Archiv für den Monat: Januar 2017

Herzsolo

Als ich die Flasche, die jetzt vor mir steht, erstmals sah, fand ich den Namen schon bemerkenswert. Auf der Website der Brauerei Zötler Braukunst fand ich dann aber eine Erklärung: der Großvater des jetzigen Inhabers war leidenschaftlicher und guter Doppelkopfspieler. Meist hat er auch gewonnen und nun wurde ihm dieses Bier gewidmet. Wenn der Opa wirklich so gut gespielt hat und der Enkel so gut brauen kann wie sein Opa gespielt hat, kann bei diesem Bier ja eigentlich nichts schiefgehen.

Hellgold, mit leichtem Grünstich und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich recht viel feinporiger weißer Schaum, der sehr stabil ist und der nur sehr langsam in sich zusammenfällt. Die Farbe verspricht schon mal ein besonderes Bier und an der Optik ist wirklich nichts auszusetzen.

Das Aroma wird durch den Duft der Hefe bestimmt, unterstützt durch Gewürze, Zitronenschalen und Orangenblüten. Jetzt frage ich mich, mit was für einem Bierstil ich es hier zu tun habe. Der Duft der Hefe erinnert mich an ein Witbier, während die Zitrusnoten an ein IPA angelehnt sind. Dafür sind sie allerdings nicht kräftig genug. Ich vermute mal, dass sich dieses Bier nicht einordnen lässt. Ich nenne es jetzt einfach einmal Kreativbier.

Der Antrunk enthält kaum Süße, ist aber durch die feinperlige Kohlensäure wunderbar spritzig. Auf der Zunge entwickelt sich durch die Zitrusnoten schnell eine ordentliche Fruchtigkeit, die in einen leicht bitteren Abgang mit langem Nachklang übergeht.

Schade, dass ich das Bier im Winter probiert habe; es würde eigentlich besser zu einem warmen Sommerabend passen. Dann ist es aber nahezu perfekt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz), Weizenmalz (helles Weizenmalz), Hopfen (Magnum, Polaris, Mandarina Bavaria, Centennial, Cascade), Hefe (belgische Withefe, Weizenhefe)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

11,8 %

Brauerei:

Privat-Brauerei Zötler GmbH
Grüntenstr. 2
87549 Rettenberg
www.zoetler.de

St. Erhard Saison

Saison, auch Farmhouse Ale genannt, ist ein traditioneller belgischer Bierstil, der früher auch wirklich nur saisonal gebraut wurde, um die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft mit Bier zu versorgen. Heute braut St. Erhard das Bier aber ganzjährig und jetzt steht dieses Bier vor mir.

Rubinrot und hefetrüb ist das Bier mit recht wenig grobporigem Schaum, der auch relativ schnell in sich zusammenfällt.

Bereits das Aroma ist komplex und betörend. Ich rieche Karamell und viele fruchtige Aromen nach Trockenpflaumen und Banane, dazu Schokolade. Außerdem ist das Aroma recht süß, fast wie ein guter Kräuterlikör. Das macht schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Wie erwartet ist der Antrunk süß, aber die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt für einige Frische. Aber das ist erst der Anfang und das Bier steigert sich noch. Intensiv und ausgewogen ist es, das Malz kommt weiter in den Vordergrund und bringt eine gute Portion Geschmack nach Whisky mit sich. Das ist mit Sicherheit kein Bier, das man sich “einfach hinter die Binde kippen” kann. Dieses Bier genieße ich mit jedem Schluck. Der Abgang ist dann bitter und süß und er klingt mittellang nach.

Dieses Bier erinnert wirklich an Belgien und ich kann kaum glauben, dass es aus Franken stammt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Tennenmalz dunkel, belgische Karamellmalze), Weizenmalz, (Weizenbraumalz, Weizenkaramellmalz), Hopfen (Hallertauer Tradition, Nelson Sauvin, Hallertau Blanc, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Rittmayer Hallerndorf GmbH & Co. KG
An der Mark 1
91352 Hallerndorf

Für
St. Erhard GmbH
96052 Bamberg
www.st-erhard.com

Original Schlüssel

Jetzt steht ein Altbier aus einer Traditionsbrauerei in der Altstadt von Düsseldorf vor mir, das Original Schlüssel. Bereits um das Jahr 1850 herum begann in der Bolkerstr. 45 die Brautradition, später kamen noch die Nachbarhäuser dazu. Heute wird ein großer Anteil der Produktion direkt vor Ort in der Brauereigaststätte verkauft. Das hier gebraute Bier wurde in den Jahren 2012 und 2014 beim European Beer Star in der Kategorie Düsseldorf-Style Altbier mit Gold ausgezeichnet. Ich kann hier also ein besonderes Bier erwarten.

Bevor ich das Bier öffne will ich mich noch kurz über die Entstehungsgeschichte des Namens informieren. Nein, der Stadtteil, in der die Brauerei beheimatet ist, hieß niemals Schlüssel. Früher, als abends noch die Stadttore abgeschlossen wurden, waren die Schlüssel über Nacht im jeweils nächstgelegenen Gasthaus hinterlegt. So kam die Gaststätte zu ihrem Namen, den auch das Bier und sogar das Haus trägt.

Rotbraun ist das Bier und es enthält recht viel Kohlensäure. Darüber eine leicht überdurchschnittlich hohe Krone aus weißem feinporigem Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist betäubend. Ich rieche Karamell, Banane, Orangenschale und Vanille. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist relativ süß, aber angenehm und spritzig. Schnell lässt die Süße etwas nach und weicht einem ausgeglichenen runden Körper. Süße, Säure und Bitterstoffe halten sich die Waage und offenbaren ein wirklich gutes mildes Altbier. Der Abgang ist freundlich bitter und er klingt recht lange nach.

Ich kann nur jedem raten, beim nächsten Besuch in Düsseldorf einmal das Brauhaus in der Altstadt zu besuchen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12,5 %

Brauerei:

Schlüssel GmbH & Co. KG
Bolkerstr. 41-47
40213 Düsseldorf
www.zumschluessel.de

Einstök Icelandic Arctic Pale Ale

Jetzt steht erstmals ein Bier aus Island vor mir. Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale. Island ist bekannt für seine heißen Quellen und damit für seinen Überschuss an erneuerbaren Energien. Aber nicht nur das ist eine Besonderheit der Biere aus der Brauerei Einstök, sondern die Brauer versichern auf ihrer Website, dass die Biere vegan und ohne genmanipulierte Zutaten hergestellt wurden.

Auch wenn Island nicht unbedingt als Bierland bekannt ist, betonen die Brauer, dass hier die Kenntnisse von Craft-Brauern aus den USA und aus Bayern sowie Hopfen und Malz aus diesen Ländern zusammenkommen und dass dieses Ale auf diese Weise erfrischend isländisch sei. Dann wollen wir mal prüfen, ob das auch stimmt.

Leuchtend bernsteinfarben ist das Bier mit einer durchschnittlichen Menge feinen weißen Schaums, der auch einige Zeit erhalten bleibt. Mir fällt noch auf, dass das Bier viel feinperlige Kohlensäure enthält.

Das Aroma wird durch das Malz geprägt. Der Duft nach Karamell verbindet sich gut mit Noten von Orangenschale, etwas Honig, Zitrusfrüchten und Holunderblüte. Es ist nicht so fruchtig wie bei einem Pale Ale, aber doch sehr angenehm. Da der Hopfen nicht allzu sehr im Mittelpunkt steht, erwarte ich ein eher mildes Pale Ale.

Der Antrunk ist spritzig und frisch mit einer leichten Süße. Auf der Zunge bildet sich schnell ein freundliches und fruchtiges Bitter, stärker als ich es nach dem Aroma erwartet hätte, aber durchaus angenehm. Der Abgang ist dann leicht trocken und mit langem Nachklang.

Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale ist ein Ale, bei dem es sicher nicht mit dem Hopfen übertrieben wurde. Im Vergleich mit einem IPA ist dieses Bier eher zurückhaltend aber trotzdem stilsicher gehopft. Es ist ein Bier mit Charakter, das nicht den Anspruch hat, jedem zu gefallen, mit dem ich mich aber doch anfreunden kann.

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

Einstök Ölgerd
Furuvellir 18
600 Akureyri
Island
www.einstokbeer.com

Dieses Bier können Sie ab einer Bestellsumme von 49,00 Euro durch einen Klick auf das folgende Banner versandkostenfrei bestellen:

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Moritz Fiege Weizen

Wer meint, im Ruhrgebiet würde es nur Pils geben, wird spätestens in Bochum eines Besseren belehrt. Dort braut die Moritz Fiege neun unterschiedliche Bierstile und hat auch noch drei Mischgetränke im Angebot. Ein weiteres Vorurteil bestätigt sich aber, wenn wir im Ruhrpott die Angebote der Supermärkte und Gaststätten betrachten: der Ruhri ist Lokalpatriot und trinkt genau das Bier, das in seiner Stadt gebraut wird. In Dortmund ist es Union, in Essen Stauder, in Duisburg König und in Bochum halt Fiege. Im Vergleich zu den anderen Brauereien im Ruhrgebiet (die Hausbrauereien betrachte ich an dieser Stelle nicht) verwendet Fiege aber keine Extrakte, sondern braut ausschließlich mit Naturhopfen. Wir können also mit Fug und Recht davon ausgehen, dass aus der Brauerei Fiege in der Nähe des Bochumer Hauptbahnhofs die besten Biere des Ruhrgebiets kommen. Jetzt steht das Weizen vor mir.

Matt-bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Ich sehe recht viel Kohlensäure und es bildet sich eine wunderbar sahnige Krone, auch wenn sich beim Einschenken nicht so viel Schaum bildet wie bei den meisten Weizenbieren aus Bayern. Dafür bleibt die Krone aber lange erhalten. Optisch gibt es also nichts zu meckern.

Bereits beim Einschenken steigt mir ein intensiver Duft nach Bananen in die Nase. Dass ich auch Hefe rieche war zu erwarten, dazu kommen noch würzige Noten, ich meine Pfeffer und Gewürznelken zu riechen. Das Aroma gefällt mir genauso gut wie die Optik. Dann kann ich jetzt ja den ersten Schluck nehmen.

Die feinperlige Kohlensäure sorgt für einen spritzigen Antrunk, der weniger süß ist als bei anderen Bieren. Ob einem das gefällt oder nicht ist sicher eine Frage des individuellen Geschmacks, aber mir kommt die vergleichsweise geringe Süße durchaus entgegen. Auf der Zunge verbindet sich die Fruchtigkeit des Bieres zusammen mit dem Geschmack der Hefe und einer leichten Säure zu einem ausgewogenen Gesamteindruck. So soll ein Weizenbier sein. Der milde Abgang klingt mit seinem leichten freundlichen Bitter und dem Geschmack der Hefe lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Karamellmalz), Hopfen (Tradition, Perle, Herkules), Hefe (obergärige Hefe aus Tauber-Franken)

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,3 %

Brauerei:

Privatbrauerei Moritz Fiege GmbH & Co. KG
Moritz-Fiege-Str. 1
44787 Bochum
www.moritzfiege.de

Winterbock

Nun habe ich einen Winterbock aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir stehen. Die kleine Brauerei, die 2003 mit der Produktion begann, stellt im Laufe eines Jahres immerhin elf unterschiedliche Biere her, auch wenn einige der Biere nur saisonal gebraut werden. Eines davon ist der Winterbock, der jetzt vor mir steht.

Bevor ich mit dem Bier beginne noch einige kurze Impressionen zur Brauerei. Ehrlich gesagt kannte ich sie vor einer Woche überhaupt noch nicht. Aber dann war ich auf der Grünen Woche in Berlin, wo ich den Stand der Braumanufaktur gesehen habe und ihn selbstverständlich aufsuchen musste. Ich wurde nicht nur sehr freundlich und zuvorkommend empfangen, sondern erhielt auch gleich fünf unterschiedliche Biere zum Verkosten und zum anschließenden Beschreiben hier im Blog. Heute stelle ich das erste Bier vor.

Bernsteinfarben, fast wie Cognac, präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel sahniger Schaum, weiß mit einem leichten Stich ins Ocker, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch hat die Braumanufaktur schon mal keinen Fehler gemacht.

Das Aroma ist schon mal überzeugend und komplex. Eindeutig dominieren die Röstaromen die Nase, aber dazu kommen Noten von Banale, Karamell, Holunderblüte, eine leichte Whiskynote sowie Mandeln oder Marzipan. Das macht doch ordentlich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist süß und schwer. Jetzt fällt auf, dass das nicht filtrierte Bier recht wenig Kohlensäure enthält. Daher wirkt das Bier im Antrunk, der bereits sehr geschmacksintensiv ist, beinahe wie ein Likör. Schnell kommen aber noch andere Geschmäcker zum Vorschein. Der Whisky, den ich bereits im Aroma bemerkt hatte, kommt wieder durch und verbindet sich hervorragend mit dem Geschmack winterlicher Gewürze und dunkler Trockenfrüchte. Ich meine, Trockenpflaumen zu schmecken. Der Abgang ist dann sehr mild und kaum bitter, klingt aber trotzdem lange nach.

Als Aperitif ist dieses Bier sicher gut geeignet, schmeckt aber auf jeden Fall auch an einem Winterabend nach einem Spaziergang im verschneiten Wald.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol. (Angabe auf dem Etikett, im Internet werden 6,0 % Vol. angegeben)

Stammwürze:

16,5 %

Brauerei:

Köhler & Kirchhoff GbR
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Maneblusser

Viele gute Biere kommen bekanntlich aus Belgien, so dass ich immer wieder gerne ein Bier aus unserem westlichen Nachbarland verkoste. Jetzt steht vor mir ein Maneblusser, ein flandrisches Bier, das sich recht unbescheiden rühmt, Mechelens Stadtbier zu sein. Damit hängt die Brauerei die Messlatte schon mal sehr hoch.

Wenn wir uns den Trunkenbold auf dem vorderen Etikett ansehen, könnte bei uns fast der Eindruck entstehen, dieses Bier würde sich ausschließlich eignen, sich zu betrinken. Tatsächlich bezieht sich das Etikett auf einen Vorfall in der Geschichte Mechelens und das Motiv steht in direktem Zusammenhang mit dem Namen dieses Biers. Es war in der Nacht des 27. Januars 1687. Neblig war es und Vollmond. Als ein betrunkener Mann, dessen Name nicht überliefert ist, auf dem Weg nach Hause war, schien der Mond so auf den Kirchturm von Saint Rumbold, dass es ihm so schien, als würde der Kirchturm brennen. Selbstverständlich schlug er sofort Alarm, was für einen ziemlichen Aufruhr in Mechelen sorgte. Seitdem werden die Einwohner dieser Stadt häufig als Maneblusser bezeichnet, auf deutsch also Mondlöscher. Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wahr ist oder nicht, aber auf jeden Fall hat sie Charme. Und dass der Maneblusser auf dem Etikett einen Feuerwehrhelm und einen Löscheimer spendiert wurde, macht ihn auch recht sympathisch. Kommen wir aber zum Bier.

Hell goldfarben präsentiert sich das Bier im Glas, darüber sehr viel weißer sahniger Schaum, der recht langsam in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist getreidig, etwas Karamell kommt durch, dazu blumige und fruchtige Noten. Insgesamt mag meine Nase die Düfte, die ihr hier dargeboten werden.

Der Antrunk ist mild und spritzig; die leichte Süße harmoniert gut mit der Fruchtigkeit. Auf der Zunge bleibt das Bier mild, es wird etwas würziger und die leichte Säure einiger Zitrusnoten mischt sich unter den Geschmack. Der Abgang ist nur leicht bitter mit kurzem Nachklang.

Das Maneblusser ist ein frisches Bier für den Sommer, für alle Biertrinker geeignet, die ein mildes Bier zu schätzen wissen, das zwar mit einem guten Hopfen gebraut wurde, der aber nur sparsam eingesetzt wurde.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be/en/maneblusser

Piedboeuf Bruin

So, nun habe ich mal wieder ein Bier von AB InBev vor mir stehen, das Piedboeuf Bruin. Von einem Tafelbier erwarte ich mir wirklich nicht viel und ein Alkoholgehalt von nur 1,1 % weist eher auf einen wässrigen Genuss hin, wenn wir hier von einem Genuss überhaupt sprechen können. Auch der Preis, der sich irgendwo in der Nähe des allerbilligsten Discounter-Biers in Deutschland bewegt, lässt bei mir einige Zweifel an der Genusstauglichkeit dieses Biers aufkommen. Immerhin kommt das Bier in einer Glasflasche daher und nicht in einer Dose oder gar einer PET-Flasche.

Schwarz ist das Bier im Glas. Nur wenn ich es gegen das Licht halte, schimmert schwach ein dunkles Rubinrot durch. Darüber eine durchschnittliche Menge hellbrauner gemischtporiger Schaum, der sehr schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma bringt einige Röststoffe sowie etwas Schokolade mit sich, ansonsten erinnert es weniger an Bier, eher an eine Limonade.

Der Antrunk ist sehr süß und die doch recht feinperlige Kohlensäure ist absolut ohne Kraft, sodass sie den ersten schlechten Eindruck nicht herausreißen kann. Auch der Körper ist süß, wirklich süß. Wer süße Getränke mag, könnte diesem Bier eventuell etwas abgewinnen, ansonsten erwartet den Biertrinker hier nur eine Enttäuschung, die sich auch eins-zu-eins im Abgang fortsetzt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Gerste, Hopfen, Klärungsmittel E150c, Süßstoff E954

Alkoholgehalt:

1,1 % Vol.

Brauerei:

InBev Belgium s.a./n.v.
Bd. Industriel 21 Industrielaan
1070 Brüssel
Belgien
www.inbev.com

Aecht Schlenkerla Eiche

Auf das Bier, das jetzt vor mir steht, bin ich ganz besonders gespannt. Es kommt aus der Brauerei Schlenkerla in Bamberg, die für ihre Rauchbierspezialitäten bekannt ist. Aber dieses Bier verspricht, auch für diese Brauerei etwas Besonderes zu sein. Es handelt sich um einen Doppelbock, der mit Rauchmalz gebraut wurde. Und nicht nur das, sondern dieses Malz wurde nicht wie üblich mit Buchenholz gedarrt, sondern mit Eichenholz. Die Brauerei beschreibt das Ergebnis wie folgt: “Das resultierende Eichenrauchmalz hat ein weicheres und vielschichtigeres Raucharoma als das würzige und intensive Buchenrauchmalz. Die so entstehende komplexe Rauchnote in Aecht Schlenkerla Eiche wird ergänzt durch die vielfältige Bittere feinsten Aromahopfens aus der Hallertau.” Jetzt bin ich mal gespannt, ob das Bier, das zu Weihnachten gebraut wird, diesem hohen Anspruch gerecht wird.

In dunklem Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas, darüber eine schöne Krone aus feinporigem elfenbeinfarbigem Schau, der auch lange erhalten bleibt.

Wie zu erwarten prägen Rauchnoten das Aroma. Es duftet nach Schinken und Bratkartoffeln, das Raucharoma ist nicht so ausgeprägt wie bei vielen anderen Rauchbieren. Dazu kommt noch ein Hauch Karamell, eventuell noch einige würzige Noten. Das komplexe Aroma kann durchaus gefallen.

Der Antrunk ist süß und sehr spritzig und ich wundere mich über den fehlenden Rauchgeschmack. Von Anfang an spüre ich eine Komplexität dieses Bieres, die ich aber nicht wirklich zu fassen bekomme. Auch der Körper, in dem der Schinken des Aromas wieder zum Vorschein kommt, bietet sehr viele unterschiedliche Geschmäcker, so umfangreich, dass ich sie hier nicht benennen kann. Aber immerhin kann ich jetzt sagen, dass es sich hier um ein echtes Rauchbier handelt. Der Rauch kommt aber erst im recht trockenen Abgang so richtig zu seinem Recht, bei dem der Rauch richtig seine Muskeln spielen lässt, der durch einen Hauch von Whisky unterstützt wird.

Die Franken mögen es mir verzeihen, aber ich würde zu diesem Bier Sauerkraut mit Schäufele essen und mich damit auf die Seite der Schwaben schlagen. Weshalb können sich diese beiden Völker eigentlich nicht vertragen?

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Stammwürze:

19,9 %

Brauerei:

Heller-Bräu Trum GmbH
96049 Bamberg
www.schlenkerla.de

Japaner will seine Landsleute für Weißbier begeistern

Kenta Yoshimoto will in seinem Heimatland Japan eine eigene Brauerei eröffnen. Damit sein Lebenstraum wahr wird, ist er extra nach Niederbayern gezogen – um dort die Geheimnisse der bayerischen Braukunst zu erforschen.

Gut möglich, dass künftig in Japan nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut wird. Zwar liegen etwa 9.169 Kilometer Luftlinie und gut zwölf Flugstunden zwischen der japanischen Millionenmetropole Osaka und dem niederbayerischen 1.500-Seelen-Ort Großköllnbach im Landkreis Dingolfing-Landau. Doch seit kurzem verbindet die Vorliebe beider Nationen für den goldgelben Gerstensaft die beiden Welten auf ungewöhnliche Weise: Kenta Yoshimoto ist aus der japanischen Großstadt nach Niederbayern gezogen, um dort seinem Lebenstraum einer eigenen Brauerei in seiner Heimat näher zu kommen. Der 33-Jährige will in Osaka Bier brauen, das sich streng nach dem traditionellen, 500 Jahre alten bayerischen Biergesetz richtet. Seit September lernt der junge Mann aus dem Reich der aufgehenden Sonne in der 1920 gegründeten Privatbrauerei Heinrich Egerer tief in Niederbayern den Beruf des Brauers und Mälzers.

Zusammengefunden haben die Traditionsbrauerei und der Gast aus Japan über ein EU-Projekt. Möglich wurde Kentas Ausbildung über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci. Brauerei-Geschäftsführer Franz Egerer wurde auf den besonderen Bewerber über einen Newsletter des Brauerbundes aufmerksam. So kam es, dass sich der frühere Reiseleiter Kenta zusammen mit seiner 27-jährigen Frau Ayako aus dem Land der aufgehenden Sonne nach Niederbayern aufmachte.

Das Paar stammt ursprünglich aus der Präfektur Shiga nähe Kyoto, einer Gegend, die ähnlich grün und hügelig ist wie Niederbayern. Nach einer Probezeit von zwei Wochen schloss die Brauerei mit dem Nachwuchs-Brauer einen Ausbildungsvertrag. Seine Entscheidung, im fernen Deutschland einen Handwerksberuf zu lernen, traf Kenta auch wegen des dualen Ausbildungssystems, erzählt er. Fachwissen mit gleichzeitiger praktischer Ausbildung im Betrieb – das sei für viele Teilnehmer des Bildungsprogramms so wichtig, dass sie dafür Eltern, Familie und Freunde zurückließen.

Mittlerweile haben die Yoshimotos eine kleine Wohnung bezogen. Bei den Behördengängen half Betriebsinhaber Franz Egerer den Neu-Zugezogenen. Im Vorfeld besuchten die beiden Japaner ein halbes Jahr eine Sprachschule in Köln. Die Brauerei ist hochzufrieden mit dem besonderen Azubi: “Kenta bewegt sich in der Arbeit so, als ob er nie was Anderes gemacht hätte, erzählt der Ausbilder.

“Ich will alle Kniffe, alle Prozesse, Geschmack, Farbe und Geruch von Bier und allen anderen Getränken kennenlernen und beeinflussen können”, sagt der ungewöhnliche Lehrling. Nach seiner Rückkehr nach Japan in zwei Jahren will er dort selbst eine Brauerei eröffnen und vorrangig auf Grundlage des strengen bayerischen Reinheitsgebots arbeiten. “Es ist sehr wichtig, erst einmal das Handwerk richtig zu lernen, darauf kann ich dann aufbauen”, betont er. Den Ausbildungsberuf Bierbrauer gebe es in Japan nicht, sagt Kenta.

In Japan werde heute zu 90 Prozent Pils getrunken, weiß der angehende Brauer. Der Kontrast zwischen der japanischen und der bayerischen Bierwelt mit ihren 600 Braustätten könnte größer nicht sein: In seinem Heimatland gebe es nur vier ganz große Brauereien, die überdies auch keine Spezialbiere in kleinen Mengen herstellen, sagt Kenta. Er will versuchen, seinen Landsleuten das Weißbier, seinen Favoriten, schmackhaft zu machen. “Deshalb wollte ich in eine kleine Brauerei, weil hier noch viele verschiedene Biersorten zu finden sind.” Gerade in diesem Spezial-Segment sehe er seine Chance. Bier aus Bayern habe in Japan unter Kennern bereits heute einen sehr guten Ruf.