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Slow Brewing – was ist das?

Die Brauerei Welde aus Plankstadt hat mir kürzlich ihre drei neuen Craft-Biere geschickt. Auf den Rückenetiketten dieser Biere ist das Siegel “Slow Brewing” abgedruckt. Solche Siegel machen mich immer neugierig. Immer wieder finde ich in den Medien Berichte über sinnlose Siegel, die sich die Hersteller verschiedener Produkte teilweise sogar selber verleihen. Auf der anderen Seite ist der Großteil der Siegel durchaus sinnvoll und weist auf eine besondere Qualität der Produkte oder auf eine besonders sinnvolle Herstellung der Produkte hin. So habe ich einmal versucht, herauszufinden, wie es bei Slow Brewing aussieht.

Grundsätzlich hat das Wort “Slow” im Zusammenhang mit Lebensmitteln einen guten Ruf. Bekanntestes Beispiel ist “Slow Food”. Wo die Schnecke dieses Vereins auf der Verpackung eines Produkts zu sehen ist, können wir uns darauf verlassen, dass es sich um ein hochwertiges Erzeugnis mit eigenem Charakter handelt. Jetzt will ich versuchen herauszufinden, ob das beim Bier und Slow Brewing ebenfalls der Fall ist.

Slow Brewing ist ein eingetragener Verein, der nach der aktuellsten Pressemitteilung 26 Mitglieder in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz hat. Von allen Bieren dieser Brauereien, die ich bislang getestet habe, war ich begeistert. Irgendetwas macht der Verein wohl richtig. Aber sehen wir uns erst einmal an, wie sich der Verein selbst darstellt:

“Herausragender Geschmack und ein gutes Gewissen beim Genießen. Dafür stehen Bierspezialitäten, die mit dem Slow Brewing Gütesiegel ausgezeichnet sind. Neben der Verwendung reinster, natürlicher Rohstoffe ist es die langsame, schonende Brauweise des Slow Brewing, die sich ganz wesentlich auf den besonders runden und ausgereiften Geschmack von Slow Brewing Bieren auswirkt. Slow Brewer geben ihren Bierspezialitäten die ideale Zeit zum Reifen. Außerdem verzichten sie ganz bewusst auf die weit verbreitete nachträgliche Verdünnung des fertigen Biers (High Gravity Brewing). Allgemein versteht man darunter eine Verdünnung von konzentriertem Bier auf die sortentypische Trinkstärke. Bei der Vergärung derartiger Würzen ergibt sich beim ausgedünnten Bier ein anderes Aromaprofil als bei Bieren mit Originalstammwürze. Aus diesem Grund ist High Gravity bei Slow Brewing eine “No-go-Technologie”. Die schonende Brauweise des Slow Brewing wirkt sich aber nicht nur positiv auf den Geschmack aus, es entstehen auch weniger sogenannte Fuselalkohole als bei beschleunigten Herstellungsverfahren, die oft in der industriellen Massenproduktion zum Einsatz kommen. Diese Gärungsnebenprodukte werden häufig für eine schlechtere Verträglichkeit verantwortlich gemacht. Damit man die herausragenden Slow Brewing Biere auch mit gutem Gewissen genießen kann, geht Slow Brewing über die Prüfung der Bierqualität hinaus und bewertet auch die Qualität der Brauerei, die es herstellt. Slow Brewing zertifiziert ausschließlich Unternehmen, die in allen Bereichen ihrer Wertschöpfungskette fair und bewusst agieren. Dieser ganzheitliche Zugang macht Slow Brewing zum konsequentesten Gütesiegel am internationalen Biermarkt.”

Wenn wir die Informationen aus diesem Pressetext zusammenfassen bleiben eigentlich nur zwei Informationen übrig: das Bier wird sofort in Trinkstärke gebraut und auch das soziale Verhalten der Brauerei gegenüber den Mitarbeitern und Lieferanten geht in die Bewertung ein. Der Rest klingt erst einmal nach Marketingsprüchen, deren inhaltliche Bedeutung im Einzelnen betrachtet werden sollte. Sehen wir uns die Details einmal an.

Wie und wie häufig prüft Slow Brewing?

Dazu schreibt Slow Brewing: “Die geschmackliche Qualitätsprüfung des Biers erfolgt jeden Monat durch das renommierte Forschungszentrum Weihenstephan (TU München). Die Bierqualität wird über 12 Monate im Jahr sowohl im frisch abgefüllten als auch im “gealterten” Produkt überprüft. Damit steht auch die Qualitätskonstanz des Biers im Fokus und das ist eine der schwierigsten Herausforderungen für jeden Brauer.”

Eine monatliche sensorische Qualitätsprüfung ist wohl nahe an der Grenze, was vertretbar und ökonomisch sinnvoll ist. Das gefällt mir. Zweifel habe ich aber an der Aussagekraft der Prüfungen am gealterten Bier. Dafür gibt es mehrere Gründe: In der Brauerei und/oder in Weihenstephan werden die Biere sicher ordnungsgemäß und produktschonend gelagert. In der Realität sieht die Situation aber anders aus. Sobald das Bier die Brauerei verlassen hat, hat die Brauerei keinen Einfluss mehr auf die Lagerbedingungen des Bieres. Das beginnt schon beim Transport. Das Thermometer zeigt derzeit deutlich über 30 Grad Celsius an. Stellen wir uns jetzt einmal vor, ein Fernfahrer soll eine Ladung Bier aus Süddeutschland nach Hannover bringen. Er ist die Nacht durchgefahren und lädt morgens das Bier. Anschließend muss er seine gesetzlich vorgeschriebene Pause machen. Nicht nur der Fahrer ist ein armes Schwein, das dann bei diesen Temperaturen im Auto schlafen soll. Auch auf der Ladefläche herrschen die gleichen Temperaturen. Nun mag ein industriell gebrautes Bier das schadlos überstehen, aber wie sich ein nicht pasteurisiertes Bier bei diesen Temperaturen verhält, mag sich jeder selbst vorstellen. Auch im Handel herrschen in der Regel nicht die optimalen Bedingungen. Im Getränkemarkt, in dem ich häufiger bin, werden die Biere bei Außentemperatur gelagert, und das sicher manchmal über mehrere Wochen oder gar Monate. Ein so gelagertes Bier dürfte wohl deutlich schneller altern als ein Bier in Weihenstephan.

Außerdem ist Bier nicht gleich Bier. In hopfenbetonten Bieren bauen sich die Aromen im Laufe der Zeit ab. Wer einmal ein deutlich überlagertes IPA getrunken hat, wird festgestellt haben, dass die Fruchtigkeit stark nachgelassen hat und aus dem leckeren Bier eine eher bittere Brühe geworden ist. Auf der anderen Seite gibt es die malzbetonten Biere, die im besten Fall in der Flasche reifen. Sie verändern sich also noch und werden dabei besser. Dabei denke ich beispielsweise an die Inselbrauerei auf Rügen, die nach belgischem Vorbild den Bieren eine zweite Gärung in der Flasche gönnt und die Biere nicht pasteurisiert. Solche aufwändig hergestellten Biere würden bei dieser Qualitätsprüfung vermutlich durchfallen.

Slow Brewing schreibt weiter: “Die Überprüfung der Brauerei und der Herstellung wird vom Slow Brewing Institut jährlich durchgeführt. Zertifiziert werden dabei u.a. Rohstoffqualität, Art und Qualität der Brauweise und die Qualität der Unternehmensführung und -kultur. Das strenge, wissenschaftlich fundierte Audit umfasst mehr als 500 Fragen, die von den unabhängigen Experten des Slow Brewing Instituts definiert wurden. Das Gütesiegel wird nur vergeben, wenn alle Bereiche als ausgezeichnet bewertet werden.”

Das Slow Brewing Institut – wissenschaftlich fundiert

Auch dazu schreibt Slow Brewing etwas: “Vergeben wird das Gütesiegel nach harter und umfangreicher Prüfung vom Slow Brewing Institut, einem unabhängigen und wissenschaftlich fundierten Kontrollorgan. Bestehend aus zehn Brauexperten aus Lehre und Forschung rund um Dr. August Gresser, Ehrenmitglied der “Accademia della Birra” und des Verbandes ehemaliger Weihenstephaner der Brauerabteilung e.V., arbeitet das Institut mit einem wissenschaftlichen Beirat und unabhängigen Experten der TU München und der CERB zusammen. Getragen wird das Institut durch faire Kommunikations- und Marketingbeiträge der ausgezeichneten Brauereien und Beiträge von Förderern mit der Motivation, strenge, objektive und konsequente Richtlinien für die Auszeichnung von herausragenden Bieren zu gewährleisten. Slow Brewing wurde 2011 als “Bewegung” mit äußerst strengen Aufnahmekriterien ins Leben gerufen. Nach der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Kriterien wurde 2016 als Konsequenz das Slow Brewing Institut gegründet. Seit diesem Zeitpunkt kann sich jede Brauerei für das Gütesiegel bewerben.”

Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Ich habe die neun Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats von Slow Brewing recherchiert und dabei festgestellt, dass es ich um ausgewiesene und anerkannte Experten des Brauwesens handelt.

Ich habe hier einige Punkte genannt, bei denen ich jetzt nicht mit Slow Brewing übereinstimme. Dabei handelt es sich aber weniger um eine Kritik an der Arbeit von Slow Brewing, sondern mehr um Fragen, die noch einer Klärung bedürfen. Auf der BrauBeviale wird Slow Brewing einen Stand betreiben. Ich hoffe, dass mich die Messe Nürnberg für diese Veranstaltung akkreditiert. In diesem Fall werde ich die offenen Fragen sicher mit Slow Brewing klären können und hier weiter berichten.

BrauBeviale 2018 will Impulse setzen und inspirieren

Die BrauBeviale macht turnusmäßig alle vier Jahre eine Pause, aber 13. bis 15. November 2018 wird die internationale Getränkefachwelt in die Messehallen in Nürnberg eingeladen. Während der Pause hat die Messegesellschaft genutzt, um Feinheiten im Messekonzept anzupassen, sich im Markt umzuhören und aktuelle Themen aufzuspüren und für die kommenden drei Jahre aufzugreifen. So ist auch ein umfassendes Rahmenprogramm entstanden, das Impulse setzen möchte bei all den Herausforderungen, die die Getränkebranche gerade beschäftigen.

Konferenzprogramm vor dem eigentlichen Messestart

Die Anreise vor Messestart dürfte sich für viele Besucher auszahlen, denn bereits am Vortag der Messe gibt es mehrere interessante Weiterbildungsveranstaltungen: Bereits zum sechsten Mal findet das European MicroBrew Symposium der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) statt. Mit seinem Fokus auf technologische sowie Qualitätsaspekte richtet es sich an internationale Craft Brewer und Brewpub-Betreiber und wird daher auch in englischer Sprache abgehalten. Ein weiteres aktuelles Thema unter Brauern weltweit sind historische Braugersten, denen sich das Heirloom & Terroir Barley and Malt Symposium von RMI Analytics widmet. In diesem Rahmen wird auch der Heirloom Brewing-Award verliehen, der ausgesuchte Biere mit einem stimmigen Gesamtkonzept prämiert, die dann auch auf der BrauBeviale verkostet werden können.

Zuhören und mitdiskutieren

Die drei Messetage werden wieder unter dem Namen Forum BrauBeviale durch ein Konferenzprogramm begleitet. Der bewährte Mix aus Vorträgen, Präsentationen, Podiumsdiskussionen sowie Preisverleihungen lädt die Messebesucher ein, sich zu aktuellen Themen zu informieren und von spannenden Ideen und Ansätzen inspirieren zu lassen. Das Themenspektrum ist breit gefächert und reicht von Rohstoffen über Technologien bis zu Unternehmertum und Vermarktung. Die Sprache im Forum ist Deutsch, eine Simultanübersetzung ins Englische wird angeboten. Das detaillierte Programm gibt es rechtzeitig zur Messevorbereitung auf der Website der BrauBeviale. Auch im Forum: die Eröffnung am ersten Messetag mit einer Keynote der Food-Trend-Forscherin Hanni Rützler und der Verleihung des Bayerischen Bierordens. Ebenso am ersten Messetag, um 16 Uhr, können Interessierte dem Finale der Deutschen Meisterschaft der Biersommeliers beiwohnen.

Verkostungen von Getränkespezialitäten

Ein Highlight für das Erforschen der Vielfalt und den Genuss von Getränkespezialitäten ist die Craft Drinks Area – mit zuletzt rund 7.500 Teilnehmern an drei Messetagen eine folgerichtige Weiterentwicklung der Craft Beer Corner aus dem vergangenen Triple. Hier können die Besucher an insgesamt acht Bars an von unabhängigen Experten geführten Verkostungen teilnehmen und in zum Teil völlig neue Geschmackswelten eintauchen. Neben der Gläserbar, an der man die Auswirkung der Beschaffenheit des Glases auf den Geschmack erleben kann, gibt es je eine Bar für Mineralwässer, Spirituosen und innovative alkoholfreie Getränke. Dem Thema Bier widmen sich sogar vier Bars, die neben speziellen Ländern und Themen auch die Vielfalt alkoholfreier und alkoholreduzierter Biere aufzeigen.

Traditionell wird auch wieder der European Beer Star, der seit seinem “Geburtsjahr” 2004 seine Messeheimat auf der BrauBeviale hat, verliehen. In 65 Kategorien, das sind fünf mehr als im Vorjahr, können Brauereien aus der ganzen Welt ihre Biere einreichen – zuletzt waren es 2.151 Biere, davon 60 Prozent aus dem Ausland – und an einem der bedeutendsten Bierwettbewerbe weltweit teilnehmen. Ins Leben gerufen wurde er von den Privaten Brauereien, dem ideellen Träger der Messe, dem deutschen und dem europäischen Dachverband. BrauBeviale-Besucher kommen wieder in den Genuss, am ersten Messetag aus den Goldmedaillengewinnern ihr Lieblingsbier zu küren, den Consumers’ Favourite 2018 in Gold, Silber und Bronze.

Kompetente Partner für konkrete Belange

Unterschiedliche Themenpavillons präsentieren sich gezielt als Anlaufstelle für speziell auf bestimmte Besuchergruppen zugeschnittene Fragestellungen: Kleinst- und Kleinbrauereien sowie Heim- und Hobbybrauer finden bei Artisan und Craft Beer Equipment und brau@home umfassende Informationen zu Ausstattung, Zutaten und Lösungen sowie wertvolle Anregungen durch Kurzvorträge in der zugehörigen Speakers’ Corner. Weitere Pavillons sind dem “Nachhaltigen Wassermanagement in der Getränkeindustrie” und einer Sonderschau zu innovativen Getränkeverpackungen gewidmet.

Die Zukunft im Blick

Junge Unternehmen aus Deutschland, die innovative Produkte und Verfahren für die Getränkeindustrie entwickeln und in naher Zukunft auf den Markt bringen möchten oder dies gerade getan haben, präsentieren sich und ihre Ideen erstmals der Fachöffentlichkeit am Gemeinschaftsstand “Innovation made in Germany”. Die Teilnahme wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Schon mancher ehemalige Teilnehmer dieses Gemeinschaftsstandes ist mittlerweile eine feste Größe in der Getränkebranche geworden.

Blick über den Glasrand hinaus

Bei so viel Beschäftigung mit Themen rund um die Getränkebranche liegt es nahe, auch an andere kulinarische Genüsse zu denken. Passend zur BrauBeviale findet parallel vom 14.-15. November 2018 die SFC Street Food Convention statt. Sie präsentiert mit abwechslungsreichem Programm zum vierten Mal alles rund um die Themen Street Food, Foodtrucks, mobiles Catering und visionäre Esskultur – begleitet durch eine Sponsorenausstellung und Foodtrucks zur Verköstigung im Messepark.

Auf den Spuren des Biers durch Erlangen

Ich glaube, ich war mein Leben lang noch nicht in Erlangen. Daher kann ich zwar auch nicht sagen, ob sich ein Besuch in dieser mittelfränkischen Stadt lohnt. Jedenfalls zieht mich nicht allzu viel dort hin. Aber ab dem 14. September gibt es im Stadtführungsprogramm des Erlanger Tourismus und Marketing Vereins (ETM) wieder die beliebte BierKul-Tour, die auf unterhaltsame und genussvolle Weise die Geschichte der Bierstadt Erlangen beleuchten soll.

Man nehme begeisterte Braumeister, sechs Bierspezialitäten sowie ausgesuchte bierhistorische Stätten und mische wohl dosiert unterhaltsame Stadt- und Biergeschichte darunter – das Ergebnis: eine zünftige BierKul-Tour auf Erlanger Art! Der Vorverkauf für die Saison 2018/19 hat gerade begonnen. Die kulinarischen Führungen finden an 13 ausgewählten Freitagen von September bis November 2018 und von Februar bis Mai 2019 statt (alle Termine unter www.erlangen-marketing.de/bierkul-tour). Interessierte sollten aber schnell sein: Erfahrungsgemäß ist die Tour immer schnell ausverkauft.

Im Mittelpunkt steht selbstverständlich die Verkostung des in Erlangen gebrauten Biers. Sechs verschiedene Biere von drei Brauereien werden eingeschenkt, fachmännisch begutachtet und natürlich probiert. Ein kleiner Snack zum Start, eine Überraschungsstation, ein zünftiges Abendessen und ein Souvenir für jeden Teilnehmer machen die Tour, die 40 € pro Person kostet, zu einem besonderen Erlebnis. Natürlich darf ein Blick hinter die Kulissen der beiden Erlanger Traditionsbrauereien Steinbach und Kitzmann nicht fehlen. Wo die Überraschungsstation liegt, wird allerdings vorweg nicht verraten.

Start der circa dreistündigen Führung ist jeweils um 16:30 Uhr bei der Steinbach Bräu. “Dass die BierKul-Tour nun schon in die vierte Saison startet ist nicht verwunderlich”, berichtet Viola Raabe vom ETM. “Die Kombination aus kulinarischem Genuss, Bier-Know-How und unterhaltsam erzählter Stadtgeschichte kommt einfach sehr gut an.”

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.erlangen-marketing.de/tourismus/stadtfuehrungen/bierkul-tour/.

Lauter Irrtümer um das Reinheitsgebot

Die “Bravo” schrieb es bereits vor Jahrzehnten: “Die Geschichte des Reinheitsgebots ist eine Geschichte voller Irrtümer”. Ach nein, da ging es um ein anderes Thema. Aber auch rund um das Biergesetz geistern viele irrige Annahmen durch die Welt. Der Biersepp hat in seinem Blog die seiner Meinung nach häufigsten Irrtümer in einem Artikel zusammengefasst und erläutert. Mir gefällt die Analyse, die diesem Artikel zugrunde liegt und da Sepp mir die Erlaubnis gegeben hat, meinen eigenen Beitrag auf seinem Artikel aufzubauen (wofür ich ihm ausdrücklich danken möchte), habe ich die Struktur des Artikels hier übernommen.

Irrtum #1: “Das Reinheitsgebot heißt Reinheitsgebot”.

Der Begriff “Reinheitsgebot” wird im Alltag verwendet, auch wenn die Vorschrift, die damit gemeint ist, niemals so hieß. “Reinheitsgebot” wurde für die Vorschriften im Zusammenhang mit dem Bierbrauen erstmals im März 1918 verwendet. Er bezeichnet eine rechtliche Norm, welche in der “Landesverordnung” vom 23. April 1516 begründet ist und heute “Vorläufiges Biergesetz” heißt. Ich werde in diesem Artikel aber trotzdem vom Reinheitsgebot schreiben.

Irrtum #2: Das Reinheitsgebot ist das älteste noch gültige Lebensmittel- und Verbraucherschutzgesetz der Welt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Herrschenden des beginnenden 16. Jahrhunderts sich viele Gedanken um die Gesundheit ihrer Untertanen gemacht haben. Ich bin davon überzeugt, dass es denen damals ausgereicht hat, wenn das gemeine Volk noch in der Lage war, in die vielen Kriege zu ziehen und dass das eigene verschwenderische Wohlergehen gesichert war. Ich kenne noch einige andere Begründungen für den Erlass des Reinheitsgebots, die von den Befürwortern dieser Vorschrift allerdings nicht so gerne verwendet werden:

  • Zwar lassen sich grundsätzlich alle Getreidearten mälzen und anschließend verbrauen. Aber Weizen und Roggen waren für das Brot erforderlich, ohne das die Bevölkerung nicht genügend zu Essen hatte und nicht kriegstauglich war. Hafer war für die Fütterung der Pferde erforderlich, die wiederum für die Kriegsführung erforderlich waren. Wir trinken heute ja auch den Panzern nicht den Diesel weg. Damit blieb nur noch die Gerste übrig, die zu nichts anderem als zur Bierherstellung zu gebrauchen war.
  • Da zum Brauen nur noch Gerste verwendet werden durfte war es möglich, für jedes Fuder Gerste, das zur Mühle gebracht wurde, eine Abgabe zu verlangen. Mir ist nicht bekannt, ob die Einführung dieser Abgabe in direktem zeitlichen Zusammenhang mit der Bekanntgabe des Reinheitsgebots steht, aber auf jeden Fall wurde mit der Landesverordnung von 1516 die Grundlage für Abgaben gelegt, die in die heutige Biersteuer münden.
  • Der Kirche galten damals Krankheiten als Strafe Gottes, woraus der Schluss gezogen wurde, dass auch nur Gott die Krankheit wieder vom Menschen nehmen durfte. Kräuterkundige Frauen boten trotzdem Tränke aus Kräutern an, die Krankheiten heilen oder zumindest die Symptome lindern sollten. Dafür mussten die Wirkstoffe aus den Pflanzen extrahiert werden, wofür sich das Bier anbot, da beim Brauen sowohl der Heißauszug als auch der Kaltauszug und der Auszug in einer alkoholischen Lösung möglich ist.

Mir sind noch einige andere Begründungen für die Landesverordnung bekannt, die mich aber zu sehr an Verschwörungstheorien erinnern und die ich an dieser Stelle nicht erwähne.

Tatsächlich wurde das Biergesetz 1987 außer Kraft gesetzt, weil es mit EU-Recht unvereinbar war. 2005 wurde auch das “vorläufige Biergesetz” von 1993 gekippt – nur die zugehörige Durchführungsverordnung ist weiterhin gültig.

Zusätzlich haben sich Inhalte und Vorgaben im Laufe der 500 Jahre mehrfach und auch in entscheidenden Punkten geändert. So war schon um 1551 die Verwendung von Lorbeer und Koriander als Zutaten zum bayerischen Bier erlaubt. Die Beschränkung auf Hopfen und Malz wurde erst 1868 (!) wieder eingeführt – aus fiskalischen Gründen.

Irrtum #3: “Das Reinheitsgebot gilt nur für Produkte, die unter “Bier” in den Verkehr gebracht werden”.

Kann ein Bier das nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde, als “Brauspezialität” auf den Markt gebracht werden? Nein. Tatsächlich gilt, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg: Egal wie das Produkt genannt wird, wenn es wie Bier aussieht und einem Bier auch sonst “ähnlich” ist, fällt es unter das Reinheitsgebot. Auch “Brauspezialitäten” oder “Malzgetränke” würden und werden daher, wenn sie Bier ähnlich sind, aus dem Verkehr gezogen.

Irrtum #4: “Das Reinheitsgebot erlaubt zur Bierherstellung ausschließlich die Verwendung von Hopfen Wasser, Hefe und Malz”.

Dieser Absatz ist ein Zitat aus Sepps Artikel: Tatsächlich ist – unter anderem – die Verwendung von “technisch reinem Rohr- Rüben- oder Invertzucker sowie von Stärkezucker und aus Zucker der bezeichneten Art hergestellten Färbemitteln” gestattet. Demnach dürfen nach dem “Reinheitsgebot” Industriezucker, nicht aber hochwertiger Honig (etwa zur Bereitung von Honigbier nach uraltem Rezept) verwendet werden. Die große Ausnahme bildet dabei Bayern. 1906 hat man sich nicht nur den Freistaat-Status ausbedungen, sondern auch das strikte Festhalten am Reinheitsgebot – ohne Ausnahmen von der Regel.

Es gibt außerdem eine lange Liste von erlaubten Hilfsstoffen, die im Rahmen der Produktion eingesetzt werden dürfen. Sie fallen nicht unter “Zusätze”, weil sie der Flüssigkeit wieder entnommen werden. (z.B. Klärungsmittel). Dazu ein Zitat aus dem Vorl. Biergesetz, §9 Abs 6: “bis auf gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile”.

Sie wünschen ein Beispiel? Bitte, hier ist es: Zur Filterung des Bieres ist es erlaubt, Polyvinylpyrrolidon (PVPP) zu verwenden. Dabei handelt es sich um ein feines Kunststoffgranulat, von dem geringe Mengen im fertigen Bier verbleiben (halt der “unvermeidliche Anteil”). Zu Recht läuft derzeit eine recht breite Diskussion um Mikroplastik in den Meeren, der zumindest für die Zukunft vermieden werden soll. Aber was im Meerwasser als nicht akzeptabel gilt, hat in einem Lebensmittel erst recht nichts verloren.

Irrtum #5: “Das Reinheitsgebot gilt für ganz Deutschland gleich.

Die Spruchpraxis unterscheidet sich in Deutschland von Bundesland zu Bundesland. Und zwar drastisch. Mehrere Brauer aus Hamburg haben mir versichert, dass eine Ausnahmegenehmigung für andere Rohstoffe beim Brauen kein Problem darstellen würde. Die Anträge würden schnell genehmigt. Bayern erteilt keinerlei Ausnahmegenehmigungen, so dass die dortigen Brauer gezwungen sind, in ein anderes Bundesland oder ins Ausland zu “flüchten”, wenn sie ein Kreativbier brauen wollen. Abschließend möchte ich noch einmal an den Bierkrieg erinnern, den die Brauerei im brandenburgischen Neuzelle mit den Behörden ausfechten musste, um ihren Schwarzen Abt als Bier verkaufen zu dürfen. Dort gab es noch ein Kuriosum: obwohl die Behörden verboten, den Schwarzen Abt als Bier zu verkaufen, musste dafür trotzdem die Biersteuer abgeführt werden. Der Geschäftsführer der Brauerei, Herr Fritsche, hat mir aber in einem Gespräch im letzten Jahr versichert, dass die Brauerei jetzt keine Probleme mehr mit den Ausnahmegenehmigungen hat. Die Anträge auf Ausnahmen werden inzwischen durchgewunken.

Irrtum No 6: “Das Reinheitsgebot kennt keine Ausnahmen”.

Tatsächlich gibt es mehrere Ausnahmen. In Bezug auf alte Traditionsstile, wie Berliner Weiße (Milchsäurenachgärung) oder Leipziger Gose (Salz, Koriander). Oder in Bezug auf juristisch erstrittene, wirtschaftlich begründete Ausnahmegenehmigungen (Spargelbier, Kirschbier). In Bayern gibt es allerdings keine solchen Ausnahmegenehmigungen. So durfte zum Beispiel die Marke Köstritzer in Thüringen ein Witbier auf den Markt bringen, Christian Hans Müller wurde hingegen dasselbe im Nachbarland Bayern verboten.

Irrtum No 7: “Das Reinheitsgebot ist der einzige Garant für reine Biere”.

Mit Verlaub, das ist Blödsinn. Nicht nur Gerste und Weizen sind rein, wertvoll und von der Landwirtschaft erzeugt. Es gibt eine Vielzahl von weiteren hochwertigen Rohstoffen aus der Natur, die zum Brauen gut verwendet werden können. Auch wenn die Brauer einmal Kirschen oder Himbeeren zum Brauen einsetzen, wird das Bier dadurch nicht unrein.

Selbst wenn das Reinheitsgebot ganz wegfallen würde, käme es sicher nicht zum Bier-Chaos. Zum Beweis für diese Behauptung müssen wir nur einmal über die Grenzen blicken, dorthin, wo das deutsche Reinheitsgebot nicht gilt. Auch in Dänemark, Belgien oder Österreich gibt es wirklich gute Biere, die zum Großteil aus den vier Grundstoffen des Reinheitsgebots hergestellt sind. Zwar wird auch häufig in der Liste der Inhaltsstoffe Zucker ausgewiesen, aber auch der ist nach dem Reinheitsgebot erlaubt.

Irrtum No 8: “Das Reinheitsgebot ist ein Einheitsgebot”.

Tatsächlich ist auch innerhalb des Reinheitsgebots eine enorme Biervielfalt möglich. Es ist erstaunlich und begeisternd, wie groß die Vielschichtigkeit an Geschmäckern, Intensitäten, Texturen, Farben in den Bieren ist, die von den (deutschen) Braumeisterinnen und Braumeistern hergestellt werden.

Irrtum #9: “Das Reinheitsgebot verhindert, dass giftige Stoffe ins Bier geraten”.

Wie sollte ein Gesetz das verhindern können? Man braucht sich nur die jüngste “Glyphosat-Diskussion” ansehen. Pestizide, die beim Getreide- und oder Hopfen Anbau eingesetzt werden, geraten leider in alle so gewonnen Lebensmittel, also auch in das Bier. Zum Glück (siehe erneut “Glyphosat”) meist in sehr geringen Mengen, die meist deutlich unter “Schwellenwerten” liegen. Trotzdem sollte da etwas geändert werden. Unkrautvernichtungsmittel u.ä. gehören meiner Meinung nach in kein Lebensmittel.

Irrtum #10: “Das Reinheitsgebot ist Kandidat für das immaterielle Weltkulturerbe”.

War. Wurde aber nicht aufgenommen. Aus der Begründung des Auswahlgremiums: “Hier stand die Lebensmittelvorschrift zu sehr im Vordergrund. Wir hatten auch den Eindruck, dass die Bierproduktion inzwischen sehr industriell geprägt ist. Der Mensch als Wissensträger der Brautradition scheint zunehmend eine nachrangige Rolle zu spielen.”

Irrtum #11: “Das Reinheitsgebot schafft eindeutige Produktbezeichnungen”.

Zur Erinnerung: Gerste stand in der Verordnung von 1516! Folglich dürfte der Satz “gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516” nur am Etikett von Bieren aus Gerstenmalz stehen. (Nähme man diesen Satz sprachlich genau, dürfte er nur auf Produkten stehen, die aus Gerste – Rohfrucht – und nicht aus Gerstenmalz gebraut werden. Aber solche Biere dürften ja nach der gültigen Durchführungsbestimmung gar nicht Biere heißen und vor allem nicht in den Verkehr gebracht werden). Der Einsatz dieses Spruchs auf einer Weißbierflasche ist aber besonders dreist. Das meinen auch die Gerichte. Denn erst vor kurzem musste eine große bayerische Weißbierbrauerei in einem diesbezüglichen Rechtsstreit mit einer Verbraucherzentrale klein beigeben. Sie darf die Falsch-Aussagen ab Mitte 2016 nicht mehr auf ihre Flaschen schreiben.

Und auch hier hilft ein Blick über die Grenzen. Auch im Ausland ist eindeutig, was ein Bier ist und was nicht. Was soll die Bemerkung mit den eindeutigen Produktbezeichnungen überhaupt?

Irrtum #12: “Das Reinheitsgebot verbietet die Herstellung von (Craft-) Bierstilen wie IPA oder Stout”.

Natürlich nicht. IPA (India Pale Ale) riecht so fruchtig, weil Hopfensorten eingesetzt werden, welche Öle enthalten, die das Bier fruchtig duften lassen. Stout duftet nach Kaffee und Schokolade, weil geröstetes Malz solche Aromen ins Bier zaubern kann. (Achtung: Original-Rezepturen für Stout enthalten aber – unvermälzte – Röstgerste. Gerste war ja in der Landesverordnung von 1516 ausdrücklich erlaubt! Ein Bierrezept, das unvermälzte Röstgerste enthält, ist also ganz nahe am Ursprungstext des “Reinheitsgebotes”).

Irrtum #13: “Das Reinheitsgebot macht das Brauen von Craft Bier in Deutschland unmöglich”.

Die meisten Craft-Biere, vor allem jene, die in Deutschland gebraut werden, werden nach dem Reinheitsgebot gebraut. Dabei ist noch nicht geklärt, welche Biere überhaupt als Craft Beer bezeichnet werden sollte. Aber diese Diskussion würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

TV-Tipp: 10. 6. 2018: Heimatleuchten – Unser Bier – Hopfen, Malz & Tradition

Vom Märzen bis zum Zwickl – Bier ist in Österreich beliebtes Kulturgut. Mit über 1000 verschiedenen Sorten und mehr als 200 Brauereien ist Österreich sogar eine der führenden Biernationen der Welt. In der ältesten Brauerei des Landes, auf den Hopfenfeldern des Mühlviertels oder bei Craft-Bier-Brauern in Wien – unser Bier ist reich an Geschmack und Geschichte. Wie kaum ein anderes Land der Welt hat sich in Österreich die Bierkultur entfaltet. Seit Jahrhunderten wird zwischen Boden- und Neusiedlersee aus einfachen Zutaten köstliches und vor allem beliebtes Brauwerk hergestellt. Das zeigt sich unter anderem im Mühlviertel. Egal ob beim Hopfen, den Biobauer Albert Starlinger hier kultiviert oder in der ältesten Brauerei Österreichs in Hofstetten. Hier wird seit 1229 Hopfen, Wasser und Malz verarbeitet – drei einfache Rohstoffe, aus denen hier Einzigartiges entsteht. In seiner Feinheit und Finesse zeigt sich der Gerstensaft vor allem beim Verkosten, wie Braumeister Axel Kiesbye und eine Vielzahl an Bier-Sommeliers wissen. Das Tradition und neue Zugänge zum Thema sich nicht im Weg stehen, zeigen die Brauerei Gösser, die die Abwärme ihrer Brauerei nutzbar macht oder die Trappisten des Stifts Engelszell. Die Mönche brauen mit Hingabe und nach strengen, alten Regeln ihr exklusives Trappistenbier, das den Geschmack der Menschen auch heute noch trifft. So vielfältig die Menschen zwischen Alpen und Donaumetropole sind, verbindet sie doch alle eines: Die Liebe zu den Rohstoffen, die ihnen ihre Heimat Jahr für Jahr schenkt und nicht zuletzt zum fertigen Produkt, das jeder auf seine eigene Art interpretiert. Einmal bodenständig, einmal wild oder auch einmal ausgefallen – jedoch immer mit dem einen Ziel: dem Genuss. (Quelle: Servus TV)

Hundertwassers Weißbiertraum in Abensberg

Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit”, soll Friedensreich Hundertwasser einmal gesagt haben. Im niederbayerischen Abensberg hatte der vor 18 Jahren verstorbene österreichische Künstler einen Seelenverwandten gefunden: den Besitzer der Traditionsbrauerei Kuchlbauer, Leonhard Salleck. Gemeinsam erträumten der Brauerei-Chef und der wohl berühmteste “Gegner der geraden Linie” eine Hundertwasser-Welt für das Industriegelände am Stadtrand von Abensberg, wo jedes Jahr allein mehr als 100.000 Hektoliter Weißbier gebraut werden. Nach dem Tod Hundertwassers im Jahr 2000 setzte der Brauereichef alles daran, den gemeinsamen Traum in die Tat umzusetzen – mit überwältigendem Erfolg. Seit der Fertigstellung des Hundertwasserturms 2009 und des Kunsthauses im Sommer 2014 lassen sich jedes Jahr bis zu einer halben Million Menschen von der bunt-verspielten Architektur faszinieren.

“Krumm bauen kostet viel mehr Geld wie gerade – und dauert mindestens dreimal so lang”, hat Brauerei-Seniorchef Salleck zur Eröffnung des Kunsthauses einem Journalisten in den Block diktiert. Über die genauen Baukosten schweigt er sich bis heute aus – genau wie schon zuvor bei dem 34 Meter hohen architektonisch verspielten und mit fließenden Linien gestalteten Hundertwasser-Turm mit vergoldeter Kuppel. Dieser beherbergt die mehr als 4.000 Gläser umfassende Bierglas-Sammlung seines inzwischen 75 Jahre alten Erbauers. Der Brauereichef übergab die Geschäfte im Frühjahr 2018 an seinen 25-jährigen Sohn Jakob Horsch. “Wir haben mit dem Hundertwasserturm, Kunsthaus sowie unseren Märkten einen Besuchermagnet, der 500 000 Touristen pro Jahr anlockt”, sagte Salleck stolz zur Übergabe. Beim Bierausstoß selbst liegt Kuchlbauer heute auf Platz 37 der bayerischen Brauereien.

Nicht wenige hielten den Traum Sallecks von einer Hundertwasser-Erlebniswelt anfangs für eine Spinnerei. Acht Jahre musste er gegen Bayerns Denkmalpfleger und Behörden kämpfen, bis der Bau endlich beginnen konnte. Allerdings stutzten die Verwaltungsbeamten den Turm auf die Hälfte der ursprünglich geplanten Höhe zurück. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch: Seit dem ersten Tag brummt das Geschäft mit Turm und angeschlossener Erlebnisgastronomie. Mittlerweile sind die Kritiker von damals verstummt.

Die Begeisterung inspirierte den Brauer zu einem weiteren Projekt – ganz im Sinne der großen Pläne, die er mit Hundertwasser einst gesponnen hatte: Die Stadtvilla neben dem Brauerei-Areal – dort wohnten einst Sallecks Großeltern – ließ er zu einem Kunsthaus im Hundertwasser-Stil umbauen. Der Hundertwasser-Schüler Peter Pelikan ließ die Vision Wirklichkeit werden: mit den typischen farbenfrohen Mosaiken aus Fliesen, Wolkenmotiven, glitzernden Kugeln und Bändern aus Keramik, die sich mit Leichtigkeit über die Fassade ziehen und an ihr nach oben ranken.

Gekrönt wird der Bau durch einen knapp 20 Meter hohen schiefen Turm, dessen Äußeres Schuppen trägt, die an einen Drachenrücken erinnern. Auch das Innere ist eine Hommage an den großen Künstler: Fast das gesamte graphische Werk Hundertwassers ist auf knapp 300 Quadratmetern und über zwölf verschiedene Ebenen verteilt erlebbar – wie die Brockhaus-Enzyklopädie, die er Ende der achtziger Jahre entwarf. Im Untergeschoss des Museums findet sich ein kleiner Kinoraum, der Einblicke in das Leben des Künstlers Friedensreich Hundertwassers bietet. Von zentraler Bedeutung sind auch die Eiche, die mitten im Haus steht, und der vergoldete Nussbaum, der den Eingang ziert. Die Verbindung aus Natur, Ökologie und Architektur war für Hundertwasser zeit seines Lebens zentral. Wenn er noch leben würde, er hätte wohl einen Riesenspaß an dem Wirklichkeit gewordenen “Weißbiertraum”.

Wenn Sie einmal in der Nähe sind, lohnt es sicher, sich das Ergebnis einmal anzusehen.

Foto: obx-news/Kuchlbauer

Australier braut Bier mit 220 Jahre alter Hefe

In Zusammenarbeit mit dem Queen Victoria Museum auf der Insel Tasmanien hat die Craft-Beer-Marke James Squire ein Bier hergestellt, das auf 220 Jahre alter Hefe basiert. Die Zutat wurde im Jahr 1977 in einem Schiffswrack vor der australischen Küste geborgen, wo es knapp 200 Jahre auf gut versteckt auf ihre Wiederentdeckung gewartet hat.

An Bord der “Sydney Cove”, wie das Schiff heißt, befanden sich die ältesten Flaschen Bier, die jemals entdeckt wurden. Bislang standen sie im Museum. Allerdings hat es ein Team aus Museumsmitarbeitern, Brauern und Winzern geschafft, den Hefestamm dieses Ur-Bieres zu isolieren, sodass man ihn als Zutat für neue Biere verwenden kann.

Das Ergebnis dieses Vorhabens nennt sich “The Wreck Preservation Ale” und soll nach schwarzer Johannisbeere und Gewürzen schmecken, ein wenig wie belgische Trappistenbiere. Zu kaufen ist es allerdings zunächst nur in Australien.

Quelle: noizz.de

Neu gewählte Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler lernt anzapfen!

Sie ist noch keine ganze Woche im neuen Amt und schon geht für Johanna Seiler, die frisch gewählte Bayerische Bierkönigin, der Stress los. Die ersten Anzapftermine auf Volksfesten und Dulten in Bayern stehen auf dem Terminplan. Doch auch richtiges Anzapfen will gelernt sein.

Denn gerade vor Publikum und im Scheinwerferlicht der Medien ist eine sichere Hand und viel Selbstvertrauen gefragt, bevor die ersten Maßkrüge gefüllt werden können. Steht der Kandidat erst einmal auf der Bühne, eingerahmt von den Honoratioren der Stadt und bekommt er die Schürze angelegt, gibt es kein Zurück. Alle Augen, Fotoapparate, Kameras und unzählige Mobiltelefone zielen genau auf das Fass und erwarten die magischen Schläge:

Eins, zwei drei – sitzt der Wechsel fest? Braucht es einen Sicherheitsschlag? Die richtige Technik, aber auch die Nervenstärke kommen erst mit viel Übung und mit der Zeit. Ein professionelles Anzapftraining liefert aber die Basis für die ersten Auftritte vor Publikum.

Wichtig sind auch die Kenntnisse der “dos and don´ts” beim Anzapfen. So weiß der Könner, welche Stellung der Wechsel haben muss, damit er beim Anzapfen auch wirklich zu ist und muss dies nicht erst mittels “Durchblasen” feststellen. Nicht zuletzt gilt es für die Bayerische Bierkönigin auch die richtigen Begriffe, also das Vokabular des Anzapfens zu beherrschen: Angezapft wird mit dem konischen Wechsel und dem Schlegel und zwar am Spundloch. Danach wird die Pfeife gesetzt.

Damit die Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler immer eine sichere Hand und vor allem das Selbstvertrauen für ein stimmgewaltiges “Ozapft is!” hat, wurde sie in der Paulaner Brauerei, München, von Dipl. Ing. Martin Zuber, Geschäftsführer der Brauerei im Eiswerk, in die hohe Kunst des Anzapfens eines Holzfasses eingewiesen. Auch Paulaner Geschäftsführer Andreas Steinfatt hatte aus jahrelanger Anzapferfahrung vor Publikum noch hilfreiche Tipps für Johanna Seiler.

Hohe Braukunst entlang der Romantischen Straße

An Deutschlands beliebtester Ferienstraße finden sich zahlreiche alteingesessene Brauereien. Diese laden zur geselligen Verkostung von sowohl traditionellen und ganz typischen Biersorten als auch von ausgefalleneren ein.

Bier ist ein wichtiger Teil der deutschen Kultur. Erst kürzlich informierte der Deutsche Brauerbund darüber, dass die Zahl der Brauereien kontinuierlich steigt. Die meisten von ihnen befinden sich in Bayern und Baden-Württemberg. Da wundert es nicht, dass sie auch entlang der Romantischen Straße, die von Würzburg bis Füssen verläuft, zahlreich vertreten sind. Vor allem alteingesessene Traditionsbetriebe sind hier sesshaft und bieten durstigen Besuchern ihren nach dem Reinheitsgebot erzeugten Saft aus Hopfen und Malz an.

Genussreiche Pfade

In der mainfränkischen Residenzstadt Würzburg existiert seit 1643 die Brauerei Würzburger Hofbräu, die vom Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn gegründet wurde und zur Erinnerung daran noch heute die Krone in ihrem Logo trägt. Die Vielfalt der Biere dort ist groß: Neben einem klassischen Weizen und einem Schwarzbier, zeichnet sich der “Haustrunk” durch seinen ungefilterten naturtrüben Charakter aus. Sein bernsteinfarbenes Aussehen und der mild-malzige Geschmack macht es nicht nur zum Lieblingsbier des Braumeisters, sondern auch vieler Besucher. Eine weitere kleine Besonderheit ist auch das “1643”, ein feines Lagerbier, das zu Ehren des Gründungsjubiläums gebraut wurde.

Ausgezeichnete Brauereien

In Tauberbischofsheim befindet sich mitten im Grünen die Distelhäuser Brauerei, die sich bereits über zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen freuen durfte und sogar zu den erfolgreichsten Brauereien weltweit zählt. Dazu tragen das “Distelhäuser Landbier” mit dezenter Karamellnote sowie das kernig-vollmundige Exportbier bei, das 2004 unter anderem mit dem “European Beer Star” ausgezeichnet wurde. Echte Handwerkskunst erlebt man auch in der Herbsthäuser Brauerei in Bad Mergentheim, deren Tradition im Jahr 1581 ihren Anfang nahm. Um dies zu unterstreichen, findet sich im Sortiment das kellertrübe “1581”, ein untergäriges Erzeugnis mit mild-­würzigem Geschmack. Die jüngste Errungenschaft im Sortiment ist das “Herbsthäuser Helles”, das ganz für süffigen Biergenuss steht. Dafür steht auch das “Exportbier Friedrich Hauf” der Brauerei Hauf in Dinkelsbühl. Seinen Namen hat es natürlich dem Gründer zu verdanken, der hier im Jahr 1901 mit dem Brauen begann. Heute ist das Unternehmen in der Region unersetzlich und man trifft sich in der hauseigenen Gaststätte “Zum wilden Mann” zur geselligen Runde. Die nächste Kostprobe können Sie im Fürstlichen Brauhaus Wallerstein im gleichnamigen Ort nehmen. Seit über 400 Jahren wird dort mit Leidenschaft und Liebe zu heimischen Rohstoffen gebraut. Das beliebte “Fürst Wallerstein Original Hell”, ein feinhefiges, leicht fruchtiges Weißbier, rundet sowohl die Brotzeit als auch jedes Festmahl ideal ab.

Geballte Braukraft

In Augsburg können Sie sich in gleich drei alteingesessenen Häusern von der Braukunst überzeugen lassen. Die älteste von ihnen ist die Hasen-Bräu, deren Wurzeln bis ins Jahr 1464 zurückreichen. Bei Führungen besteht hier auch die Möglichkeit, direkt in die Sudkessel zu blicken. Bei dieser Gelegenheit erfahren Sie auch, wo das “Häsle”, ein helles Vollbier, oder das “Hasen hell”, ein seit Generationen beliebtes Traditionsgetränk, ihren Ursprung haben. Auch in der Brauerei Riegele wird die Liebe zum Gerstensaft schon lange gelebt, nämlich seit über 600 Jahren. Dies macht sie zu einer der ältesten Braustätten der Welt. Neben den charakterstarken Bieren können Sie hier beim Genuss der Hausspezialitäten eine kleine Reise durch die Welt erleben. Dies gelingt etwa mit dem “Amaris 50”, das einen Hang zur extremen nordamerikanischen Hopfung hat. Ein besonderes Erzeugnis des Augsburger Brauhauses Thorbräu, das seit 1582 existiert, ist die “Augsburger Weisse”. Aber auch ausgefallene Bierkreationen, wie etwa ein Celtic Biobier, gibt es hier.

Krönender Abschluss

Weiter südlich stoßen Sie auf das Schongauer Brauhaus, eine besonders familienfreundliche Gasthausbrauerei, die mit Abstand die jüngste Adresse ist. Im Sortiment findet sich ein klassisch helles Lagerbier, ein aromastarkes Dunkles und ein helles Weißbier. Die letzte Station entlang der Romantischen Straße ist das Schlossbräuhaus in Schwangau, dem Ort der Königsschlösser. Mit dem Blick auf diese kann man das bayrische Nationalgetränk dort entweder im gemütlichen Braustüberl oder im Biergarten genießen. Doch nicht nur der Gaumen kommt hier auf seine Kosten: Im Schlossbräuhaus kann der Besucher im Rahmen eines Brauseminares sogar selbst zum Braumeister werden.

Autor: bfs

Bilder: Romantische Straße

 

 

Einige der Biere dieser Brauereien habe ich in diesem Blog auch bereits beschrieben. Wenn Sie nun den Ursprung der Biere kennenlernen wollen, liste ich hier die Adressen der Brauereien an der Romantischen Straße auf:

Würzburger Hofbrau
Höchberger Str. 28, 97082 Würzburg

Distelhäuser Brauerei
Grünsfelder Str.3, 97941 Tauberbischofsheim

Herbsthäuser Brauerei
Alte Kaiserstraße 28, 97980 Bad Mergentheim

Brauerei Hauf KG
Heiningerstraße 28, 91550 Dinkelsbühl

Brauhaus Wallerstein
Obere Bergstraße 78, 86757 Wallerstein

Brauerei Hasen-Bräu
Berliner Allee 36, 86153 Augsburg

Brauerei Riegele
Fröhlichstraße 26, 86150 Augsburg

Brauerei Thorbräu
Wertachbrucker-Tor-Straße 9, 86152 Augsburg

Schongauer Brauhaus
Altenstadter Straße 13, 86956 Schongau

Schossbräuhaus Schwangau
Gipsmühlweg 5, 87645 Schwangau

Die Bundesagentur für Arbeit zum Tag des Bieres

Heute ist der 23. April und damit der Tag des Bieres, da sich an diesem Tag die Verkündung des Reinheitsgebots für Bier zum 602. Mal jährt. Da will auch die Bundesagentur für Arbeit nicht abseits stehen und hat die folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Ob obergärig, untergärig, Craft- oder Bockbier – Bier gilt in vielen Regionen Deutschlands als Kulturgut. Da wundert es nicht, dass laufend neue Biersorten entwickelt werden oder Bierverkostungen für Biersommeliers immer mehr Zuspruch bekommen. Nicht nur das macht den Beruf “Brauer und Mälzer” zu einem attraktiven Ausbildungsberuf.

Es ist ein Beruf mit Tradition und großer wirtschaftlicher Bedeutung. Denn seit 1934 ist der Beruf im Verzeichnis der Gewerbe eingetragen, die als Handwerk betrieben werden können. Außerdem zählte der Deutsche Brauerbund für 2016 knapp über 1400 und für 2017 sogar 1482 Brauereien in Deutschland. Er verweist darauf, dass die Zahl erstmals seit 1978 wieder über der Marke von 1400 liegt und Deutschland international die viertgrößte Bierbraunation ist. Der Beruf zum Gerstensaft ist vielseitig und hat viel zu bieten. Denn Brauer und Mälzer stellen nicht nur Getränke her, sie beschäftigen sich mit chemischen Abläufen, industrieller und maschineller Produktion und mit Lebensmittelrecht. Ausbildungsbetriebe zahlen übrigens je nach Bundesland zwischen 764 EUR und 881 EUR als Ausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr. Die Ausbildungsstellen bundesweit sind zwar gezählt – für den Ausbildungsstart 2017 waren bei Arbeitsagenturen und Jobcentern 185 Ausbildungsstellen gemeldet. Trotzdem lohnt es sich, über diesen Beruf nachzudenken. Wer sich für eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer bei einer vom Wohnort entfernten Brauerei entscheidet, sollte bei seiner Arbeitsagentur vor Ort nach Unterstützung fragen, z.B. nach Berufsausbildungsbeihilfe.

Hintergrund: Der Deutsche Brauer-Bund feiert seit 1994 den Tag des Deutschen Bieres jeweils am 23. April. Bundesweit gab es im Juni 2017 knapp 5.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Brauer und Mälzer. Im März 2018 waren bei Arbeitsagenturen und Jobcentern 125 Arbeitslose Brauer und Mälzer gemeldet.

Informieren Sie sich über den Beruf “Brauer und Mälzer”: https://berufenet.arbeitsagentur.de