Archiv für den Monat: Juli 2015

Die Gose erobert Amerika

Die Craft-Bier-Bewegung stammt bekanntlich aus den USA und schwappt derzeit zu uns ins Mutterland der Biere. Eins der neuen Modebiere in den USA wird nach deutschem Rezept gebraut: Die Gose ist eigentlich eine Leipziger Spezialität. Für einen preisgekrönten Brauer aus Baltimore ist sie das perfekte Bier an einem heißen Tag. Säuerlich und bitter − und garantiert nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Das ist Gose. Das Bier sieht aus wie Hefeweizen, erinnert an Berliner Weiße. Zu den Zutaten gehören auch Salz und Koriander. Ich bin sicherlich nicht schüchtern, wenn es um außergewöhnliche Bierspezialitäten geht, aber an der Gose kann ich persönlich keinen Gefallen finden, es sei denn in einem BierCocktail.

Kevin Blodger ist der Braumeister der Union Craft Brewery in Baltimore. Und ein großer Gose-Fan: “Es ist fast wie Zitronensaft-Schorle, auf gewisse Weise. Gose ist unser Sommerbier, sie ist perfekt an einem heißen Tag. Du kannst mehrere davon trinken, die Salzigkeit bringt dich dazu, einen weiteren Schluck zu nehmen. Sie ist einfach lecker an einem heißen Tag.” Für ihn hat alles angefangen in der Brauerei, in der er früher gearbeitet hat. Dort gab es nur Biere nach deutschen Rezepten, und Kevin war auf der Suche nach einer Alternative zu Pils und Hefeweizen. Da entdeckte er in einem Buch den Hinweis auf Gose. Das Bier hat eine lange Geschichte: Im Mittelalter wurde es zuerst in Goslar im Harz gebraut, seine Blütezeit hatte es später in Leipzig. Selbst Goethe soll dort zu den Gose-Trinkern gehört haben. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet es in Vergessenheit. Heute gibt es im Leipziger Raum wieder zwei Brauereien, die Gose herstellen.

Kevin Blodger war von der Geschichte des Bieres fasziniert: “Mein Brau-Chef fragte mich: Welches Bier willst du als nächstes brauen? Und ich sage im Spaß: Gose. Ich rechnete mit einem Nein, aber er sagte nur: Wenn du es brauen kannst, ohne das Hausbier mit Laktose-Bazillen zu verunreinigen, dann mach es. Dann musste ich erstmal herausfinden, wie es funktioniert. Ich mochte das Bier, die Kunden mochten es − und ich habe dafür eine Medaille beim großen amerikanischen Bierfestival gewonnen.”

Heute ist Kevin einer der Eigentümer der Union Craft Brewery, eine von unzähligen kleinen Handwerksbrauereien, die überall in den USA entstanden sind. Sie brauen aufwändige Biere nach deutschen, belgischen oder amerikanischen Rezepten. Damit überzeugen sie immer mehr amerikanische Biertrinker. Die Gose ist eines ihrer neuen Modebiere. Die Webseite Beer Advocate zählt über 470 Gose-Biere. Nicht alle davon werden gleichzeitig gebraut, viele Brauereien tauschen ihre Biere regelmäßig aus, um ihren Stammkunden immer wieder etwas Neues bieten zu können.

Eine Alternative zu schweren Bieren

Kevin Blodger und seine Kollegen in Baltimore setzen in diesem Sommer ganz auf die Gose: “In diesem Jahr entschieden wir, das Bier in Dosen abzufüllen. Ich war wirklich besorgt, ob sie sich verkaufen − weil man gleich 165.000 vorgedruckte Dosen kaufen muss. Wir dachten, wir nutzen die Dosen für drei bis vier Jahre. Aber schon jetzt werden die Dosen knapp, und der erste Sommer ist noch gar nicht vorbei.”

Die Gose-Zeit ist in den USA eindeutig der Sommer. Fachmagazine loben die Gose als erfrischende Alternative zu schweren Bieren. Allerdings müsse man sich erst an ihren Geschmack gewöhnen. Wie in Leipzig wird Gose auch in den USA oft mit Sirup oder Likör gemischt. Bars nutzen sie für Cocktails. Braumeister Kevin ist mit allen Mischungen einverstanden, er freut sich einfach über die große Nachfrage. Es sei belohnend zu sehen, wie ihr bizarres, kleines Bier so viel getrunken werde.

Quelle: Deutschlandradio Kultur. Nebenbei bemerkt freut es mich, dass sich nun auch einmal die großen Rundfunkanstalten mit dem Craft-Bier beschäftigen. Nebenbei bemerkt war die US-Gose auch dem MDR einen Beitrag wert, der aber in der Zwischenzeit leider entfernt wurde..

Zirndorfer Landbier

So, nun steht mal wieder ein Bier aus Franken vor mir, das Zirndorfer Landbier. Mal sehen, wie es sich macht.

Bernsteinfarben ist das Bier im Glas, dazu eine feste und feinporige Schaumkrone, die auch recht lange erhalten bleibt. Bis hierhin macht das Bier jedenfalls alles richtig. Dazu der Duft nach Hefe und etwas Honig. Da bekomme ich doch wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Im Antrunk dominiert die Süße des Malzes, die durch die Honignote unterstützt wird, die ich bereits im Duft festgestellt habe. Im Körper kommen die Röstaromen des Malzes richtig zum Vorschein und auch der Hopfen macht sich langsam aber sicher bemerkbar.

Dieses Landbier lässt sich am besten mit den Begriffen lieblich, süffig und malzig beschreiben. Es ist wirklich empfehlenswert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

 

Brauerei:

Brauerei Zirndorf GmbH
90513 Zirndorf
http://www.zirndorfer.de/brauerei.html

Kartoffel Bier

Wieder einmal steht ein Bier aus der Klosterbrauerei vor mir, das Kartoffel Bier. Auch für dieses Bier hat die Brauerei nach Angaben von Herrn Fritsche, Geschäftsführer der Klosterbrauerei, eine Ausnahmegenehmigung, es als Bier zu verkaufen, obwohl es nicht so ganz dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Kartoffelsaft im Bier ist schon eine mutige Idee und jetzt bi ich neugierig, wie gut diese Idee ist. Ach ja, die Grundlage für das Kartoffel Bier ist das Pilsener aus Neuzelle.

Das Bier zeigt sich in einem intensiven Gelb und es trägt einen feinporigen weißen Schaum, der sich aber leider bis auf einen kleinen Rest flott auflöst. Dabei duftet das Bier malzig und nach Getreide, so dass auch daran nichts auszusetzen ist. Aber da ist noch eine Duftnuance dabei, die ich als Kartoffel identifiziere, aber auch nur, weil ich weiß, dass das Bier Kartoffelsaft enthält. Diese Nuance ist interessant und hätte mich ohne diese Kenntnis sicher zu längeren Ratespielchen beim Versuch veranlasst, sie zu identifizieren.

Der Antrunk ist leicht süß und keinesfalls mit einem herben norddeutschen Pils zu vergleichen. Das Bier hat einen sanften Körper, was auch erforderlich ist, damit sich die Kartoffel auf der Zunge bemerkbar macht. Die Bitterstoffe halten sich diskret im Hintergrund, so dass ein wirklich mildes und ausgewogenes Bier entsteht. Auch der Abgang ist mild und der Geschmack bleibt noch einige Zeit erhalten.

Zutaten:

Neuzeller Pilsener (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen), Kartoffelsaft

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

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Ratsherrn Springbock

Wieder einmal steht ein Bier aus der Hamburger Brauerei Ratsherrn vor mir, der Springbock. Es handelt sich um ein helles Bockbier und das Rückenetikett spricht ausdrücklich vom Frühling. Auch wenn es nicht ausdrücklich als Maibock angepriesen wird, dürfte es wohl doch in diese Kategorie fallen.

Verbraut wurden die drei Hopfensorten Saphir, Mittelfrüh und Tradition. Saphir zählt zu den hochfeinen Aromasorten und ist für helle Biere sehr beliebt. Auch Mittelfrüh gehört zu den hochfeinen Aromasorten. Nach starkem Rückgang der Anbauflächen, da er sehr anfällig für die Welkekrankheit ist, ist Mittelfrüh jetzt wieder stark im Kommen. Tradition gehört ebenfalls zu den Aromahopfen und verleiht dem Bier ein sehr feines, mildes, beinahe süßes Aroma. An Malz wurden Pilsener und Carahell verwendet.

Rotgolden und klar ist das Bier im Glas, darüber ein feinporiger Schaum, der sich allerdings schnell auflöst. Das Aroma ist leicht süßlich nach grünen Früchten, dazu eine feine leichtsäuerliche Note. Der Antrunk erscheint im ersten Moment recht süßlich, dieser Eindruck verfliegt aber schnell, wenn sich das Bier im Mund verteilt. Der Geschmack ist deutlich intensiver als ich bei einem hellen Bock erwartet habe. Eine leichte Süße steht in wunderbar ausgewogenem Verhältnis zu einer angenehmen Bitterkeit. Das Bier ist vollmundig und süffig, was auch durch die feine Kohlensäure unterstützt wird. Geschmacklich erinnert es eher an einen dunklen Bock. Insgesamt ein Bier, das seinesgleichen sucht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Carahell), Hopfen (Saphir, Mittelfrüh, Tradition), Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

17 %

Brauerei:

Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg

Anti Aging Bier

Eine Rezension über Bier ist immer subjektiv. In diesem Fall habe ich zu allem Überfluss ein Bier vor mir stehen, das meine Vorurteile hervorruft – das Anti Aging Bier aus der Klosterbrauerei in Neuzelle. Weshalb Vorurteile? Ich habe schon so manches Anti Aging-Produkt konsumiert, seien es Kekse, sei es Schokolade oder seien es Getränke. Alle diese Produkte haben eines gemeinsam: sie haben mir nicht geschmeckt. Und jetzt zum ersten Mal als Bier. Da mir die Biere aus dieser kleinen Brauerei in der Lausitz ansonsten schon gut geschmeckt haben, will ich versuchen, meine Vorurteile beiseite zu lassen. Mal sehen, ob es mir gelingt.

Weshalb Anti Aging Bier? Die Zutatenliste gibt Auskunft: neben Badebier enthält die Flasche noch die Zusätze Sole, Spirulina und Flavonoide (Quercetin). Sole ist eine Kochsalzlösung mit einem Salzgehalt von 1,5 % bis 6 %. Spirulina wird laut Wikipedia in der Alternativmedizin verwendet, um den Cholesterinspiegel zu senken. Außerdem werden diesen Blaualgen Effekte im Kampf gegen Viren und Allergien zugeschrieben. Wikipedia betont jedoch, dass es dazu keine belastbaren Untersuchungen gebe. Zu Quercetin schreibt Wikipedia: “Quercetin werden weitreichende, physiologisch positive Effekte zugesprochen. Hervorzuheben ist dabei die antikarzinogene Wirkung, welche hauptsächlich auf das antioxidative Potential zurückzuführen ist. Quercetin wirkt ähnlich wie die Vitamine A, C und E als Radikalfänger.” Auch wenn die Wirkungen wohl nicht wirklich nachgewiesen sind – etwas vollkommen Falsches ist in diesem Bier nicht. Probieren wir es einfach einmal.

Tiefschwarz und klar steht das Bier im Glas, darüber eine mittlere Schaumkrone, hellbraun, feinporig. Der Schaum bleibt auch lange stehen. Optisch macht das Bier also einen guten Eindruck. Das Bier duftet angenehm nach Röstaromen, unterstützt durch blumige Aromen. Auch das sehe ich positiv. Aber wie schmeckt das Bier?

Der Antrunk bringt eine leichte Süße mit sich und die Röstaromen des Malzes breiten sich sofort im gesamten Mund aus. Der starke Röstgeschmack dieses recht trockenen Bieres bleibt auch bis zum Ende erhalten. Dann ist da aber noch der Salzgeschmack, der von der Sole stammt. Er ist nicht stark, stört mich aber doch deutlich. An dieser Stelle musste ich mich fragen, ob ich das Bier zu Ende trinken möchte oder nicht. Es ist doch grenzwertig. Schließlich habe ich mich dagegen entschieden. Das bedeutet aber nicht, dass das Bier ungenießbar wäre. Ich habe mich entschieden, mit dem Bier eine Schwarzbiersoße zu kochen, die ich dann zu einem Steak vom Ibericoschwein gegessen habe. Diese Soße war hervorragend, so dass ich mit gutem Gewissen sagen kann, dass dieses Bier auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung hat.

Zutaten:

Badebier (Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen), Sole, Spirulina, Flavonoide (Quercetin)

Alkoholgehalt:
4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
15898 Neuzelle
http://www.klosterbrauerei.com

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Störtebeker Starkbier

Heute teste ich das erste Bier aus der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. War die Brauerei vor einigen Jahren noch hauptsächlich für sein Schwarzbier bekannt, das fast ausschließlich regional vertrieben wurde, bietet das Unternehmen jetzt mehr als ein Dutzend unterschiedliche Biere an, teilweise sogar in Bio-Qualität. Jetzt ist aber erst einmal das Stark-Bier an der Reihe.

Bevor ich das Bier teste sehe ich mir erst einmal die Website der Brauerei an. Dort werden die einzelnen Biersorten sowie deren Zutaten vorgestellt. Und das wirklich umfassend. Störtebeker schreibt nicht nur, dass Hopfen verarbeitet wird, sondern es werden sogar die Hopfensorten genannt. In diesem Fall handelt es sich um die Sorte Smaragd. Dieser Hopfen gehört zu den hochfeinen Aromasorten und zeichnet sich durch seinen fruchtigen und würzigen Geschmack aus. Die Aromen sind fruchtig, hopfenwürzig, blumig. So viel Offenheit habe ich noch bei keiner anderen Brauerei erlebt. Das macht doch richtig Lust auf den Test.

Ich gieße mir also ein Glas ein – und staune schon wieder. Diesmal über die tiefe Schwärze des Biers. Selbst als ich das Glas gegen die Lampe betrachte, ist nur sehr schwach der typische Rotton zu erkennen. Darüber eine feinporige und feste hellbraune Schaumkrone, die auch wunderbar lange stehenbleibt. Dazu der kräftige Duft nach Karamell, unterstützt von Röst-, Schokoladen- und Kaffeenoten.

Der Antrunk ist leicht süßlich. Das war aber auch zu erwarten und die Süße ist auch nicht aufdringlich. Im Körper kommt dann das Malz in den Vordergrund und auch die Schokoladennoten kommen diskret durch. Der langanhaltende Abgang rundet den Schluck mit relativ wenigen Bitternoten perfekt ab.

Fazit: Ein Bier, das einfach rund ist, super geeignet zu Wildgerichten oder Sauerbraten. Zwischendurch ein Stück Bitterschokolade zu essen wertet dieses Bier noch weiter auf.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

16,9 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Stralsund
http://www.stoertebeker.com

 


Moby Wit

Jetzt steht wieder einmal ein Bier aus der Ratsherrn-Brauerei in den Hamburger Schanzenhöfen vor mir. Ein Bier? Für mich schon, aber Puristen, die verschärften Wert auf das Reinheitsgebot legen, werden mir widersprechen. Sie werden auch Bestätigung auf den Etiketten finden, auf denen nichts von Bier steht, sondern es ist nur von einer Brauspezialität die Rede. Weshalb? Hier wurden auch Koriander, Orangenschale und Kamillenblüten mit verbraut. Nennen Sie es wie Sie wollen, Entscheidend ist doch in erster Linie, dass es schmeckt. Können wir uns darauf einigen?

Die Brauerei beschreibt das Bier auf dem Rückenetikett wie folgt: “Bitte ein Wit! Unsere Version der beliebten Belgischen Brauspezialität: Ein außergewöhnlicher Hefestamm verleiht unserem Wit ein fruchtiges, pfeffriges Aroma, das von Koriander, Orangenschalen und Kamillenblüten unterstrichen wird. Ein absolut erfrischendes Trinkerlebnis!” Na dann wollen wir mal testen. Aber vorher werfen wir noch einen Blick auf die Etiketten.

Die Brauer haben hier die Hopfensorten Herkules und Tradition verwendet. An Malz werden Pilsener, helles Weizenmalz und Hafermalz verwendet, zusätzlich stehen noch Weizenflocken in der Liste. Dass Weizenflocken verbraut werden ist eine Spezialität, die ich bislang noch nirgendwo gefunden habe. Auch Hafermalz ist so selten, dass ich im Internet keine Beschreibung der Eigenschaften finden konnte.

Das Bier ist sehr hell, ungewöhnlich hell für ein Craft-Bier. Dazu ist es hefetrüb und hat einen feinen weißen Schaum, der durchschnittlich lange erhalten bleibt. Der Duft ist einfach umwerfend – blumig, helle Früchte und Zitrusnoten konnte ich feststellen. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist mild und leicht säuerlich. Dazu eine lebhafte Kohlensäure und eine dezente Schärfe, so dass das Bier wirklich süffig wird. Dazu kommt ein milder und wenig bitterer Abgang. Der Geschmack bleibt durchschnittlich lange im Mund. Hier habe ich ein wirklich leckeres Bier, das ohne Einschränkungen zu empfehlen ist.

Auf seiner Website gibt die Brauerei eine International Bitterness Unit (IBU) von 12 an, es handelt sich also um ein sehr mildes Bier. Genaueres über die IBU finden Sie auf Wikipedia.

Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Weizenflocken, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Herkules, Tradition), Koriander, Orangenschale, Kamillenblüten, Hefe

Alkoholgehalt:
5,1 % Vol.

Stammwürze:
11,8 %

Brauerei:
Ratsherrn Brauerei GmbH
Lagerstr. 30a
20357 Hamburg

www.stoertebeker.com

Frank Lucas ist Vizeweltmeister der Biersommeliers

Am Wochenende war es so weit – in Sao Paulo fand die Weltmeisterschaft der Biersommeliers statt. Vizeweltmeister wurde der Braumeister Frank Lucas von der Stralsunder Braumanufaktur. Lediglich der Italiener Simonmattia Riva konnte die Jury noch mehr überzeugen. Insgesamt nahmen 53 Bierkenner an dem Wettkampf teil. Alle hatten sich – so wie Lucas und Puttnies – in nationalen Wettkämpfen qualifiziert.

Auf die Weltmeisterschaft hat sich der Stralsunder Braumeister Frank Lucas genauso vorbereitet wie ein Spitzensportler auf seinen schwersten Wettkampf: Sechs Wochen vor der Meisterschaft intensivierte der Stralsunder Brauer sein Training und kostete sich zweimal pro Woche gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Puttnies durch die Biere dieser Welt, um deren Geschmack auf der Zunge zerlegen: Lucas bestimmte Hopfenaromen und die Röstnoten des Malzes, ordnete den Hefen die passenden Stoffwechselprofile zu und fasste die Bitterkeit des Bieres im Abgang in die passenden Worte.

In den Vorrunden wurde Bierwissen abgefragt. Nach Bierbestimmungen und Geschmacksproben überzeugte der Stralsunder die Jury letztendlich mit dem “Rodenbach Vintage” – einem belgischen Bier. “Ich habe eine Affinität zu sauren Bieren wie diesem”, erklärte der 46-Jährige nach seiner Rückkehr aus Südamerika. Aus drei Bieren – so die Finalaufgabe – musste sich Lucas auf der Bühne eines auswählen, dieses beschreiben und dazu eine Speisenempfehlung abgeben. Als Speisen zu dem markanten Bier aus Belgien – einer Mischgärung aus Hefe-, Essig- und Milchsäurebakterien – empfahl er Meeresfrüchte beziehungsweise Lammleber.

Wein ein Genussgetränk, Bier ein Durstgetränk – das ist für Lucas ein längst überholtes Klischee. “Biere sind in ihren Aromen zum Teil vielfältiger als um mit ihnen adäquat auf Speisen zu reagieren.” Deshalb gibt es für den Bierkenner auch nicht das ultimative Bier, sondern nur die passenden Biere für den entsprechenden Anlass: Beispielsweise en trockenes herbes Bier als Aperitif oder ein frisches Weizenbier nach dem Sport. “Ein gutes Bier macht Lust auf ein zweites Glas.”

Lucas erlernte in der Rostocker Brauerei den Beruf des Brauers und Mälzers. Seit 1999 arbeitet er in der Stralsunder Braumanufaktur, wo er aktuell als Produktentwickler neue Biere kreiert und zugleich für die Qualitätssicherung zuständig ist.

Klasse statt Masse, heißt es seit einigen Jahren auf dem deutschen Biermarkt. Der Bierabsatz ist tendenziell seit Jahren im Sinken. Im vergangenen Jahr setzten die deutschen Brauereien nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes rund 95,6 Millionen Hektoliter Bier ab, das sind rund ein Drittel weniger als um 1990. Mit sogenannten Premium-Bieren und handwerklich hergestellten Bieren aus erlesenen Rohstoffen zielen die Brauereien auf Kunden, die bereit sind, dafür mehr Geld zu zahlen.

“Bier zum Wohlsein und nicht zum Vollsein”, formuliert es der Chef der Stralsunder Braumanufaktur, Jürgen Nordmann. Die Brauerei produziert zwölf verschiedene Sorten Störtebeker-Biere, dazu ein Saisonbier sowie vier Sorten Stralsunder. Die Branche habe 40 Jahre lang gedacht, Bier sei ein Massenmarkt, so Nordmann. Doch die Generation, die Bier kistenweise getrunken habe, sterbe aus. An deren Stelle trete inzwischen der junge bewusste Konsument.

Mit dem Trend zum handwerklich hergestellten Bier entwickelte sich auch das Berufsbild des Biersommeliers. Im Jahr 2011 absolvierten 13 Mitarbeiter der Stralsunder Brauerei eine entsprechende Ausbildung, darunter auch Frank Lucas.

Köstritzer Pale Ale

Etwas gestaunt habe ich ja doch, als ich im Getränkemarkt ein Pale Ale von Köstritzer fand. Das muss ich doch gleich einmal verkosten. Bekannt ist die Brauerei aus Köstritz in Thüringen, die zur Bitburger-Gruppe gehört, ja für sein Schwarzbier. Es werden laut der Internetseite der Brauerei auch andere Biere gebraut, die aber wohl nur regional vertrieben werden. Auf der Website wird auch mitgeteilt, dass das Köstritzer Pale Ale beim Craft Beer Award des Meininger Verlages im Jahr 2014 mit der Goldmedaille und 2015 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurden. Ich kann also etwas ganz besonderes erwarten.

Bevor ich das Bier verkoste sehe ich mir aber erst einmal die Etiketten an. Drei Malzsorten wurden verwendet (Pilsner Malz, Münchner Malz und Karamellmalz), die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Zusätzlich wurden fünf verschiedene Hopfensorten verbraut. Sen Citra-Hopfen beschreibt der Großhänder http://www.hopfen-der-welt.de so schön, dass ich es nicht besser kann und daher zitiere: “Der Obstsalat unter den Hopfen! Neben Limette und Grapfruit ist noch ein ganzer Obstkorb tropischer Früchte im Aroma dabei. Delta ist ein neuer Aromahopfen, der durch eine Kreuzung von Fuggles und Cascade entstanden ist. Hallertauer Blanc hat ein blumiges Aroma mit fruchtigen Noten. Galaxy wird mit einer intensiven Hopfennote beworben. Calypso hat ausgeprägte Fruchtaromen. Nun bin ich aber neugierig.

Rotgold und fast klar zeigt sich das Bier im Glas, darüber ein elfenbeinfarbiger feinporiger und fester Schaum mit einer langen Standzeit. Optisch das das Bier also schon mal perfekt. Und dann der Duft: Zitrusfrüchte, Aprikosen und Südfrüchte teigen mir in die Nase. Damit entspricht das Aroma meinen Erwartungen. Zeit also für den ersten Schluck. Der Antrunk ist überraschend mild. Vielleicht ist er mir etwas zu bitter, aber nicht unangenehm. Dann breitet sich aber eine sehr intensive Bitterkeit im Mund aus, der alle anderen Geschmacksnuancen überlagert. Trotzdem folgt ein sehr milder Abgang. Irgendwie macht das Bier mir einen sehr unausgeglichenen Ausdruck. Wie kommt das Bier dann zu seinen Auszeichnungen?

Das ist schon merkwürdig. Ein erneuter Blick auf das Rückenetikett zeigt mir, dass ich ein Bier gekauft habe, das bereits seit mehr als vier Monaten abgelaufen ist. Ich werde einmal bei der Brauerei nachfragen, ob es daran liegt. Wenn ich dieses Ale noch einmal in meinem Getränkemarkt bekomme, werde ich auch noch einen Nachtest durchführen.

Zutaten:

Wasser (Quellwasser aus dem Eleonorental), Gerstenmalz (Pilsner Malz, Münchner Malz, Karamellmalz), Hopfen (Citra, Delta, Hallertau Blanc, Galaxy, Calypso), Hefe

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
http://www.koestritzer.de

Berliner Bürgerbräu Rotkehlchen

Heute steht mal wieder ein Bier aus der Hauptstadt vor mir und möchte gerne verkostet werden. Das Rückenetikett preist das Bier als süffige rubinrote Spezialität an. Na ja, das weckt doch schon mal einige Erwartungen. Mal sehen, ob das Bier diese Erwartungen erfüllen kann.

Ich gieße mir das Bier erst einmal ein. Das Bier hat eine intensive goldgelbe Farbe mit einem Stich Bernstein und zeigt eine üppige und stabile Schaumkrone. So weit ist das schon mal ein perfekter Auftritt, nur – rubinrot ist etwas anderes. Den Texter des Rückenetiketts sollte die Brauerei mal nach Nürnberg schicken; dort würde er mal ein rotes Bier kennenlernen. Das soll aber der einzige Kritikpunkt bleiben.

Mich begrüßt ein intensiver Duft nach Malz und Karamell, der durch eine angenehme Hopfennote unterstützt wird. Der Antrunk ist von den Karamellnoten geprägt uns im Abgang kommt die leichte Bitterkeit des Hopfens zum Tragen. Der Geschmack ist so intensiv wie es die Optik versprochen hat. Dieses Produkt aus dem Haus Kindl-Schultheiss ist sehr gut komponiert. So soll ein Bier sein.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

 

Brauerei:

Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei GmbH
Indira-Gandhi-Str. 66-69
13053 Berlin
http://www.schultheiss.de