gaststätten, Bierkellern und Brauereien zwei Dutzend exklusive und einmalige bierige Veranstaltungen. Die besten Bierlokale der Donaumetropole Wien servieren die Highlights aus dem Bierland Österreich. Die vollständige Liste der Events finden Sie auf der Website des Veranstalters.

17. 11. – 18. 11. 2017: 3. Mainzer CraftBeerMesse

Die dritte Mainzer CraftBeerMesse (CBM) geht am 17. und 18. November in der Halle 45 an den Start. Rund 300 verschiedene Bierkreationen können die Besucher an den beiden Messetagen jeweils von 14 bis 22 Uhr bei über 50 Ausstellern verkosten, bewerten und auch gleich mit nach Hause nehmen.

Der Bierabsatz in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig verbuchen kleine, kreative Brauereien jedoch Wachstumsraten bis in den zweistelligen Bereich und das hat einen Grund. Wie in vielen anderen Bereichen legt der Konsument auch beim Bier immer größeren Wert auf Qualität, Regionalität und Individualität. Genau dort setzt die Mainzer CraftBeerMesse an. Jeder kennt die großen Biermarken aus dem Fernsehen, die wenn man mal ehrlich ist, sich im Geschmack doch zumindest sehr ähnlich sind. Doch jenseits dieser Massenbiere wächst die sogenannte Craftbier- oder auch Kreativbierszene. Junge Brauereien bringen Biere auf den Markt, die verschiedenste Geschmäcker bedienen. Von bitter über sauer bis hin zu schokoladig süß sind der Geschmacksvielfalt beim Brauen eigentlich keine Grenzen gesetzt und dies größtenteils auch innerhalb der Vorgaben des deutschen Reinheitsgebots. In diesem Jahr sind gerade traditionelle Stile wie Pils oder Helles im Trend – jedoch mit einer Geschmacksintensität, wie man sie im typischen Supermarktregal nur selten findet.

Aber auch Freunde von ausgefallenen Bierstilen werden auf der CBM fündig. Ob belgische Sauerbiere, die mehrere Monate in Holzfässern gelagert wurden oder fast vergessene, historische Sorten werden angeboten. Beim Steinbier beispielsweise werden während des Brauvorgangs stark erhitzte Steine in den Braukessel gegeben. Dadurch karamellisiert der in der Bierwürze vorhandene Zucker, was für einen weichen, leicht-süßlichen Geschmack im fertigen Bier sorgt. Diese Technik stammt aus Zeiten, als man noch in Holzbottichen braute, die man natürlich nicht mit offenem Feuer beheizen konnte. Zu finden ist diese Spezialität am Stand von “Hohmanns Braumeister Edition” aus Fulda.

Ganz und gar nicht traditionell geht es bei den Newcomern von “Sudden Death Brewing” zu. Im letzten Jahr noch Teilnehmer am Mainzer Hobbybrauerwettbewerb, haben die beiden Eishockeyfans vom Timmendorfer Strand den Sprung in die Professionalität gewagt und sind diesmal mit einem eigenen Stand auf der Messe vertreten. Dort werden Sie unter anderem ihr neuestes Werk “Steven Seagul” vorstellen. Ein fruchtiges IPA (India Pale Ale) und damit ein Vertreter des wohl bedeutendsten Bierstils der CraftbierBewegung.

Gewonnen hatte beim Hobbybrauerwettbewerb jedoch ein anderer. Heiko Müller aus Reichelsheim hatte im letzten Jahr mit seinem “Needle Juice”, einem Pale Ale gebraut mit Fichtenspitzen, die Jury überzeugt. Am Stand der Mainzer Brauerei KUEHN KUNZ ROSEN, die das Bier exklusiv für die Messe zusammen mit dem Hobbybrauer nachgebraut hat, wird der Wettbewerbssieger das Gewinnerbier ausschenken und alle Fragen rund um seine Kreation beantworten. Die Brauerei spendet den gesamten Gewinn aus dem Verkauf des Bieres an den Verein “Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.”, der sich um die Gesundheitsversorgung sozial benachteiligter Menschen kümmert.

Neben den Brauereien aus ganz Deutschland werden auch einige CraftbierHändler vertreten sein, an deren Ständen Bier aus anderen Ländern im Vordergrund steht. So werden zum Beispiel Spezialitäten aus England, Schottland, Italien, Schweden oder Hawaii angeboten.

Wer selbst einmal zu Hause Bier brauen möchte, ist beim angeschlossenen Hobbybrauermarkt genau richtig. Dort gibt es für jeden Interessierten das passende Equipment. Die Bandreite reicht dabei vom kleinen Kochtopf für die heimische Herdplatte bis zur vollautomatischen Hobbybrauanlage. Daneben zeigen erfahrene Hobbybrauer, wie man mit den verschiedenen Anlagen umgeht, indem sie vor Ort Bier brauen und alle Fragen der Besucher beantworten. Dass das Heimbrauen ein immer beliebteres Hobby wird, zeigt der Teilnehmerrekord am Hobbybrauerwettbewerb. In diesem Jahr wurden 60 Biere zum Thema “Helles Winterbier” angemeldet. Das Gewinnerbier kann dann wiederum auf der nächsten CraftBeerMesse probiert werden. Tipps und Tricks rund ums Hobbybrauen gibt es bei täglichen Vorträgen, in denen es in diesem Jahr um die Automatisierung der Heimbrauanlage und um die Veredelung von Spezialbieren geht.

Die Verkostung der angebotenen Biere läuft nach dem mittlerweile bewährten System ab: Jeder Besucher erhält ein professionelles Verkostungsglas (5,- € Pfand), mit dem er 0,1-Liter-Proben an den Bierständen verkosten kann. Bezahlt werden die Bierproben mit Bier-Coins, die zum Preis von je 0,50 € direkt in der Halle erhältlich sind. Die Preise für die Proben sind dabei abhängig von der Biersorte. Die Probiergläser können jederzeit beim Gläserservice umgetauscht oder an einer der Spülstationen in der Halle ausgespült werden. An jedem Stand gibt es zudem kostenlos Mineralwasser zur Neutralisation. Im Messe Guide sind alle Biere aufgezählt mit Platz für Verkostungsnotizen, anhand derer die Besucher ihre neuen Lieblingsbiere im Messeshop direkt für zu Hause auswählen können.

Wer sein Bier nicht direkt mitnehmen möchte, nutzt das Abhollager. Dort können die im Messeshop gekauften Biere auch noch am Folgetag mit dem PKW abgeholt werden. Ein sinnvoller Service, da sich der Besuch der Messe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln empfiehlt. Die Eintrittskarte zur CBM gilt auch als Fahrkarte. Der Gültigkeitsbereich umfasst Mainz/Wiesbaden sowie ganz Rheinhessen und das Naheland.

Der Eintritt zur CraftBeerMesse kostet 12 Euro, das 2-Tages-Ticket gibt es für 20 Euro. Im Kartenpreis enthalten ist bereits die Fahrkarte für die Hin- und Rückfahrt im Tarifgebiet 65 (Mainz/Wiesbaden) des Rhein-MainVerkehrsverbunds und im gesamten Tarifgebiet des Rhein-Nahe Nahverkehrsverbunds (RNN).

Öffnungszeiten der Mainzer CraftBeerMesse: Freitag, 17. und Samstag 18. November, 14 – 22 Uhr.

Delirium Christmas

Nachdem ich vom Mère de Noël aus der Brasserie L. Huyghe nicht gar so begeistert war, will ich jetzt das zweite Weihnachtsbier aus der ostflämischen Brauerei verkosten, das Delirium Christmas. Bei Ratebeer hat dieses Bier satte 98 %, so dass ich diesmal durchaus ein gutes Bier erwarte. Es soll auch Menschen geben, die das Delirium Christmas für das beste Bier dieser Brauerei halten. Also – es ist an der Zeit, die Flasche zu öffnen.

Kastanienbraun mit wenig Hefetrübung präsentiert sich das Winter Ale im Glas. Darüber bildet sich eine sehr voluminöse hellbraune Schaumkrone, die sich nur langsam auflöst. Optisch ist das Bier schon mal sehr ansprechend.

Das Aroma ist süßlich, denn leichte Röstaromen nach Karamell begleiten den Duft kandierter Ananas, von Rosinen und etwas später auch Zitrusfrüchten. Ein Bier, das im Glas sein Aroma ändert, finde ich spannend und es gefällt mir.

Der Antrunk ist nicht so süß wie ich es anhand des Aromas erwartet habe. Ich habe fast den Eindruck, das Bier versucht sich im Mund zu verstecken. Das funktioniert aber nicht, denn es ist einfach zu spritzig. Im Körper trifft Espresso auf Karamell, dazu kommt eine angenehme Würzigkeit. In den komplexen Geschmack passen sich auch die 10 Volumenprozent Alkohol gut ein und sorgen für ein wärmendes Mundgefühl. Der Abgang ist trocken und malzig mit einem Hauch Kakao. Der Geschmack klingt lange nach

Das Delirium Christmas passt gut zu süßen Desserts, denn durch seine Würzigkeit bildet es einen guten Kontrast zur Süße der Speise. Aber auch mit Käse ist dieses Bier ein Genuss.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Stammwürze:

19° Plato

Brauerei:

Brasserie L. Huyghe
Brusselsestw. 282
9090 Melle
Belgien
www.delirium.be

Tripel Karmeliet

Jetzt will ich das Tripel Karmeliet verkosten, das aus der Brauerei Bosteels stammt und nach einem Rezept aus dem 17. Jahrhundert gebraut wird. Gebraut wird es aus Gerste, Weizen und Hafer, so dass ich bei diesem Bier etwas Besonderes erwarten darf, insbesondere weil mir auch das Kwak aus dieser Brauerei bereits gut gefallen hat. Na ja, eine Familientradition von sieben Generationen Brauen sollte schließlich auch nicht spurlos an der Brauerei vorbeigehen.

Nicht umsonst wurde das Bier auch mehrfach ausgezeichnet. 1998 erhielt es beim World Beer Cup die Goldmedaille und 2002 die Silbermedaille. Bei diesem Bier kann ich also wieder einmal etwas ganz besonderes erwarten.

Goldgelb und leicht hefetrüb ist das Blonde. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge grobporiger Schaum, der sich relativ schnell auflöst.

Das Bier duftet sehr fruchtig. Ich rieche Zitronenschale und Melisse, dazu noch etwas Ananas. Das Malz hält sich diskret im Hintergrund, ist aber noch gut zu riechen.

Der Antrunk zeigt, dass das Bier reichlich Kohlensäure enthält. Dabei enthält es nur wenig Malzzucker. Desto kräftiger kommt im Mund kurz eine gewisse Säure wie von einem guten Essig durch, bevor sich eine wieder leise Süße mit einem Anklang von Ananas durchsetzt. Jetzt ist das Bier wunderbar fruchtig. Der Abgang ist nur leicht bitter, aber der Geschmack klingt erstaunlich lange nach. Die 8,4 Volumenprozent Alkohol bleiben die gesamte Zeit gut versteckt.

Zu diesem Bier passt ein gebratener Fisch.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,4 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Bosteels
Kerkstraat 96
9255 Buggenhout
www.bestbelgianspecialbeers.be

Dieses Bier können Sie ab 12 Flaschen oder einem Bestellwert von mindestens 49 Euro (auch gemischt) versandkostenfrei online bestellen: